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* Die RüchStaqs-Kommission für die Vorlage, betr. die Abzahlungs-Geschäfte, hat gestern die Vorlage »ach den Befchlüsfm der 1. Lesung angenommen. Zum Referenten wurde Abg. Dc. MehnerS bestellt.

* DaS Abgeordnetenhaus fetzte die Beratbung deS KultuSetatS beim Elememar-UnterrichtSwefen fort, wobei Minister Dr. Bosse gegenüber der Befürchtung LubrechtS (nl.) die Hoffnung auf ein Zustandekommen deS VolkSfchul-DotationSgesetzeS wenn auch in modi- fizirter Gestalt auSfprach. Ferner betonte der Minister dem Abg. Danzenberg (Str.) gegenüber die Roth- wendigkeit der Kreisschulinspektionen, an deren Auf­hebung heute nicht mehr zu denken fei. In der Debatte wurden von CentrumSmltgliedern mehrfache Beschwer­den über nicht paritätische Behandlung in der Volks­schule erhoben. Schließlich erfolgte die Erledigung des Elementarunterrichtswesens in einer Abendsitzung.

* Der Reichstag nahm den Handelsvertrag mit Aegypten endgiltig an und berieth bann den zum Etat des Innern, Gesundheitsamt gestellten Antrag des Abg. Dr. Baumbach (frs.) auf Zulassung der Frauen zur Approbation als Arzt. Dr. Baumbach begründete den Antrag sehr eingchend. Staatssekretär v. Bötticher verwies den Antragfleller auf die Einzelstaaten. DaS Reichsgesetz fordere zur Erlangung der Aerzte das Reifezeugnis» eines Gymnasiums und dm Nachweis des ärztlichen UniversitälSstudiumS. Sollen Frauen als Aerzte approbirt werden, so müßten die Einzelstaäten den Frauen Gelegenheit zum Gymnasial- und medi­zinischen Universitätsstudium geben. Abg. Dr. Hart­mann erklärte, daß die Konservativen Dem Anträge Baumbach unfreundlich gegenüberständen; aber die Sache gehöre nicht hierher. In ähnlichem Sinne sprach sich Abg. Dr. Endemann (ntl.) aus, der daneben auf die Gefahr einer Vermehrung des wissenschaftlichen Prole­tarier hinwies. Abg. v Bar (frs.) empfahl die Zu­lassung von Frauen, die auf ausländischen Univer­sitäten studirt yaben, zur Aerztepcüfung, waS Staats­sekretär v. Bötticher ablehnte. Abg. Bebel verlangte Zulassung der Frauen zu allen wissenschaftlichen Studien und Berufen. Schließlich wurde die Berathung des Antrags Baumbach von der Tagesordnung abgesetzt, um zusammen mit den zu dieser Materie ingegangenen Petitionen berathen zu werden. Beim ReichSversiche- rungSamt betonte Abg. Rösicke die Verdienste der Be- rufSgenoffenschaften auf dem Gebiete der Unfallver­hütung. Von fozialdemokratischer Seite wurden Be­schwerden über Verschleppung der Rentenfestsetzungen erhoben. Weiterberathung morgen, außerdem Post­dampfer-Novelle.

* I» der sozialdemokratischen Genoffenschafts- Bäckerei scheinen noch immer sehr unerquickliche Zu­stände zu herrschen. In der letzten General-Versamm­lung wurden, wie die Post berichtet, gegen Vorstands- Mitglieder Beschuldigungen der schwersten Art er­hoben. Bei der Einrichtung der Bäckerei in der Dieffenbachstraße hätten für 200 Mark Beträge ge­fehlt. Einem Mehlhändler sollen 4000 Säcke im Werthe von 1200 M. überliefert worden sein, während nur über 700 Mark Quittung vorhanden ist. Ueber gezahlte 1000 M., die nach den Büchern derselbe Mehlhändler erhalten habm soll, fehlt die Quittung überhaupt, und der Mehlhändler will eidlich bekunden, daß er das Geld nicht erhalten habe. Bon Filialen sollen 800 und 205 M. eingegangen sein, die nicht gebucht sind. Der neu angestellte Buchhalter bezeich­net die Buchführung als höchst unregelmäßig und un- kontrolirbar. In einer Filiale sei einmal ein Fehlbe­trag von 116 M. herausgerechnet worden und deshalb die Vorsteherin entlassen. Jetzt hätte sich herausge­stellt, daß nicht nur die 116 M. nicht fehlten, sondern daß noch ein Ueberschuß von 9 M. vorhanden sei.

„Ich wünsche Ihnen Glück, Mylord. Sie sind einer der reichsten Pairs von England geworden."

