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4.4 Donnerstag, bett 23. Februar 1893. 20« Jahrgang

WldiikrWZkitung

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Ballestrem W WäWe Ä in

von einer Nierenkffektion erkrankt. In der gestrigen Sitzung der Milttärkommisfio« sollte über seinen Antrag verhandelt werden, auf seine schriftliche Bitte wurde die Verhandlung darüber bi» Donnerstag ver­tagt. Heute wird in die Berathung des § 1 einge-

nannte trotz der Klarstellung ves saues ourq den Abg. Jebfen den Rheder Schiff einen Massenmörder. Die einzelnen Kapiteln wurden genehmigt. Morgen: Einheitszeit, Etat des Innern.

* In einem vom .Deutschen Kol.-Bl. veroffmt- lichten Bericht des Stationschefs von Bukoba, Lieute­nants Hermann vom 20. September v. I. theilt dieser mit daß bei ihm von Kapitän Williams m Uganda eine Bestätiaung der schon früher gemeldeten Gerüchte vom Tode Emi« Paschals, welcher am Aruwiml von Arabern erschlagm sein sollte, eingetroffen sei. Em Europäer sei mit Soldaten nach dem Thatort abmar- schirt, um von der Wahrheit sich zu überzeugen. Nach einem vom 15. August Datitten Schreiben Sef den Muhamed'S an seinen Vater Tippo-Tip aus der Station Stanley-Fälle am Kongo soll dagegen Emm damals

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(12. Fortsetzung.)

Gwendoline wandte sich ab —eine schreckliche Angst malte sich auf ihren Zügen.

„Sine ebenso seltsame als traurige Geschichte," sagte das junge Mädchen, nachdem sie ihrer Erregung wieder Herr geworden war. »Und Herr Morkham? Sie haben mir gesagt, daß er nicht einmal weiß, daß ich lebe . . . " . .. ,

„Nein, er kennt Dich nicht. Kurze Zett nach diesen Ereignissen hat er England verlassen und er hat für Dich niemals etwas gethan."

„Wer hat mir denn eine Lehrerin gegeben? Wer hat mich in die Pension gebracht?"

„Ich und mein Gatte haben für Aller dies gesorgt .... Du kennst nun das Geheimmß, Gwendoline; wir haben Dich nach Lonemoor zurückgebracht und Du hast keine anbeten Rechte als diejenigen, welche toit Dir hier zugelassen haben." .

Eine lebhafte Röche überflog das Gesicht des jungen Mädchens. „Und ich habe hier die Herrin gespielt, während ich thatsächlich unter Euerer Botmäßigkeit stand! Ich begreife jetzt viele Dinge, welche mir bis

es noch zwei besondere Erwägungen, die sich am heuttgen Tage aufdrängen. Noch niemals habe eine so enge Verbindung zwischen dem Papst und der katholi- schen Kirche auf dem »eiten Erdenrunde bestanden, wie jetzt, noch nie sei so sehr der Satz zur Wahrheit geworden: „Ubi Roma, ibi ecclesia16. Diese enge und innige Verbindung der Katholiken des Erdkreises mit dem hl. Stuhle sei um so bedeutsamer m eurer Zeit, in welcher die Mächte und Kräfte des Materialis­mus und Atheismus, der religiösen, politischen und sozialen Revolution alle Autorität zu untergraben, dre heiligsten Bande zu lockern und zu zerreißen suchen. Sodann zeige sich jetzt wieder, daß eine bedeutsamere Erscheinung in der Welt nicht zu finden ser als das Papstthum. In 19 Jahrhunderten seien so manche Völker und so manche Throne so manche Institutionen zu Grunde gegangen, aber das Papstthum habe alle Stürme der Zeit überdauert. Ueberall sei so mancher Wandel eingerreten, das Papstthum sei unwandelbar geblieben. Nirgends trete die göttliche Macht m der katholischen Kirche klarer und überzeugender m die äußere Erscheinung als in der dieser großen Geschichte des Papstthums und auch in der glorreichen Regierung des jetzigen hl. Vaters. In diesem Sinne forderte der Redner, dessm Worte häufig von Beifall unterbrochen wurden, die Festversammlung aus dem hl. Vater ein dreifaches Hoch auszubringen, was mit freudiger Be­geisterung und endlosem Jubel geschah. Im weiteren Verlause des Festmahls schlug Abg. Graf Konrad Preysing vor, ein Glückwunschtelegramm an den hl. Vater in italienischer Sprache nach Rom zu senden. Der Vorschlag wurde mit Begeisterung ausgenommen. Nachdem Graf Preystng den Wortlaut verlesen, theilte er noch mit, daß vom Grafen Balle­strem ein Telegramm aus Rom eingegangen fei, welches der Festversammlung einen guten Verlauf wünscht und daran die Mtttheilung knüpft, das Graf Ballestrem Dienstag Vormittag vom hell. Vater rn

Deutsches Keich.

