Einzelbild herunterladen
 

müssen."

Die Unglückliche verharrte in ihrem Schweigen. Der Herr von Lonemoor begann nun mit großen Schritten da« Zimmer zu durchmessen, während er fortwährend wüthende Blicke auf seine Tochter warf. Purpurroth vor Zorn, blieb er endlich stehen, und sagte dann mit

an dar inenschuche Gefühl ihres Herrn zu wenoen, m der Hoffnung, durch ihre Sitten ihn wieder so weich und zärtlrch gegen seine Tochter zu stimmen, wie er früher gewesen war. Eine- Abend- also, al- Herr Morkham durch den Hausflur kam. in welchem sich der Eingang zu dem Zimmer Miß Claras befand, er­kannte Madame Quillet seinen Schritt nnd meinte, der Augenblick sei günstig Schnell legte fie daS Kind neben seine Mutter meber und hinauSeilend ließ sie die Thüre weit offen stehen.

„Herr", sagte sie hastig, um nicht wieder nmthloS zu werden, „wollten Sie nicht einmal hereinkommen, um Miß Clara zu sehen?" Der GreiS blieb stehen.

„Wen soll ich sehen?" fragte er in schneidendem Tone.

„Miß Clara," murmelte die Frau, Ihre Tochter..."

„Ich dabe keine Tochter mehr — meine Tochter ist toot! Sie meinen vielleicht die Frau, welche sich dort in dem Gemache befindet? Diese will ich wohl

betrachtete er einige Augenblicke lang stillschweigend Mutter und Kind. Plötzlich schlug Clara die Augen auf — ein Ausdruck des Staunens, ja de- Schreckens malte sich auf ihren GestchtSzügen: sie hatte ihren Vater wiedererkannt! Als er sah, daß sie nichts sagte, glaubte er, fest überzeugt, daß fie ihn wiedererkannt habe, nicht ander-, al- daß sie den vollen Gebrauch ihrer BerstandeSkräste wiedergewonnen habe. Ec sagte also iu hartem, trockenem Tone zu ihr:

„Ich bin hierhergekommen, um die Erklärungen zu vernehmen, welche Du mir zu geben hast. Welchra Werth ich denselben beilegen werde, darüber werde ich selbst urtheilen.

Clara antwortete nicht; aber die Röthe, welche ihr in- Gesicht stieg, verrieth deutlich, daß sie seine Worte wohl verstanden hatte.

„Wenn Du nicht sprichst, so werde ich fcein Schweigen al- einen Beweis Deiner Schu.d ansehen

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(3. Fortsetzung.)

5.

Zwei volle Wochen verfloffen in dieser Weise. Trotz­dem der Arzt da- Gegeniheil versichert hatte, lebten Mutter und Kind noch immer, obwohl sie freilich beide sehr schwach und hinfällig warm. Die junge Frau hatte bis dahin kein Wort gesprochm. Bi-weilea blickte sie der treuen Krankenwärterin nach und schien zu de« greifen, mit welcher Sorge dieselbe sich ihrer annahm; bisweilen hatte fie auch einen Blick des Erstaunens auf da- Kind geworfen, aber noch niemals eS geküßt oder dm Wunsch geäußert, eS in chre Arme zu fchließen. Unterdeß kam sie allmählig wieder zu Straften und nach Verlauf einer Woche fühlte sie sich im Stande, aufzustehen. Die gute Madame Quillet, die Haus­hälterin begann nunmehr ernstlich darüber nachzudenken, was geschehen solle, wenn die Kranke gänzlich wieder hergestellt sein werde Würde ihr Vater sie bei sich be­halten oder sie nebst ihrem Kinde von sich stoßen? so fragte sie sich jeden Augmblick mit tiefer Bekümmerniß. Tag unt) Nacht dachte sie hieran, und so entschloß sie sich denn, diesem Zustande der Ungewißheit ein Ende zu machen, einen letzten Versuch zu machen und sich

sehen, und zwar sogleich." Mu diesen Worten war er in da- Zimmer getreten, dessen Thüre er hinter sich verschloß. Madame Quillet draußm lassend. Die arme, junge Mutter, welrye mit ihrem Kinde zur Seite auf einem Kanapee lag, war in eine so tiefe Träumerei versunken, daß sie nichts gehört hatte. Der Grits machte . _

ebenfalls seine Anwesenheit nicht bemerklich, und so tönmder Stimme zu ihr:

JXS 35

Sonntag, den 12. Februar 1893

"Ich bleibe Christo treu!" Wenn wir sähen, daß die Menschen zu den goldenen Kälbern liefen, um ihnen zu dienen, wollten wir ihnen nicht folgen, nicht den Tanz um dieselben mitmachen soiwern mit der hl. Agnes sprechen: „Ich bleibe Christo treu'" und wenn unsere Glaubenstreue und unsere christliche Ueber- zeuguug Opfer und Mühen, Schaden und Lechen von uns ver­langen, so wollten wir sie nicht scheuen und fürchten, sondern freudigen Herzens und festen Sinnes mit der hl. Agnes sprechen: »Ich bleibe Christo treu!" .

