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Dienstag, den 21. Februar 1893

20. Jahrgang

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Kirche nicht mehr gewähren als ihr durch den Friedens­schluß bereits gewährt worden ist. Darüber hinaus- zugehen, verbietet mir mein „gutes evangelischer Ge- wissen". So der Kultusminister Dr. Bosse. Seine Rede enthält ein Programm, was die Katholiken sich merken mögen, um keine Enttäuschungen zu erfahren, denen übrigens das Centrum wohl vorbeugen wird. So höflich auch der Kultusminister Dr. Bosie in der Form war, in der Sache selbst spinnt er „denselben Faden und dieselbe Nummer" in der Versumpfung des Kulturkampfs weiter. Abg.Frhr. v. Heere- mann gab ihm schon zu verstehen, wie namentlich die Polizei - Aufsicht über die Krankenpflege - Orden geradezu unerhört sei, aber dafür hatte Kultur- Minister Dr. Bosse keine Antwort und keine Recht­fertigung.

* Die Militär-Kommission der Reichstags ist am Dienstag in die Spezialberathung der Mili­tärvorlage eingetreten, welche sich zunächst auf die Frage der gesetzlichen Formulirung der zwei­jährigen Dienstzeit erstreckte. Abg. Dr. Lieber hat auch in der Sitzung am Mittwoch ausdrücklich au der Stellung festgehalten, welche das Centrum von vornherein betteffs der Militärvorlage eingenommen hat, und angekündigt, daß das Zentrum betreffs der gesetzlichen Festlegung der zweijährigen Dienstzeit seinen eigenen Antrag formuliren werde. In der Donnerstag- Sitzung erfolgte die erste Abstimmung. Dieselbe ergab die Ablehnung der Anträge Bebel, Rickert und von Bennigsen, wie auch der Bestimmung der Vorlage selbst über die zweijährige Dienstzeit, so daß vorläufig in dieser Beziehung gar nichts zu Stande gekommen ist.

* Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathuug des KultuS-EtatS fort. Abg. Stocker (konf.) rechtfer­tigte seine früheren geschichtlichen Citate gegen die Juden und forderte weit größere Freiheit für die evangelische Kirche durch Erweiterung der Zuständigkeit der Synoden. Kulturminister Dr. Bosse verlangte präzise Formulirung der Wünsche der General-Synode, um dieselbe prüfen zu können. Abg. Rickert (frs.) erklärte eS für ehren­hafter, die verfolgten Juden in Schutz zu nehmen, als sie zu Hetzen und trug dann literarische- Material zum angeblichen Beweise dafür vor, daß der Talmud keine unsittlichen Grundsätze enthalte und daß Dr. Ecker, auf den sich die Abgeordneten Dasbach und Stöcker berufen haben, vom Talmud nichts verstehe. Kultus­minister Dr. Bosse erklärte, daß ihm die Frage des Ecker'schen Judenspiegels nichts angehe. Abg. v.Wacker- barth (kons.) konstatirte das Vorhandensein einer Anti- semitenhetze. Abg. Dantzenberg (Centt.) hielt die Be­schwerden des Centrums gegenüber der neulichen Ant­wort des Ministers auf die bezüglichen Ausführungen der Abg. Dr. Porsch aufrecht. Abgg. Stötzel und Szmula (Centr.) wünschten Förderung der OrdenS- Niederlassungen behufs Bekämpfung der Sozialdemo­kratie. Minister Dr. Bosse sagte nochmalige Erwägung der Gestattung einer Franziskaner-Niederlassung in Essen zu. Abg. Dr. Meyer (frs.) erklärte sich bereit, für die

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Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(10. Fortsetzung.)

11.

Unterdessen fiel ei Gweudoline, welche auf Sone» moor keine andere Gesellschaft als diejenige ihrer Kammer­frau hatte, auf, daß die Abwesenheit Herrn Morkbam's immer länger dauerte. „Wäre er hier", dachte sie bei sich, „so könnten wir Besuche empfangen, zusammen spazieren gehen, während ich jetzt, wenn ich das Be- dürf.iiß dazu empfinde, allein auSgehen muß, oder dies nur in Gesellschaft meiner Kammerfrau thun kann."

Ziemlich eintönig und traurig floß der Sommer für Miß Gwendoline dahin, denn, sich selbst on den langen Tagen überlasten, wußte sie nicht, wie sie die Zeit verbringen sollten. Andererseits wurde die Stim­mung Madame QuilletS ein wenig gereizter durch die Unruhe, in welcher sie sich wegen der Zukunft ihres Schützlings befand. So vereinigte sich denn Alles, um Miß Gwendoline den Aufenthalt aus Lonemoor mög­lichst unerträglich zu machen. Andere Besucher als Herr Orkney und sein Sohn kamen nicht auf'- Schloß, und wenn der Letztere nur sichtbar wurde, so beeilte Miß Gwendoline sich, alsbald zu verschwinden.

