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einer Bettlerin trug sie ihre Opfergaben an diesem Tage zu den Armen. An einem Charfreitage endlich zog sie in der Kirche zu Marburg dar Kleid der Franziskanerinnen an (1229 oder 1230), weil an diesem Tage Christus, von Allem entblößt, ans Kreuz genagelt wurde; und weil an diesem Tage die ihres Schmuckes beraubten Altäre die Christen an das höchste aller Opfer erinnern. (Dietrich von Apolda.)

Nun denke man sich ihr ganzes inneres und äußeres Leben, die Lage, worin sich die zur Wittwe gewordene hl. Elisabeth jetzt bei ihrer Uebersiedelung nach Mar­burg befand; was mochte damals der Kreuzträgerin näher stehen, als die Erbauung einer Kapelle des hl. Kreuzes? Im Kreuz ist Trost.

Und wahrlich! Hier hatte sie ein Plätzchen ge­funden, welches sie traulich zum Beten einladen mußte. Ringsum lagert die freie, fröhliche GotteSnatur in ihrer erhabenen Ruhe. Andächtig stehen die Buchen und Eichen auf dem Abhange da, ernst wie betende alte Männer, und werfen einen geheimnißvollen Schleier über das Krenzkerchlein. Und wenn dann die Selige ihr Auge erhob und hinüberschaute ins offene Ohm­thal, dann erblickte sie gerade gegenüber im Osten bte erste Stiftung des hl. Bonifatius in Hessen, die felsen­gebaute, auf dem Basallkegel königlich thronende Amöne­burg. und zu deren Füßen zahlreiche blühende Dörfer wie Perlen im Kranze gereiht. Aus der Ferne grüßten

die blauen Kuppen deS RhöngebirgeS, aus jener Gegend, wo die Gebeine des deutschen Apostels im Grabe ruhen. Mächtig mußte diese Herrlichkeit der Natur aus die selige Elisabeth einwirken. Ihr Herz jubelte auf zum Lobe deS Schöpfers, von dessen ewiger Schönheit alle Erderpracht nur ein schwacher Abglanz ist, wie das Mondlicht vom Sonnenglanze. Welcher Gedanke konnte ihr also itziher liegen, als grade hier an der Wald- quelle, auf derGrenze ihreSLandeS, demHerrn ein Heiligthum zu bauen?

Die stille Waldquelle war bald der Sammelplatz der Armen und Bedrängten geworden. Elisabeth, die gütige Fürstin, trug stets ihr Almosenkörbchen sür die Armen, und spendete an dieser Stelle gar Manchem Trost. Sollte sie mit den leiblichen Gaben nicht auch die Werke der geistigen Barmherzigkeit verbinden? Darum gab sie den Armen aus dem Mainzer Gebiet hier aus ihrem hessischen Boden zugleich mit ihren Almosen Gelegenheit zum Gebet und zum Hören der bl. Messe. Ja, es ist wahrscheinlich, daß gerade zur Stunde des Gottesdienstes die Armen sie hier erwarteten.

Das schlechteste Wetter verhinderte Elisabeth nicht, nach diesem ihrem Lieblingsorte zu pilgern. Die Sage erzählt, wenn sie dort unter freiem Himmel gebetet, und es geregnet habe, so sei sie nicht naß geworden. (Hermann von Fritzlar.) An einem Winterr^ge, als eS stark fror, verlangte ein dürftiger Kranker nach F sichen.

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Die Kreuzkapelle am Lahnberg.

(Zur Geschichte der Pfarrei Schröck.)

(2. Fortsetzung.)

