Einzelbild herunterladen
 

J\£ 40 Samstag, den 18. Februar 1893. 20. Jahrgang

uldiier

Erscheint tLßlich, 6wt> «ch Feiertage anSgtnonneetL — Inserate kosten dir einspaltige Zeile oder der«« Sian« 16 ®, fei Wiederholungen entsprechender Rabatt. MnfelMrlicher Bdonnr«eatdprri» ohne Bringerloh« and BestellgeL mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und rlitmen' in Fulda und aukmärtS l Mart 60 Pfennig. J rmMiUpo m immmr>T’rir'' \nr~(THwmwwriri iniir—»'1 -^niW"WNMr»"i«» 11 > i n MHi,»« ii mm in 111 « wmmiiMim j_l■«ili m m um in m» hhibilj jiiw jumijill. j..ji h nm 11——Linmiim

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Februar.

* Wiederum ein neues Jnfanteriegewehr! Ge­neralmajor z. D. R. Wüte veröffentlicht im Berlage von R Eisenfchmidt eine sachlich gehaltene Flugschrift über „dar kleinste Gewehr kaliber", in der er zu dem Schluffe kommt, daß die S aaten demnächst genöthigt fein werden, zu einem Jnfanteriegewehr von nur fünf Millimeter Kalber überzugehen. In Chile habe man B rfuche mit einem 6 Millimeter-Gewehr gemacht, befien größte Schußweite nach der Behauptung feiner Erst der 6000 Meter betrage, während dar Geschoß auf 5000 Meter noch ein Pferd vollständig zu durch­bohren verwöge. In Rußland habe man bet P oben mit einem 5 Millimet-r-Gew H-- erstaunlich günstige Ergebnisse erzielt. Nach P ohfior Hehler sei die 5 M'llimeter-Wuff- der 8 M llimeter-Waffe um dar 2«/lvlache überlegen. Witte hebt als besonderen Vor­zug die Erhöhung der unmittelbar bereiten Patronen- zahl hervor. Der Bei fasset schließt seine Betrachtungen wie folgt: „Ein Vorsprung in der Gewehrfrage tst heute für die H ere, betten eine Neubew. ffnung ihrer Infanterie in naher und nothwendiger Aussicht steht, b. h. für alle, bie nicht eben erst ein 6,5 M llmteter- Gewehr ang mornm n haben, nur dadurch zu erreichen, daß sie thnnlichst bald znm 5 Millimeter-Gewehr über­geh en, welcher sich unzweifelhaft schon in nächster Zukunft vollkommen brauchbar Herstellen läßt. Gleich- zeitig sollte damit indeß auch eine gründliche praktische Erprobung noch kleinerer Laufweiten Hand in Hand gehen um wenigstens mit genügender Sicherheit festzustellen, wo die äußerste Grenze liegt, bis zu der man gegenwärtig, bezw. überhaupt vordringen kann, ohne auf — vorläufig ober dauernd — unüberwind­liche Schwierigkeiten zu stoßen. Nur so wird man in dem unfehlbar zu gewärtigenden abermaligen W ttlauf der einmal geschlagenen Nebenbuhler für alle Fälle ge­rüstet dastchen und gegen unliebsame Uckerraschungen gesichert sein." — Seit dem letzten französischen Kriege haben wir bereits drei neue Gewehrkaliber ein­geführt. Die Neubeschoffmg eines Gewehrs würde Deutschland mehr ais 100 Millionen Mark kosten. Da? käme alsdann noch zu dem Uebrigen.

* Die ,Post' erinnert in ihrer „Gedenktafel der neueren Geschickte" (!) daran, daß am 11. Februar ein Jahr verstosse» war, seit das Bismarck Denkmal- Komitee „einstweilen" seine Tätigkeit eingestellt hat. Wie lange dies „einstweilen" wohl noch dauern mag? Uud ob eS überhaupt noch zu einem Bismarck-Denk­mal kommen wird? Die ,Volksztg.' bezweifelt eS. Andere Leute auch.