Edward hatte bis dahin keine weitere Gelegenheit gefunden, sie allein anzutreffen; als sie eines Tages

auf ein benachbartes Dorf gegangen war, um einer armen Familie eine Unterstützung zu bringen, sah sie sich an der Krümmung einer Weges plötzlich Edward gegenüber. Er grüßte sie vertraulich und begann dann neben ihr herzugehen.

„Gestatten Sie mir, Miß Gwendoline, Sie zu be­gleiten," sagte er, „ein junges Mädchen thut nicht wohl daran, ihres Weges allein zu gehen."

„O, ich fürchte nichts, mein Herr, und ich würde er vorziehen, ohne Ihre Begleitung nach Haufe zu gehen," antwortete Miß Gwendoline kalt.

„Sie gehen meiner Person allerdings stttr aus dem Wege, wenn ich mich auf Lonemoor befinde, aber jetzt, wo die Gelegenheit günstig ist, will ich Ihnen sagen, was mir schon seit langer Zeit auf dem Herzen liegt. Sie haben wohl bewerft, Miß Gwendoline, daß ich Sie bewundere und Sie liebe. . . . Biele Frauen habe ich schon gesehen, aber noch keine hat mir so sehr ge­fallen als Sie."

„Wirklich!" sagte die junge Dame wegwerfend. „Ist das Alles, was Sie mir zu sagm haben?" Damit wollte sie von bannen gehen.

„Nein, ich bin noch nicht zu Ende", antwortete Orkney jun., „hören Sie mich an, Gwendoline."

„Ich bin Miß Winter, wenn es Ihnen beliebt," sagte Gwendoline, indem sie sich stolz emporrichtete. '

Aufhebung des Jesuitm-GesetzeS zu stimmen. Weiter- berathung am Montag.

* Der Reichstag setzte heute die Berathung der Etats des Innern fort. Abg. Kunert (Soz.) bedauerte, daß der Etat für die Kunst so dürftig ausgefallen sei. StaatSseftetär v. Bötticher sagte auf Anregung deS Abg. Bamberger ausführliches Material über die Be­nutzung der fubventionirten Dampferlinien zu. Auf eine Anfrage deS Abg. Dr. Barth erwiderte der Staats- feftetär, daß für die Zukunft der ReichSzufchvß für die Altersversicherung allerdings höher, der für die Jn- validitätSversicherung aber niedriger fein werde als ver­anschlagt. Die von Dr. Barth gewünschte Wiederaus- Hebung deS Gesetzes erklärte Herr von Bötttcher für unmöglich. Die Aufhebung würde einen RechtSbrvch bedingen. Abg. v. Schalfcha (Ctt.) wollte, daß die Ver­sicherung fakultattv gemacht werde. Abg. Bebel (Soz.) erftärte eine Wiederaufhebnng für ausgeschlossen, sprach sich gegen eine Verwendung der Gelder der Bersiche- rungsanstalten zur Errichtung von Arbeiterwohnungen aus, wodurch die Arbeiter nur in größere Abhängig­keit gebracht würden, und macht verschiedene Aus­stellungen an der Handhabung des Gesetzes. StaatS- sekretär v. Bötticher erwiderte, daß er bezüglich der Anlage deS Vermögens der Versicherungsanstalten ge­nerelle Anordnungen zu treffen nicht kompetent fei. Abg. Wister verlangte Ausdehnung der Versicherung auf die Kleinbauern und städtischen Gewerbetreibenden. Abgg. Graf Behr (Rp), Möller (ntl.), Rösicke und v. Unruh- Bomst (Rp.) traten im Gegensatz zu ben Abgg. Dr. Barth unb Schrader (frs.) für Aufrechterhaltung deS Gesetzes ein, erklärten sich aber mit einer Revision der­selben einverstanden. DaS Kapitel Allgemeine Fonds wurde genehmigt. Weiterberathung Dienstag. Außer­dem: Aegyptischer Handelsvertrag.

* Die ReichStagS-Kommission für die lex Heinze lehnte heute die Bestimmungen der Vorlage ab, welches das Gesetz vom 5. April 1888 über die unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsver­handlungen noch verschärfen wollen, indem auch, wem die Oeffentlichkeit nicht ausgeschlossen wurde, die Mit- thnlung aus den Verhandlungen untersagt werden kann. Die Ueberttetung dieser Anordnung sollte mit Geld­strafe bis 1000 Mark oder mit Gefiingniß bis zu 6 Monaten bestraft werden.

* Die heute dem im Tivolisaale versammelten Bund der Landwirthe vorgeschlagene Resolution be­sagt, die Grundlagen, worauf die Stärke des Vater­landes beruht, feien unversehrt zu erhalten; die dauernde sicherste Grundlage der Macht und Größe deS Vater­landes fei das Gedeihen der Landwirthschast; die drohende Gewährung weiterer Einfuhrvergünftigungm fei eine unerträgliche Schädigung. Der Reichstag wird gebeten, weiteren Zollherabsetzungen die Zustimmung zu versagen und auf Förderung der landwitthschast- lichen Ausfuhr Bedacht zu nehmen.

* Offiziös wird von der Verwendung von Eis, welches aus infizirten oder infeftionSverdächtigen Ge­wässern entnommen ist, gewarnt.

„Ich will nichts mehr hören — lassen Sie mich also meines Weges gehen!"

„O, Sie wissen nicht, wie sehr ich Sie liebe!"

„Aber ich liebe Sie nicht, und ich könnte Sie nicht lieben, würde jch auch hundert Jahre alt. Ja, ich ver­biete Ihnen sogar, noch ferner ein Wort an mich zu richten, sonst schreibe ich an meinen Vormund und Be­schützer Herrn Morkham."

„Nun denn, Gwendoline," sagte der Elende, welcher bis jetzt seinen Zorn noch hatte verbergen können, „ich meine, daß es an der Zeit sei, daß Sie ihre Vornehm- thuerei aufgeben, Sie sprechen vom Squire? Er weiß nicht einmal, daß Sie überhaupt existiren! Und warn er nach Lonemoor zurückkehrte, so würde er Sie mit sammt den QuilletS vor die Thüre setzen. . . . Dena wiffen Sie auch, wer Sie eigenttich find?" tagte er mit immer mehr sich steigender Wuth.

„Wenigstens weiß ich, daß Sie ein Elender sind. Lassen Sie mich gehen, sage ich Ihnen."

„Noch nicht; ich muß zuerst Ihren dummen Stolz ganz darniederbeugen, — ich muß Ihnen noch sagen, daß Sie sich sehr geschmeichelt fühlen müßten, unsere Huldigungen anzunehmen, Sie, die Tochter einer Vaga­bundin . . . Sie, die Sie Ihre Erziehung und Bildung nur der Gutherzigkett dieser Dummkopfe von QuilletS zu danken haben."

Ein SchreckenSruf entfloh den Lippen GwendolinenS

Deutsches Keich.

Berlin, 18. Febmar.

* Wenn wir von Rom vom päpstlichen Jubelfeste zurück den Blick auf die Verhältnisse in unserem eigenen Lande richten, so können wir unS leider nicht ver­hehlen, daß es in kirchen-politischer Beziehung bei uns noch lange nicht so bestellt ist, wie es eigentlich sein sollte, und daß auch eine Aussicht auf weitere Besserling nicht vorhanden ist. Das Abgeordneten­haus ist nämlich mit dem Beginn dieser Woche in die Spezialberathung des Kultus-Etats einge­treten, wobei selbstverständlich die Kirchen- und Schul«. Politik der gegenwärtigen Regierung zur Sprache ge­bracht roerben mußte; in erster Linie natürlich die Stellungnahme des gegenwärtigen Kultusministers Dr. Bosse zu diesen Fragen. Die für die Katholiken bedeutsamste Debatte über die kirchenpolitische Sage spielte sich am Dienstag dieser Woche ab. Der Abg. Dr. Porsch, einer der hervorragendsten Mitglieder nnd besten Redner der Centrumspartei hatte es sich zur Aufgabe gestellt, die Wünsche und Beschwerden der Katholiken Preußens in Bezug auf die kirchen­politischen Verhältnisse zur Sprache zu bringen. Er mußte dabei selbstverständlich betonen, daß noch immer kein vollständiger Friede auf kirchen-politischem Gebiete geschaffen sei, daß die BerfassungSartikel, welche die Freiheit der katholischen Kirche garantirten, noch immer aufgehoben seien, daß man die katholische Ab- theilung im Kultusministerium aufgehoben habe, während in anderen Staaten der protestantischen Minderheit eine Garantie dadurch gegeben werde, daß nur protestantische Räthe die spezifisch-protestantischen Angelegenheiten ent­scheiden, — daß die katholische Räthe nicht nach dem Verhältniß der Bevölkerung anaeftellt werden, daß man von ben Trümmern Der Maigesetze bie Beein­flussung ber Ausbildung von Geistlichen, die Beein- ttächtigung ber Katholiken durch staatliche Aner­kennung der Alttathoüken mit Zwangszuweisung katho­lischer Kirchen an dieselben aufrecht erhalte, daß man dagegen die katholischen Orden noch immer den lästigsten Beschränkungen und Verboten unterwerfe, während der Staat sonst unbeschränkte Freizügigkeit zulasse und auch die Freimaurerorden in keiner Weise einer Kontrolle unterziehe. Dem Kultusminister mochte es wohl sehr unbequem sein, daß diese Klagen und Beschwerden ihm in so detaillirter Weise vorgebracht wurden, wo­bei auch die Mißstimmung im katholischen Volke über die Zurückziehung des BolkSschulgesetzes ge­bührender Weise Erwähnung fand. Der KultuS- Minister suchte deshalb einer Beantwortung der ein­zelnen Fragen und Beschwerden auszuweichen, indem er sich auf den allgemeinen Standpunkt stellte: Durch die bisherige Revision ber Maigesetze ist ber „volle Friebe" wieber hergestellt, daran halte ich fest, und so wenig wie ich den Kulturkampf erneuern oder eine „Politik ber kleinen Nadelstiche" aufnehmen will, ebenfo wenig will ich mehr thun und der katholischen