Elisabeth hegte stets gegen das hl. Kreuz eine be­sondere Verehrung. Ein Mystiker sagte: „Wer stets daS Kreuz Christi verehrt, dessen Knecht wird Gott". Die hl. Elisabeth wollte in ihrer Weltentsagung ein schweres Kreuz dem Heiland nachtragen. Alle diese Stationen deS Kreuzweges aber ging sie nicht blos in ihrem inneren Leben. Auch äußerlich zeigte sich diese Verehrung. Bei feierlichen Prozessionen folgte Elisa­beth dem Umgänge im wollenen Gewände und ent­blößten Füßen; in den Händen aber trug sie ein Kreuz. Ebenso erzählt Dietrich von Apolda: „sie kastiget ihren unschuldigen lib mit großen schlegen, und mit ruten, besunder an den Fritagen und in den Fasten". DaS that sie in der ausgesprochenen Absicht, dem gegeißelten Heiland eine Vergeltung darzubieten. Am Charfreitage verleugnete sie ganz die Fürstin. Sie dachte da nur an den Schönsten der Menschenkinder, der zum Spotte des Volkes geworden; der für sein Haupt voll Blut und Wunden nicht einmal ein Ruhe­plätzchen sand. Die ganze Nacht vom Gründonnerstag durchwachte sie in Betrachtung des bitteren Leidens. „Heute ist ein Tag der Verdemüthigung. Heute soll mir Niemand Ehrfurcht erzeigen!" Barfuß im Kleide

Neutsch« Keich.

Berlin, 2. Januar.

* Gestern Abend find in Berlin Extrablätter mit der unbegründetm Nachricht von einem Attentat ans de» Zare» verkauft worden. Offiziös wird mit« getheilt, daß heute Vormittag der Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Marschall dem russischen Bot­schafter, Grafen Schuwalow sein Bedauern über diesen groben Unfug ausgesprochen habe.

* Die offiziöse,Nordd. Allgem. Ztg/ kann mit aller Bestimmtheit versichern, daß die Nachricht der'Düssel­dorfer Ztg/, wonach der Kaiser noch ein letztes ein­dringliches Wort der Aufklärung vor der letzten Ent­scheidung über die Militär-Borlage im Reichstage in Form einer an die Bolksverttetung gerichteten kaiser­lichen Botschaft richten werde, chrem ganzen In­halte nach ebenso sehr jeder Begründung entbehrt, wie alle sonst im Umlaus gesetzten Gerüchte über eine be­vorstehende Allerhöchste Kundgebung bezüglich der Mili­tär-Vorlage. — Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' bezeichnet ferner in einer hochoffiziösen Mittheilung einen Artikel deS Moniteur de Rome', der in der Sendung des Generals v. Los einen Beweis für die vergeblichen Anstrengungen der deutschen Regierung zur Erreichung der Hilft des Vatikans für die Durchbringung der Militär-Vorlage erblickt, cil8 den Versuch, eine Ehren­bezeugung, welche der deutsche Kaiser dem Haupte der katholischen Christenheit zu erweisen gedenkt, als Aus­gangspunkt für Erfindungen zu machen, zu dem erkenn­baren Zwecke, die kaiserliche Regierung bei den deut­schen Katholiken zu verdächtigen und ihre auf Stärkung der Wehickrast gerichteten Bestrebungen zu durchkreuzen.

* Bei den Festesten zum Kaisers Geburtstag scheinen die Generäle mehrfach die Gelegenheit zu p o l i t i s ch e n Ansprachen benutzt zu haben. Wie Graf Walder- fee in Altona, so hat in Köln der Gouverneur der Festung General v. Schkopp sich politisch zu äußern daS Bedürfniß empfunden. Der General sagte u. A.: Mancher sei nicht mit der früheren Freudigkeit beim Festmahle erschienen; Mancher hege bange Zweifel um die Zukunft. Er könne nicht sagen, daß diese (Sorge überflüssig sei, denn an unferm politischen Horizont zögen sich die Wolken dichter und dichter zusammen. In nicht ferner Zeit werde daS Gewitter ganz gewiß hereinbrechen; daher die Sorge um die Zukunft. Aber je ärger die Stürme brausten, desto mehr lehnte sich daS deutsche Volk an seine Fürsten an. Wer stehe fester als die Hohenzollern? Der Kaiser sei im wahren Sinne des Wortes ein Friedensfürst; wenn er aber daS Schwert in die Hand nehme, werde er es nicht nicht eher in die Scheide stecken, bis dar Vaterland vom letzten Feinde befreit sei, oder bis er mit seinem Volke gebrochen am Boden liegen werde. Der Krieg komme. „Gebe Gott, daß er dar deutsche Volk um seine Fürsten geschaart finde! Wenn nicht, dann hatten wir einen schönen Traum; dann ade, schöner Land! Dann werden die Zeiten des 30jährigen Krieges wieder­kehren! Richten wir deshalb den Blick auf unfern

