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20. Jahrgang

Freitag, den 10. Februar 1893.

uldaerWZeitimg

unangebracht verurtheilt worden find, werden letzt auch offiziös verleugnet. So wird dem .Hann. Kur/ von hier geschrieben, eS verlaute aus der Umgebung veS Kaisers zuverlässig, „daß sich der Kaiser m dm letztm Tagen wiederholt gegen die Annahme auSge- sprachen habe, als ob die militärpolitischen Ansprachen verschiedener Generäle am Kaisers-Geburtstage auf einen Wunsch zurückzuführen feien, der den bett. Herren be- kannt gegeben worden. JnSbefondere habe auch @ra, Walderfee aus eigener Initiative gehandelt. Letzteres wollm wir gerne glauben. Jndesim darf man an- nehmm, daß die betr. Herren sich nicht zu dies« Redereim verstandm hättm, wmn sie nicht der Mei» nung gewesm wärm, damit nach Wunsch einer hoherm Stelle zu handeln. . ,

* Gegenüber den Angaben einiger Blätter, daß der Großfürst-Throufolger von Rußland hierher die Versicherung überbracht habe, ein Büudniß zwischen Rußland und Frankreich besiehe nicht, und daß allem Graf Schuwalow der betr. Unterredung der Zarewitsch mit dem Kaiser beigewohnt habe wird sestgestellt, daß Graf Schuwalow der Unterredung, die hier allem m Frage kommm kann, nicht beigewohnt hat. Die ganze Mittheilung kann sonach nur aus Combmatlon beruh«.

• Dem Berliner Polizeipräsidium sind Bildniß und Steckbrief der in dem Panama-Schwindel ver- wickelten Agmten Arton mit dem Erfuchen zugegangm, nach feinem Verbleibe Ermittelungm anzustellm, da er möglicherweise Berlin berühren dürste. Alton ist geborener Straßburger.

* Geh.-Rath Robert Koch hat sich Jeute nach Magdeburg begebm, um die dortigm Wasirrverhalt- nisie zu prüf«.

* Der Reichstag setzte hmte die Berathung der Anträge der Konservativen und des CmtrumS zur Hebung des Handwerks fort. Zur Debatte stand der Antrag Ackermann auf Erlaß eine-Gesetzes, durch welches vor-

Deutsches Keich.

Berlin, 8. Februar.

* Die politischen Geburtstagsreden der kom- mandirenden Generäle die von ollen Senrn als

Verbannt.

Nach dem Englischen von I. Rüttgers.

(1. Fort'etzung.)

2.

In diesem Augenblicke ging die Thür auf und die Kammerfrau, mit einem Tablett in dir Hand, trat herein. Herr Morkham beutete ihr mit der Hand sich zu entfernen, ohne die Frau eines Blickes zu würdigen. Die treue Haushälterin verließ das Zimmer still- schweiqend, und der unglückliche Greis war mit seinen Gedanken abermals allein. Mehr und mehr in düstere Träumerei versinkend, horchte er auf das Tosen ms Sturmes da draußen, welcher sich mit verdoppelter Wuth entfesselt hatte, als er zu seinem größten Siaunen und Schrecken draußen den Klang einer Stimme zu vernehmen glaubte. Es bäuchte ihm, als ob man von der Haide her um Hilfe riefe. Ec erbleichte und er- hob sich hastig, während er fortwährend horchte. Ja. er hatte richtig gehört: es war eine Frauenstimmei Hastig stürzte der Greis zum Fenster, ober wegen der pechschwarzen Finsterniß war es nicht im Entferntesten möglich, auch nur das Geringste zu unterscheiden. .Ein Gedanke durchzuckte sein Hirn; er ergriff dw Lampe und bei dem Scheine, welchen sie nach draußen ergießt, sieht er . • • wie draußen eine menschliche Gestalt auf

