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Donnerstag, den 2. März 1893.

X Gvolutiou oder Revolution?

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| bei Abgeordnetenhauses haben einen überaus schmerz­lichen Verlust erlitten. Der Abg. LandgerichtSrath Bödiker ist in Folge einesSchlagfluffeS in Hildes- heim dem Centrum durch den Tod plötzlich entrissen worden. Abg. Bödiker war am 30. Juli 1835 geboren, I stand also erst im 58. Lebensjahre, war Parlamentarier seit 1879 und vertrat seitdem denselben rheinischen Wahlkreis (Sieg, Mühlheim a. Rh. und Wipperfürth) im Abgeordnetenhause und später avch im Reichstage. Der Verstorbene hatte die Tugenden des echtm Nieder­sachsen und Katholiken, er war streng rechtlich und überzeugungStteu, bieder und gerade, ein tüchtiger Jurist, ein Mann von guter Bildung nnd prattisch klarem

I Blick. Noch vor einigen Tagen sprach er zum Etat für die Interessen der Kunst, vor einigen Wochen hielt er | zum Justizetat die vielbesprochene Rede über bedenk- I liche Erscheinungen in «nserem Justizleben, im Falle i Ahlwardt vertrat er, wie immer unbekümmert um Nebenrücksichten, daS strenge Recht, und man wird dm ttefflichen Mann vor Allem in manchen Etat-Arbeiten und Justizftagen sehr vermisien.

* DaS Arnsberger, Central-Volksblatt' veröffenllicht folgende Erklärung der beiden Fraktionen des Centrnms, welche von den Vorständen unterzeichnet ist:

Die ,Deutsche Reichszeitung' in Bonn veröffentlicht in ihrer Morgenausgabe von gestern einen Brief des HauptschriftleiterS der ,Westsälischeu Volksztg.' zu Bochum,Herrn Johann Fus- angel, vom 11. d. M. an Diejenigen, welche ihn für Peter Reichenspergers Nachfolger in Reichs» und Landtag auserseheu haben.

In diesem Brief wird allerdings die Einigkeit des CentrumS in Parlament und Land, besonders auch in den Wahlkreisen Olpe-Meschede und Olpe-Meschede-AruSberg als erstes Erforder­niß betont. Gleichzeitig aber theilt Herr FuSangel aus einer an ihn gerichteten Zuschrift von da ohne Verwahrung mit, daß man seiner Kandidatur dort die Bedeutung beimeffe, durch Auf­stellung „einer Persönlichkeit, welche in den breiten Schichten des Voltes wurzele,-^. . der Gefahr einer weiteren Verstärkung des juristifch-bureaukratifchen Elementes in der Centrumsfraktion" zu begegnen. Herr FuSangel verwirft nun zwar das „AuSspielen des linken gegen den rechten Flügel der Partei", ohne je­doch der Annahme, daß solche „Flügel der Partei" wirklich vor­handen seien, entgegenzutreten. Im Gegentheil empfiehlt er sich selbst ausdrücklich als „linksstehenden CentrumS- mann" vorab der Geistlichkeit, durch die nach seiner Meinung „ein entschieden demokratischer Zug" gehe, als Kandidaten.

Die Vorstände des Centrums im Deutschen Reichstag und im Preußischen HauS der Abgeordneten können nicht dazn schwei­gen, daß ein Kandidat fürS Centrum Gegensätze, welche den po- litischen Absichten und Wünschen der Widersacher rechts und links willkommen wären, als ausgemachte Sache hinnimmt und einen linken von einem rechten Flügel der Partei hier ober draußen unterscheidet; sie dürfen dem Aufkommen von Kandi­daturen eine« sog. rechten oder linken Flügels der Partei an Stelle deS CentrumS schlechtweg nicht unthätig zusehen. Viel­mehr mußten dieselben, zumal inzwischen Seitens eines Vereins in Fredeburg die Aeußerung der Fraktion im Drahtwege ver­langt ist, im Einvernehmen mit beiden Fraktionen hiermit aufs Bestimmteste erklären:

Wir lehnendievnterscheidung zwischen einem sog. rechten und linken Flügel des CentrumS, sowohl für dasLaud, als für den Reichstag und den Landtag ab.