Kaiser!" Er folgte alsdann ein Hinweis auf die Militärvorlage. Letzteres sollte wohl der langen Rede kurzer Sinn sein. Ob übrigens Kaisers Ge­burtstag gerade eine passende Gelegenheit zum Säbel­rasseln war, möchten wir noch dahingestellt sein lassen. Für die Militärvorlage wird durch diese Reden wohl kaum Jemand gewonnen worden sein.

* Die unter dem Präfidium des Prinzen Ludwig von Baiern stehende Deutsche Laudwirthschafts-Ge- sellschast hält ihre Wintersitzungen in bett Tagen vom 13. bis 16. Februar b. I. zu Berlin ab. Die Fragen, welche auf ber Tagesordnung stehen, sind: Die Kultur ber Wiesen, bie Bekämpfung ber Maul- unb Klauen­seuche, bet Vogelschutz und die Mänseverttlgung, die Frage des künstlichen Trocknens der Ernten, der Umladung der Frachtgüter von Kleinbahnen auf Großbahnen, die Regulierung der unteren Havel, die Einrichtung von Zucht-Stammbüchern, die Hensel'sche Düngung und verschiedene Fragen aus dem Geräthewesen.

* Bei der Jubiläumsfeier deS hl. Vaters wird auch die Centrumspreffe Deutschlands ver­treten sein. In der am Montag zu Köln stattgehabten Versammlung deS AugustinuS-VereinS zur Förderung der katholischen Presse wurde beschlosten, eine Deputa­tion von 5 Mitgliedern nach Rom zu senden. Die­selbe wird u. A. dem hl. Vater eine kunstvoll gear­beitete Adresse überreichen.

* Das preußische Abgeordnetenhaus setzte heute die 2. Etatsberathung fort. — Der Etat des Kciegs- ministeriumS tourte debattenlos bewilligt. — Beim Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung hielt Abg. LotichiuS (wildlib.) als eine der wichtigsten Ursachen der Verbreitung der Reblaus die unzweckmäßige Düngung der Weinstöcke und wünschte ein weniger rigoroses Vorgehen, wenn die Reblaus zur Zeit der Traubenreift in geringem Umfange auftrete. — Re­gierungsseitig wurde Bertickfichtigung bieser MiUe' zugesagt. — Auf eine bezügliche Anfrage beS Abg. Branbenburg (Ctr.) ertoibette Lanbwirthschaftsminister v. Hkyben, baß bei ben Kanalbauten vor Inangriff­nahme betreiben bie Interessenten betreffs ihrer Klagen unb Wünsche gehört werden sollten. Der Dortmnnb- unb Ernskanal würbe voraussichtlich zu einem Theil noch in diesem Jahre ber Schifffahrt übergeben werben kännen. Abg. Sckultz-Lugitz (ftk.) wünschte Aufhören bes Imports auSlänbischen Getreides, während Abg. v. Minnigerode (kons.) noch einmal den etwaigen Handelsvertrag mit Rußland einer abfälligen Kritik unterzog. — Abg. Knebel (natl.) verlangte ausreichenden Schutz für unsere Eichen«Schälwalbbettiebe, welcher ihm vom Minister v. Heyden zugesagt wurde. — Nach­dem noch Wünsche auf Verbesserung der Besoldung der Spezialkommiffarien, auf größere Aufmerksamkeit bei der Errichtung von Rentengütern und auf Förde­rung deS heimischen Obst- und Weinbaues regierungs­seitig Erwägung resp. Berücksichttgung zugesagt worden, wurde die Weiterberathung auf Sonnabend vertagt.

