JV 53 Sonntag, den 5. März 1893. 20. Jahrgang
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fV* Hierzu eine Beilage.
* Die Mittigkeit der Freimaurerei in der neueren Geschichte.
Daß die Loge einen mächtigen und unheilvollen Einfluß auf die Geschicke der Völker ausgeübt hat, und namentlich in dem letzten Jahrhunderte überall den politischen und religiösen Boden zu unterwühlen bestrebt war, um Verschwörungen und Revolutionen anzuzetteln, ist eine Thalsache, welche ebenso durch die Geschichte verschiedmer Staaten bestätigt wird, wie durch Geständnifle von Logenbrüdern selbst. Leider aber wird die unheilvolle Thätigkeit dieser im Dunkeln arbeitenden Gesellschaft noch immer nicht in ihrer ganzen Schädlichkeit erkannt, ja, sie darf sich in einzelnen Staaten immer noch als beste Thronstütze aufspielen.
ES ist daher ein großes Verdienst, daß Professor Alph. BrouwerS in Rolduc die Thätigkeit der Freimaurerei in der modernen Geschichte zusammenhängend in einem höchst interessanten Buche (Lüttich, Verlag von H. Dessau) geschildert hat.
Nachdem der Verfasser in der Einleitung die freimaurerische Legende, nach welcher der Ursprung der Geheimorden auf Salomon zurückreichen soll, in ihrer Haltlosigkeit beleuchtet hat, kommt er zu seinem eigentlichen Thema und beweist, daß das Rundschreiben der Berufung (2. April 1889) des Freimaurer-Kongresses (16. und 17. Juli 1889), der zusammengekommen, um das Centenarium der großen Revolution zu feiern, das Recht zu sagen hatte: „Die Freimaurerei hat die große Revolutron von 1789 vorbereitet,- und „bte französischen Freimaurer des 18. Jahrhunderts haben die Revolution gemacht.* Wir sehen die beiden großen Vorläufer der Revolution, die beiden großen Apostel deS Unglaubens und deS Empörungsgeistes, Voltaire und Rousseau, mit den Freimaurerlogen verbündet. Alle Encyklopädisten, d'Alembert, Condorcet, Condillac, Halbach, HeloettuS waren Ritter der Kelle.
In den Tempeln der Freimaurer war der Schlachtplan schon lange entworfen, das Ziel, welchem man zustredte, festgestellt. Die Freimaurer-Zeitungen,L’ Ami du peuple‘ deS Br. Marat, die ,Annales patriotiques et litteraires6 der Maurer Sarra und Mernie, der ,Tribun du peuple1 des Br. Tandet, die berüchtigte Broschüre des Freimaurers SiehsS: „Was ist der dritte Stand?- und eine Lawine von Freimaurerschriften, die auf Frankreich einstürzten, führten nur die in den Logen erhaltenen Befehle aus.
In den elf folgenden Kapiteln meist der Verfasser aktenmäßig nach, daß die „spontaneres foudroyantes“ des Henn Thiers in das Reich der Fabel gehören, daß vielmehr alle @aturralten der Revolution in den Logen kalt überlegt und festgesetzt waren. Denn selbst mitten im g: ößten Sturm der Revolution batte das Pariser Volk noch immer tief im Herzen die Liebe zur Religion und die Achtung vor dem Priester bewahrt, aber alle Men Anlagen der Menge wurden ausgelöscht durch die syftematlschen uno gehässigen Aufhetzungen der Logenbrüder.
Wenn man die französische Revolution von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, gewinnt dieselbe ein an» «uMeben. Weder ThierS, noch Taine, noch von Sybe. haben diese vorwiegend freimaurerische Seite bet Revolution von 1789 genügend hervorgehoben, ©erabe durch bie Beeinflussung Seitens der Loge ift bte «»öolutwn, wie Joseph be Maistre sagt, teuflisch gelrorden. Der Verfasser kann also mit Fug und
J.aSf” • Warum nennen Thiers und Tarne nie» tnalSbte Freimaurer, hie am meisten Schuldigen?
