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JW 27 Donnerstag, den 2. Februar 1893. 20. Jahrgang

Md anWZeitung

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Freitag zur Ausgabe.

Sauer und Seer.

* Unter diesem Titel bringen die .Stimmen vom Rhein' herauSgegeben vom „Rheinischen Bauernverein" folgende interessante und treffende Darlegung: Die Frage der H e e r e S v e r m e h rusn g berührt den B a u e r n- stand in erster Linie; denn er ist eS, der vorwiegend das Material zu stellen, dazu aber auch den größten Theil der Kosten schon deswegen zu tragen hat, weil, Dank unserm kapitalistischen Steuersystem, die Land- wirthschaft im Berhältniß zu allen anderen Ständen doppelt und dreifach besteuert ist.

Die Landwirthschaft hat die vielfache Last der Blut- und Geldsteuer schon so lange Jahrzehnte zu ertragen gehabt, daß eS ihr Niemand verübeln kann, wenn sie allen Ernstes darum ersucht, aus eine gerechtere Ver- theilung der Militär! asten endlich bedacht zu sein, sollen nicht auch die Kreise der Landwirthe von dem Gifte der allgemeinen Unzufriedenheit durchseucht und den Umsturzbewcgungen der Sozialdemokratie zugänglich gemacht werden.

Der Bauer ist überall in Deutschland — und das sollte man in Berlin, wenn die Provinzial­behörden ohne Schönfärberei die nackten Thatfachen berichtet haben, endlich einsehen — an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt und die neuen ©teuer» gefetze, wenn sie nicht ganz erheblich verändert werden, sind nicht geeignet, seine Lage zu verbessern, im Gegen« theil! Die neue Militärvorlage, deren Kosten in erster Linie ebenfalls der Bauernstand zu tragen haben wird, stellt die Landwirthschaft geradezu vor die Existenzfrage. Daran ist nicht zu drehen und zu deuteln!

Wir wollen hier als Beweis dafür anführen, was fchon vor 18 Jahren ein genauer Beobachter des Volkes über die riesigen Lasten, welche der Kriegs­zustand der europäischen Armeen mitten im Frieden der Landwirthschaft aufgebürdet hat, schrieb. *) Inzwischen sind duse Lasten fortgesetzt ge­wachsen, und auch die neue Militärvorlage bildet ledig­lich den Beginn weiterer riesiger Anforderungen.

„Man muß unter dem Volke selbst gelebt haben", heißt es in dem Werke, „um zu wissen, mit welchen finanziellen Schw ierigkeit en eine Unzahl, um nicht zu sagen die Ueber- zahl, der Familien zu ringen hat. Mit Aufbietung aller Kraft suchen sie sich vor dem gänzlichen Ruine zu retten. Da kommt die Einberufungsordre und ruft die arbeitsfähigsten Söhne in die Kaserne ... Die alten Schulden werden nicht gedeckt, neue müssen gemacht werden . . . Der Ackerbauer, der ohnehin die Hauptlasten trägt, geht mit dem Kleingewerbetreibenden langsam zu Grunde, die kleineren Vermögen verschwinden int großen Geldsacke, Die ganze Nation verarmt zu Gunsten der riesigen Geldmächte. . ."

„Was es heißt, wenn eine Bauernfamilie einen oder, wie es nicht feiten ist, mehrere Söhne dem Militärdienste stellen muß, das muß man auf dem Lande selbst erlebt haben. Es wird thatsächlich als ein Unglücksfall besonders in solchen Familien betrachtet, deren Mittel es nicht erlauben, sr em d e Arbeitskräfte einzustellen. Ein solcher Bauer geht geradezu zurück und der Jammer ist groß. Aber um den Landwirth

- Die Kreuzkapelle am Lahnberg.

(Zur Geschichte der Pfarrei Schröck.)

