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20. Jahrgang

Freitag, den 24. Februar 1893.

FiildllkrMZcitun

ebnen, citirte er verschiedene Aussprüche von Univer­sitätslehrern und von sozialdemokratischen Schriftstellern und Agitatoren. Er verlange kein Gesetz gegen die un­gläubigen Professoren nach dem Muster des Jesuiten­gesetzes, er verkenne auch nicht die schwierige Position der Staatsregierung, er wolle auch die Freiheit der Wissenschaft nicht beschränken, aber er verlange, daß Licht und Schatten gleich verthrilt werden und daß, wenn man die ungläubigen Professoren ungehindert lehren lasse, dann auch den gläubigen Professoren Ge- leaenheit gegeben werde, in ausreichender Werse für Die christliche Wissenschaft einzutreten. Minister Dr. Bo,se erklärt, daß er das Verlangen des Abg Dr. Porsch als berechtigt anerkenne und stets bereit sei, dahin zu wirken, daß Licht und Schatten gleich vertheilt werden. Es gehe zu weit, die Universitäten im Großen und

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(13. Fortsetzung.)

Nachdem Herr Orkney seine Drohungen gegen die Eheleure Ouillet ausgestoßen, glaubte er, vollständig Herr der Lage zu sein. Seine Züge nahmen also den Ausdruck des Triumphes an und stolzer wie ein König stand er vor der erschrockenen Frau als die Thüre zum zweiten Male aufging und John erschien.

„Du kommst gerade zur rechten Zeit," sagte seine Frau zu ihm, „der Herr da ist hierhin zu uns ge- kommen um . . ."

„Lassen Sie mich das selbst sagen," fiel Orkney ein.

„Ich halte also Ihrer Frau von dem unpassenden Benehmen der Miß Winter meinem Sohne gegenüber gesprochen, welchen sie zu bezaubern sucht, um eine Verehelichung herbeizuführen, welcher weder ich noch meine Frau jemals unsere Zustimmung geben löhnten. Die Orkney's sind ehrenwerthe Leute, und Sie be­greifen ..."

„Hat Miß Winter Ihrem Sohne die Ehe ver­sprochen?" frug John. Gwendoline, welche bis jetzt vollständig unbeweglich am Fenster stehen geblieben war, antwortete mit zitternder Stimme, jedoch ohne sich umzuwenden:

„Nein, ich habe in keiner Weise Herrn Edward

Deutsches Keich.

Berlin, 22. Februar.

* Der Kaiser empfing heute eine Abordnung der landwirthschaft!. Ceutralvereine der östliche» Provinzen, welche beauftragt war, mittels einer Denk­schrift dre Wünsche ter Landwirthschaft zur Kenntniß des Kaisers zu bringen und um deren Förderung zu bitten. Der Kaiser erwiderte:

„Ich danke Ihnen, meine Herren, daß Sie gekommen smd, und sich unmittelbar an Ihren Landesvater wenden. Wie mem unablässiges Streben auf das Wohl meines Landes gerichtet ist, so ist es auch mein Wunsch und Wille, den Schwierigkeiten und Sorgen abzuhelfen, mit welcher die Landwirthschaft, zumal in den östlichen Provinzen zu kämpfen hat. Die Mittel und Wege, welche hierzu einzufchlagen, sind mannichfacher Art und schwieriger Natur. Nur einer längeren Zeit wird es, auch bet voller Hin­gabe meiner Regierung an die gestellten Aufgaben, gelingen, dem angestrebten Ziele näher zu kommen. Dazu bedarf es vor Allem des Friedens, zu dessen Erhaltung auch Sie beitragen können indem Sie für die Stärkung unserer Wehrkraft ein­treten Die Wünsche, welche Sie mir vortragen, werden von meiner Regierung eingehend geprüft und nach Möglichkeit be­rücksichtigt werden. Je mehr dies geschehen und das Gedeihen der Landwirthschaft gefördert werden kann, desto größer wird meine Befriedigung fein, da die Landwirthschaft und die ackerbau­treibende Bevölkerung mir besonders am Herzen liegen. Ich erblicke gleich meinen Vorsahren in ihr, wie ich vor dre, Jahren in Königsberg auf dem Feste der Provinz ausgesprochen habe, eine Säule des Königthums, die zu erhalten und zu festigen mir Pflicht und Freude ist, und ich vertraue zuversichtlich, daß sie sich als solche in alter Treue alle Zeit bewährend wird.