„Aber setzen Sie sich doch, Herr Sulton," sagte der Kapitän, nachdem er sich seiner Lage wieder ein wenig bewußt geworden war. „Erklären Sie mir, wie sich dies Alles zugetragen hat, wer Ihnen dieses Tele­gramm geschickt hat . . . ."

„Der Kommandant der Dacht „Sylphide" ist auf den Küsten Sardiniens verschlagen worden und alle, er ausgenommen, sind zu Grunde gegangen."

Herr Sulton bedeckte sich das Gesicht mit beiden Händen, denn er war tief bewegt ob des Verlustes desjenigen, welcher auf eine so verhängnißvolle Weise sein Leben verloren, und dem er in inniger Freund­schaft zugethan war.

Auch der Kapitän bedeckte sein Gesicht — aber er that es nur, um dem Blicke des Verwalters seine Freude zu verbergen, welche ihn erfüllte. Nach minute­langem Stillschweigen, während deffen er die ganze Tragweite feiner neuen Lage fo gut als möglich zu er- fassen suchte, sagte Herr Tollis zu dem Verwalter seines verstorbenen Cousins, während er sich bemühte, seine Physiognomie möglichst mit der Situation in Einklang zu bringen:

„DaS Ganze erscheint mir wie ein Traum, Herr Sulton^. . . Zeigen Sie mir das Telegramm, welcher Sie erhalten, damit ich an die Wirklichkeit der Nach­richt glauben kann, welche Sie mir überbrachten."

Schweigend reichte ihm der Greis das Papier hin. ES war ZvonZAjaccioAdatirt und enthielt die Zeilen:

Die Betheiligten stellten zwar alles in Abrede, unter den Anwesenden aber machte sich eine starke Erbitte­rung über die „Lodderwirthschaft" kund. Gegen zehn Anttäge liefen ein, die ganze Sache dem Staatsan­walt zu unterbreiten. Nach heftigen Debatten aber beließ man es zunächst bei der Wahl einer Kommission, die mit Hilfe eines gerichtlichen Bücher-Revisors die Angelegenheit erst prüfen soll. Ein Antrag, zwei Vorstands-Mitgliedern bis zur Erledigung der Sache Wochenlöhne von 45 und 48 M. zu zahlen, wurde mit Entrüstung zurückgewiesen.

* Die Erklärung der Rabbiner findet selbst auf jüdischer Seite kemeSwegS allgemeine Zustimmung. So bemerkt die .Berliner Ztg.': „Die Erklärung ist sicher ein gut gemeintes, ober eben so sicher ein schlecht gewähltes Mittel, die anti-semitischer Hetzer mundtodt zu machen. Auf solche Weise überzeugt man weder die Gegner auS dem Lager der Rohling, Stöcker, Ahl- wardt u. f. w., noch bessert man etwas. So lange der Talmud als solcher überhaupt noch besteht und ge­lehrt wird, wie auch beispielsweise auf der „Hochschule des Judenthums", wird die tendmtiöse Ausnutzung seines Inhalts nicht aufhören. Der einzig richtige Weg wäre unserer Anschauung nach, daß Seitens der jüdischen Gemeinden erklärt würde, daß die heutige jüdische Generation mit den Lehren deS Talmud nichts mehr gemein hat und daß der Talmud für da« heutige Judenthum nur noch die Bedeutung einer historischen Reliquie besitzt. DaS würde auch den Thatiachen ent­sprechen. Kaum einer der heute lebenden Juden, mit alleiniger Ausnahme der Rabbiner und sonstigen Schrift­gelehrten, hat eine Ahnung davon, was :m Talmud steht. Der heutige Jude kennt das Wort „Talmud" nur vom Hörensagen; aber daS ist auch alles." Dem gegenüber bemerkt die ,Germania': „Nun, in Westruß­land, im Orient u. s. w. wird der Talmud doch in Judenschulen gelehrt, ist Talmud-Lettüre für manche Juden, die nicht Rabbiner werden, von Kindheit an das tägliche Brod und daS Hauptbildungsmittel. Und auch in Deutschland gibt eS außer Rabbinern und auch jüdischen Predigern, Kantoren und Lehrern noch ein­fache Juden, die im Talmudlesen zu Hause sind. Sie sind allerdings, je weiter nach Westen und Süden, desto seltener." Für die Nicht-Juden wird int Allge­meinen die Rickert'sche Behauptung yi treff en, daß nicht Viele den Talmud verstehen; jedenfalls spricht manch' einer darüber, der ihn nicht oder nur fehl mangelhaft kennt.