sich des Besitzers von Lonemoor eine ungewöhnliche Aufregung zu bemächtigen; kaum kann er noch athmen -unbeweglich steht er da, mit der Lampe m der Hand, als mit einem Male das Haus von den eiligen Schlägen deS broncenen Hammers an der Außenthüre wid-rhallt. Dieser Klang brachte den Lord gewisser­massen wieder zum Bewußtsein zurück uuderinnerte ihn wieder an seine Lage. Wüthenden BlickeS eilte er mit schnellen Schritten hinaus, in wenigen Minuten befindet er sich im Hausgange, wo er Madame Quillet antrifft, welche auf den eiligen Ruf deS nächtlichen Besuchers heibeigekommen war. Ter Lord schob fte bei Seite ab'*r die Kammerfrau rührte sich richt von der Stelle. Uitterdeffen erdröhnte der Hammer von

Wollen nun aber die Sozialdemokraten sich wirklich auf die natürliche Entwickelung verlassen, dann dürfen sie nicht das Umsturzfeueranblasen, dann müssen ste p oft t t vmUarbeitenan der Entwickelung und dann dürfen ste vor Allem threr einfältigen Gefolgschaft nicht vorschwindeln, daß die allgemeine Glückseligkeit im Jahre 1898 oder spätestens mit dem neuen Jahrhundert be­ginnen würde. Wie können sie denn wissen daß die Entmcke- lung zur Beglückung der Arbeiter sich gestalten wird? Weiß man denn etwa, wie der Baum, der eben aus der Erde steht, seine Krone gestalten wird? Und auf jeden Fall ,st doch zweifel­los daß die natürliche Entwickelung noch lange Jahre nöthig hat ehe die kapitalistische Staats- und Gesellschaftsform auf die böckste Stufe gebracht ist, von wo ab der Umschlag zur sozia­listischen Gestaltung ftühestens erfolgen kann. Also Schwindel ist es, was man den Arbeitern als „wissenschaftliche ZukunstS- Aussichten vorgaukelt. , .

Und wie ekelhaft ist die Zweideutigkeit; Auf der einen Seite redet man vom großen „Kladderadatsch , von der Allmacht der Arbe,ter-Bata,llone, und hetzt die Leute mit allen Hunden in revolutionäre Ideen hinein; auf der andern Seite aber sagt man, die Dinge müßten sich natür­lich entwickeln, der Borwitz der Menschen könne mcht die Zukunst gestalten. In dem einen Satze wird versichert, die Zu- fünft werde sich ihre Einrichtungen selbstherrlich nach den alsdann geltenden Verhältnissen und Kräften gestalten; m dem nächsten Satze wird aber frischweg der Zukunft in's Handwerk gepfuscht und die Enteignung aller Produktionsmittel (Boden, Kapital, Häuser, Werkzeuge rc.) als erster Punkt des Zukunsts-Programms verkündigt. „ , ._ . - ,

Aus diesem verwegenen Bekenntniß von der Ent­eignung der Produktionsmittel läßt sich nun schon eine weitgehende Skizze des Zukunftsstaates herleiten. Denn daraus folgt die gemeinfchaftliche Produktion. Um Ueberproduktion zu vermeiden, muß man auch zur Regelung des Verbrauchs von Oben her schreiten. Damit | ist, wie im Reichstag treffend bemerkt wird, das Zuchthaus fertig; denn im Zuchthaufe wird gearbei­tet, gegeben und gewohnt nach Kommando. Der ganze Zukunftsstaat würde nun in die Brüche gehen, wenn er der Übervölkerung verfällt; deshalb muß auch die Volksvermehrung staatlich geregelt werden — im äußersten Nothfalle durch polizeilichen KiudeSmord.

In Zukunst muß die Obrigkeit nicht bloß daS Recht in Zukunst eigentlich lernen Staat mehr geben, sondern bloß eine Gesellschaft. Es wird vielmehr einen Staat rP, •_ r- .ffwtXAttA imh itirntittifA ttnA Niemals QCDCn, lülc ll iv «»•••»•• *7----, ,

auf Erden .xistirt hat; neben dieserStaatSordnung, die Alles regelt, kann keine Freiheit und persönliche Selbst­ständigkeit mehr existiren.