* Die Ceutrnms-Fraktion hat folgenden Antrag zu der zweiten Berathung deS Kultus-Etats einge­bracht: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, in dem „Vermerk" zu Kap. 124 Tst. 2 der dauernden Ausgaben folgende Aenderungm vorzunehmen: 1. Im Absatz 1 Zeile 4 hinter den Worten „und in katho­lischen Pfarren" eiazuschalten: „einschließlich der staat­lich anerkannten sog. MissionSpfarren." 2. den

Absatz 2 folgendermaßen zu fassen: „Die Alters- zulagen find den im Pfarramte angestellken Geist- lichen zu gewähren, sobald dieselben eine fünfjährige Dienstzeit im Pfarramte zurückgelegt oder sich zehn Jahre in einem kirchlichen Amte in Preußen befunden haben. Die Abstufung der Alterszulagen ist in der Weise zu regeln, daß das Jahreseinkommen der im Pfarramte angestellten Geistlichen, und zwar für die evangelischen Geistlichen um je 300 M. bis zum Höchst, beirage von 3600 M. und für die katholischen Geist­lichen um je 150 M. bis zum Höchstbetrage von 2400 M. in fünfjährigen Perioden dergestalt steigt, daß die ' höchste AlterSzulage nach einer zwanzigjährigen Dienst­zeit im Pfarramte ober nach einer fünfundzwanzig­jährigen Dienstzeit in einem kirchlichen Amte in Preußen gewährt wird."

* Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung der Petition des landw. CentralvereinS der Provinz Sachsen gegen de» russischen Handelsvertrag fort. Von den Abgg. DziembowSki und Sen. wurde beantragt, die Petnion der Regierung zur Berücksichtigung dahin zu überweisen, daß bei den bestehenden Verhandlungen mit Rußland im Anschluß an die Erfahrungen, welche auf Grund den Wirkungen der Handelsverträge mit Ö sterreich, Italien und Schweiz gemacht sind, die In- ten fielt von Landwirthschaft und Industrie ausgiebig gewahrt werden. Abgg. v. Eynern u. Gen. (nl.) bean­tragen für den Fall der Annahme dieses Antrages folgenden Zusatz: Die Regierung aufzufordern sich bei Abschluß der Handelsverträge mit den Sachver­ständigen und Interessenten der Landwirthschaft und Industrie in Verbindung zu setzen. (Segen den Abschluß eines Handelsvertrages sprechen die Abgg. v. Krochen (kons.), Dr. Arendt ffrc.), Frhr. v. Eiffa (kons.), v. Schalscha Mr.), v. Sarhoi ff ^frc.) und Frhr^ Mmnige- rode (kons.) und zwar mit Rücksicht auf die der Land­wirthschaft daraus erwachsende Schädigung. Abg. Dr. EnnecceruS (nl.) erklärte die Zustimmung seiner Freunde zu dem Vertrage. Abg. Dr. Mayer (frs.) erklärte, daß seine Freunde über den Antrag einfach zur TageSord- nung übergehen. Minister Präsident Graf Eulenburg wies darauf hin, daß die Verhandlungen mit Rußland noch schwebten und ein Eingreifen in diesem Stadium nicht angezeigt sei. Handelsminister Frhr. v. Berlepsch vertheidigt sowohl die bereits abgeschlossenen Handels­verträge sowie die an dem Zustandekommen beteiligten deutschen Kommissarien. W iterberathung morgen.

* Im Reichstage wies Präsident v. Levetzow darauf hin, daß die Debatten zum ersten Titel deS Spezial- Etats des Innern schon 11 Sitzungen beansprucht haben. Wenn die Berathung in diesem Tempo weiter gehe, dürfte der Etat bis zum 1. April nicht erledigt sein. Darauf wurde die Berathung deS Etats des Innern fortgesetzt. Reichskanzler Graf Caprivi wies den Bor- Wurf zurück, der Landwirthschaft gegenüber eine un- fteundlicheHaltung eingenommen zu haben. Das Gegen- theil fei der Fall. Er habe im vorigen Jahre eine Suspension der Getreidezölle verhindert; er habe bei den Handelsvertrags-Verhandlungen eine weitere Herab- s.tzung derselben verhindert und dafür geforgt, daß die

