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Sonntag, den 5. März 1893.

aer Jmurrg

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(21. Fortsetzung.)

Ein schwaches Lächeln umspielte die Lippen Madame Daver'S. Auf der ersten Etage angelangt, öffnete sie eine Thür und ließ ihre junge Herrin eine Wohnung sehen, welche aus mehreren Zimmern bestand und welche mit einem Luxus auSmöblirt war, von dem Miß Geor­gina keine Ahnung bis dahin gehabt hatte.

„O wie schön!" rief ste begeistert aus. „Hier werde ich glücklich sein, wie ein Kisch im Wasser. Ich will thun, was ich will und werde schon morgen früh mei­ne« Vater sage», daß er keine Gouvernante für mich zu suchen braucht; ich will mein eigener Herr sein."

„Sie find noch zu jung, Lady Georgina, um so zu sprechen und alle jungen Damen Ihres Alters haben ihre Gouvernanten, bis sie in die Gesellschaft eingeführt werden."

„Run wohl, dann will ich eine Ausnahme machen, ich allein. Mein Vater brauchte hieran nicht fo rasch zu denken. Er hat mich wie eine Wilde aufwachsen laffm und jetzt ist es zu spät, dies nachzuholen . . . Jetzt bitten sie die alte Josephine, in mein Zimmer herauf zu kommen; sie muß mich sehen mitten in mei­nem LuxuS, damit sie er allen meinen Freundinnen er­zählenkann, welche sicherlich in Wuth gerathen werdm."

Die alte Frau mußte also die ganze Wohnung bis in'S Einzelne hinein bestchttgen und geduldig die Auf­zählung aller Toilette-Gegenstände anhören, womit Lady Georgina ihre Garderobe auSstatten wollte. Einige Stunden später befand sich die alte Malteserin auf dem Rückwege nach ihrer Insel. Nachdem die alte Magd ihre Abreise nach Malte angetreten hatte, begab sich die Tochter des Lord Darwood in daS Kabinet ihres Vaters und erklärte chm rund heraus, daß sie nichts davon wiffm wolle, sich irgendwie der Botmäßigkeit einer Gouvernante oder Erzieherin zu unterwerfen, bis jetzt habe sie derartige Personen nicht um sich gehabt und fie habe sich sehr wohl dabei befunden.

„Unglückliche!" rief der neue Lord wüthend aus, „Du setzest mich in tausend Verlegenheiten, wenn Du aber meinen Wünschen nicht gehorchen willst, so werde ich Dich in ein Kloster einsperren lassen."

„Ich werde nicht in ein Kloster gehen und ich will keine Gouvernante," antwottete Georgina trotzig, „ich will Niemanden über mich habe» ..."

Ihr Vater trat mit erhobenem Arme auf fie zu, worauf fie in etwas milderem Tone sagte:

„Nun, nun, nicht gar so heftig; reden wir ruhig mit einander. Höre meine Vorschläge: Wen» Du ein junges Mädchen finden könntest, das nicht viel älter wäre als ich und das eine gute Erziehung genossen hätte, so könnten wir uns schon leichter verstehen . . . Ich lerne mehr vom Sehen, wenn ich so sagen soll und ahme die Beispiele nach, welche ich vor Augen habe; ich könnte mich bann nach ihrem Auftreten, ihrer Sprache und Haltung richten; nun, Du wirst es verstehen: ich möchte lieber eine Freundin als eine strenge Gouver­nante, welche mich unter ihren Willen beugen und mich znmLernen anhalten will, wenn ich Lust verspüre, mich zu amüfiren."

Georgina erörtert» ihrem Vater ihre Anschauungen über diesen Punkt noch einige Zeit, worauf dann der­selbe sich einverstanden erklätte und ihr versprach, Herrn Sulton zu schreiben, daß er eine diesbezügliche Anzeige in den Zeitungen erscheinen lassen solle. Zur selbigen Zeit, wo Pietro diesen Brief der Post übergab, sandte er auch einen solchen an seinen Bruder ab, welcher eine Anzeige enthielt, welche in mehreren öffentlichen Blät­tern erscheinen sollte und Miß Gwendoline Winter be- ttaf — der Leser wird errathen, daß der schlaue Dimer nichts Anderes wiffen wollte, als was au8 derselben geworden sei. So erschienen benn beibe Anzeigen zu­gleich am zweitfolgmbm Tage.

9.

