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Deutsches Keich.
Berlin, 4. Januar.
* Der General z. D. Leszcynski, welcher in der .Köln. Ztg.' zu Gunsten der Militär-Borlage den „Mahnruf in letzter Stunde" veröffentlichte, erklärt in diesem Artikel, er „verzichte darauf, Zahlen vorzuführen". Das ist, bemerkt dazu spöttisch die .Freisinnige Zeitung', sehr erklärlich: andernfalls würden diese Zahlen darthun, daß seine rege Behauplung unrichtig ist, wonach Frankreich mit der Durchfüh- rung der allgemeinen Dienstpflicht Massen geschaffen haben soll, die uns an Zahl „überlegen" seien. Ebenio unrichtig ist die Behauptung, daß Rußland seit 1888 wahrhaft „sprungweise" vorgeschritten ist. Weder die russische Friedenspräsenzstär ke noch die russische Kriegsstärke entspricht im Berhältniß der Bevölkerung auch nur entfernt unserer eigenen Stärke. Dagegen ist Deutschland allerdings, und zwar nicht erst seit 1888, sondern schon seit 1880, sprungweise in der HeereSverstSrkuna vorgeschritten. Es nahm eine solche 1880, 1887, 1889 und 1890 vor. Seit dem Jahre 1880 ist die jährliche Rekruten-Aushebung in Deutschland um nicht weniger als 40,000 gesteigert worden. Dazu kommt noch eine Jahres-Ausbildung von 18,000 Ersatzreservisten. Nach der stattgehabten Verlängerung der Zahl der KriegSdienstjahre auf 24 ergibt sich schon hieraus eine Vermehrung der deut- schm Kriegsarmee um mehr als eine Million Streiter. Das ist doch wohl eine respektable und zudem auch kostspielige Vermehrung unserer Heeresmacht. Am aller- meistm sollte ein höherer Militär sich hüten, solche Fastorm außer Betracht zu lassm.
* Die Börsen-Enquete-Kommisfion wird im Lause der nächsten Woche die^ Sachverständigen der Zucker- und Textil- (Kammzug-) Branche vernehmen. Die Abhörung der Vertreter des Börsenverkehrs in Spiritus ist bereits erfolgt.
* Beim goldenen Bifchofsjubiläum des heil. Vaters wird auch, wie schon kurz mitgetheilt, die deutsche katholische Presse vertreten sein. In einer am Montag in Köln stattgehabten, sehr zahlreich besuchten Versammlung des Augustinus-Vereins wurde beschlossm, eine Abordnung von 5 Herren nach Rom zu senden, welche den h. Vater im Namen der katho- lischm deutschen Presse beglückwünschen und ihm eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichen soll. Als Vertreter wurden von der Versammlung gewählt die Herren: H. Jmmelen (Aachen, Ecko der Gegenwart), Dr. Porsch (Breslau), Dr. Marcour (Berlin, Germania), Dr. Cardauns (Köln, Köln. Volksztg.), I. Broig (Neuß). Selbstverständlich wird erwartet, daß in Rom lebende Deutsche, welche der Presse nahestehen, sich an jenem Akte betheiligen. Es wäre sehr wünschens- werth, wenn die Betheiligung eine recht starke würde, damit die Bedeutung der katholischen Presse unseres Vaterlandes bei dieser hochsestlichen Gelegenheit auch äußerlich zum Ausdruck kommt. Den gleichen Zweck verfolgt ber Plan, die zum 19. Fehruar erscheinenden Festnummern der katholischen Blätter in einem Pracht-
Die Kreuzkapelle am Lahnberg.
(Zur Geschichte der Pfarrei Schröck.) .
(4. Fortsetzung.)
