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JV 49 Mittwoch, den 1. März 1893. 20. Jahrgang

FuldllkrWZeitniig

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* Heimstätten.

Bor zwei Jahren Wurde im Reichstage ein Antrag de- Grafen Dönhoff, betreffend dm Erlaß eine- Heim- stätten-Gesetzes, eingebracht. Der vom Kammerherrn v. Riepenhaufen-Krangen verfaßte Entwurf war auch von veischiedmm Mitgliedern der EentrumS-Par- tei (Graf Ballestrem, Frhr. v. Hume, Marbe, Prinz Armberg) unterzeichnet und am 4. Februar v. I. sprach Graf Ballestrem im Ramm der CmtrumS dafür. Unter „Heimstättm denkt man sich ländliche Besitzungen von mäßiger Größe, welche die Bestimmung habm, in dauerndem Besitz der Familie zu bleiben. Zu dem Ende soll der zur Hermstätte festzulegmde Besitz nur bis zur Hälfte des ErtragswerlheS mit Stenten, welche durch Amortisation zu tilgen sind, verschuldet sein dürfm. Die Errichtung einer Heimstätte ist bedingt durch Um­wandlung der dm betteffmdm Grundbesitz zur Zeit be- lastmdeu Hypothekm und Grundschulden in amorttfir- bare Rmtm. Jndeffen sollm die durch die Landesgesetz- gebung zu errichtmdeu Landes - Heimstätten - Behördm unter besonders vorgeschriebmm Bedingungm und Cau- telen auch höher verschuldetm Besitz zur Gründung von Heimstättm zulaffm, sowie bis zur Hälfte des Ertrags- werches Rentenschulden mit einer dem Zwecke ent- sprechmdm AmorttsationS-Periode eintragen laffm kön­nen — im Allgemeinen dürfm nämlich Schuldm auf Heimstätten nicht eingetragen wer dm. Auch unterliegt die Heimstätte der Zwangsvollstreckung nur in einzelnen besonders bezeichneten Fällen. Sie ist nntheilbar, kann bei Erbfolge nur auf einen der Erben übertragen wer­den und ihre Veräußerung ist nur mtt Zustimmung der Eheftau des Besitzers zulässig.

Demnächst wird dieser Antrag wieder dm Reichs- taa beschäftigen, woselbst er wahrscheinlich die Mehr­heit findet.

Es liegt auf der Hand, daß dieser Plan dm Zweck verfolgt, dm Kleingrundbesitz möglichst zu erhal­ten und zu sichern, sowie die Seßhaftigkeit der Land- bevölkemng zu fördern. Bon kuudigm Landwirthm, z. B. von den Führern des Westfälischm und Rheim- schm Bauem-BereinS, schreibt die,Köln. BolkSztg.', ist schon ost betont toorben, daß eS zur Sicherung der Landwirthschaft und zur Femhaltung der sozialdemo- krattscheu Agitation vom platten Lande wesentlich darauf ankomme, dm Klein-Smndbesitz zu stärkm. Währmd man heutzutage unter „befestigtem" Grundbesitz nur Groß-Grundbesitz versteht, soll auf diese Weise auch der Klem-Grundbefitz „befestigt" Derben. DaS Reichsgesetz soll nur bte Gmndzüge feststellm unb ben Rahmen bilben für bte AnSsichmngm bet Landtage bezw. Pro­vinzial - Landtage, damit dm Eigenthümlichketten der verschiedenen dmtschm Gaue Rechnung getragen werden kann.

Die Auflösung deS Bauernstandes hat gerade bei dem Kleinbesitze schon in bedmklicher Weise begonnen. Je größer die Unsicherheit deS eigenen Daseins ist, desto geringer wird die Widerstandsfähigkeit gegen die Sozial­demokratie. Hat der Kleinbauer ein unantastbares Heim und nach menschlichem Ermeffen die Sicherheit, dasselbe

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(17. Fortsetzung.) 4.