* Der Reichstag beneid heute Anträge aus dem Hause. Zunächst wurde ein Antrag der Reichskanzlers

um Genehmigung der Einleitung des Strafverfahrens gegen Abg. North der GeschäftsordnungSkommiffion zur Borberathung überwiesen. Hierauf wurde die Be« rathung der vor 8 Tagen abgebrochenen Debatte der Anttäge der Konservativen und deS CentrumS betreffend Maßnahrnm zur Hebung des Handwerks fortgesetzt. Abg. Ackermann (kons.) begründete seine Anttäge aus Beschränkung der Abzahlungsgeschäfte, Verbot der Wanderlager und Wanderankttonen, Einschränkung deS HausirhandelS und Untersagung des HausirenS durch Detailreisende, vorbehaltlich etwaiger durch daS Be­dürfniß unerläßlich gebotener Ausnahmen und bat um Annahme seiner Anttäge, um daS Vertrauen in den Geschäftsverkehr wieder zu heben. Abg. Dr. Schädler (Ctt.) begründete die den Anträgen Ackermann's ent­sprechenden Theile des Ceuttumsantrags auf Abände­rung der Gewerbeordnung. Wie der Vorredner, so wolle auch daS Centrum kein absolutes Verbot des Hansir« Handels, sondern nur Beseitigung der Auswüchse des­selben. Abg. Schneider-Nordhansm (bfr.) erklärte ein Bedürfniß für ein neues Gesetz nicht anerkennen zu können. DaS Centtum wolle den Konsum, so weit er durch den Hausirhandel befriedigt werde, durch die Re­gierung bestimmen lassen; warnm nicht gleich einen Schritt weiter gehen und den Konsum überhaupt durch die Regierung bestimmen lassen? Auch Abg. v. Strom« beck (Ctr.) sprach gegen die Anträge, bie weit über das Ziel Hinausschöffen. Im EichSfelbe allein würden durch Unterdrückung des Haustrhandels 2000 Familien brod- los gemacht werden. In demselben Sinne sprach sich Abg. Holtzmann (ntl.) aus, der ebenfalls eine Schädi­gung zahlreicher Ortschaften durch Annahme der An­träge sah. Redner wandte sich insbesondere gegen den Ausschluß der Frauen vom Hanfirbettiebe, der keines­wegs im Interesse der Käuferin läge. Man behelige bie braven erzgebirgischen Hausirer nicht unb handle nach'bem STöne: Leben unb leben lassen. Abg. Bock (Soz.) hielt bie Versandtgeschäfte, wie Hertzog, Mey u. Edlich u. s. w. für viel schädlicher für bie Meine» seßhaften Gewerbebetriebe, als den Hanfirbettieb. Jeden­falls dürfe der Hausirhandel nicht so herabgesetzt wer­den, wie eS in den bezüglichen Petitionen geschehen sei. Abg. Clamm (natl.) sprach gegen den Antrag deS Cen­trums und empfabl kommissarische Borberathung der Anträge. Abg. Böckel (Antisemit) verlangte, daß nur solche Leute mit Maaren handeln dürsen, deren An­fertigung sie gelernt hätten. Wanderlager müßten ver­boten und zugleich den Ausverkäufen größere Aufmerk­samkeit zugewendet werden. Abg. Biehl (Ctr.) befür­wortet den CentrumS antrag. Nachdem noch die Abgg. Stolle (Soz.) und Schrader (freis.) gegen die Anträge gesprochen, wurden die Anträge Ackermann abgelehnt, die des Centrums dagegen der Kommission sür die Abzahlungsgeschäfte zur Borberathung überwiesen. Bei der Abstimmung über den weiteren Antrag Acker­mann, den Konsumvereinen die Abgabe von Maaren an Nichtmitglieder unter Strafandrohung zu verbieten, ergab sich Beschlußunfähigkeit des Hauses (es waren nur 125 Abgeordnete anwesend). — Freitag: Antrag