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20. Jahrgang

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Kardinal Joachim Kecct und das goldene Kischoft-Iubiläam Mus IX.

(Nach der Festschrift von Dr. Weinand.)

Bekanntlich feierte auch Papst PiuS IX. höchst« seligen Angedenkens um die Mitte des Jahres 1877 sein goldenes Bischofs-Jubiläum. Der große Papst war nämlich am 3. Juni 1827 in Rom zum Bischof ge­weiht worden. In der ganzen katholischen Welt, zumal in Rom selbst und in ganz Italien, gab sich eine solche Begeisterung für bie würdige Feier dieses ein­zigen Festes kund, daß die übermütige und sonst so angriffslustige Regierung des Köniareiches Italien von Besorgniß für ihren Bestand ergriffen wurde.

Die Haltung der piemontesischen Regie­rung kennzeichnete sich am besten in dem am 15. Januar 1877 dem in Rom zusammentretenden Parlamente vor­gelegten Gesetzentwürfe „gegen die Mißbräuche der KultuSdiener in der Ausübung ihres Amtes." Derselbe stellte jede Aeußerung eines Priesters, der einen Tadel gegen die Verordnungen der Regierung in sich schloß, mochte sie nun im Beichtstühle oder bei Spendung der Sakramente, auf dem Predigtstuhle oder bei der Zu­rechtweisung verbrecherischer Menschen geschehen sein, unter schwere Strafe. Depretis. der Urheber dieses Entwurfes, Minister seit Marz 1876, machte kein Hehl daraus, daß, wenn das neue Gesetz auch dm Papst selbst wegen des Garantiegesitz-s nicht tt. ff en könne, eS umsomehr jeden Untergebenen des Papstes fassen würde, welcher es wage, einen Erlaß oder eine Aeuße­rung des Papstes, worin ein Tadel der Regierung ent­halten sei, zu veröffentlichen. Der Justizmmister setzte den Entwurf am 24. Januar in der Kammer durch, und in der Erwartung, daß auch der Senat demselben beistimmen werde, unterhielten die Feinde der Papstes und der Kirche eine so lebhafte Agitation, daß die Freunde des Papstes und der Kirche im Hinblick auf die Feier M Jubiläums sich allerorts in Italien eif­riger denn V- zur Abwehr rüsteten. Pius IX., der nicht der Mann war, den Drohungen der triumphirenden Revolution zu weichen, verurtheilte das Gesetz und seine Urheber im Konsistorium des 12. Mürz vor der ganzen katholischen Welt mit jener unbesiegbaren Kraft seines apostolischen Geistes, welche bie zunehmende Schwäche seines hohen Alters nicht zu beeinträchtigen vermochte.

Die Haltung der Regierung und der parlamen­tarischen Kreise verrieth immer mehr die Absicht, der großen Feier deS Papstjubiläums wirksame Hindernisse in den Weg zu stellen. Die zahlreich angekündigten Ptlgerschaareu aus dcn außeritalienischen Ländern sollten an den Grenzen aufgehalten, den Eisenbahn-Gcsell- schaften sollte der Massentransport italienischer Pilger nach Rom verboten weiden. Eist als der italienische Senat am 7. Mai nach langer, erregter Debatte den Gesetzentwurf verworfen hatte, traten alsbald die „anti­klerikalen" Klubs in Rom und in Italien mit der Forderung der Nichtbehinderung der Feier hervor: der Eigennutz und das nationale Interesse hatten über die poetische Leidenschaft gesiegt. Unterdessen nahmen

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(7. Fortsetzung.)

8.

Der Wunsch, seine Heimath wiederzusehm, wurde bei Herrn Moikham immer lebhafter, und so verließ er denn eines schönen Tages Jerusalem in Gesellschaft einer Karawane, welche nach Jeppe ging. Er machte nur kleine Tagereisen, aber feltiamer Weise bäuchte ihm sein Vorhaben besio unsinniger, je mehr er sich der Heimath näherte, und er fühlte sich fast versucht, dasselbe ganz aufzugeben. Er verweilte länger als eine Woche in Marseille und gegen vierzehn Tage in der französischen Hauptstadt. Als er in London an­gelangt war, konnte er sich anfänglich gar nicht ent­schließen nach Lonemoor aufzubrechen. Endlich, nach langem Bedenken, bestellte er einen Wagen, welcher ihn nach Plimstone brachte, wo sein Geschäftsfreund wohnte. Dieser legte ihm Rechenschaft ab und besprach sich dann mit ihm bezüglich seiner Güter und Pacht­höfe. Auch kam er auf die Bewohner von Lonemoor zu sprechen, aber kein Wort hinsichtlich des Kindes kam über seine Lippen. „Wenn eS noch am Leben wäre", dachte unser Reisender, währmd der Wagen

die Vorbereitungen für das Papst-Jubiläurn einen nie geahnten Aufschwung.