Wer eine andere Stellung nimmt, tritt damit außer­halb des Centrums und kann als Kandidat des CentrumS unsererseits nicht anerkannt werden.

Berlin, den 22. Februar 1893.

Die Vorstände der Fraktionen des Centrums im Deutschen Reichstag und int Preußischen Haus der Abgeordneten:

schließen, „binnen einer Stunde werde ich Lonemoor verlassen haben; ich will nicht, daß meine Wohlthäter um meinetwillen sich länger in Unruhe und Besorgniß befinden sollen."

„Ich kann nicht zugeben, daß Du gehst, armeS Kind!" rief Madame Ouillet mit thränenerstickler Stimme auS; „wo solltest Du eine Zufluchtsstätte finden?"

„Ich werde dieses HauS verlassen," antwortete daS junge Mädchen, „ebenso wie meine Mutter eS verlafien hat — möge der Himmel mich beschützen."

Damit verließ sie daS Zimmer, eilte hinauf, raffte ihre Sachen zusammen, welche sie ohne Weiteres in einen Koffer warf und war dann bald, trotz aller Vorstellungen und Sitten der Eheleute Omllet, zur Abreise bereit. Der Wagen, welchen sie hatte an­spannen lassen, wartete vor der Thüre. Die gute Madame Ouillet umarmte unter Thräuen daS junge Mädchen, und John bestieg selbst den Bock, um sie nach Plimstone zu bringen, wo sie den Zug nach London erwarten sollte.

6.

Wir wissen, wie der Diener Lard Darkwood'S unter dem Sorgeben, seinen kranken Bruder in London zu besuchen, nach Plimstone gereift war. Er langte hier gegen Abend an, und nachdem er in der besseren Herberge des OrteS abgeftiegen war und sein Abendessen bestellt

«ierteljährliNÄo?n?m kn°"s v ' “7 's ^einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

^^H^oon-^menrspretS ohne Brrngerlohn und Bestellgeld mtt der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

_. (!8. Fortsetzung.)

di, SJÄ war verflossen, seitdem Ronald Chilton Wie wi? ^?/^Ebnrt Miß Winters erfahren hatte. 5 ®!r °e„teit3 bemerkt haben, hatte sie ihn vergeblich da^auck *?arauf folgenden TageS erwartet;

meM«1 m?. ’ü'"' ®unl>1 °°» ihm tarn, durch n. dttllhigt fühle» können, fo mußte

fei» mU ' 16 ”* ihm und ihr -u- Borwurf, und seine Handlungsweise war ihr nicht im ®SeLÄ”b<i.10^ £' V M-Aich in aller Demuth sagte, daß sie es m der That nicht werth sei ^ue Frau zu werden. John Ouillet war für seinen Thell fest davon überzeugt daß feine vertraulichen, Mitthellungen es gewesen seien, welche den Besuchen des jungen Mannes ein Ende gemacht hätten

„Du siehst, Maria", sagte er zu seiner Frau, „daß sch sehr wohl daran that, frei und offen zu reden- sch hätte es nur früher thnn sollen, denn wenn Gwendoline thm anhängt, so wird das arme Kind viel zu leiden haben . . . Und bei alle dem antwortet der Squire mcht! Ich weiß in der That nicht, was wir mit ihr

Sie werden überrascht von den Sreigniffen und dann find sie der Dinge nicht Herr. Als Engels den Zu- samrnenbruch der bürgerlichen Gesellschaft für 1898 vor- auSsagte, schrieb ich ihm: „Du und ich, wir find doch die einzigen Jungen in der Partei" . . . . Wir haben von jeher als letztes Ziel die Beseitigung der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet. . . . Ich kann dem Genossen Bollmar nicht zustimmen, daß wir langsamer als bisher Vorgehen sollen, da der Weg, der zu unserem Ziele führt, noch ein sehr weiter sei. Ein­mal bezweifele ich das letztere, anderseits ist es doch unsere Pflicht, Alles zu thnn, was zur Beschleuni­gung des Unterganges der herrschenden Klassen beittagen kann."