* Der Hirtenbrief des Hochw. Herrn Erzbifchofs von Freiburg enthält folgende Empfehlung der katholischen Presse, die nur der Beachtung unserer Leser dringend empfehlen:

„Während der göttliche Erlöser alle Mühseligen und Be­ladenen zu sich ruft, um sie alle zu erneuern und zu erquicken, laden seine Feinde alle Unzufriedenen ein und versprechen ihnen allseitige Hilfe und ein ganz glückliches Leben auf Erden. Jeder wahrhaft christliche Mensch wird zwar duld erkennen, wie wenig von ihren Versprechungen und von ihrem im Widerspruch gegen Gott und Religion zu erringenden Glück zu halten ist. Aber es gibt nur zu viele, welche in der Religion schlecht unter­richtet, in der Unzufriedenheit mit ihrem Loose und in der leidenschaftlichen Sucht nach Genuß und Wohlleben ihr Gewissen bethören und den Verführern Gehör schenken. Für diese ist die beständige Belehrung durch Wort und Schrift besondeis noth- wendig. Soll jedoch dieselbe reiche Frucht bringen und die Einladung des Herrn: „Kommet alle zu mit" wirksam unter­stützen, so ist vor Allem geboten, daß die christlichen Männer sich nicht selbst in die Schule der Verführer begeben. Das thun sie aber, wenn sie durch Halten und Lesen schlechter Zeitungen die verführerischen Absichten jener mit ihrem eigenem Gelbe unterstützen. Sie arbeiten damit bei sich selber dem Ruse des göttlichen Erlösers entgegen und verhindern, so viel an ihnen liegt, seine Wirkung bei andern. Sie stehen im großen Kampfe des Erlösers und seiner Kirche gegen die gottlose Welt auf Seite der Letzteren. Deshalb sollen aus den katholischen Familien alle gotteS- und kirchenfeindlichen Blätter verschwinden und an ihre „Dacht „Sylphide" gestrandet an der Küste Saidmies in Der Nacht vom 2. auf Den 3. dieses Monats. Alle tobt, ich allein angenommen. Lord Darkwood eben­falls ertrunken. B> finde mich auf dem Wege »ach England. Gezeichnet: Richard Forster".

„Unglücklicher Weife", murmelte Tollis in heuch- lerischen Tone, „ist gar kein Zweifel mehr möglich."

„Nein, wie Sie auch sagen, es gibt keine Hoffnung mehr anzunehmen, daß er sich aus dem Schiffbruch gerettet habe; denn wenn dies der Fall wäre, würde er mir sofort Nachricht gegeben haben. Uebrigens wird ja Herr Forster bald hier sein, der uns dann Alles im Einzelnen mittheilen kann."

Mein armer Cousin ist also wirklich tobt!" sagte ber Kapitän abermals, indem er tief aufseufzte. Dann ßchwieg er einige Augenblicke und sagte dann: „Ich muß sogleich meinen Traue anzug bestellen, Herr Sul­ton., und da ich weiß, daß Sie der Sache Darkwood treu gedient haben, so bitte ich Sie, auch mir, als seinem Nachfolger, dieselbe Theilnahme und Sorgfalt zuzuwenden. Ich vertraue aus Sie als auf einen ge­treuen Rathgeber und Freund.

Während der neugebackene Marquis diese Worte sagte, stand er auf und reichte Herrn Sulton die Hand, welche dieser nah», sich verbeugte und dann das Haus verließ.

„Traurige Zeiten sind für die Domäne Dunholm gekommen", fügte der wackere Sulton bei sich, indem er davon ging; „mein edler, guter Freund, der Wohl- thäter der ganzen.,Gegend, soll einen Nachfolger von

Stelle katholische Zeitungen treten, welche täglich warne», über alle zeitbewegenden Fragen belehren und die Sache Gottes aufbauen und vertheidigen helfen. Ueberhaupt sollen die katho- V liichen Männer es als ihre heilige Pflicht erkennen, im privaten wie öffentlichen Leben mit aller Entschiedenheit für die heilige Sache Jesu Christi und seiner Kirche einzutreten, welche im vollkommensten Sinne auch die Sache des Volkes und der menschlichen Gesellschaft ist."