ermäßigten landwirthickaftlichen Zölle auf 12 Jahre festgelegt seien. Die Nvihlage der Landwirtbschaft sei durch universelle Beihältn'sse, nicht durch die Regierung verschuldet. Mit den Getreidezöllen bringe das Land ein Opfer für die Landwirthschaft, das allerdings im allgemeinen In ter« sie notwendig sei; sie kämen auch der Industrie zu Gute, da diese ohne eine konsumk'äf« tige Landwirtschaft nicht bestehen könne. Abg. Dr. Buhl (nl.) verteidigte die Handelsverträge, wünschte aber, daß vor Abschluß des Vertrages mit Rußland vorher Fühlung mit den Interessenten genommen werde. Die Landwirthschaft bedürfe eines mäßigen ZollschutzeS und dieser sei ihr durch die Verträge auf 12 Jahre gesichert. Abg. Dr. Baumbach (frf.) befürwortete daS Zustandekommen des Handelsvertrages mit Rußland im Interesse des OstenS und aus politischen Rücksichten. Abg. Graf Mirbach (kons.) erklärt, dem Handelsver­träge mit Rußland auch um den Preis der Aufmbung des Identitäts-Nachweises nicht zuftimmen zu können. Wolle man die Unzufriedenheit der Landwirtschaft be­seitigen, so breche man mit dem bestehenden Erbrecht und der Verschuldung. Staatssekretär Frhr. v. Mar­schall wieS nach, daß die bereits abgeschlossenen Han­delsverträge namentlich der mit der Schweiz unterer Industrie bereits Vortheile gebracht. Reichskanzler Gras Caprivi wies die Angriffe auf die deutschen Unter­händler bei den Vertrags - Verhandlungen zurück. Staatssekretär v. Bötticher teilte die den deut­schen Kommissarien ertheilten Instruktionen zum Be­weise dafür mit, daß dieselben gar nicht in der Lage waren, einzelne Industrien zu bevorzugen. Nachdem noch die Abgeordneten Schulz (Soz.) und Dr. Bam­berger (frf) gegen die agrarischen Forderungen ge­sprochen, wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt.

* Posen, 14. Febr. Der Papst dankte durch dm Kardinal-Staatssekretär Rampolla der Posmer Ver­sammlung zur Feier des Papst-Jubiläums für ihren Glückwunsch.

* München, 15. Febr. Wie sehr dem ganzen Unternehmen der Manzgefillschast der Stempel der Unstetigkeit auf gedrückt ist, das zeigt ein Bl'ck auf die Personalveränderungen seit dem Gras-Manz',chen Blätterhandel vom Herbst 1889. Von den früheren AufstchtSräthen ist keiner mehr vorhandm, sechs Direk­toren bezw. Geschäftsführer gingen der Reihe nach ab, sieben Redakteure schieden auS. Für einen Zeitraum von 2^4 Jahren ist das ein bischen viel des „Wechsels". Aber die Diktatur Grass befestigte sich immer mehr, und die Aktien fielen von 135 auf 40.

* Freiburg, 15. F br. Der diesjährige Fasten- Hirtenbrief deS Metropoliten der oberrheinlschm Kirchen- provinz handelt über die Schäden und Leiden der Zeit, mit ihren ungewöhnlich großen urb schamlosen Ver­brechen, ihrem Unfrieden und ihrer Unzufriedenheit in den Seelen der Einzelnen, in der Familie und den verschiedenm Völkern, und über den einzigen wahren Arzt der leidenden Menschheit, der Allen zuruft: „Kom­met Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!" Besorders zeitgemäß und beherzigenswerth sind darin die Worte, mit welcken der O^erhirt die G äubigen

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(8. Fortsetzung.)

9.

Die Gouvernante blieb sieben Jahre lang auf Lonemoor wohnen, und verließ ihre Schülerin in einem Augenblicke, wo die letztere gerade deS Ruthes einer ergebenen, treuen Freundin am meisten bedurft hätte.