Pf- fei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Blumen in Fulda und auswärts 1 Mark 60 9fenri»,

♦ Kardinal Kopp am Grabe der heil. Agnes.

. 8m 2. Februar d. ZS., Nachmittags 4 Uhr, fand, wte unseren Lesern bereits bekannt, die feierliche Besitz­nahme der Titelkirche St. Agne- fuori le mura in 3tom durch den Hochwürdigsten Kardinal - Fürst­bischof statt. Ueber den Verlauf der Feierlichkeit haben wir schon berichtet. Wir müssen aber noch die herrliche Rede nachtragen, welche Kardinal Kopp während der Feier m Beantwortung der Begrüßungsansprache de- Abtes, der die Seelsorge in St. Agne- besorgenden , m , ftSftnbte0’ 'm“ “V*" P0!len Der MsKst V'WnliA-tt Ä" w°iil)te sich an bie zahlreich anwesenden Herzens überantworte? - Deittschen, um ihnen für die Theilnahme an der Feier ju bauten, unb führte bann etwa folgende Gedanken an-:

I Entsagung und Selbstbeherrschung Geist und

! frühzeitig gestärkt werde. So entferne sich die Mensch- I immer mehr von den Regeln, die der Sohn Gottes den

Semrgen vorgeschrieben nnd durch sein Beispiel bekräftigt habe tn sen Sumpf der Sinnlichkeit, in welchem keine christlichen Tugenden gedeihen können.

.. Aber seit dieser Abwendung von dem christlichen Geiste sei die Menschheit weder besser noch glücklicher und zufriedener ae- worden. Denn wer könne das dumpfe Grollen der Unzufrieden­heit überhören welche immer weitere Kreise ergreife? Wer könne ^„Aunahme der Verbrechen und Laster übersehen, welche die menschliche Gerechtigkeit vergebens zu bekämpfen suche *> Wer lönne ferne Augen schließen vor dem Abgrund, dem eine Mensch- I dett zufteuere welche die Wege des christlichen Lebens, die Wege tt!*« Mäßigung und Entsagung verlassen habe und sich bet ^errMmft h"r t und der schlimmsten Triebe des

। & - --------------- ,,O hl. Agnes", rief der hochwürdiatte

Redner aus, „möge Dein reines Bild in die dunkle Gegenwart Dein Tugendkampf der in Sinnlichkeit ver- funkeneu Menschheit bie Wege zeigen, wo ihr Glück und Seil unfeÄriftr* ®SEbe *“ % ift! Möge Dein reiner Sinn unsere christlichen Frauen und Jungfrauen erfüllen, daß sie ein­gedenk sind ihre? hoben Berufes in der Menschheit ein Satt

1 'hr zu sein gegen die Fäulniß der Sünde!" 4

The" seiner Ansprache feierte nun der Herr Kardmal die hl. Agnes als Märtyrin. Zunächst erinnerte er an die Seit der Verfolgungen, wie die ersten Christen überall an- gefeindet und bekämpft, von Kaisern und Königen als Feinde des Staates angesehen und bestraft, von den Henkern mit er- sindenscher Wuth gepeinigt, von den wilden gieren zerrißen worden, aber ungebeugten Muthes in den Tod gegangen seien obwohl ste durch em Wort der Verleugnung, ja schon durch ein Sorndjen Weihrauch chr Leben hätten retten können.

«5^-sei erst 13 Jahre alt gewesen, als chr Glaube der Probe des Martyriums unterworfen worden sei.