* Eine große laudwirthschaftliche Bewegung ist zur Zeit im Entstehen und Wachsen begriffen. Dre Aussicht auf den Abschluß eines Zoll- und Handels­vertrages mit Rußland bat die landwirthschaftlichen Kreise beunruhigt. Die Herabsetzung der landwirth­schaftlichen Zölle wird als eine hohe Gefahr für die deutsche Landwirthschaft bezeichnet. In Berlin konzen- trirt sich gegenwärtig die Bewegung, welche ohne allen Zweifel auS thatsächlich vorhandenen Mißstimm­ungen herausgewachsen und keineswegs künstlich erzeugt ist. Wen» die landwirthschaftlichen Centralvereine zu- fammentreten, wenn auch der deutsche Landwirthschafls- rath einen Kongreß abhält und wenn sich ein Bund der deutschen Landwirthe bildet, so sind daS Zeichen dafür, daß die Landwirthschaft sich rührt, um eine Bevorzugung der Industrie zu Hintertreiben. Das ist ihr gutes Recht. Ob die Mittel, die man hier und dort wählt richtig sind, ist eine andere Frage. Liberale und demokratische Blätter pflegen den Bauernstand fo geringschätzig und verächtlich zu behandeln, daß es gar nichts schaden kann, wenn die Thatsache, daß die laudwirthschaftliche Wählerschaft vorherrscht und sich nöthigenfalls Beachtung erzwingen kann, all­gemein in Erinnerung gebracht wird. Die wohlthätige Wirkung wird nicht auSbleiben. Coprioi sowohl wie Bötticher haben die Nothlage der Landwirthschaft anerkannt. Caprivi hat auch bezüglich der Dauer­haftigkeit der gegenwärtigeir Getretdezölle beruhigende Erklärungen abgegeben. D-r seßhafte, konservative Bauernstand ist der unerschütterte Fels mitten in den Strömungen einer gährenden Zeit. Nur wer diesen

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Presse.

* Dem Reichstag ist folgender Nachtrag dem Be­richt derWahlprüfungS-Kommission, die Wahl des Abgeordneten Ahlwardt, zugegangen: Nachträg- lich h:t die Kommission auf den Antrag des Referenten Abg. Dr. Hermes, welcher die Vertretung des Berich­tes im Plenum des Reichstages ablehnte, weil er nicht behindert sein wollte, die Ansicht der Minorität der Kommission zu vertreten, beschlossen, Herrn Abg. von Holleuffer zum Berichterstatter für daS Plenum zu be­stellen.

Orkney meine Einwilligung gegeben, ihn zu ehelichen, denn «ch mag von ihm durchaus nichts wisfen."

„Hören Sie!" rief John in fröhlichem Tone auS, „diese Erklärung muß Sie ja beruhigen."

„Nicht im Mindesten: wer wird den Worten einer Person, wie sie es ist, Glauben beimessen? Wie die Mutter, so die Tochter, und ..."

„Herr Orkney, erlauben Sie mir, zu bemerken, daß "Sie sich irren," versetzte der Diener in strengem Tone. , .

O, ich glaube, es ist nicht die Zeit, sich in un- nöthigen Feinheiten zu ergehen; es ist vielmehr die höchste Zeit, daß diese Person ihre wahre Herkunft kennen lernt ... Um es schließlich kurz zu machen, sage ich Ihnen nur dieS: Sie werden sie emlaffen müssen oder sich der Gefahr aussetzen, daß Herr Mork- ham Ihnen allen die Thüre weist, denn ich werde ihm über diese Angelegenheit schreiben. Sehen Sie," fuhr er barfch fort, indem er mit dem Finger auf Gwen- doline zeigte, „sie ist in kostbare Gewänder gehüllt, sie läßt sich bedienen, sie bewohnt das schönste Zimmer im ganzen Hause, man nennt sie „Miß" und sie er- theilt Befehle, als wäre sie die Tochter des Herrn. Dies ist lächerlich und muß ein Ende haben."

„Sie sind fehr graufam Herr Orkney!" warf der alte Diener ein. L

„Nein," rief Gwendoline auS, sich umwendend, „ich

Fels behütet, nicht wer ihn abbröckelt, ist ein wahrer Freund der Staats- und Gesellschaftsordnung. Graf Caprivi hob im Reichstage feine Verdienste um die Festlegung des Kornzolles auf M. 3,50 hervor. Ca­privi meinte zwar, daß die Kornzölle ein schweres Opfer für das Land feien, und daß die Landwirth- fchaft dankbar fein müffe, wenn für sie dies Opfer gebracht werde. DaS gibt aber ein unrichtiges Bild der Wechselbeziehungen zwischen den beiden großen Er- werbSständen im Lande; denn die landbautreibende Bevölkerung bringt auch Opfer für die Industrie, in­dem sie die durch die Schutzzoll-Politik »erneuerten Jndustriewaaren kauft und kaufen muß und somit die Last der Jndustriezölle mit trägt. Was dem Einen recht ist, muß dem Andern billig sein. Ein bemerkens- weither Zug war es, daß die Angriffe gegen die WirthschastSpolitik der Regierung, je heftiger sie waren, mit um so größerem Beisall auf der Rechten also | von den Großagrarier,, begleitet wurden. Die eigent- I ließe Opposition, wenigstens in den wichtigsten Fragen ; der wirthschaftlichen Politik, bilden gegenwärtig die i prot. Konservativen, die Stütz- der Regierung auf diesem Gebiet sind die D-utschfreisinnigen, und das Centrum ist bemüht, zu vermitteln.