Fräulein Granzer war seit geraumer Zeit mit einem jungen Manne verlobt, welcher sich zuerst eine Stellung hatte verschaffen müssen, ehe er ans Heirathen denken konnte. Nachdem er endlich eine Stellung ge­funden, welche ihm erlaubte, in einem gewissen Wohl­stände zu leben, beeilte er sich auf Erfüllung des Verlöbnisses zu bringen, welches das junge Mädchen mit ihm gemacht hatte.

Gwendoline bedauerte es von Herzen sich ihrer thmren Gouvernante beraubt zu sehen, der einzigen Freundin, welche sie auf der Welt gekannt hatte.

. Inzwischen entschlossen sich dft OaiQet. das junge Mädchen inj^m Pensionat unter jubriugen. wo es seine Streit beenden und die höhere feinere Erziehung i erhaltMr iollte. Sie hofften nämlich noch immer, daß j jpefcf Rorkham seine Enkelin an Kmdesstutt annehmen werde. Sie wählten also eine Erziehungsanstalt aus,

in welcher sich die jungen Mädchen aus den besten Familien der Hauptstadt befanden. Gwendoline, von Natur aus mit großer Fassungskraft und einem guten j Gedächtniß ausgerüstet, erzielte die größten Erfolge ■ während der drei ersten Jahre ihres Aufenthalts in : der Pension. Deshalb war sie auch der Günstling der i Vorsteherin, welche es laut aussprach, daß Fräulein ■ Winter einst Furore in den elegantesten Salons machen ' und vielleicht eines Tages die Hand eines englischen i Pairs erhalten würde. Die Waise wußte von ihrer , eigentlichen Herkunft im Grunde genommen nichts. : Sie glaubte nur, daß sie eine atme Verwandte Morkdams sei, der sie auf feine Kosten habe erziehen lass.n, - und daß sie eines Tages sein Hauswesen leiten solle. -

Ja dieser ihrer Annahme mußte sie noch durch das Verhalten von Madame Ouillet ihr gegenüber be­stärkt werden, welche ihr zwar große Zuneigung schenkte, ; im Uebrigen jedoch sie als eine Höherstehende ;u be­handeln schien. Sie wußte recht wohl, daß Herr Mock- : harn seit langen Jahren auf Reisen begriffen sei. und : sie ersehnte seine Rückkehr mit um so größerer Urige- , duld, als sie ihm möglichst bald ihre Dankbarkeit und f Liebe für all' das Gute, was er ihr nach ihrer An- j nähme gethan, bezeigen wollte. Der einzige Gedanke, welcker die Freude ter guten Madame Ouillet tüote, - als sie Gwendoline in London abholte und die blühende,

elegante Dame vor sich sah, welche einst ein so hilf­loses, schwächliches Wesen gewesen war, war au die Möglichkeit, daß der grausame Squire sie auch nun­mehr noch immer zurückstoßen könne.

„Was würden wir mit ihr beginnen". dachte sie bei sich selbst, ‘„wenn dies der Fall wäre? Wäre eS dann nicht besser gewesen, wenn wir sie eine einfache Bäuerin hätten werden lassen?"

Sie konnte sich während der Heimfahrt ihrer traurigen düsteren Ahnungen so wenig entschlogm, daß es Gwendoline nicht entging. Sie fiug deshalb: „Sind Sie mit mir nicht zufrieden?"

„Nickt zufrieden? Ich wüßte nicht weshalb", ver­setzte Madame Omllck, nicht ohne ihre Verlegenheit ganz verbergen zu können.

Das junge Mädchen schien es diesmal nicht zu be­merken, sondern suhr fröhlich fort: „Es wird mich freuen, Lonemoor wieder zu sehen; mein Vormund und Beschützer wird wohl von seiner Reise zurückge­kehrt sein?"

„Dein ... wie sagtest Du auch noch.e

„Nun, mein Beschützer, Herr Morkham. Sonder­barer Weise habe ich ,hn nie zu Gisicht bekommen. Befindet er sich im Hanse?"

„Herr Morkham ist immer auf Reisen", antwortete die Haushälterin in trockenem Tone.