* Barmen, 22. Febr. Gestern wurde hier eine von etwa 1200 Perfonen besuchte Protests er famut- lung des evangelischen Bundes gegen Die Rückberufung der Jesuiten abgehalten, die sich zu einer Orgie des Fanatismus und der konfessionellen Gehässigkeit gestaltete. Bezeichnend für den Geist, ber bie Versammlung beseelte, ist es, daß man dem Re­dakteur ber ,Wupperthaler Volksztg.' DeSCentrumS- Orgaus im Wupperthal, den Eintritt in den Saal untersagt hatte. Nach verschiedenen Reden ber Herrn Professor Angelis-Marburg, Professor R.etschl- Jena und Hofprediger (!) Rogge gelangte eine lang» athmize Resolution zur Verlesung, worin von „Vergiftung ber Gewissen", „Verletzung der Heiligkeit deS Eides", „Gefährdung deS konfessionellen Friedens" durch die „geheime Gesellschaft" der Jesuiten gebührend bie Rede ist, und welche schließt mit den Worten: „Ein solcher Orden darf niemals wieder Hei- mathsrecht auf deutschem Boden erhalten." Die Resolution, welche sofort dem Reichskanzler übermittelt werden soll, wurde mit allen gegen eine Stimme an­genommen. — An den Kaiser wurde folgendes ge­schmacklose Telegramm abgesandt: „1200 evangelische Männer, aus den verschiedensten Gauen deS deutschen Vaterlandes vereint, um vor den Gefahren zu warnen, die durch die Rückberufung der Jesuiten und der diesen verwandten Orden dem deutschen Reiche und Volke erwachsen würden, bringen Ew. Majestät ihre ehrerbietigste Huldigung dar".

Busllmi.

* Bei dem Baseler Faschings-MaSkenzuge hatte sich ein Student daS kindliche Vergnügen gemacht, als Carnot mit einem riesigen Check über 500,000 FrcS. auf Dem Rücken zu erscheinen. Der französische Ge­sandte hat dagegen protestirt, woraus die schweizerische Regierung ihre Bereitwilligkeit erklärt hat, die ihr rechtlich zustehenden Mittel gegen den Uebelthäter an­zuwenden. Diese Mittel sind allerdings nicht sehr weit­gehend, doch dürfte die Sache mit Der Erklärung Der schweizer. Regierung erledigt fein.

* Brüssel, 22. Febr. Nach einer auS Zanzibar hier eingegangenen Drahtmeldung fände daS Gerücht, die von Kapitän Jacques befehligte Antisklaverei- Expedition sei von den Arabern am Tanganyiko vernichtet worden, an der Ostküste Glauben.

* Der Rücktritt des Präsidenten des französische» Senat», Le Royrr, hat zu allerlei Bermuthungen An- laß gegeben. Der Rücktritt ist mit den üblichen Ge­sundheits-Rücksichten motivirt; man findet es aber auf­fällig, daß Le Royer, wenn er sich so angegriffen fühlte, überhaupt erst Die Wiederwahl angenommen hat. ES wird angedeutet, daß Le Roher in die Panama-Affaire verwickelt und das große X der Ober-Denunzianten Andrieux sei. Von anderer Seite werden unerquickliche Familien - Vorkommnisse angeführt. Jedenfalls wurde dem scheidenden Präsidenten gestern int Senate von dem Vizepräsidenten Bardoux eine warme Lobrede gehalten. Die Wahl des Nachfolgers Le Royer's findet am Frei­tag statt. — Die umfangreichen Entnahmen ans den französischen Staats-Sparkassen erregen Besorgniß. Vom 11. bis 20. Februar wurden 26 Millionen und seit Beginn des Jahres 78 Millionen mehr zurückgenommen wie eingelegt. Die Ursache dieser Erscheinung wird in der Agitation einer Anzahl Blätter gegen die Sparkassen,

niedriger, gemeiner Gesinnung erhalten, einen Men­schen, der überhaupt einer guten Handlung unfähig ist. Welches Unglück, daß Mylord kein Kind hinter­läßt."

Nachdem der Verwalter sich entfernt hatte, schloß Pietro Die Thüre und Herr und Diener konnten sich nunmehr ungestört ihrer Freude überlassen, denn auch Der T jener gedachte ebenfalls, an dem Glücke seines Herrn seinen Theil zu erhalten. Er wußte recht wohl, daß Der neue LorD es nicht wagen würde, seine Forde­rungen znrückzuwetsen.

Am folgenden Tage stand die Nachricht von dem Tode des Lord Darkwood in allen Zeitungen zu lesen und bald wurde Der neue Marquis von einer Reihe von Besuchern und Glückwünschen bestürmt, die es seit einer Reihe von Jahren nicht für der Mühe werth gehalten hatten, sich weiter um ihn zu kümmern. *

Selbstredend empfing er all' diese Besuche in tadel­losestem Traueranzug und unter dem gemessmdsten Ausdrucke des lebhaftesten Schmerzes. So verging eine Woche, nach deren Ablauf Herr Forster, Der Kommandant der „Sylphide", in London anlangte. Er bestätigte mündlich das traurige Ereigniß, welches er bereits auf telegraphischem Wege gemeldet hatte, und fügte hinzu, daß er, nachdem er von einem korsi- J konischen Schiffe an Bord genommen worden fei, daS mittelländische Meer an ber Stelle, wo die Dacht Schiff­bruch gelitten hatte, durchkreuzt, jedoch nicht-das Geringste L entdeckt habe. M M

(Forts; W.il