* Aus Anlaß der Reden der Abgeordneten Dr. Porsch und Frhr. v. Heereman über die Paritäts- ; Verhältnisse in Preußen erinnert die ,K. Bztg.' i sehr zeitgemäß an eine Stelle der Rede, welche Dr. - Porsch am 5. d. M- in der großen Volksversammlung I in Münster hielt, eine Stelle, welche in den auszüg- | lichen Berichten der Presse nicht i» der Bedeutung l hervortrat, welche sie verdiente. Dr. Porsch richtete nämlich an die Versammlung die dringende Auf­forderung, man solle bei allen die Parität berührenden Beschwerden sich nicht darauf beschränken, solche Dinge in der Presse zur Besprechung zu bringen, sondern dieselben in direkten Eingabe gliedern des Centrums zu unterbreiten. Die Abgeordneten könnten bei der großen Ueberlastung mit Arbeiten nicht die einzelnen Notizen in der Presse verfolgen, und znm andern entbehrten die Preß- nachrtchten in dir Regel der zur erfolgreichen Ver­tretung der Beschwerden nöthigen Einzelheiten. Man - wöge daher in allen solchen Fällen sämmtliche zur richtigen Beurtheilung der Sache nöchigen Einzelheiten, genau der Wahrheit entsprechend, also mit einem Worte gut fubstantiirte Berichte an die Abgeordneten direkt einsenden neben der Berichterstattung an die j

losigkeit zu bezeichnen; die Festreden, welche er in feiner Amtsthätigkeit auf den Universitäten angehört, Härten alle großen Respekt vor der christlichen Religion und ein großes Maß religiösen Sinnes enthalten. Em zelne Ausnahmen könnten daran nichts ändern. Wenn auch einzelne Profefforen über den Kulturwerth der ChristenthumS in abfälliger Weise sich geäußert hätten, so werde doch die wahre Wissenschaft immer wieder auf die christliche Wahrheit zurückkommen müssen. Man solle doch auf den Sieg der christlichen Wahrheit etwas mehr vertrauen. An religiösem Sinn werden die deut­schen Universitäten von den ausländischen so wenig übertroffen, wie an Wissenschaftlichkeit; nach demZeug- niste eines Franzosen produzire Deutschland an Wiffen- schäft mehr, als die ganze übrige Welt zusammen. Aber er erkenne es auch als seine Pflicht und Schuldigkeit an, dafür zu sorgen, daß alle Richtungen auf der Uni­versität vertreten sind, und er habe das Vertrauen zu den Universitäten, daß sie unsere Jugend nicht schädigen, sondern sie zur Wahrheit führen. Abg. Schmelzer (ntl.) bedauerte, daß das Studium der Getsteswlsten- fchaften auf den Universitäten zurückgehe, und daß das

glaube, daß alle« wahr ist, was der Herr da sagt, und daß ich hier Weggehen muß . . .

„Aber wohin solltest Du beim gehen, unglückliches Kind!" meinte die Haushälterin schluchzend.

Hören Sie, Herr Orkney!" sagte John, „wir haben Herrn Morkham stets treu gedient. Was alles das betrifft, was wir für Miß Winter gethan haben, ‘ so bin ich der Meinung, daß dies Niemanden was an- i geht, und wir haben, da wir so gehandelt, wie wir i gethan, geglaubt, recht zu thun. Sie mögen Herrn

Morkham schreiben und ihm dre Sachlage mltthe,len, wir werden ihm dann auch unsererseits schreiben, und ■ Miß Winter soll dann wenigstens nicht eher Lone- ; moor verlassen, als die Antwort Herrn MorkhamS

^Orkney wechselte noch einige Worte mit John und entfernte sich dann, nachdem er zuvor noch betont

; hatte, daß sein Brief binnen einer Stunde abgehen ! werde.

15.

Nachdem Herr Orkney sich entfernt hatte, stieg Gwendoline mit tiefbetrübtem Herzen zu ihrem Zimmer

i bleibt uns nichts Anderes Übrig", fagte John ! feinet Frau, als unserem Herrn die Sachlage so I mitzutheilen, wie sie sich verhält; denn da wir niemals von ihr in unseren Briefen gesprochen haben, so kann

* Das Abgeordnetenhaus setzte gestern die Be rathung des Kultusetats bei dem Kapitel „Univer­sitäten" fort. Abg. Dr. Friedberg beklagte sich darüber, daß an den Universitäten so viel gespart werde, verlangte Aufbesserung der Pcofessorengehälter durch Einführung von Dienstalterszulagen und wandte sich dann gegen die neulichen Ausführungen des Abg. Dr. Porsch, daß an den Universitäten sich mehr und mehr ein antichristlicher Geist geltend mache. Für diese un­geheuerliche unwahre Anschuldigung müsse er von dem Adg. Dr. Porsch Beweise verlangen. Abg. Dr. P o r s ch erwiderte, wie wir zur Vervollständigung unseres gestrigen kurzen Berichtes nachtragen, daß er nicht generell behauptet habe, daß auf den Universitäten em antichristlicher Geist bestehe; er habe nur darauf hin- gewiesen, daß verschiedene Dozenten antichristliche Vor­lesungen halten, und daß Licht und Schatten nicht ; immer richtig vertheilt seien. Zum Beweise dasür, daß i thatsächlich antichristliche und antireligiöse Lehren vor- aetraaen werden, welche der Sozialdemokratie die Wege