Diese Streitfrage wurde auch bei den ZukunstS- fiaats-Debatten im Reichstage verhandett. Der Sozial- demokrat Frohme nahm dieser Thema ans. „WaS hat denn mein Kollege Bebel anSgesührt?" fragte er und beantwortet diese Frage folgendermaßen:

„Er hat ausgeführt, daß der Sozialismus, die Evolution, die Entwickelungs-Theorie (Zurufe) - er hat ausgeführt, daß die Revolution, die soziale Revolution im Grunde genommen nichts Anderes ist, als die von dem Bedürfnisse des Volkes nach Befferung der Zustände getragene und bestimmte Evolution. Etwas Anderes liegt in seinen Ausführungen nicht drin. Aber gerade, weil er so scharf betonte, wir wollen nichts Künstliches schaffen, es fällt uns gar nicht ein, willkürlich in die Entwicke­lung der Dinge einzugreifen und ein Staatsleben nach unseren Ansichten zu konstruiren — gerade deshalb hätte es sich wohl verlohnt, diesen Aeußerungen Ihrerseits ernsthaft näher zu treten. Sie haben das nicht gethan und müssen wohl Ihre sehr guten Gründe dazu gehabt haben; denn gerade die Entwickelungs-Theorie, welche die Sozialdemokratie vertritt, sie ist eS ja, welche in der Hauptsache von der liberalen Wissenschaft oder von jener Wiffen- schaft vertreten wird, welche im Liberalismus hauptsächlich reprä- senttrt ist: Die Herren gerathen da beständig mit sich selbst in einen argen Widerspruch. Mein Freund Bebel hat keinen Zweifel darüber gelassen, wohin denn recht eigentlich die Entwickelung fützrt. Er hat Ihnen unter Hinweis auf die seitherigen Resul­tate der geschichtlichen Entwickelung gezeigt, daß die bestehende Gesellschaftsordnung nicht als die höchste und beste erachtet wer­den könne. Sehen Sie, m. H., das war ja von jeher die Erb­sünde des herrschenden Privilegiums, daß es behauptete und auch glaubte: so, wie die Zustände sind, sind sie im Wesentlichen am besten; eine grundsätzliche Aenderung oder gar eine Abschaffung kann nicht stattfinden. Das ist die Erbsünde, der so viele blutige Revolutionen in der Geschichte zu danken sind und die heute herrschenden Klassen sind auch noch mit dieser Erbsünde in außer­ordentlichem Maße behaftet. Wer die EntwickelungS - Gesetze, denen die Menschheit und die Staaten unterworfen sind, verfolgt, I wer möchte da zu behaupten wagen, daß wir mit dem heutigen I Staate und allen seinen Einrichtungen am Ende aller Entwicke­lung stehen? Die politischen und wirthschaftlichen Zustände, die wir gegenwärtig haben, sind daS Resultat einer Revolution. Nach der bestehenden Gesellschafts-Organisation wird eine bessere kom­men müssen, und wer sich in unseren Schriften umthun will, der wird finden, daß in wirthschaftlicher Beziehung von uns die be­rufsgenossenschaftliche Organisation der Arbeit in'S Auge gefaßt wird. Diese Organisation muß sich mit Nothwendigkeit aus der kapitalistischen Produktionsweise ergeben und man braucht sich gar nicht einmal dabei an die ausgesprochen sozialdemokratische I Literatur zu halten — nein, es ist das etwas, was in weiten Kreisen der soziologischen Wissenschaft anerkannt und gründlich erörtert worden ist." (Fortsetzung folgt.)