Schloß Dnnholm lag inmitten eines weit ausge­dehnten Parkes auf einer kleinen Anhöhe, auf welcher man die ganze Gegend weichin überschauen konnte. Es war eines der herrlichsten Schlösier von ganz Eng­land, welches der Reichthum und der Geschmack des verstorbenm Lord Darkwood zu einem wahren Paradies in dm Jahren, während bereit er es bewohnt hatte, umgeschaffen hatte. In feiner frühesten Jugend war er mit seinem Cousin, bem Kapitän Fabian TolliS enge befreundet gewesen. Später waren ihre freunbschastlichm Beziehungen zu einander ein wenig erkaltet, da Beide evffahm, daß sie an Charakter und Richtung ver- schiedm warm, und so war eS denn gekommen, daß sie sich schließlich nicht mehr besucht hattm. An einem schönen Nachmittage des Monats Oktober verließen der neue Lord Darkwood und Herr Sutton auf der Station Shrewsbury die Eisenbahn. Ein Wagen erwartete sie, um sie Hum Schlöffe zu bringen. Der Dimer und der Kutscher, beide in vollständigem Trauer-Anzuge, öer« ^jjrigten sich tief vor demjenigen, welcher von nun an \ ihr Herr und Gebieter sein sollte. Der Letztere und i

seiner Familie zu erhaltm, so wird er sich gegen bte auflösmbm sozialen Bestrebungen mächttg gefeit fühlen. Aber auch Leute anbern Berufes bekämen Gelegenheit, burch Sicherung eines GrunbbefitzeS sich unb bm Ihrigen eine feste Stellung im Lebm zu schaffen, denn die Be- rechtigung zur Heimstättm - Gründung beschränft sich keineswegs auf die Landwirthe allein.

Man hat verschiedme Entwendungen gegen ben Plan erhoben, ohne baß bieselbm unseres Erachtens ben gefunben Sern beSfelben als unpraktisch ober un­ausführbar nachgewiefm hätten. Bon liberaler Seite ist z. B. gesagt worben, bte Heimstätte nehme bem Bauer seine Kredit. DaS ist offenbar falsch, obgleich allerdings bem leichtsinnigen Schuldmmachm ein ge­wisser Riegel vorgeschoben ist. Immerhin bleibt noch Selegmheit genug, ben Kredit in Anspruch zu nehmen, unb wenn eS bem Wucherer schwer fallen wird, an dm Heirnstädtm-Besitzer heranzukommen, so ist das kein Schaben. Mit Recht bemertt zu diesem Punfte bet geistige Bater beS Heimstädtm • GedankmS unb Berfaffer beS bem Reichstag vorliegenden Gesetz- Ent­wurfs, Kammerherr v. Riepenhaufen in einer geistvoll geschriebenen Bertheidigung beS Entwurfs. „Wie ber Handwerker ohne Handwerkszeug leistungS« unfähig ist» so ber Klemgrunbbefitzer ohne Gmnd unb Bobm, WirthschaftS-Jnvmtar unb gewiffe dazu gehörige Borräthe." Der Kleinbesitzer kann ttotz allen An- ftrengungen nicht auf einen grünen Zweig kommen, wenn sein Gütchen ganz mit Schulden überhäuft ist. Daher ist ihm gar nicht damit gedient, wenn er baS Recht ber unbegrenzten Schuldenmachung hat; er ver­fällt bann boch nur ber Ausbeutung listiger Wucherer, die ihm an GeschästSgewanbtheit weit überlegen find. Camphausm'S frivoles Wort: „Man kann bm Dummen durch Gesetze nicht schützen", weisen wir entschiede^ zurück; ber Staat soll allerdings senk Möglichstes chnn, ehrliche unb beschränkte Leute vor Betrügern zu schützen.