Tage der größten Feierlichkeit waren aber die beiden Kreuzfeste. Sowohl am Tage Kreuz-Erfindung wie Kreuz-Erhöhung zog die Gemeinde Schröck in feierlicher Prozession zur Kapelle. Die Wallfahrt des ersten Tages hat sich in Schröck bis heute erhalten. Nur ist ihr Ziel jetzt nach Zerstörung der Kapelle ein in der Nähe aus Mainzer Boden aufgerichtetes Kreuz. Am Tage Kreuz-Erhöhung fand auch von Marburg aus eine Wallfahrt „zu den einsyddeln" statt. So noch 1495. Gewiß wurde die Kreuzkapelle auch sonst häufig von Wallfahrern besucht.
Hauptsächlich bei diesen feierlichen Gelegenheiten wurden reiche Almosen gespendet, welche dec Kapelle, dem dienenden Kaplan und den Armen zu Gute kamen. DaS Einkommen des KaplanS war ein gar geringes. Als der „arme Hennche von Mardorf" 1520 Kaplan an der Kreuzkapelle wurde, bezog er folgendes Gehalt laut Kap-llenrechnung:
„1523 ist dem bruder geben VI elen gra tuch vor 24 albus, und ein par scko (Söuhe); V albus vor se-n jahrlone." Im Jahre 1524 sind es „5 elen tuck« 22 albus, 5 albus schoh dem bruder." Darauf 1526
bande zu vereinigen und als Ehrengabe dem h. Vater zu überreichen.
* Im Abgeordnetenhause theilte der Präsident ein Dankschreiben der Kaiserin für die Glückwünsche des Hauses anläßlich der Vermählung der Prinzessin Margarethe mit. Dann wurde die Etatsberathung fortgesetzt. Beim Etat der landwirthschastlichen Verwaltung wurde von mehreren Seiten eine größere wissenschaftliche Ausbildung der Thierärzte gewünscht. Ferner wurde über die Schädigung der Landwirthschaft durch die Verschleppung der Maul- und Klauenseuche geklagt. Landwirthschaftsminister v. Heyden hoffte aus wirksame Abwehr der Seuche infolge des neuen Viehseuchengesetzes. Anträgen auf Grenzsperren habe keine Folge gegeben werden können, die Wirksamkeit sdlcher Sperren sei auch mehr als zweifelhaft. Der Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung wurde angenommen, ebenso die Etats der indirekten Steuern, der Finanz- und der StaatSschuldenverwaltung. Bei den direkten Steuern sprach sich Finanzminister Dr. Miquel ablehnend gegenüber Wünschen auf Aufhebung oder erhebliche Ermäßigung der Kanalgebühren aus.
* Der Reichstag setzte die Debatte über den sozialistischen Zukunftsstaat fort. Abg. Richter 6e« zeichnete eS als Wortklauberei, wenn Bebel sage, sie wollten keinen sozialistischen Zukunftsstaat. Es sei erstaunlich, mit wacher Kunst Bebel um die Frage des Abg. Bachem sich herumgedrückt habe; für Bebel sei die Sprache nur erfunden, um die Gedanken zu verbergen. Wer sich immerfort mausere, solle nicht eine so stolze Sprache führen, man wisse ja nicht, wie man sich noch weiter mausern werde. (Heiterkeit.) Keine Religionsgesellschaft verlange so viel Glauben, als die Sozial-Demokratie von ihren Anhängern. In Folge der Mauserung seien die Sozial - Demokraten zahmer geworden. Der Abg. Vollmar habe sich bisher am meisten gemaußert. (Heiterkeit). Redner trat den Ausführungen Bebel's Über s 'ine „sozial-veckokratischen Zukunftsbilder" entgegen. Richter sagte, wenn Bebel behauptet, diese Broschüre habe keinen Arbeiter überzeugt, so frage er, seit wann die Mitglieder sich bei Bebel ab- melden müßten. (Heiterkeit.) Die Broschüre habe deshalb lo großen Erfolg in der ganzen Welt gehabt, weil sie die Widersinnigkeit des sozial - demokratischen Zukunftsstaates nachgewiesen und den Widerspruch der