,iarteF ^eib habe kaum schon eine Stelle für eine Wunde gehabt, wie der hl. Ambrosius in seiner herrlichen Lobrede aus ^'.r Jungfrau sage. Sie habe die Schrecken des Todes noch nicht gekannt, aber freubig Hals und Hände den Feffeln darae- reicht, mit denen der Henker fie gebunden. Sie sei kaum schon N'S, «/wesen zu leiden und habe durch chre Standhafttgkett si- wmÄ ^r Henker ermüdet. Festen Schrittes sei

,®8 dränge ihn, ihnen seinen Dank in den Lauten der Hei- math auszusprechen. Der Anblick so vieler deutscher Landsleute um 'h" versammelt hätten, versetze ihn im Geiste in die peimath und rufe alle Empfindungen in ihm hervor, welche die Erinnerung erwecke. Doch nicht Empfindungen solcher Art könne

@,e hätten den deutschen Landsmann an d-r h-.l, Agnes gxlettet, welches der heil. Vater seiner Obhut letzt übemuesen habe; von diesem Grabe müsse er also die DankeSwotte nehmen, die er ihnen schulde. Dieses Grab sei ja HEgthum der Christenheft; denn es berge die L:?°beme eme der frühesten Heroinen des christlichen Glaubens. Dieses Grab sei nne stumme Predigt, und aus ihr wolle er m«ge Gedanken herausnehmen, und zwar bereit nur zwei. Die LL «te^rc ble hl-AgneS als Jungfrau und als Märtyrerin; welche Anregungen für uns, namentlich in unserer Zeit in dieser zweifachen Würde liegen, wolle er mit wenigen Motten

Die hl. Agnes, so fühtte Se. Eminenz aus, sei als daS Efffb voniehmer Eltern in Rom geboren, dem damaligen Mttel- l>er. heidnischen Welt, aber auch zugleich der Stätte der grölen Sittenlosigkeit und Ausschweifungen. Aber die bösen i Setfbitfe und die heidnischen Sitten und Gebräuche hätten aus ^Heilige keinen Eindruck gemacht, so daß sie auSrufen konnte- allmächttg-r «°ter. da^.P» .in'K^ch.Drju«,' fleckten Fußes hindurch zu gehen!" Die Bewerbung eines vor­nehmen Römers habe sie mit den Worten abgelehnt, daß fie schon Einen gesunden habe, dem fie ihr Herz geschenkt hätte, Chttstum, dem Sohne Gottes, und alles weitere Drängen habe sie zurückgewiesen als Speise des Todes. Mit herrlichen Worten aber habe die heilige Jungfrau den Schmuck geschilfert, mit welchem christliche Entsagung und Enthaltsamkeit, Mäßigung und Selbstverleugnung den Menschen ziere. „Gott hat ein Zeichen auf mein Gesicht gesetzt", so habe sie ausge- rufen, „welches Zeugniß gibt von meiner Liebe. Mit kostbaren Steinen hat er mir Hals und Arme geschmückt und mit unver­gleichlichen Perlen meine Ohren. In das Kleid des Heiles hat er mich gekleidet und mit dem Gewände der Freude mich um« «eben und unvergleichliche Güter mir gezeigt." So habe die l. Jungfrau die Freude und das Glück eines reinen Herzens, die Ehre und Würde eines chttstlich strengen Lebens geschildett;

• mit dieser Zierde wolle aber das Christenthum ein jedes Menschen­leben und die ganze Menschheit schmücken, wofern sie nur seinen Lehren folge. Ob aber wohl die heutige Menschheit diesen Schmuck zeige? Ob ste das Zeichen auf ihrem Angesichte trüge, welches Zeugniß gebe von der Siebe Gottes? Es fei schwer, diese Frage zu bejahen. Der Ernst des chttstlichen Lebens schwinde immer mehr aus der Welt und die alte Einfachheit der Sitten sei gewichen. Entsagung und Selbstbeherrschung seien Begriffe, die der Welt fast ganz fremd geworden seien; dagegen nähmen Weichlichkeit, Bergnügungs- nnd Genußsucht über- Hand. Leider habe dieser böse Geist der Zeit sogar in die Erziehung Eingang gefunden, so daß die Jugend von früh schon an Genuß und Weichlichkeit gewöhnt würde, statt daß durch

Deutsches Keich.

Berlin, 10. Februar.