U Diese Wahrheiten sind durch die Reichstags- Verhandlungen vor allen offenen Augen und Ohren in erfreulicher Weife klar gestellt. Sie werden hoffent­lich auf zahlreiche Rekruten der Sozialdemokratie w ar ­nend und ab fchi eckend wirken, und andererseits werden sie gewiß den Zersetzuugs-Prozeß inner­halb der Sozialdemokratie fördern, indem an die Ver- legenheitr-Bekenntniffe der Führer sich weitere Eröne- rungen über die alte Streitfrage „Revolution oder Re- form?" anknüpsen müffen.

und Quert,ölz-r zutückichiebend, riß die Thüre weit auf Während ein heftiger Windstoß in den Haus« gang hineinbrauste, wmde zu gleicher Zett etne lunge fctau sichtbar, deren Kleidung vorn Regen durchnäßt und vorn Koth der Straße beschmutzt war. Ihre Züge waren durch langes Haup-Haar e,c.germaßen verhüllt und sie ließ ,hr Haupt, das als UmbuÜung ein Tuch in fchleierartiger Form trug, schloff aus I ihre Brust hetmbsinken. Sie war in em Gewand 1 von alter verschossener Seide gekleidet, wahrend sonder-

♦ Die Sozialistm-Debatte im Reichstage.

Die Sozialdemokraten im Reichstage fingen wieder vom „Nothstand" an, und daraus entwickelte sich eine mehrtägige Debatte, welche die Sozialdemokratie in Nothstand brachte. Dem Abg. Bachem gebührt das Verdienst, die Sozialdemokraten zu einer Antwort aus die heikle Frage nach dem Zukunftsstaat gezwungen zu haben. Sie sträuben sich, in diesen sauren Apfel zu beißeu, benit sie wissen ganz genau, daß jede eingehende Darlegung der Zukunftsbildes auf die vernünftigen Zuschauer abstoßend wirken und zugleich den Zwiespalt in der Partei nähren muß. Die „Genoffen" sind einig im Verneinen, im Umsturz des Bestehenden, aber damit hört auch die Einttacht auf. Schon über die Mittel und Wege deS Umsturzes zanken sich Junge und Alte, Entschiedene und Gemäßigte. Und was bann an Stelle beS Gestürzten aufgebaut werben muß, ist «st recht unklar unb streitig. Die Gegner ber Sozial« bemokratie haben sofort nach Sefeitigung des Aus- nahmegefetzeS qeforbert, daß man bie wiebergewonnene Preß- unb Redefreiheit benutzen solle, um der Welt Karen Wein emzuschenken über den sozialdemokratischen WeltverbefferungSplan. Man schwieg vorsichtig, um den Gegnern keinen Stoff zu wirksamer Kritik zu aeben Eugen Richter kam wie daS .Westsal. Volk-dlatt bewerft, den schweigsamen Diplomaten in die Quere mit seinen „sozialdemokratischen Zukunftsbildern", in denen er auf Grund der Andeutungen in Bebel's und sonstigen Schriften eine Geschichte des Zukunftsstaates lieferte, die weithin Entsetzen vor diesem höllischen Zuchthaus auf Erden hervorrief. Die Sozialdemokraten schimpft« mächtig und behaupteten, daS Richt er'sche Mw sei ganz falsch. Aber sie gaben trotzdem fein „richtiges" Bild ihrer Pläne.

In der ReichstagS-Debatte suchte sich Bebel zu Helsen mit der bekannten Liebknecht'schen Ausrede, bte künf­tigen Zustände würden sich aus den jetzigen in naturg ema her Seift entwirr., betaue beraiSmaHfen. r* e« ta SS&Oi ba8 Eraebniß dieses NaturprozefleS schon setzt veicyrelben zu wnil.n Als der jetzige Klasienstaat sich aus dem Feudalstaate entwickelt babe sei auch seine Gestalt nicht im Voraus festgestellt Ä. DieÄusredeist nicht stichhaltig. Im alten Feudal- staat gab es keine bürgerlich-revolutionäre Partei, dre sich äbmtt den Schlüssel zum Glück Aller gesunden zu haben^ und Z langer Hand die Leute mit dem Hinweg -uf ern künftiges BaradI zum Umsturz aller Bestehenden ausforderte Sogar dre französische Revolution ging schrittweise m ihrem Zerstörungswerk vor, indem die eine Bosheit sich erst aus anderen entwickelte. Unsere Sozialdemokratie aber predigt schon leit Jahren daß Alles von oben bis unten gestürzt, die ganze pölAe soziale und wirthschastliche Ordnung vollständig m Trümmer geschlagen werden muß, und sie reizt mit