sozial-demokratischen Zukunftsbilder mit dem Wesen und der Natur der Menschheit dargelegt habe. (Lebhafter Beifall.) Abg. Richter warf den Sozial-Demo- kraten vor, daß sie den.Arbeitern Ekel beibrächten, gegen das Sparen, während gerade junge Leute durch Ersparnisse einen Rückhalt für das Leven gewännen. Eine planmäßige Produktion und Konsumtion finde nur im Zuchthaus statt, aber die logische Durchführung der sozial-demokratischen Lehren führe noch tief unter das Zuchthaus hinab: in barbarische Zustände. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn die Sozialisten wirklich den Himmel auf Erden schaffen könnten, müßten sie sich vor der Uebervölkerung hüten (Bebel rüst: Sie haben ja keine Kinder.) A chter erwidert: Mit solchen kleinlichen, erbärmlichen Einwendungen kommen die
werden „3 gülden dem armen henche (Heinrich) von Martorff. clußner und bruder zum Helgen crutz zu einem rocke, schoen und sust zu andern nutz und fronten der kirchen doselbst gewant." Man kann nicht sagen, daß das grade eine fette Pfründe gewesen sei. Der Klausner war wohl hauptsächlich auf die Almosen angewiesen, und wurde sonst von seinem Kloster aus unterhalten. 6 Ellen graues Tuch scheinen nichts Ungewöhnliches als Besoldung gewesen zu sein. So wurde auch dem städtischen Förster, welcher die nach Aushebung der Klöster vom Landgraf Phil'pp der Stadt Marburg geschenkten Waldungen Kelwald und Kogel- herrnstrauch beaufsichtigen, treulich forsten, hegen nnd hüten, die Driescher besäen und ein Aussehens über die Lummersbach haben sollte, jährlich als Vergütung ein Rock von 6 Ellen Tuchs versprochen.
Der arme Hennche war der letzte Geistliche an unserer Kreuzkopklle. Bis an den lieblichen Ort am Waldesrande, wo die Elisabetherquelle so friedlich rauschte, und im Wehen der Baumvlätter so manches Gebet aus dem bekümmerten Herzen der Kreuzesträger zum Himmel gestiegen war, drangen die Stürme der Zeit. Wilde Wogen wälzten sich bis zu dieser Oase des Friedens und schwemmten das Kirchlein mit sich fort.
Am 16. Juli 1526 war die Rechnung der Kapelle zum letzten Mal abgehört worden. Bald darauf wurde
i Sozial-Demokraten, wenn man ernsthaft auf diese Dinge eingeht. (Stürmischer Beifall.) Abg. Bachem erhielte jedenfalls feinen Wirkungskreis in Sibirien angewiesen, Andere in der Sahara, welche Bebel bewässern wolle. (Abg. Bebel widerspricht.) In der letzten Auflage des Buches „Die Frau" habe Bebel mit der Sahara wieder gemausert, indem er diesen Vorschlag fallen ließ (Stürmische Heiterkeit). Die staatliche Regelung der Fortpflanzung würde nothwendig und dann den Zukunstsstaat in das Thierreich hinabdrücken. (Lebhafte Zustimmung.) Abg. Frohme polemisirte mit allgemeinen höhnischen Bemerkungen gegen daS Centrum, welche Abg. Hitze in längerer Rede gebührend zurückwies. Abg. Stöcker meinte, die Sozialisten seien am Dienstag und gestern durch den Abg. Bachem blamirt worden und heute aus der Patsche nicht herausgekommen; sie würden auch nie heraus- lomnten, auch wenn sie noch so viel redeten. Die Sozial«Demokratie habe nichts, wisse nichts, könne nichts, dies sei daS Erqebniß dieser dreitägigen Debatte. (Lebhafter Beifall). Abg. Leuschner (Reichsp.) bemerkte, die Sozial-Demokratie habe eine so große und wohlverdiente Niederlage erlitten, daß er auf daS Wort verzichten könne. Die Verhandlungen wurden dann auf Montag vertagt.