Gwenboline Winter fühlte sich bei ihrer ehemaligen AH*Erm recht glücklich, obwohl sie einsah, baß sie auf die Dauer nicht hier bleiben könne. Deshalb sah sie

benn täglich bie Zeitungen durch, welche Herr Myner hielt, ob nicht irgendwo Jemand eine derartige Stelle zu besetzen suche, wie sie dieselbe für sich wünschte. Sie sollte — so war sie mit ihrer Freundin übereingekom- nten — nicht ihren wahren Namen angeben, falls Je­mand eine Stelle offen habe, sondem unter dem Namm Marianne Myner auftreten, benn fie war von Madame Quillet, von welcher sie mehrere Briefe erhalten hatte, bmachrichtigt worben, baß Ebuarb Orkney zu wieber- holten Malm nach Sonemoor gekommen sei, um ihre Abresse zu erfahren, bie man ihm natürlich nicht mit« getheilt hatte.

Als Gwenboline eines Morgens mit ihrem freund­lichen Gastgeber beim Frühstück faß, rief Herr Myner, welcher eben bie Zeitung las, aus:

„Da haben wir, was wir suchen, Miß Gwenboline. Hören Sie."

Er las also bie Anzeige Lord Darkwood's vor, burch welche er eine Gouvernante suchte. Während er noch vorlas, unterbrach ihn seine Frau mit dem Aus­rufe:

„Was mag dies da zu bedeuten haben? Eine An­zeige, welche Miß Gwendoline betrifft ..." Sie las also mit lauter Stimme die betteffenden Zeilen vor, welche lauteten:

„Wmn Miß Gwendoline Winter, welche unlängst Aorkshire verlassen hat, mit der Adresse T. T. Nr. 37 Blank Street, Soho-Square, in Verbindung treten will, so wird sie Nachrichten erfahren, welche für sie das größte Interesse haben."

„Bon wem mag alle diese Aufforderung herrühren?" trug Herr Myner. ',Was sagen Sie dazu, theureS Fräulein?"

„Ich meine, daß das Ganze eine Falle ist, welche mir Eduard Orkney legt; er hat von den Quillet's meine Adresse nicht erhalten können und bedient sich nun dieses Mittels, um seinen Zweck zu erreichen."

„Ich bin ganz Deiner Ansicht, Gwendoline," sagte Madame Myner. „Zum Glück sind wir auf diesen Gedanken gekommen, denn wir hätten die Anzeige auch für ernst gemeint halten und uns täuschen laffm kön­nen. Jetzt ist dies nicht der Fall."

So kam es, daß die Betreffenbe Aufforderung un­beachtet blieb und Tomaso Teciro, der Bruder Pietto's, vergebens mehrere Tage an der bezeichneten Stelle das Erscheinen der jungen Dame erwartete, mit deren Hilfe der Malteser sein Glück zu machen hoffte. Herr Myner wandte jetzt wieder der andern Anzeige seine Aufmerk­samkeit zu und schließlich entschloß sich Gwmdoline, an Herrn Sulton zu schreibm und um die vorgenannte Stelle zu bitten. Noch am nämlichen Abend erschien Herr Sulton, um mit der jungen Dame zu sprechen. Er theilte ihr also mit, daß ihre zukünftige Schülerin Miß CharteriS heiße und auf Schloß Dunholm wohne; ihre Erziehung sei arg vernachlässigt worden und sie selbst sei nicht sehr liebenswürdigen Charakters.

„Trotzdem werden Sie bei Lord Darkwood eine ausgezeichnete Stelle haben; man wird Sie als Familim- glied bettachten, eine Kammerfrau wird zu Ihrer Ver­fügung sein, und was das Salair bekifft so wird es hundert Pfund Sterling bekagm", sagte Herr Sulton.

„Ich nehme das Anerbieten sehr gern an", ant­wortete Gwendoline ernst, „und ich werde mich bemühm, Lord Darkwood zufriedenzustellm".

Der Geschäftsführer ertijeilte derjenigen, welche wir von nun an Marianne Myner nennen wollen, zunächst genaue Auskunft darüber, wie sie »ach Dunholm ge­langen könne. Er gab dann zugleich einm Empfehlungs­brief und kam mit ihr überein, daß sie sich am folgen­den Tag auf den Weg machen solle.