Em le>en«werthes Kapitel ist das 18., in welchem der gelehrte Professor dte elenden Jntriguen und bie niederträchtigen Droh mgen nackweist, durch welche der milde Pius IX endlicb sein r Staaten beraubt wurde Es ist em abstoßender Anblick Napoleon III. zu sehen wie er sich der hinterlistigen Politik bedient, um iu- gleich die Katholiken und die Anhänger des „einen und unzerthetlbaren- Italiens zu betrügen. Tief verwickelt m den Schlingen der ualienischen Crrbonari, gezwungen tausend Rücksichten zu nehmen, um nicht bet den französischen Katholiken anzustoßen, umlagert ' von den beiden Emissären der Logenbrüder, Cavour \ und Mazzini, welche ihm stets, nöthigensalls mit Or-
। finischen Bomben seine Versprechungen für „Italia i irrebenta“ ins Gebächtniß rufen — so von allen Seiten eingeschränkt, kapitnlirt er feige vor der Revolution, welche er immer geschmeichelt hatte.
Lügen um Lügen von Seiten Napoleon-, aber ba8 klare Auge PiuS IX. hatte bie Sphinx ber linierten durchschaut. Am Tage des Einfalls in das päpstliche Gebiet sagte ber Papst zu bent französischen Abb« Cabanis: „Euer Kaiser ist nichts als ein Lügner unb Bettüger; ich glaube nicht mehr an sein Wort. Sagen Sie ihm, baß ich keine anbere Antwort für ihn habe, wenn nicht bie Hanb Gottes bereit ist, ihn zu treffen durch die Hand ber Menschen - Nur zu sehr ist dieses Wort des Priestergreises in Erfüllung gegangen.
Wir können uns nicht daS Vergnügen versagen, eine Anekdote wiederzugeben, die bet Verfasser am Ende dieses Kapitels erzählt. Der muthige Bischof von Poitiers, Msgr. Pie, hatte einen Hirtenbrief veröffentlicht, in welchem er der Regierung ihre stillschweigende Einwilligung in bie Besitzergreifung ber päpstlichen Staaten durch Bktor Emanuel vorwarf. Indem der beherzte Bischof sich an den Kaiser wandte, schleuderte er ihm das schreckliche Wort inS Gesicht: „Wasche jetzt deine Hände, PrlatuS.- Tief beleidigt durch diesen empfindlichen Verweis, beschloß der Kaiser, dem Bischof wegen AmtSmißbrauchS den Prozeß zu machen. Msgr. Pie stellte sich vor den Bevollmächtigten, der chn nach Paris führen sollte, im bischöflichen Ornat, die Mitra auf dem Haupte, den Stab in der Hand, indem er seinen festen Entschluß kundgab, so vor seinen Richtern zu erscheinen. Der erschreckte Kommissar bat den Bischof, seine Abreise zu verzögern Der Kaiser wurde benachrichtigt. Er brach in fürchterliche Wuth aus, schließlich aber telegraphjrte er dem Präfekten: Euer Bischof soll sich zum Teufel scheeren, ober mich in Ruhe lasten.
DaS durch bie Soge beherrschte Italien ist ein Kapitel, welches am besten bie Tagesgeschichte dieses unglücklichen, innerlich und äußerlich zerristenen Landes klarlegt. Wir finden dort den berühmten Br. Lemmin, welcher vor kurzer Z-it als Großmeister der italienischen Freimaurer eine Triumphreise mitten durch Italien gemacht hat, überall inmitten von freimaurerischen Trinkgelagen und Banketten der Kirche und dem Papst» thum den Krieg aufs Messer erklärend. Diese großartige Persönlichkeit, Bankier unb Millionär, war vor 20, 30 Jahren ein Jude ohne einen Pfennig, ber am 22. März 1844 zu Marseille wegen Diebstahls zu einem Jahr Gefängmß verurtheilt wurde. Schließlich muß man noch eine Thatsache tonftatiren, die ber Verfasser in ben Kapiteln über Frankreich seit 1871 anführt, nämlich die innige Bervinbung zwischen Juden- thnm unb Freimaurerei. Diese beiben haben sich beS schönen Landes bemächtigt als einer unter sich zu ver- tbeilenben Beute; sie sind eS, bie alle Verhältnisse im öffentlichen unb Privatleben beherrschen. Sie bebecken baS Lanb mit einem furchtbaren, wohlorganisirten Heere. Sie haben Alles in ihren Hänben, sie verfugen über Alles, über bie Presse, über baS Gelb, über Stellungen, über die Gerichte, ja über bie Gewissen. Man ist unb wird Alles durch sie, nichts ohne sie. — Dann behandelt bet Verfasser bie verschiedenen Länder Europas. Lesenswerth sind auch bie beiben letzten Kapitel: „Attentate ber Freimaurer gegen bas Leben ber Fürsten unb Privatleute.-
„DaS Buch bietet ben summarischen Inhalt von Allem, waS über diese antichristliche Einrichtung geschrieben toughemit diesen Worten charakteriflrte der ,Patriote de Bruxelles1 in ber Nummer vom 8. August die Schrift. In der That. dieselbe ist ein Arsenal, in welchem ber Katholik im Heberfluß Waffen finben kann, um seinen Glauben gegen fanatische Sektirer zu ver- theidigen, wie auch bie abgenutzte Behauptung zu widerlegen, baß bie Freimaurerei nichts anders sei als eine philanthropische Gesellschaft. Auch in unserem Lande ' kann ein solches Buch unsäglich viel Gutes schaffen, j Es öffnet denen die Augen, welche nicht an die Soli- ' barität ber Freimaurer auf ber ganzen Welt glauben ; wollen, endlich, wenn auch bie Freimaurerei in unserem 1 Laube mehr verborgen ist, ist ihre Thätigkeit nichts | weniger als heilbringend. Hoffen wir, baß ber Ver- \ fasser für seine große und mühselige Arbeit bie einzige Belohnung finden möge, um Die er bittet, daß auch ■ ein Der irr ter Bruder, wenn er diese Zeilen lieft, i in den Hafen ber Kirche zurückkehren möge, wo er ■ finden wird, was er in ben Logen vergebens suchte, j ine gesunde Freiheit, die wahre Gleichheit, die wahre : Brüderlichkeit. 1
. Deutscher Keich.
Berlin, 3. März.
* Am 25. v. Mts. fand im großen Saale der Kriegsakademie der 12. deutsche Adelstag unter dem Vorsitze des Herzogs Ernst Günther von Schleswig- Holstein, des Bruders der Kaiserin, statt. Dr. Frhr. v. Schorlemer - Alst hielt eine längere Rede, in welcher er einleitend begründete, was ihn als katholischen Edelmann und die Herren, welche sich mit ihm gemeldet, zu der Genossenschaft geführt habe. Sodann verbreitete sich Redner ausführlich über Wirksamkeit und Aufgabe der deutschen Adelsgesellschast. Unter Hervorhebung deffen, was die beiden christlichen Konfessionen eint, trat Herr v. Schorlemer für das Festhalten an dem apostolischen GlaubenSbekenntniß, daS Köniqthnm von Gottes Gnaden, die Kräftigung deS ReichSgedankenS, die Erhaltung und Stärkung deS HeereS ein. Er warnte den Adel davor, den Tanz ums goldene Kalb mitzumachen, unb fetbert ihn auf, nicht auf eine äußerlich glanzende Stellung, sondern auf eine selbstlose Hingabe an die Interessen der Ge- sammtheit Gewicht zu legen. Herr v. Schorlemer-Alst sagte laut ber .Köln. Ztg.' ungefähr Folgenbes:
