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20. Jahrgang

Dienstag, den 28. Februar 1893.

FuldaerAZkitiiiig

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(■gr* Fuldaer Zeitung

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Uorlrag des Hochw. Herrn P. Duhr 8. J. in Ludwigshaseu am 20. Februar.

Zum ersten Male seit Erlaß des JesuitengesetzeS trat am 20. Februar in öffentlicher Versammlung in der Rheinpfalz ein Jesuit als Redner auf. Ludwigs­hafen hatte die Freude den Hochw. Herrn P. Duhr 8. J. begrüßen zu dürfen. Um fo größer war die Freude unserer Katholiken, als die Gemüther schon fett mehreren Tagen in große Aufregung versetzt waren, durch eine unwürdige Hetze, die es fertig brachte den Tag des BifchofsjubiläumS Sr. Helligkeit Papst Leo XIII. zu benützen zu einer Versammlung, in welcher man sich mit der Moral der Jesuiten beschäftigte, statt mit der eigenen. Und nun folltr am folgenden Tage von derselben Stelle aus ein Jesuit sprechen! „Das ist die beste Antwort auf diese traurige Hetze", konnte man allenthalben hören. Es war eine große Bewegung als dies bekannt wurde, sowie daß Niemand von der Ver­sammlung sollte ausgeschlossen sein; jeder sollte einmal einen Jesuit sehen können, was Dank dem Jesuitenge- setz so selten ist. Trotzdem erst am Tage der Ver­sammlung selbst dieselbe angekündigt wurde, fanden sich doch ca. 6—700 Männer ein. Es war eine so ge­mischte Versammlung, wie man sie selten zu sehen bekommt: Männer aus allen Ständen, allen Parteien, allen Konfessionen; speziell die Protestanten waren zahlreich vertreten und man schätzte sie auf em Drittel der Verfammlung. Wir freuten uns ihres Kommens, kann ja doch nichts mehr geeignet fein, die Borurtheile gegen den Jesuitenorden zu beseitigen, die Lügen zu widerlegen, als gerade eigenes Hören und Sehen.

Zur angekündigten Stunde betrat P. Duhr den Saat. Kaum wurde mau seiner ansichtig, als auch ein allgemeiner jubelnder Beifallssturm den Saal durchbrauste; und aufs neue wiederholte er sich, als p. Dutzr gleich darauf die Rednerbühne betrat.

.Ich danke Ihnen, meine hochverehrten Herren! so begann p. Duhr, für die freundliche Aufnahme, ich nehme sie an, nicht für meine Person, die hier ganz aus dem Spiele bleibt, sondern für die Freiheit unserer heiligen, römischen, katholischen Kirche, für die Freiheit aller ihrer Einrichtungen. Es HM zu den ver­schiedenen Zeiten verschiedene Gegenfätze gegeben. Wir treffen im Anfang der katholischen Kirche den Gegensatz zwischen He,deu- thum und Christenthum; später den Gegensatz zwischen Ar>ams- mus und Katholizismus; später den Gegensatz zwischen Byzan­tinismus und der römischen Kirche und wieder später den Gegen­satz zwischen Protestantismus und Katholizismus. Welches ,st nun der Gegensatz in unseren Tagen? Ist heute der Gegensatz Katholizismus und Protestantismus? Ich antworte: Nein! Der Gegensatz, der heute die Welt bewegt, ist Glaube an Gott und Verwerfung Gottes. Man könnte mir erwidern: Ist denn nicht der Gegensatz in unfern Twgen noch Katholizismus und Protestantismus? Sehen wir nicht große

Verbannt.

Nach dem Englifchen von I. Rüttgers.

(16. Fortsetzung )

Der gute Ouillet feufzte tief auf; dann bob er nach einer Pause wieder an und erzählte Lord Chilton die Geschichte der Geburt Gwendoliuens sowie den Tod ihrer unglücklichen Mutter. Ebenso theilte er mit, wie sie dieselbe erzogen hätten und wie sie zwei­felsohne sich demnächst genöthigt sehen würde, Sonemoor zu verlassen, um sich Stellung im Leben zu verschaffen.