Geht eS in ber bisherigen Weise weiter, wirb ber Grunbbefitz immer mehr als „Maare" auf ben Markt geworfen, so erliegt zunächst ber Kleingrundbesitz, ber Großgrunbbesitz hält eS noch länger aus. Dadurch werden aber alle Bande zerrissen, die ben Menschen an ben heimathlichm Bodm knüpfen. AuS den Klein- gmndbesitzern muß bann ein wanderndes Proletariat werden, das allen Lockungm der Sozial-Demokratie geneigt sein dürste — zum Schaden für Staat, Kirche und Gesellschaft. Dmn wenn erst die Sozial-Demokratie auf dem Platten Lande festen Fuß gefaßt habm wird, fo möchten wir sehen, was ihr noch widerstehm kann.

Soll ber Kleingrunbbesitzer seine Scholle energisch gegen ben sozial-revolutionären Ansturm vertheibigen, bann muß man sie ihm möglichst zu sichern suchen. ES bürste schwerlich Jemanbm geben, ber gegen bie Richtigkeit biefeS Satzes etwas einzuwmdm hat. Da­raus erhält aber bie Pflicht beS Gesetzgebers, sich mit bem Heimstättm-Gebankm wenigstmS ernstlich zu be- fasien — ob er nicht vielleicht bie Möglichkeit bietet, baS hier ausgesprochene Ziel zu erreichen. Ist bieS ber Fall, so gehe man schleunigst an bte Ausführung

Herr Sutton bestiegen ben Wagen, währmb Pietro sich neben bem Kutscher niederließ.

„Wir haben noch einige Meilen zu machen, Mylord, ehe wir Ihr Schloß sehm können," sagte Sulton.

„Ich weiß eS recht wohl," antwortete der Marquis, „ich kmne bte Umgebung beS Schlosses ganz genau. In meiner Kindheit kam ich ost dorthin, ohne freilich zu ahnm, daß ich einst der Besitzer desselben sein sollte."

„Dies konnte man allerdings nicht vorauSsehm... Wer hätte damals ahnen können, daß der verstorbene Marquis nie mehr heirathm würde und auch feine Brüder ganz jung wegsterben sollten? Als Sie Kind warm, Mylord, lebte der alte Marquis, Ihr Onkel, noch. ES war ein Manu von eiserner Willenskraft, und bis zu seinem Tode warm ihm seine Söhne voll­ständig unterwürfig. Er verwaltete und leitete sein Hauswesen mit der strengsten Ordnung, und man kann fagen, daß er sein Besitzthum auf dm doppeltm Werth gebracht hat. Auch Sie werden sich dieser weifen Spar­samkeit befleißigen."

„Ah", meinte ber Marquis mit mißvergnügtem Lächeln, „wenn mein theurer Onkel seinem Grabe ent­fliege, so würbe er mich nicht hindem, seine Hinter- : | taffmschaft zu genießen, denn er liebte mich kaum."

Herr Sulton glaubte auf diesen Spaß nicht ant» l

beS Planes; beim wir habm nicht mehr sehr viel Zeit zu verlieren.

Der Sozialpolttiker hat hierbei noch befonberS bie enge Verbindung in'S Auge zu faffm, welche aus dem Laude zwischm dem Grundbesitz und der Familie be­steht. Wer ben Grundbesitz auflöst, löst bie Familie auf. Der Ansturm ber Sozial-Demokratie geht gegen beibe, als bie am meisten konservativ wirken­den Einrichtunzm im sozialen Lebm. Damm müffm wir sie beide miteinander zu erhaltm suchm. Die Reooluttou will die Atomisiruug der Gesellschaft, wir treten für bie Sicherung der organischen Verbände, welche ihre Grundlage fbtb, ein. Wie wir in ben Stäbtm baS Handwerk zu fördern suchm, so müffm wir auf dem Lande dm Gmndbefitz, zumal ben Klein- Grundbesitz erhalten. Jeder Bauer mit gesichertem Heim ist ein Pfeiler ber bestehenden Ordnung; derjenige aber, ben Wucherer von HauS unb Hof getrieben, ge- räth nur zu leicht in ben Bannkreis der GesellschastS- feinbe. Wir müssen retten, waS noch zu retten ist, unb wie viel auch schon von ben Strudeln der sozial- revolutionären Strömung verschlungm wurde: — eS ist noch längst nicht so weit, daß wir alle Hoffnung fahrm laffm müßten.