Arn 9. Juni 1877 erschien Kardinal Peeci an der Spitze des gesummten mittelitalienischen Episkopates, als Sprecher und Führer der Bischöfe der Marken und Umbriens, von Picenum und d e r A e mi l i a, kurz des gefammten ehemaligen Kirchen­staates. in feierlichem Aufzuge vor Pms IX. und trug im Auftrage seiner Kollegen dem Papste die Glück­wünsche derselben vor. Keine der seit dem 3. Juni im Vatikan sich folgenden Abordnungen glich an Glanz, Würde und Bedeutung der von Kardinal P cci ge­führten. Ganz Italien lauschte auf die von ihrem hohen Führer, dem berufenen Vorkämpfer des katholischen Jtaltm gegen die Revolution, an Pius IX. gerich­teten herrlichen Worte, worin er dem Danke gegen Gottes Vorsehung Ausdruck gab für diesen Freuden- und Jubeltag, „inmitten des bitt ersten Krieges gegen die katholische Kirche und gegen Christus, das Haupt, von welchem die menschliche Erinnerung aus vergan­genen und gegenwärtigen Tagen weiß."

In der wunderbaren Erstarkung der Einheit der katholischen Welt 4:urch daS Ansehen des P pstes findet der Kardinal die Bürgschaft einer glücklicheren Zukunft.

»Wir können nicht umhin," sagte er, „an einen glücklichen und gesegneten Ausgang der gegenwärtigen Zeitläufte zu glauben, wenn wir sehen, wie die Gläu­bigen aller Länder in großen Schaaren nach dem Vatikan strömen und die Gaben ihrer Freigebigkeit als Peters- psin iige Dir zu Füß n legen; wie sie bei feierlichen und öffentlichen Gebeten sich zusammenfinden oder auf andere Weise ihre einhellige und gemeinsame Freude kund thun, Alle nur ein Herz und eine Seele in der Feier jenes glücklichen Gedenktages, wo vor 50 Jahren Gott es Dir beschied, zum Bischof geweiht zu werden.

„Deshalb können buch wir, heiligster Vater, die Hirten Deiner Provinzen, insbesondere der Marken, Umbriens und Aemilia, wie auch iÄe uns anvertrauten Heerden hinter Keinem zurückstehen, sowohl in pflicht- mäßigem Gehorsam gegen Dich und in Ehrfurcht vor der obersten Gewalt P>tri, als in begeisterter Freude, diesen glückseligen Tag festlich zu begehen. Du bist ein Sohn der Marken, entspross n dem edlen Blute derer von Sinigaglia; das glückliche Umbrien empfing Dich zuerst als Bischof, und die Kirche von Spoleto genoß als die erste von allen die Wohlthat Deiner Arbeiten und den Segen Deiner Tugenden; und zuletzt sandte die Aemilia, stolz auf Deine Hirtensorge und Deinen römisch n Purpur, Dich nach Rom, um dort den er­habenen Stuhl Petri zu besteigen.

„Wenn wir daher in unserem eigenen Namen aufs Neue vor Dir das feierliche Bekenntniß unserer unver- ände-lichen Einheit diesem selbigen Apostolischen Stuhle Petri und unserer Liebe und Ehrfurcht vor Deiner Person ablegen, erklären wir zugleich in der tiefsten Freude unserer Herzen, daß unsere Priester und unser Volk mit uns eins sind in diesem feierlichen Bekenntniß und dem Ausdruck dieser HerzenSgesinnung."

Pius IX. war von diesen Gesinnungen, von ihrem großartigen edlen Ausdruck und besonders von der würdevollen Haltung deS greifen Kardinals, der sie ihm schnell auf Lonemoor zufuhr, „so würde der Mann mir etwas davon gesagt haben; sein Schweigen ist wohl ein deutlicher B.weis für feinen Tod".

Bald sah er das alte Kastell vor sich liegen. Der Greis wurde, als er sein väterliches Haus wiedersah, von solcher Rührung erfaßt, daß ihm sie Thränen in bie Augen traten. „Mein väterliches Haus!" sagte er, die Hände faltend. „O, wie sehr freue ich mich, daß ich es nach so langjähriger Abwesenheit wiedersehe! So will ich es denn nicht mehr verlassm. — Wenn daS Kind nicht mehr unter den Lebenden ist, so werde ich dort meine Tage beschließen. Nun noch einige Augenblicke und ich werde darüber Gewißheit haben".

Vernehmen wir jetzt kurz, was aus dem Kinde der unglücklichen Clara Morkham während der achtzehn Jahre geworden ist, während deren sein Großvater ab­wesend war, und erwähnen wir zugleich, daß die Eheleute Oaillet es hatten taufen lassen, nachdem der Squire Lonemoor verlassen hatte.