Berlin, 21. Februar.

* Zur Feier des 50jährigen Bisch ofSjubil äumS des hl Vaters Leo XIII. hatten sich die Ceutrums- Fraktionen des Reichstags «nd Landtags am Sonntag Abend im großen Festsaale des Karserhoses in Berlin zu einem gemeinsamen Festmahle versammelt. Die Mitglieder der polnischen Fraktion hatten sich dieser Feier angeschlossen, von Mitgliedern J^erer Fraktionen waren u. a. Fürst Hatzfeld und Frhr. Sauermann, v. d. Jeltfch anwesend als Gaste der General-Adjutant weiland Kaiser Wilhelm I., General Fürst Anton Radziwill und der bayerische Gesandte Gras Lerchenseld-Köfering. Außerdem nahmen einige Honoratioren Der katholischen Bevölkerung Berlins und nniae Mitglieder der CentrumSpresie an dem Festmahle Theil. Der Festsaal war mit der Büste Leo XIII. und dem päpstlichen Wappen, inmitten eines Arrangements von Blumen und Blattpflanzen und umgeben von weiß-gelben Fahnen, geschmückt. Die Festrede hielt der Borfitzende der CentrumSfrakrion des Abgeordneten­hauses Dr. Frhr. v. Heereman, welcher auch an der Festtafel präsidirte. In schönen und herzlichen Worten wies derselbe darauf hin, wie heute alle Katho- likm des Erdkreises von einem Pol zum andern und vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergänge ihre Blicke auf Rom gerichtet haben, zum Statthalter Jesu Christi, den jetzt die bischöfliche Mitra fett 50 Jahren schmücke. Papst Leo XIII., der Nachfolger des hl. Petrus, sei in einer großen bedeutungsvollen Zett dazu berufen worben, sein Leben dem Dienste und der Leitung der katholischen Kirche zu widmen, aber mit hoher Befriedigung könne derselbe zurückblicken auf seine lange segensvolle und gottbegnadete Thätlgkett, als -Bischof, als Kardinal und als Papst. An diesemRuck- Mck auf die segensvolle Wirksamkeit des hl. Vaters nehme auch die heutige Festversammlung Ancherl, bereit große Freude es sei, zugleich neben dieser Theilnahme dem hl Vater die Gefühle ehrfurchtsvollen Gehorsams, kindlicher Liebe, aufrichtiger Verehrung und Treue und herzlicher Dankbarkeit zu Füßen legen zu können, wenn das heutige Fest schon eine hohe Bedeutung habe wegen der Person, die dasselbe feiert, denn es sei dies das Haupt der katholischen Christenheit, so gewinne es um fr mehr an Bedeutung, durch die Persönlichkeit des Papstes L-o XIII., durch dessen glorreiche, apostolische und hirtenamtliche Thätigkeit, durch dessen Verdienste um die Kirche nicht allein, sondern auch um die Wfff'N» schäft und um das soziale Leben der Gegenwart. Von hoher Warte herab überschaue der hl. Barer den Lauf der Dinge und von hoher Warte richte er seine Worte nicht nur an die Katholiken, sondern an die ganz Welt, und in der ganzen Welt werden diese Worte gehört und wird den Worten der hl. Vaters gelauscht, und wie große Anerkennung haben fie gefunden! Unter dm Fürsten und Mächtigen dieser Erde, die zur heutigen Feier ihre Gesandten nach Rom geschickt haben, befinde sich auch der Gesandte unseres Kaisers mit Glückwünschen desselben und mit kostbaren Geschenken für den Papst- Jubilar. Neben diesen allgemeinen Betrachtungen seien

täten eingefordert und dabei festgestellt, daß unsere Universitätslehrer, von Ausnahmen abgesehen, von christlichem Geiste erfüllt seien. Daß die wahre Wissen- schaft sich mit dem Christenthum in Widerspruch setzen könnte, sei nicht zu besorgm. Bei den höheren Lehr­anstalten wurde ein Antrag der Polen und des Cm- trums auf Streichung eines Fonds von 100,000 M. zur Unterstützung deutscher Schulen ans höheren Lehr- anstaltm in den polnischen Landestheilm abgelehnt. Eine Anzahl Beschwerden über Zurücksetzung polnischer Schüler höherer Lehranstalten bei Schulgelderlasten u. s. w. sagte der Minister Berücksichttgung zu, salls sich die Beschwerden begründet erweism. Die Forde­rungen für die Universitätm und das höhere Schul­wesen wurden genehmigt. Weiterberathung morgen.