Mitteln die aesährlichen Instinkte der Massen zu einet schonuV und gren mlosen Zerstörung auf. Bei solcheml Bor­aeben muß sie einen Plan haben für den Ersatz an Stelle des verstörten Sonst treibt sie es wie Nero in feinem schändlichen der Rom in Brand steckte und nut Vergnügen m die Flammen blickte, olue sich um all' den entsetzlichen Jammer m Hmmmt Wer zu Grunde ging, der mochte zu Grunde gehen, der Rest mochte zusehen, wie er sich wiedn zu menschenwürdigen auiranie Die Pariser Kommune m, Jahre ?CTl6Sa Aehnl ches geleistet. Wenn die Sozialdemokratie eme solche Mord brenne? ei überall loslassen will, dann komm d?e Menschheit nicht in ein neues Paradies, sondern in eine Lö llr des Elends, der Rohheit, der Verkommenheit an Le,b unb Seele, wie ste noch nicht auf Erden gewesen ist. _

unb ber «ame des Inhabers erkennbar fein muß unb 'llfchaft. ES wirb vieimeyr einen «tum i baß bemjenigen eine Strafe gedroht wir , ernaflj

die Abänberung ber Konkursordnung unb betr. bte »b« änbwung ber Gesetze über bte Erwerbs- unb Witth- schafts-Genoffenfchaften verhandelt. Dw Anträge, wuv. ben von ben Abgeorbnetm Ackermann (konf.), Rmtelen unb Gröber (Centr.) begründet, vom Abg. Heme (Soz.) bekämpft, von ben Abgg. Frhr. v. Stumm (Rp.), Dr. v Bar (frf.) unb Dr. Schneiber - Hamm (natl.) aber als zu weit gehenb erachtet unb schließlich an eine Der Antrag Ackermann, wonach eS ben Konsum »er einen unter Strafanbrohung verboten werben soll, Waarm an Nichtmitglieber zu verkaufen, wmbe mtt 131 gegen 92 Stimmen angenommen. Em vom Zen­trum beantragter Gesetzentwurf, betr. bie B-chränkm« berKonfumvereine, würbe an eine Kommts toi^c

barer Weise unb in merfwiirbigen Gegensätze hierzu ein Shawl von großem Werthe ihre Schultern btbeefte. Helft mir! Helft mir!" sagte bie Fremde mit einer soschwachen Stimme, baß man sie kaum verstehen konnte. Als ber Greis einen flüchtigen Blick auf ^e unMck licke Person, bie vor ihm stand, geworfen hatte, schien ein förmlicher Sturm ber Wuth unb Raserei « fernem sjck iu entftffeln. „Es gibt keine Hilfe für

Dich mehr!" schrie er mit vor Zorn erstickter Stimm^ Weg, weg von hier, auf ber stelle . • . • • uiogtest Du zu Grunbe gehen in bem Unwetter. Die unglück­liche Frau seufzte tief auf. Die .fammerfrau von tiefem Mitleid gerügt, trat ru 'hrem Herrn und meinte' Sie haben noch niemals Jemand von oct

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dZrL-A PUÄ Ä* "er5. Kg ist kein Platz mehr hier in diesem Hause .. • Eck Dich fort" schrie er bann wüthend, indem er t hi?<xLmbe' zuschritt, gerade, als wenn er sie mit ±er Ianb au8 feiern9 6au{e weisen wolle Die Letztere stieß einen Schrei deS Schreckens nuS und wich unwillkürlich einen Schritt zuruck. Wahrend sie diese Bewegung machte hatte sie mtt ihrer Hand ba#