„Da diese Zeiten, wo der christliche Glaube die schwersten Anfechtungen erfährt, versteht es sich von selbst, daß wir fest zusammenstehen für daS Königthum, in welchem wir nicht eine konstitutionelle Fiction, auch nicht ein Resultat deS suffrage universel, sondern das Königthum von Gottes Gnaden erkennen. Wir sind hier alle der Meinung, und das spreche ich besonders als Preuße aus, daß das Haus Hohenzollern der Hort der Monarchie in Deutschland, ja, in Europa ist, daß, wenn dieser Hort erschüttert würde oder fiele, damit die Throne überhaupt zusammenbrechen würden. Ich erinnere mich aus den Erzählungen meines BaterS und finde es in der Geschichte bestätigt, daß unser Stand in den früheren Generationen, ich möcht sagen, international betreffs der Legittmität und der royalistischeu Gesinnung dachte und handelte. Lasten ste uns denn wenigstens national königlich gesinnt sem und vertheidigend vor den Thron treten, wenn heimlich oder öffentlich gegen denselben augestürmt wird. Wir dürfen nicht vergeßen, daß Preußen nicht die Hohenzollern groß gemacht hat, sondern die Hohenzollern Preußen groß gemacht und im Bunde mit den deutschen Fürsten daS Kaiserreich wieder aufgerichtet haben. Daran knüpft sich unsere Liebe für die Armee. Ich erinnere an das Wort eines großen Königs: die Welt ruhe auf seiner Armee. Und das gilt heute für Deutschland und das deutsche Heer unter dem Kaiser als Bundesfeldherrn. Die Armee ist unser Stolz und unsere Ehre, die Sicherheit des Friedens. An dieselbe sind wir mit tausend Fasern gebunden, wir wollen sie hegen und pflegen und so kräftig wissen, daß wir mindestens unseren Feinden ebenbürtig sind."
Die .Köln. Ztg.' finbet Darin „eine indirekte Zustimmung zu bett G runbzügen der Militär-Vorlage." Der Wortlaut nöthigt dazu nicht, immerhin finben wir es begreiflich, wenn eine solche Kundgebung bei solchem Anlaß „in politischen Kreisen vielfach besprochen" unb auSgebeuttt wird. Mit ber Erklärung deS Herrn v. Schorlemer - Alst, — so bemerkt hierzu bie .Köln. Volksztg.' — für das Königthum sind wir natürlich vollkommen einverstanden, unb bie Sätze über bie Armee finb so allgemein gehalten, baß sie an sich eben so gut eine Zustimmung zur Regierungs-Vorlage wie zu dem Angebot ber CentrumS-Fraftion (gesetzliche Festlegung ber zweijährigen Dienstzeit mit Bewilligung ber särnmtlichen Konsequenzen) bedeuten können. DaS ist'ebenJnterpretattonSsache, unb die Erklärung, war er unter diesen Wendungen verstanden wissen will, kann Niemand geben alsber Rebner selbst.
* Unter bent Titel: „Das neueste Stadium-, schreibt man bem ,Westf. Merkur' „von hochgeschätzter Seite, baß bezüglich ber Berathungen über bie Militär- Vorlage eben mitHochdruck gearbeitet werbe. Die Hoffnung, DaS Centrum al8 Ganzes zum Umfaß zu bringen, hat man wohl auf- gegeben. Aber „eine wesentlich andere Sache ist es, ob man nicht Einzelnen h»e Ueberjeugung beibringen kann, daß bie Heeres-Organisatt onen in der Weise, wie bie Regierung sie will, zur Sicherung bet beutfcben Reichsgrenzen unbebingt erforderlich sei, unb nach dieser Richtung hin soll eben in Berlin mit allen Kräften gewirkt werden. So haben wir gehört.- Zur Majorität in bem Reichstag sind, wie das Blatt berechnet. bei ben 397 Mitgliebern 199 Stimmen erforderlich ; da die gegenwärtige Opposition des Centrums, ber Freisinnigen, ber Vvlksparter, der Sozialdemokraten und her Welfen 237 beträgt, so müßten mindestens 39 Mitglieder gewonnen werden, um bie gewünschte Majorität von einer Stimme herbeizuführen. Wo sollen nun dte nothwendigen 39 Abtrünnigen Herkommen? Dazu blieben, „als V er- snchsfeld nur Übrig die Deutschfreisinnigen und das Centrum. Wie es in bem Lager ber