* Der Kultusminister hat folgende, die Pfl cht- stunden der Lehrer an höhere» Schule« betreffende Verfügung er I aff-’n:
„Die Prüfung der Entwürfe zu den Etats der höherenLehr- anstalten ist öfter dadurch erschwert worden, daß entweder den Entwürfen eine Berechnung über den Bedarf an Lehrkräften überhaupt nicht beigegeben oder aber bei Aufstellung der Berechnung, insbesondere hinsichtlich des Ansatzes der von den Lehrern wahrzunehmenden Stunden, nicht nach gleichen Grundsätzen verfahren war. Das Königl. Provinzial-Schulkollegium veranlasse ich daher, darauf zu achten, daß für die Folge jedem Etats-Entwürfe eine Berechnung über den Bedarf an Lehrkräften bei der Anstalt beigefügt wird. In demselben ist zunächst die Zahl der zu ertheilenden Unterrichtsstunden, getrennt für die ein zelnen Klaffen und unter Berücksichtigung erforderlicher Kombinationen, anzugeben. Der ermittelten Gesammt-Summe der Unterrichtsstunden wird sodann gegenüber gestellt die Gesammt-Summe der von den im Etat vorgesehenen Lehrern (einschließlich deS Direktors) zu ertheilenden Pflichtstunden, wobei für jede Lehrkraft die in der Rundverfügung vom 13. Mai 1863 vorgefchne- bene Maximal-Stundenzahl in Ansatz zu bringen ist. Wird die Entlastung einzelner Lehrer in der Maximal - Stundenzahl, sei es wegen andauernder Kränklichkeit, übergroßer Belastung mit Korrekturen oder aus sonstigen Gründen, für nothwendig erachtet, so ist das unter Angabe der Zahl der nachzulaffenden Pflichtstunden näher zu begründen. In der Regel muß jedoch daran festgehalten werden, daß alle Lehrer thunlichst zur Maximal-Stundenzahl heranzuziehen sind. Der Minister der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten. I. A. Höpfner."
Die angeführte Verfügung aus hem Jahre 1863 lautet, so weit sie jenen Punkt betrifft: „UeberHaupt darf die Verpflichtung der wissenschaftlich gebildeten Lehrer an höheren Unterrichts-Anstalten Über die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden für den Direktor von 14—16, für die Oberlehrer von 20—22 und für die ordentlichen Lehrer von 22—24 Stunden nicht hinauS- gehen. Auch sind diese Zahlen nur zulässig, wenn die Frequenz der einzelnen Klassen eine geringe ist und nicht Korrekturen herbeiführt, die viel Zeit in Anspruch nehmen."
daS ZinSbuch geschloffen und das Thor der Kapelle verriegelt.
Landgraf Philipp von Hessen führte 1527 in seinem Lande die „Reformation" ein. Da ertönte das Glück- lein im Thurme „nach Schröck hinaus" zu seinem und der Kreuzkapelle Sterbegeläute. Der arme Hennche mußte die Klause verlassen. Es ist unbekannt, wohin er gegangen. Dithmar hat in seinen „denkwürdigen Geschichten" mit viel Phantasie eine rührende Darstellung gegeben, wie Landgraf Philipp den Bruder eine „Messe singend" findet, und ihn veranlaßt, Pfarrer in Kappel zu werden. Dort habe der Gute eine Nonne Cäcilie aus Kloster Caldern geheirathet, unter einer grünen Linde, wo das Lied der Nachtigallen schallt, habe man beide begraben und Engelbilder auf ben Leichenstein gemalt. Das Alles mag dem dichtenden Dithmar recht rührhaft erschienen sein; bleibt aber nur eine Erfindung. Veranlaßt zu dieser Dichtung wurde Dithmar durch den zufäll'gen Umstand, daß der erste lutherische Pfarrherr zu Kappel Heinrich Krug geheißen hat.
Das„Gespänge", eiserne Klammern, Bänder, Schnitz- und Tafelwerk, Gitter u. s. w. schenkte der Landgraf der Stadt Marburg. Man ging fogleich ans Abreißen. DaS Meiste wurde an's Rathhaus der Stadt verwandt. Noch einmal erscheint ber Name ber früher so besuchten