„Jetzt, Milorb," schloß er, „habe ich meine Pflicht gethan, indem ick Ihnen die geheimnißvolle Geburt der Mitz Winter geoffmbart habe; es steht nunmehr bei Ihnen, sich zu entscheiden, ov Sie ihre Besuche auf Lonemoor fortsetzen, oder aübrechen wollen."

Sie sind ein rechtschaffener Mann, Herr Ouillet," antwortete Renald in festem Tone, „aber sie mögen wissen, daß die vertrauliche Mittheilung, welche sie mir da gemacht haben, in keiner Weise meine Neigung zu Miß Minter schwächt; ich will also zu ihr gehen. Damit begab er sich in den Speisesaal, wo Gwendo- line seiner in der größten Unruhe erwartete. Lächelnd schritt er auf das junge Mädchen zu und streckte ihr feine beiden Hände entgegen. ..

„MH Winter," sagte er dann, sie zärtlich an-

Bersammlungen gegen den Katholizismus gehalten? Ich sage: Wir brauchen die Gegensätze, die vorhanden sind zwischen Katho­lizismus und Protestantismus, nicht in indifferentist,scher Weise zu verwischen; aber diese Gegensätze sollen ausgefochten werden dort wo eS Zeit ist sie auszusechten und wo die Gelegenheit und'geistige Kraft vorhanden: auf den Kathedern und in ge­lehrten Werken. Aber heute bei der furchtbar großen Bewegung, die gegen das Dasein Gottes geht, wollen und dürfen wir diese Gegensätze nicht in die Massen des Volkes tragen und diese auf­reuen. Der Gegensatz ist vorhanden; aber das müssen wrr be­denken, wir sind einmal Alle deutsche Reichsbürger; wir sind Alle begeistert für das Wohl und das Heil unseres Vaterlandes! (Stürmischer Beifall.) Kann es aber unserem Baterlande dienen, indem nun einmal d,e Gegen­sätze zwischen katholisch und protestantisch bestehen, wenn diese Gegensätze geschärft werden jeden Tag? Nein, deriemge, der es ehrlich meint mit Christenthum und Vaterland, der muß tit friedlicher Weise wirken! Sollten wir denn, m. H., sollten wir als christliche Brüder, gläubige Protestanten und Katholiken ein­ander in hitziger Fehde befeinden, wo die Fundamente mtge« griffen werden, über die Schönheit oder Größe des Hauses . Ich sage: ich und jeder treue Katholik begrüßt in dem gläubigen Protestanten seinen natürlichen Bun­desgenossen im Kampfe gegen den Unglauben, für die Fundamente des Reiches, für Kaiser und König. (Allgemeiner Beifall!) Das ist mein Standpunkt und das ist der Standpunkt aller treuen Katholiken, welche die Zeichen der Zeit erkennen. Der Gegensatz in unserer Zeit ist auf der einen Seite Gott, auf der anderen Seite Atheismus. Der Atheismus wird gelehrt auf manchen Hochschulen und es gibt Professoren, die sagen, der Atheismus ist das Resultat der Wissenschaft. Nun, wenn das wahr wäre, dann müßte ,ch logisch schließend sagen: wenn die Wissenschaft das bewiesen hat, daß es keinen Gott gibt, oder daß man gar nicht beweisen kann, daß es einen Gott gibt, dann folgere ich: dann haben die Sozial­demokraten Recht, und ich fage: wenn es wissenschastlich er- wiefen ist, daß es keinen Gott gibt, dann werde ich morgen Sozialdemokrat! Warum? Wenn es keinen Gott gibt, dann haben wir hier auf Erden den Kampf um's Dasein, gerade tote im Thierreich, da gilt das Recht des Stärkeren. Warum aber dann diese Masse von Armen darben soll, das sehe ich nicht em, während die Zehn- und Zwanzigtausend von dem Schwerße dieser Arbeiter schwelgen? Wo ist dann die Gleichheit. Wenn es keinen Gott, keine Vergeltung gibt, dann muß jeder emrrSien, daß die Gleichheit geschaffen werde hier aus Erden. Die­jenigen, welche sagen: es gibt keinen Gotk, können, wenn sie ehrlich sind, den Sozialdemokraten nicht Unrecht geben, aber das Postulat, welches diese Herren aufstellen im Namen der Wissen­schaft ist kein Postulat der Vernunft. Der Atheismus ist etn Hohn auf das vernünftige Denken und das möchte ich Ihnen vorlegen. Mein Standpunkt ist mcht der der über­natürlichen Offenbarung, sondern jener der Vernunft. Was sagt die Vernunft über das Dasein Gottes? Wir müssen die Ver­nunft vernichten, wenn wir sagen: es gibt keinen Gott.