„Eine schöne Stelle", meinte Madame Myner, nachdem Herr Sulton sich entfernt hatte; „ich glaube, daß Du bei Herrn Darkwood sehr gut aufgehoben fein wirst, und doch will mir dünken, als ob Dir auf dem Schlosse Gefahren drohen . . ."

„Oh meine gute Freundin", rief Gwendoline aus, „welche Gefahren könnten mir denn in einer fo ehren- werthm Familie drohen?!"

„Es thut mir leid, daß ich über Herrn Darkwood keine näheren Erkundigungen eingezogen habe", sagte Madame Myner; „er muß wohl Wittwer sein, da die Erziehung des Mädchens vernachlässigt ist. Auf alle Fälle wirst Du mir versprechen, mich über all' das auf dem Laufenden zu erhalten, was in Deiner neuen Heimath vorgeht und bann zurückkehren, wenn Dir baS geringste Unangmehme geschehen sollte."

Am folgenben Morgen machte Gwenboline sich also auf ben Weg — auch sie konnte sich einer düsteren Ahnung nicht erwehren, bie sie sich selber nicht er­wehren konnte. Einen Augenblick lang überlegte sie sich sogar, ob sie nicht, anstatt ihre Reise nach Schloß Dunholm fortzusetzen, bei ber ersten Station zuriick- kehren mtb wieder ben Weg, welchen sie gekommen, zurückgehen solle. Sie ahnte freilich nicht im Minbesten, baß fie in ihrer künftigen Wohnung zwei erbitterte Feinde antreffen sollte.sForts. folgt.)

Vermischtes.

(Die Wolfsplage in den Balkanländero.) Nirgends wurde in diesem Winter der „Wolsschrecken" so stark empfunden, wie in Serbien. Seit vielen Jahren sind die Wölfe dort nicht so zahlreich und reißend gierig ausgetreten. Trotz des milder ge­wordenen Wetters streifen noch, wie aus Belgrad geschrieben wird, große Rudel von Wölfen umher und treiben sogar in der Nähe von Belgrad die Bevölkerung zu außerordentlichen Bor­sichtsmaßregeln. Besonders zahlreich sind die Angriffe der Wölfe auf den Thierpark des Lustschlosses Topschider bei Belgrad. Die Wölfe, die bei Tage in den waldigen Schluchten des Anala- berges zurückgezogen sich aufhalten, setzen Nachts mit kräftigen Sprüngen über die zwei bis drei Meter hohe Umzäunung deS Thiergartens und zerreißen dort die schönen weißen Hirsche, die indischen Axishirsche und die Merinoschafe der dortigen Schäferei; in diesem Winter haben sie dort schon an 200 Stück edlen Wildes und Merinoschafe verzehrt und fortgeschleppt. Täglich stehen Jäger auf dem Anstand, doch die Wölfe sind schlau und haben gute Witterung, sie brechen stets dort ein, wo die Jäger nicht stehen. Bei drei abgehaltenen Treibjagden der Umgebung Belgrads gelang es nur, acht Wölfe zu erlegen. Dafür sind sie aber noch frecher geworden. Einen Militärposten außerhalb der Festungs­umwallung griff ein Wolf an und bevor derselbe schießen konnte, hatte er schon seinen Arm und Schenkel zerfleischt und die Bestie entfloh erst, als eine Patrouille auf das Geschrei des Ange- sallenen herbeieilte. In Semlin wurde neuerdings am Hellen Tage dicht vor der Stadt ein Bauer von 3 Wölfen angefallen; zum Glück konnte er den ersten niederschießen, worauf die beiden anderen entflohen. Im Dorfe Bezania bei Semlin war Nachts eine Bäuerin mit Brotbacken beschäftigt; sie ging in den Hof hinaus, um Holz zu holen, kam aber nicht zurück, weshalb der Mann nachzusehen ging. Er fand aber nur noch blutige Stücke ihres Körpers und der Kleider; das Weib war, lautlos vor Schrecken, in dem Gehöfte mitten im Dorfe den Wölfen zum Opfer gefallen. Wie man aus Salo nicht berichtet, wurden in der Station Katschanik der Bahnlinie Salonichi-Mitrow'tza vier türkische Gendarmen nächtlicherweise von Wölfen angefallen und gefressen.