Sie waren einen Augenblick darüber in Verlegen­heit gewesen, welchen Namen sie ihm geben sollten. „Wenn wir es Gwendoline nennten?" hatte John gemeint; „so hieß die Mutter Miß Clara's, also die Großmutter der Kleinen."

vortrug, um so tiefer gerührt, als er beim Anblick de würdigen Vertreter der Kirchen Umbriens, der Marken der Aemilia, die vor ihm, dem durch Alter und über­große Leiden Gebrochenen, nun standen, an all' die Jahre und Mühen zurücksenken mußte, die er im kräf­tigsten Mannesalter gerade diesen Kirchen gewidmet hatte.

Und nun hat es daS ewig anbetungswürdige Walten der göttlichen Vorsehung gefügt, daß der hochbegeisterte Redner bei dieser Jubelfeier Pius' IX. nicht nur sein unmittelbarer Nachfolger auf Petri Stuhl geworden ist, sondern jetzt selbst auch ebendiese Jubelfeier, nämlich den fünfzigsten Gedächtnißtaq seiner bischöflichen Weihe, in fast gleicher Lage, wie PiuS IX., aber auch unter gleich freudiger Theilnahme der ganzen katholischen WM begeht. e—

Deutsches Deich.

Berlin, 15. Februar.

* Der General der Kavallerie Fr.iherr von Lov, der beauftragt ist, dem Papst die Glückwünsche des Deutschen Kaisers zum Bischofs-Jubiläum zu überbringen, ist in Rom eingetroffen. Gestern stattete er in Begleitung des Majors von Hausmann dem Kardinal - Staatssekretär Ram polla einen Be­such ab.

* Die Ccntrumsfraktion des deutschen Reichs- urrd preußischen Landtages werden daS goldene Bischofs­jubiläum des hl. Vaters am nächsten Sonntag durch ein gemeinsames Fest, ff en im Kaiserhof begehen. Herr Graf 58 alieftrem, Vorsitzender der Centrumsfraktion des deutschen Reichstages, ist am Sonntag Abend nach Rom gereift, um dem hl. Vater zu dem Jubiläum die ehrfurchtvollsten Glückwünsche im Namen der Fraktion zu überbringen. Der Vorsitzer de der Centrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses, Dr. Freiherr v. Heereman, ist durch Rücksichten auf seinen Gesund­heitszustand hier zurückgehalten. Die Abwesenheit drs Herrn Grafen Ballestrem wird etwa 14 Tage dauern.

* Mtt der Friedensbotschaft des russischen Kronprinzen ist es wieder nichts. Derselbe soll be­kanntlich bei seinem jüngsten Besuche am kaiserlichen Hofe in Berlin aus Petersburg die Versicherung über« bracht haben, daß ein russisch - französisches Bündniß nicht ।E'tftire. Die .Kreuzztg.' hat diese Nachricht zue-st bestätigt, jetzt aber erklärt sie, es sei ihr „von einer Seite, bei der ein Jrrthum ausgeschlossen ift", die Nachricht zugegangen, daß der Großfürst-Thron­folger unserem Kaiser nicht gesagt habe, daß ein russisch - französisches Bündniß nicht bestehe. Sollte der Wind inzwischen umgeschlagen sein, ober handelt eS sich dabei um — die Militärvorlage?

* Der Kultusminister Dr. Bosse sollte nach der Meldung der Münchener ,Allg. Ztg.' sich „nicht mehr wohl an seinem Platze fühlen." Die ,Nordd. Allz. Ztg.' dementirt dies mit dem Bemerken, es sei in der allernächsten Umgebung des Kultusministers nichts davon bekannt. Dieses Dementi ist nicht so klar und bestimmt, wie man es sonst bei offiziösen Ableugnungen g. wohnt ist. Es ist doch gar nicht

„Ganz gut; aber Gwendoline genügt nicht", meinte die Frau.

„Nun wohl da sie im Winter geboren ist, so mögen wir sie Winter »nennen."

Eines Abends, als die Qailler's in ihrem Zimmer zusammensaßen, berteihen sie miteinander über die Zu­kunft deS Kindes Clara's. „John", sagte die Frau, „wir wissen jetzt, daß das Kind am Leben bleibt. WaS würde unser Herr thun, wenn er dies wüßte?" „Sehr einfach, er würde es dem Findelhause übergeben. Wenn er die Kleine hier gelassen Hai, so geschah dies in der Erwartung, daß sie nicht am Leben bleiben werde. Höre, mir kommt da ein Gedanke: wir haben keine Kinder und wir besitzen bis jetzt einige kleine Erspar­nisse. Weshalb sollten wir nicht einen Theil davon darauf verwenden, die Kleine ihrem Stande gemäß er­ziehen zu Io ff en ? ES ist doch im Grunde genommen ein Abkömmling Herrn Morkham'S und wer weiß, was die Zukunst bringen wird?" „Wenn wir nur ihren Vater kennten?" antwortete Madame Qa llet gedanken­voll. „Dies macht nichts", meinteJohn, „machen wir aus ihr eine vollendete Dame; denn, wenn vielleicht ihr Großvater sie eines Tages als seine Enkelin aner­kennen wollte und wenn wir sie ihm dann nur als ein rohes, unerzogenes und ungebildetes Mädchen vorfiihren