* Bekanntlich bat her AuguflinuSverein zur Pflege ber katholifche» Preffe Deutschlands in feiner letzten Sitzung deschloffen, eine Deputation zum Bischofs- Mbiläurn bes hl. Vaters nach Rom zu entsenden. Dieser Deputatton gehören an btr Herren Jmmelen- Aachen, (,Echo ber Gegenwart'), Dr. Marconr-Berliv (.Germania'), Dr. CarbaunS-Köln (,Köln. BolkSztg.'), Dr. Porsch-BreSlan und I. Broix-Reuß. Mit einer überaus reichen Phantasie begabt ist ein Berliner Korre­spondent der Magdeb. Ztg.', welcher nun sowohl au8 dem Umstand, daß die katholische deutsche Preffe durch den AugnstinuS-Berein eine Deputation zum Papst- Jubiläum entsendet, als auch au- der für diese Depu­tation getroffenen Auswahl allerlei Schlüffe zieht; in beiden Richtungen soll die Entsendung zunächst „neuer Material zur Charakterittik de- CentrumS" liefern. Einmal weil diese Entsendung überhaupt für nothwendig gehalten wurde, andermal weil nur preußische Blätter vertreten seien, zum Dritten weil „da- dem Umfange nach größte der deutschen CentrumS- organe, die zu Bonn erscheinende ,Deutsche ReichSztg.' n der Delegation fehle", „allem Anscheine nach sei

pkutchttt daSnattonat- itMme^Magveburger Organ allerlei über den Aba. Dr. Porsch, welchen eS „al» Vertreter der ,Schlef. BolkSztg.' auffaßt"; die ,Magd. Ztg.' „steht natürlich in Dr. Porsch dm eigmtlichm Führer", fie weiß, daß demselben „vielfach innerhalb deS schlesischm Klerika- liSrnnS eine oppositionelle Stellung gegenüber dem Bres­lauer Fürstbischof Kardinal Kopp nachgesagt wird" und vermnthet, daß Herr Dr. Porsch in Rom an dem „zu staatsfreundlich" geltendm Kardinal „die Kunst der politischen Entwurzelung durch ultramontane Preß- sattoren versuchen wolle"; endlich meint sie, „auch dm Herren Bal lest rem, H neue und dem so selbstbewußt aufttetenben Dr. Lieber könnte vielleicht diese publi­zistische Romfahrt deS Dr. Porsch allerlei zu bratet geben." — Mehr kann man wohl nicht zusammen- phantasirm! Ersten- hat baS Centrum mit der Depu­tation nichts zu thun — zweiten- ist bie Entsendung einer solchen Deputation nicht neu; eine gleiche Depu­tation ging NarnenS ber katholischen Presse Deutsch- lanbS im Februar 1879 nach Rom — drittens ver­tritt bie mtfanbte Depntatwn nicht bloß einzelne Blätter, sonbern bie gesamrnte katholische Presse, also auch die .Deutsche ReichSztg.', welche durch ihren Bettreter bei der Wahl der genannten Deputation mitgewirkt

, -----------— 20. Jahrgang

ulixikrWZeitiing

gegangen uns yave kerne Thräne gehabt, we^-mb alle geweint. Der' v

So habe bie hl. Agnes ihre Glaubensprobe bestanden. Im Glauben und in der Hoffnung habe sie daS Leben nicht nach der Kürze der flüchtigen Zeit hienieden geschätzt und die Dinge um sich her in einem andern Lichte betrachtet, als in dem der Vergänglichkeit. Darum habe sie nicht diejenigen gefürchtet, die zwar den Leib tödten, aber der Seele nichts anhaben können, sondern ihr jungeS Leben, das sie kaum begonnen, willig und freudig hingegebeu, um nach der Krone des ewigen Lebens zu greifen.

Dieses Beispiel der zatten Jungftau sei aber ein ernster Mahnruf an unsere Zeit! Denn es gehe ein böser Geist durch die heutige Welt, welchem nichts mehr heilig sei, welcher von allem Ewigen und Uebernatürlichen nichts mehr roiffen wolle und die Menschen aller Religion und allem Gottesglauben entfrembe. Von biesem Geiste angesteckt und ergriffen, seien weite Kreise gleichgülttg gegen alles Höhere und Ueberirdische. Gewinnen und Genießen sei ihre einzige Losung. Daß der Mensch noch eine andere Bestimmung habe, welche über die Grenzen der Endlichkeit hinüberreiche, entschwinde immer mehr dem Bewußt­sein der Menschen, und so erstehe schon mitten unter uns ein neues Heidenthurn, das immer weitere Kreise ergreife und die Menschheit in eine neue heidnische Barbarei zu stürzen drohe.

Der hochwürdigste Redner ermahnt dann seine Zuhörer, zu sorgen, daß an ihnen das Beispiel der hl. Agnes nicht verloren gehe. Allen Drohungen und Versprechungen hätte sie den Aus­spruch entgegengesetzt: „Ich bewahre Christo, meinem Herrn, bie Treue." DaS solle auch unsere Losung sein. Wenn wir rings um uns Tausenbe bem Unglauben unb ber Gottlosigkeit ver­fallen sähen, wollten wir mit ber hl. Agnes zu uns sprechen: