41 Sonntag, den 19. Februar 1893. 20. Jahrgang
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WW* Hierzu eine achtseitige Keilage:
Festschrift zum goldenen Bischofs-Jubiläum Sr.
Heiligkeit Papst Leo's XIII.
Akrostichon rcsonans „Papa Episcopo Jubilario Salas“.
Post Aureum Presbyteratus Anniversarium, Episcopale Etiam Pontifici lubilaeum Suum Celebranti Orbis Plau- dit Ovans, Intimisque Votis Benedicit: lubilario Leoni, Altäre Regnaque lesu Ordine Stabilienti, Adhuc Eongius Vitae Spatium! —
F. L.
ZUM pZpMjchm JubrlstDk.
-A^-i-ohlan, ihr Christen, schaut nach Rom, Schaut Leo dort in Petri Dom;
Bringt heut' dem edlen Priestergreis ' Zum Jubelfeste Lob und Preis!
Der Herr hat ihn beglücket, Der Herr hat ihn geschmücket: Trägt fünfzig Jahre — gottgesandt — Den Bischofsstab in seiner Hand.
Erst Hirte einer kleinen Schaar Trat er als Bischof zum Altar, Im Kleinen ein getreuer Knecht, Nach Gottes Herzen schlicht und recht; Der Herr ließ ihn erproben, Der Herr hat ihn erhoben, Hat ihn zum Oberhaupt ernannt: Wir neigen uns der Herrscherhand.
Das Szepter führt er lind und mild. Den Frieden schrieb er auf sein Schild; Sein Auge sanft, sein Herz so gut. Hält Alle er in treuer Hut. Der Herr gab ihn den Seinen, Der Herr sorgt für die Kleinen; Als Vater ist er allbekannt: Wir folgen seiner Baterhand.
Froh beugt sich jeder treue Sohn Bor Leo's heil'gem Fürftenthron. RingS auf dem weiten Erdenrund Rust liebentflammt der Christen Mund: Der Herr soll fürder walten, Der Herr durch Leo schalten; Heil Leo! segnend Volk und Land: Wir küflen ihm die Segenshand.
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Die Katholiken des ganzes Erdkreises wenden heute ihren Blick nach Rom, dem Mittelpunkte der Christenheit, wo die fünfzigjährige Wiederkehr jenes denk- würdigen Tages hochseierlich begangen wird, an welchem Papst Leo XIII. die bischöfliche Weihe erhielt. Eine mächtige Bewegung gehl beute durch die ganze katholische Welt, und aus allen Ländern kommen Nachrichten von herrlichen Kundgebungen kindlicher Liebe und treuer Ergebenheit, die vorbereitet worden sind, um dem Friedensfürsten auf des Erdballs hehrstem Throne zu seinem goldenen Bischofsjubiläum die Anhänglichkeit der treuen Katholiken in strahlendem Lichte zu zeigen und das mächtige Band der Einigkeit zwischen dem Oberhaupte der Kirche und ihren Gliedern
Verbannt.
Nach dem Englischen von I. Rüttgers.
(9. Fortsetzung )
»Miß Winter!" wiederholte Herr Orkney, „wer ist Miß Winter?" 1
Die Haushälterin sah ihren Gatten einen Augenblick verlegen an und antwortete dann, daß Miß Winter das Kind sei, welches sie aufgezogen hätten und welches er oft gesehen habe, als sie noch klein gewesen wäre.
„Wie," rief der Geschäftsmann aus, „ich habe sie als eine vollendete Weltdame angesehen ... Habt Ihr noch nichts Näheres über ihre Herkunft vernommen? . . . Und kennt Ihr ihren wirklichen Namen noch immer nicht?"
„Wir wissen nicht das Geringste," versetzte Madame Quillet.
„In diesem Falle habt Ihr eine schöne Geschichte
aus's Neue vor aller Welt zu bekunden. Wie das goldene Priesterjubiläum der hl. Vaters am Neujahrstage 1888 die ganze Christenheit in Bewegung setzte und aus allen Ecdtheilen Glückwünsche und Geschenke in geradezu überwältigender Menge zu Rom vereinigte, so sehen wir auch jetzt anläßlich des goldenen Bischofsjubiläums eine großartige Bewegung dar weite Erdenrund erfüllen. Kaiser und Könige, Präsidenten von Republiken, Minister und Diplo- waten, Parlamente und Stadtvertretungen, Vereine und Gesellschaften jeder Art in allen Ländern und Staaten, und zwar nicht blos Katholiken, sondern auch Andersgläubige, ja selbst Heiden beeilen sich dem greisen Bischofsjubilar auf dem Throne Petri ihre Huldigungen darzubringen, Geschenke zu überreichen und ihm die hohe Verehrung zu bezeigen, die nicht nur sein heiliges Amt, sondern auch der Zauber seiner Persönlichkeit und sein gesegneter Wirken bei Millionen und Millionen bis an die fernsten Jnselgestade des Oceans wachgerufen hat.
Mit den Katholiken deutscher Zunge richten auch die Fuldaer Diözesanen und unter ihnen die Bewohner der BonifatiuSstadt Fulda ihre Augen nach Rom auf den greisen Steuermann, der trotz seiner hohen Jahre mit fester Hand dar Schifflein der Kirche lenkt. Auch sie wollen dem Stellvertreter Christi an seinem goldenen Jubel- und Ehrentage aus's Neue zu erkennm geben, daß ihre Herzm in warmer Liebe und unerschütterlicher Treue schlagen für den Apostolischen Stuhl und für den großen Papst, der ihn ziert. Auch sie bringen dem Vater der katholischen Christenheit, dem unfehlbaren Lehrer und Hüter der göttlichen Worte«, in tiefster Ehrfurcht zum Jubelfeste ihre herz- lichsten Glückwünsche dar. Auch sie eilen gemäß der von den Hochwürdigsten Oberhirten bei ihrer letzten Versammlung am Grabe der hl. Bonifatius getroffenen Anordnung zu den Altären, um Dank- und Bittgebete für den gemeinsamen Herrscher und Vater auf Petri Thron zum Himmel emporzusenden. Erinnert uns doch unsere ehrwürdige Fuldaer Kathedrale durch ihre Bauart an den größten Tempel der Christenheit, an die St. Peters kirche zu Rom, in welcher am h-utigen Gedenktage die Jubelmeffe Leo'S XIII. statlfiudet. Ja noch mehr! Diese Ka.hedrale birgt seit wenigen Jahren einen kostbaren Schatz, der den frommen Betern gerade bei diesem Anlaß zu einem Gegenstand besonderer Ber- ehrung wird. Die PetruSstatue unseres Domes, etne getreue Nachbildung des in der Peterskirche zu Rom befindlichen EczstandbildeS des Apostelfürsten, wurde, wie wir heute nochmals mit freudiger Genug- ihuung hervorheben, der Stadt des hl. Bonifatius, des Apostels der Deutschen, von unserem hl. Vater Leo XIII. als bedeutungsvolles Andenken an sein glorreiches goldenes Priester-Jubiläum gewidmet. Leo XIII. hat durch dieses kostbare Weihegeschenk gezeigt, wie sehr er das Grab des von Rom gesandten großen Slaubensboten zu ehren weiß; war es doch der Hk. Bonifatius, der Deutschland, andern er eS der allgemeinen Kirche einverleibte, aus's Innigste mit dem Apostolischen Stöhle verband. Und wie dieser von den Zeiten des hl. Bonifatius an der Kirche Fulda'S stets besondere Huld erwies, so haben unsere Vorfahren durch treue Anhänglichkeit an den Statthalter Christi auf Erden sich dieser Huld stets würdig gezeigt. Auch die gegenwärttg lebende Generation hat es keinen Augen- blick vergessen, daß sie der vom Papste geleiteten Kirche und den von ihm nach Deutschland gesandten großen Pionieren christttchen Glaubens und christlicher Kultur
angefangen, indem Ihr dieser elternlosen Unbekannten eine Erziehung habt geben lassen, welche eines Edelfräuleins würdig gewesen wäre. Welche Thorheit! Und was gedenkt Ihr jetzt mit ihr zu thun? Wenn der Squire zurückkäme und in seinem Hause eine Unbekannte wohnen fände — was würde er wohl sagen?"
Madame Quillet schien diese Sprache durchaus nicht angemessen zu sein, obwohl der Mann nicht ganz Unrecht hatte. Sie sagte deshalb kurz:
„Was geschehen ist, ist geschehen, Herr Orkney. Auf alle Fälle haben wir geglaubt, recht zu handeln und die Zukunft kann eS erst lehren, ob wir Recht oder Unrecht thaten."
Der Geschäftsmann unterhielt sich noch einige Augen- ilicke mit John und verließ dann etwas unangenehm berührt das HauS. Unterwegs sagte sich der junge Orkney, welcher Edward hieß, daß er in seinem Leben niemals eine solche Schönheit gesehen habe, wie heute.
die Gründung deS Klosters Fulda, dieses einstigen Mittelpunktes der gelehrten Bildung Deutschlands, dieses Lieblingsaufenthaltes deS hl. Bonifatius, sowie das hohe Ansehen dieser auch der Mitwelt und namentlich dem katholischen Deutschland ehrwürdig erscheinenden Stätte verdankt. Welcher Katholik dächte nicht der letzten zwei Jahrzehnte mit ihren beklagenSwerthm kirchenpolitischen Kämpfen, die sowohl den gesammten deutschen Episkopat als auch die Bischöfe unseres engeren Vaterlandes veranlaßten, sich in Fulda zu versammeln und am Grabe des Apostels der Deutschm Trost, Stärke und Erleuchtung vom allmächtigen und allweism Lenker der irdischen Geschicke zu erflehen. Wie manches Mal »ritten die Gedanken deS unvergeßlichen PiuS, deS großen Vorgängers Leo's XHL, während der ersten und schlimmsten Jahre deS Kulturkampfes an Fulda'S geheiligter Stätte, und wie manches erhebende und tröstliche Wort haben nach dem Hin- gange jenes heldenmüthigen Dulders die Bischöfe unseres Vaterlandes von hier aus an seinen Nachfolger, unseren seit fünfzehn Jahren glorreich regierenden hl. Vater Leo XIII. gerichtet. Mit Weisheit, Thatkraft und Milde hat dieser erleuchtete Papst den Frieden zwischen Kirche und Staat angebahnt und im Verein mit Friedensfürsten auf den Herrscherthronen manches Hinderniß hinweggeräumt, welches der segenbringenden Wirksamkeit unserer hl. Kirche entgegenstand. Wie er den Bekenner auf dem erzbischöflichen Stuhle von Köln schon vor acht Jahren mit dem Sinnbiü» einer bis in dm Tod treuen Siebe, mit dem Purpur bekleidete, so hat er noch» diesm Tagen deffm pflichteifrigen Nachfolger sowie den unermüdlichen Mittler der Frieden- auf dem fürstbischöfl'chm Stuhle zu BreSlau, dm früheren Oberhirten der Fuldaer Kirche, zum Lohne reicher Verbimste durch Berlechung der Kardinalswürde in den höchsten Rath der Kirche berufen. So wird das goldene Bischofs-Jubiläum Leo's XIII. dm Fuldaer Diözesanen zugleich zu einem Feste der Dankes für die hohe Ehre und Auszeichnung, die er uns in unserem vormaligen, unvergeßlichen Oberhirten zu Thril werden ließ.
Kann sich auch unsere Festfeier an äußerem Glanze nicht mit derjenigen anderer Bischofsstädte Deutschlands messen, so stehen wir dämm doch nicht zurück, wo eS gilt, Gott dem Herm in inbrünstigem Gebete dafür zu danken, daß er unserem heiligen Vater die Gnade gewährte, seinen goldenen Ehrentag zu feiern und mit diesem Dankgebete die Bitte zu vereinigen, daß er dm erprobten Lenker deS SchiffleinS Petri unserer von mancherlei Gefahren umfluthetm Zeit noch recht lange erhalten möge.
So gestatte denn, Heiliger Vater, daß unter Deinen Kindern dmtscherZunge auch wir Fuldaer Diözesanm dm Stufen Deines erhabenen Thrones unS nahen und Dir aufs Neue daS Gelöbniß unverbrüchlicher Treue und rückhaltlosen Gehorsams darbringen. Gestatte unS, Heiliger Vater, in diesem feierlichen Augenblicke vor aller Welt das Bekenntniß, daß wir Dich verehren als den unfehlbaren Lehrer des Glaubens, als den unfehlbarm Hüter der Sitte und als den Spender jeglicher Gnade, die Gott durch seine Kirche auf diese arme irdische Welt auSftrömm läßt. Mit diesm Gefühlm und Be- kmntnissen knieen wir, Heiliger Vater, heute an Deinem Freuden- und Ehrentage vor den Stufen Deines Thrones nieder und erstehen Deinen apostolischm Segen, auf daß er udS durch das Lebm geleite und uns zum Tröste werde in der dunklen Stunde deS Sterbens.
Heil, Vater, Dir!
„Sie ist eben erst ganz ftisch aus der Pension gekommen," dachte er bei sich, „folglich ist es mehr als gewiß, daß sie ihre Hand noch an Riemandm vergeben hat. Run, ich werde also ihr erster Verehrer sein — morgen werde ich sie wieder besuchm."
Nachdem die Herren sich entfernt hatten, sahen die Eheleute Qaillet sich eine Zeit lang fragend an. „Alles, was er gesagt hat, John," meinte die Frau etwas verlegen, „ist nur zu wahr und ich hege nur die einzige Hoffnung, daß der Squire, wenn er wieder zurückkehrt und eine so schöne, femgebildete Dame wiederfindet, sie als seine Herrin annimmt".
„Aber auch dann würde man ihre Herkunft nicht vergeffm," warf John ein, „denn es gibt Leute genug, welche mehr auf die Geburt als auf das Vermögen schm. Übrigens brauchen wir uns nicht zu beunruhigen — die Zukunft wtrd'S lehren."
Inzwischen nahm Gwendoline, ohne ihre wirkliche
säe