Deutsch« Keich.

Berlin, 27. Februar.

* Der außerordentliche Abgesandte beS Kaisers zum Bischofs-Jubiläum beS Papstes, General v. Lo8, würbe hmte vom Papste empfangen unb hatte eine halbstündige private Unterredung mit demselben.

* Graf Ballestrem, ber Vorsitzende ber CmtrumS- Fraktion beS Reichstages, ist von seiner Romreise nach Berlinzur^ckgekehrt.

*' DaS'preußische Staats«inisterinm berieth heute über die deutsche Antwortnote auf die russische Handels- verttagSofferte.

* Die Petitions-Kommission der Reichs­tages hat beschloffm, dem Reichstage zu empfehlm, die eingegangenen Petitionen betreff. Aufhebung beS Jesuitengesetzes bezw. Beibehaltung dieses Gesetzes durch die über ben Antrag beS Grafen v. Ballestrem unb Genossm zu faffenben Beschlüsse für erledigt zu ertlären. Der Antrag beS Grafen v. Ballestrem, ber bekanntlich zum Jubiläum beS hl. Vaters zu Rom weilt, wirb selbstrebmb nicht vor Rückkehr beS Antrag­stellers zur Verhanblung kommm. Die Rückkehr bürste mit Beginn bes Monats März erfolgen.

* Das Abgeordnetenhaus ehrte baS Andenkm ber verstorbenen Äbgeorbnetm Kühne unb Bödicker durch Erheben von bm Plätzen unb berieth bann den Lotterie- Etat. Zu Gunsten einer Vermehrung der Lotterie-Loose sprachm Abgg. v. Schalscha (Cmtr.) und Cremer-Tel­tow (b. k. Frakt.), dagegen Abg. Dr. Meyer (frf.). Abg. Dr. Arendt (frl.) wünschte möglichste Vorsicht bei Gmehmigung von Privat-Lotterim. Geh. Rath Mar- cinowSki gab eine Darstellung beS Spiel-Bedürfnisses in dm einzelnen Provinzen. Dem mtsprechend soll auch die Vertheilung der Loose erfolgen. Der Lotterie-Etat Worten zu sollm, welchm er übrigens nicht sehr wohl­wollend aufzunehrnm schim. Unsere Reismden langten bald in dem kleinen Dorfe Dnnholm an, welches sie durchfahren mußten, um zu ber langen, gewunbenen Allee zu gelangen, welche zum Schlöffe fühtte. Der Kutscher hielt vor bem Eingänge, unb Lord Darkwood stieg aus. Bediente und Mägde ftanben in dem Haus­flur ausgestellt, an ihrer Spitze der Oberauffeher und der Küfermeister. Der Marquis erkannte die beiben Dimer wieber, an welche er auch einige Worte richtete. Er machte eine leichte Verbeugung, indem er an dm andern Dienern vorbeiging und betrat bann ben Salon.

„Enblich!" rief er mit bem Ausdruck der höchsten Frmde aus, welche er nicht mehr zurückhalten konnte, „mdlich bin ich am Endziele meiner Wünsche an ge­langt. Jetzt habe ich Ehre und Reichthum, ich bin ein Pair deS Königreiches. Jetzt bleibt mir nur noch ein Wunsch übrig."

„Unb biefer wäre, Mylorb, wenn man fragen darf?"

„ES wäre derjenige eine Frau zu finden, welche zu mir paßt, beim zu jedem Schloßbesitzer muß eine : Schloßbesitzerin ba fein. Diese glänzenden Salons, diese : herrlichen Terrassen muffen sich mit Besuchern füllen, l Gäste müssen dieselben durch ihre Gegmwart beleben.