• Der Reichstag überwies ein Schreiben des Reichskanzlers in Sachen des Abg. Münch an die Geschäftsordnungskommission. Der Reichstag hatte die Einstellung eines gegen v. Münch schwebenden Straf­verfahrens ersucht; gegen den Genannten schwebt aber kein Strafverfahren, vielmehr ist derselbe bereits ver- urtheilt. Der Handelsvertrag mit Aegypten wurde m 1. und 2. Lesung genehmigt, nachdem die Abgg. Graf Kanitz (kous ), Dr. Hammacher (ntl.) und Dr. Barth (M.) den Vertrag befürwortet hatten. Dann wurde die Berathung des Etats des Innern fortgesetzt. Beim Auswanderungswesen konstatirte Präsident v. Levetzow auf eine bezügliche Anfrage, daß eine Berathung des Auswanderungsgesetzes vom Hause bisher nicht ge­wünscht worden sei. Abg. Dr. Hirsch vertheldlgte die Kommission für Arbeiterstattstik gegen die Angriffe deS sozialdemokratischen .Vorwärts'. Abg. Bebel (Soz.) bemängelt die Kommission bezw. bereit Organisation tmb bie Form der von derselben geführten Enquete. Beim Titel Oberseeamt verlangt Abg. Schwartz (Soz.) den Erlaß einer neuen SeemannSordnung. Abg. Jebfen (ntl.) bestritt die Nothwendigkeit einer fundamentalen Umgestaltung der deutschen SeemanSordnung. Abg.

Stehe auf, Gwendoline," sagte die alte Frau gerührt, „<8 könnte Jemand hereinkommen, und

Langsam erhob sich dis Waise. „Meine theuere Madame Ouillet," hob sie dünn an, „Sie müssen nur jetzt auch noch sagen, wie eS kommt, daß ich Gwendolme Winter heiße. Wer hat mir diesen Namen gegeben?

„John und ich habe dieses gethan. Wir haben geglaubt, daß Gwendoline ein hübscher Name sei, und dann ist er auch derjenige eines Mitgliedes der Familie Morkham."

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In diesem Augenblicke ertönte ein heftiger Schlag an die Thüre des Zimmers, und der Herr Orkney, der Geschäftsmann, trat mit vor Zorn geröthetem Ge- ^Mochmne Ouillet", sagteerbarsch, „ich muß zu Ihnen kommen um mich über das Benehmen Ihres •*SSt «K» Fmft-r u-d M. °» °b fi-

m.ch nicht," fuhr er fort, „daß dieses Fräulein Mit meinem Sohne auf einem Spaziergange zusammengetroffen ist, welchen sie heute Nachmittag gemacht hat. Nachdem

treten.

* Wenn sich eine Nachricht des ,Deutschen Adels- blatteS' bewahrheitet, dann wird der Reichskanzler Graf Caprivi demnächst eine Gattin heimführen; er würde dieser Tage seine Verlobung mit einer jungen Wittwe, Frau Oberst v.Lchmann aus Tilsit, anzeigen.

* Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung d-s KultuS-Etats fort. Bei den Universitäten theilte Minister Dr. Bosie mit, er habe anläßlich früherer Aeußerung deS Abg. Dr. Borsch (Ctr.) Bericht über die religiösen Verhältnisse der Lehrkörper der Universi-

dahin unerklärlich waren. Die Diener schienen mir nur mit Widerstreben zu gehorchen; die Pächter nebst ihren Söhnen und Töchtern warfen mir bisweilen seltsame Blicke zu, und seit meiner Heimkehr auS der Pension haben Ihre Freunde und Bekannte ihre Be- suche ganz eingestellt, offenbar wegen meiner . . . O, meine theure Madame Ouillet," fügte Die Unglückliche bei, indem fie vor der Frau auf die Knice sank, „ich habe niemals so recht gewürdigt, wie gütig Sie gegen mich waren!" u . . . „ ,

Ich danke ihnen aus Grund meines Herzens dafür! Aber sagen Sie mir wenigstens, weshalb Sie in dieser Weise sich des KindeS einer unglücklichen Fremden an­genommen haben?"

John hat diesen Gedanken gehabt. Er meinte, daß Deine Mutter eine feine Weltdame sei und daß man dir deshalb eine ähnliche Erziehung geben müsse."

O", meinte Gwendoline demüthig, „ich werde Ihnen niemals das Gute wieder vergelten können, was Sie mir gethan haben. Aber von diesem Augenblicke an darf ich nicht mehr in dieser Weise auftreten, wie ich es bisher an gethan habe; ich will jetzt nicht mehi die eleganten Toiletten tragen, wie bis jetzt ; ich wm jetzt nicht mehr von Ihnen Beiden bedient sein - ich

। werde vielmehr Sie bedienen."