Nunmehr geht der Redner über auf den dreifachen Vernunftbeweis: den historifchen, moralischen und philosophischen. An der Hand der Geschichte zeigt der Redner eingehend, wie alle Völker aller Zonen, aller Zeiten, aller Zungen stets überzeugt waren vom Dasein eines Gottes, und bringt sehr interessante Belege aus den bedeutendsten Classikern des Heidenthums. \$n packender Weise und durchschlagend werden darauf einige Einwendungen widerlegt, so diejenige, nach welcher die Priester den Glauben an Gott aufgebracht hätten zur Stütze der Obrigkeit gegen den wirthschastlich Schwachen, baniit dieser sich beuge unter das Joch der Tyrannei. Es enthält diese Einwendung einen Wider­spruch in sich selbst, da Priester erst kommen konnten, nachdem die Religion der Glaube an Gott bereits vorhanden war. Uebergehend zum moralischen Beweise zeigt der Redner, wie die Stimme des Gewissens laut

blickend, „eS ist noch nicht lange her, daß wir uns kennen, aber von dem ersten Augenblicke an, wo ich Sie kennen gelernt habe, habe ick. Sie geliebt . . . . Diese Neigung ist seitdem nur noch erstarkt, und ich möchte Sie^demnach bitten, mich zum glücklichsten der Menschen zu machen, indem Sie meine Frau werden .. Gwendoline. tief bewegt und vor geheimer Freude bei diesen Worten zitternd, verharrte in Schweigen, aber der Blick ihrer schönen, blauen Augen, welchen sie Renald zuwarf, und die lebhafte Röthe, welche ; ihre Gesichtszüge überflog, sprachen deutlicher als alle * Worte. .

,Gwendoline, liebe Freundin," murmelte der junge : Mann, „ich verstehe, Sie erwidern meine Neigung, Sie wollen ..."

Ich bitte Sie, schweigen Sie, Renald . . . Herr Chilton ... ich hatte für einen Augenblicke vergessen ! ... Ich kann 'ihre Lebensgefährtin nicht sein . - .

„Und weshalb nicht, Gwendoline?"

„Weil ich nicht das bin, für was sie michanskhen. i Ich gehöre nicht zu der Familie deS Herrn Moikham i — ich gehöre überhaupt keiner Familie an, ja, ich - habe nicht einmal einen Namen," sagte sie, ihr Haupt i nelSeßörcn Sie mich an, und verstehen Sie mich recht ! wohl, Gwendoline," hob Lord Chilton wieder an.

das Dasein eines Gottes predige, der nach Verdienst belohnt und bestraft. Ungemein wirkungsvoll war der Appell an die Zuhörer, an ihr eigenes Gewissen; nur dann wünsche man, eS möge keinen Gott geben, wenn man der Stimme der Verführung Gehör gebe, weil man ihn da zn fürchten habe. Bei der Durchführung des philofophifchen Beweises zeigt der Redner, wie ohne Annahme eines Gottes das Dasein der Wett nicht erklärt werden könne, daß die Annahme, es gebe keinen Gott, viel größere Anforderungen an die Ver­nunft stelle, ja Unmögliches verlange, als die Annahme vom Dase'm Gottes. Die Durchführung dieses TheileS unter Beibringung leicht verständlicher und anschaulicher Beispiele war ein wahres Meisterstück. Aus der ganzen Beweisführung zog der Redner zwei praküsche Schlußfolgerungen, nämlich 1. der Unglaube ist unent­schuldbar und 2. Wir sind Geschöpfe Gottes. Mit einem solchen Feuer der Begeisterung durchglüht und getragen von der wärmsten Ueberzeugung, die sich un­willkürlich jedem aufdrängte, fesselte der Redner V/8 Stunden lang seine Zuhörer, die mit der größten Spannung unter lautloser Stille folgten. Als der Redner geendet, lohnte ihn ein nicht enbenwollenber Beifallssturm von der ganzen großen Versammlung. Da sehen wir ein, wie nothwendig wir gerade die Jesuiten haben, da niemand wie sie ben Ansturm des Unglaubens bekämpfen kann. Der Pfeil, den die Jesuitenhetzer abgeschossen, fliegt zurück auf sie selbst. (Pfälz. Ztg )