< C ------------------. SCJahrgang

FilMkrMZkltllllg

Langsame, allmähliche Entwickelung oder gewalt- famer Umsturz — das war die scharfe Streitfrage zwischen Bollmar auf der einen, Bebel, Liebknecht und Singer auf der andern Seite, welche auf dem Erfurter Sozialisten-Kongresse 1891 zu den großen Redekämpfen führte. Bollmar hatte den Zorn der anberen Partei- Häupter erregt durch eine Rede in München, da er, wie sie ihn anklagten, mit der Bourgeoisie paktiren wolle. Er wurde deshalb förmlich vor Gericht citirt. Und er erschien in Erfurt und hielt am 17. Oktober feine BertheidignngSrede. Scharf ging er in'S Gericht mit Bebel, welcher beständig den nahen Zusammenbruch der heutigen Gesellschaft predige und dabei doch stets gegen alle Berbesserungs-Borschläge der anderen Par­teien stimme. DaS sei keine richtige Takttk. „Ent- weder," führte er au8, „ich muß kleine Verbesserungen für möglich halten, oder sie resolut Hinwegstreichen und den Wählern sagen: Ihr habt nichts zu ertoarten. Wartet, bis wir dir Macht in Händen haben." Bebel rief er zu: „Der Optimismus eines verzückten Gläu- bigen, eines ExstatikerS gehört dazu, an den alsbaldigen Sieg zu glauben. Bebel spricht mit steigender Leiden­schaftlichkeit in letzter Zeit davon, daß unser Endziel nahe herangerückt sei. DaS Prophetenthum wird in unserer Partei jetzt Mode. Bon London auS ist daS gwße Ereigniß auf daS Jahr 1898 angesetzt, Tag und Monat weiß ich nicht. Anderen ist das noch zu fern, fte hoffen auf 92 oder 93." Segen dieses Fieber sei Kühle daS beste Mittel. Damit kam er bei den alten Führern sehr schlecht an. Singer warf ihm vor, daß seine Anschauungen viel gefährlicher seien für die Par­tei, als Wildberger und Werner. Er habe dcn Ein­druck, als ob Bollmar die letztm Ziele der Partei „als eine Art Familien-Reliquie in den Silberschrank stellen wolle, der nur bei ganz feierlichen Gelegenheiten geöff­net wird." Singer betrachtet eS alS die wichtigste Auf­gabe, „die Geister zu revolutioniren und im Proletariat das Bewußtsein für seine gewaltige Aufgabe zn wecken. Wir müssen den Massen klar machen, daß die Herr- schendeGesellschaftsordnung für sie eine verderbliche und ung erechte ist." Liebknecht will nichts von neuer Taktik wissen. Müßte er zwischen den Stürmern und Bremsern wählen, so sei er bei den ersteren. „Die Stürmer können nnS nie so viel schaden, wie die Brem­ser. Aber Bollmar will nicht bremsen, er will die Partei - Lokomotive auf einen neuen Strang bringen." DaS laufe auf eine „opportunistische, soziale Reform- Partei, auf eine sozialistische nationalliberale Partei" hinaus. Noch deutlicher redete Bebel. Mit scharfem Hohne sprach er von Bollmar als einen reichen, „falten“ Manne, der deshalb für den Gedanken fei: „Langsam, eS eilt nicht." „Der Satte hat eben Zeit," meinte er. „Bollmar nennt meine Taktik einen Appell an die Un- gebulb ber Massen. Jawohl, bie Massen sinb unge- Dulbig.....Die Anhänger Bollmar'S sinb ben

thönchten Jungfrauen zu vergleichen, bie, als ihr Bräu- ttgam kam, nicht genug Oel auf ber Lampe hatten.

Deutsches Keich.

Berlin, 28. Februar.

* Die Centrumsfraktionen des Reichstages und beginnen sollen, und dies um so weniger, als Orkney jedenfalls kommen und darauf bestehen wird, baß wir sie wegschicken."

Was John befürchtet hatte, trat halb ein; noch am nämlichen Tage fand sich Herr Orkney ein.

»Nun Ouillet," sagte er, „ich möchte einmal Nach­fragen kommen, was hier vorgeht. Herr Morkham hat auf mein Schreiben nicht geantwortet, unb mein Sohn hat mir rund heraus erklärt, baß er alles in Bewegung setzen werbe, um zu seinem Ziele zu ge­langen, bas heißt, Emen Schützling zu heirathen . . . Ich muß beshalb barauf bestehen, daß Ihr Gweuboline so halb als möglich entlastet, benn ihr Verweilen auf Lonemoor beginnt allmählich zum Scaudal zu werben. Jetzt empfängt sie bereits fei länger als einem Monat jeden Tag den Besuch eines jungen Mannes von hohem Range, den Sohn des Vicomte Chilton. Es versteht sich von selbst, daß seine Besuche keinen ehren- haften Zweck haben. ... Ein reicher und schöner junger Lord kann nicht daran denken, ein solches Mädchen zu heirathen. Wenn er noch ein wenig Ehr­gefühl besitzt, so wird er sie möglichst bald im Stich lassen."

„Sie haben Recht, mein Herr," sagte Gwendoline, welche alles gehört hatte, da Herr Oikney in seiner Aufregung vergessen hatte, bie Thüre des Zimmers zu