* Wie man Ratten fängt. Aus Beblenheim im Elsaß be­richtet die,Colm.Ztg/: Ein braver Mann hatte eine Ratte ge­fangen, und zwar in einer Falle, welche mit einem Schieber ver­sehen war. Der Bauer rüst voll Freude über den Fang sein Weib und seine Schwiegermutter herbei, und nun berathschlagen die Drei miteinander, wie sie es angreifen sollten, um die Ratte am sichersten in den Tod zu schicken. Eine der drei Personen kommt auf den Einfall, ein Büttchen mit Wasser zu füllen, die Falle über dasselbe zu halten und dann den Schieber zu öffnen, damit die Gefangene herausspringe. So gedacht, so gethau. Ge­spannt erwarten die Drei die Scene, die sich vor ihren Augen abspielen soll. Achtung! Der Schieber hebt sich und heraus springt blitzschnell die Ratte. In das Waffer? Ach bewahre! Fällt ihr gar nicht ein. Nein, sie springt dem |ba8 Büttchen haltenden Manne direkt an die Brust. Die drei Zuschauer stoßen gellende Schreie auS. Das Weib, welches mit einem Besen in den Händen Wache steht, haut einen wuchtigen Hieb nach der Entsprungenen, schlägt fehl und trifft anstatt der Ratte den Mann gerade mitten in das Gesicht. Dieser läßt vor Schrecken das Büttchen fahren. Jetzt ergießt sich der ganze Inhalt des hohen Gefäßes über die Schwiegermutter. DaS laute Geschrei hatte viele Nachbaren auf den Schauplatz gelockt, welche die „Rattenfänger" mit großer Heiterkeit begrüßten. Unterdessen hatte die bickere Ratte sich schon längst in Sicherheit gebracht.

* Dilettantin: „Ich möchte hier gern dieses Bildchen aus­stellen, möchte Sie aber bttten, dabei den Vermerk zu machen: Arbeit einer Dilettantin." Ausstellungs-Sekretär: „Das ist nicht nöthig; das mertt das Publikum schon selbst."

* Nobel. Vater (von einem Reisenden belästigt, au seinem Sohn): „Fritz sei so gut und setze den zudringlichen Menschen an die Luft! Stadtreisender: „Nobler Mensch, das! Durch seinen eigenen Sohn läßt er mich hinauswerfen."

* Vorsicht. Erstes Dienstmädchen (beim Umzuge): „Madame hat gesagt, wir sollten mit dieser Uhr ganz besonders voftichtig sein." — Zweites Dienstmädchen: „Da gib sie lieber mir und trage Du daS Kind; Du bist so ungeschickt und könntest die Uhr fallen lassen."

Rattentod

(Felix Jmmisch, Delitzsch) ist baS hefte Mittel, um Ratten mtb Mäuse schnell unb sicher zu vertilgen. Unschäblich für Men­schen unb Hausthiere. Zu haben in Packeten ä 50 Pfg. nnb ä 1 M. bei Adolf Günther in Geisa, Apotheker Holzmann in Hilders unb M. Nenhaus in Salmünster, Joseph Wehner in Poppenhausen. [321

Soeben beginnen zu erscheinen:

Gruße aus Nazareth.

----Monatsschrift----1

für alle Verehrer der heiligen Familie insbesondere für die Mit­glieder des von Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. durch Breve vom 14. Juni 1892 zu Ehren der hl. Familie errichteten allgemeinen Vereins christlicher Familien.

Unter Mitwirkung zahlreicher Priester unb Laien herauSgegeben von P. Gratian von Linden, Ord. Cap.

MiL bischöflicher Gutheißung unb Erlaubniß ber Ordensobern. Jährlich 12 Hefte L 32 Seit, illnstrirt, Preis jährl. 1 M. 20 Pf.

Zum Abonnement empfiehlt sich:

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Oberrealschule zu Cassel.

An ber hiesigen, im Ausbau begriffenen (lateinlosen) Ober- realschnle wirb zu Ostern b. I. bie ITnterpriniÄ (8. Jahreskursus) errichtet, sodaß Ostern 1894 mit Hinzufügung ber Oberprima bie ganze, einen Lehrgang von 9 Jahren umfaßende Anstalt abgeschlossen sein wirb.

DaS Schulgeld beträgt für Auswärtige bis Tertia 100 Ml., in ben höheren Klaffen 114 Mk. jährlich.

Anmeldungen nimmt ber Direktor bet Anstalt, Herr Dr Ackermann, jeberjeit entgegen, toie derselbe auch zu jeder weiteren Auskunft unb zur Nachweisung geeigneter Pensionen gern bereit ist. I584

Cassel, Februar 1893. Das Kuratorium.