Deutsch« Keich.

Berlin, 25. Februar.

* Das Festmahl des Brandenburgischen Pro­vinziallandtags, an dem der Kaiser regelmäßig theilnimmt, findet am ersten März statt.

* Die Wahlgesetz - Kommission des Abgeord­netenhauses hat ihre Arbeiten beendet und ein etwas seltsames Werk hergestellt. Die Eintheilung der Wähler bleibt wie in der Regierungsvorlage: 5/12 des Steuer­betrages fallen auf die erste, 4/12 auf die zweite, 3/12 auf die dritte Klaffe. Die Einkommensteuer Wirb aber nur bis zum Betrage von 2000 Mk. (einem Einkommen von 56 000 bis 58,000 Mk. entsprechend) angerechnet. Grundsteuerbeträge, die über 2000 Mk hinausgehen, kommen dagegen voll zur Anrechnung. Also eine neue Begünstigung der Großgrundbesitzer, für die die Steuer­reform ohnehin fchon so liebevoll sorgt. Für die mcht zur Staatssteuer veranlagten Wähler wird, wte bisher, ein Betrag von 3 Mark angesetzt; diese Wähler dürfen aber nur in der dritten Klasse wählen, wiewohl es an einzelnen Orten möglich wäre, daß em Theil von ihnen in die zweite käme. Sind in der dritten Klasse nur Wähler dieser Art, so sollen die beiden anderen so ein- getheilt Werben, baß auf bie erste 5/9, auf die zweite 4/9 des Steuerbetruges kommen. Es geht doch nichts über eine gründliche Wahlrechtsreform, wenn sie die reichen Leute-machen.

* Das Abgeordnetenhaus beendete die Berathung des Etats für Kultus, Unterrichtswesen und Mebizinal- „Herr Ouillet hat mir bie Geschichte Ihres Lebens erzählt, unb ich wenigstens sehe kein Hrnberniß ob­walten, daß wir nicht Gatten werden sollten.

„Und was wird ihre Familie, was werden Ihre Freunde sagen?" , . n .

.Ich habe ebenfalls keine Mutter mehr, und Lord Chilton, mein Vater, liebt mich zu sehr, als «daß er sich meinem Glücke in den Weg stellen würde.

Oh, er wird niemals feine Einwilligung zu unfe- rer Verehelichung geben," warf das junge Mädchen traurig ein, „Sie müssen eine adelige Hau haben, welche Ihrer Stellung und Ihrem Range entspricht...

„Ich muß eine Frau haben, welche mich gluck- lich macht; mein Vater wird dies begreiflich finden unb noch heute Abend will ich ihm schreiben.

Gwenboline schüttelte das Haupt.

Uederlegen Sie bie Sache Ronald, über Jiach kommt Rathg Es ist ja kaum eine Stunde her, daß S^ erfahren haben, daß ich ein armes, von enter un- bekannten Mutter hinterlassenes Geschöpf bin, erzogen durch die Mildthätigkeit alter treuer Duner deS Squire. Ihr edl-S Herz hat Mitleid mit mrr gefchtt und Ihr liebenswürdiger Charakter treibt Sie, mich unter Ihren Schutz zu nehmen, mir einen Namen ' und eine Stellung zu geben, auf Welche ich 'einen An ! fpruch erheben kann. Sie haben unter dem Emdru