(1. Fortsetzung)

Aus der nahen kleinen Quelle benutzt man noch jetzt das Wasser zum „Waschen der Augen." Möglich, daß auch wegen der Heilquelle zur Zeit der hl. Elisa­beth viele Kranke und Arme hierher kamen.

Nach der Uebeilieferung soll die hl. Elisabeth an diesem Brunnen die Kreuzkoptlle erbaut haben. So heißt eS auch in der Brunneninschrift: „sie hat Gott, der Natur, und mir dankbar, ein Kapellchen neben mir erbaut und mich zuerst mit einfachrm Bau nach dem Stil jener Zeit ausgeschmnckl." — Auch den Steinweg von Marburg über den Lahnberg nach jener Kapelle soll Elisabeth angelegt haben.

Nach Justi, „Leben der hl. Elisabeth", hat die Heilige hier „während ihres WiitwenstandeS öfter ihre Andacht verrichtet und stch in dieser anmuthigen Ein­samkeit dem helldüsteren Vergnügen religiöser G.fühle überlassen."

Der Marburger Lokalhistoriker Bücking spricht sich („Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg" S. 29) dahin auS, diese Kapelle sei schon vorher vor­handen gewesen, und deshalb von Elisabeth jener Ort so häufig besucht worden. „Wenn die hl. Elisabeth dje

scheint man sich absolut nicht kümmern zu wollen: Er ist ja gewohnt, zu schweigen und zu dulden. Aber die lange Dienst­zeit züchtet noch weit größere Nachtheile und Schaden für den Schollenbebauer."

Gar viele ländliche Soldaten, welche in der Garni­sonstadt die Annehmlichkeiten und Vergnügun­gen deS Stadtlebens kennen gelernt oder gar zarte Beziehungen zu einer in der Stadt dienenden Landsmännin angeknüpft haben, sehen sich nach Ab­lauf der Dienstzeit veranlaßt, dem Landleben auf immer Lebewohl zu sagen. Sie treten in irgend eine F a b r i k ein und die Stadt ist um ein Menschenpaar, das früher oder später dem Proletariat anheimfällt, reicher, die Landwirthschaft aber um zwei Paar kräftige Arme ärmer.

Die Großindustrie, insbesondere soweit sie Armeebedarf liefert, ist es allein, die nvt dem herr­schenden Militarismus zufrieden fein kann. Ueber sie ergießt sich der ganze, aus den Taschen der Steuer­zahler fließende Goldregen. Allein auch die Großindustrie, die nicht gerade direkt oder indirekt Armeebedarf liefert, hat alle Ursache, sich mit dem Militarismus zu be­freunden. Bezieht sie ja aus den Kasernen ihre kräf­tigsten, ausdauerndsten und an Gehorsam gewöhnten Arbeiter! Müßte sie sich mit den aus- gemergelten, halb verhungerten Nachwuchse deS städti­schen und industriellen Proletariats begnügen, so ver­fiele die Industrie an Altersschwäche. Der Militärdienst führt also erfahrungsmäßig der Industrie die besten und kräftigsten Söhne der Landwirthschaft als Arbeiter zu und stößt dafür die auSgepreßten älteren Leute zum Theil als faule Landstreicher an das Land ab.

Wenn die neue Militärvorlage Gesetz wer­den sollte mit ihren riesigen Mehraushebungsziffern, so werden die letzten Dinge schlimmer als die eisten sein. Schon durch die Mehrgestellung von Rekruten allein bebrütet die neue Militärvorlage, auch wenn die Herab­setzung der Dienstzeit auf zwei Jahre zugestanden wer­den sollte, einen Stoß ins Herz der deutschen Landwirthschaft!! Das ist keine leere Redensart, noch weniger irgend welche Uebertreibunq, was uns jeder Kenner der ländlichen Verhältnisse bestätigen muß. Kein wahrhaft staatserhalttnder Abgeordneter kann unseres Erachtens aus den im Laufe des Aussatzes ent­wickelten Gründen der neuen Militärvorlage in ihrer ursprünglichen Form zustimmen. Die Landwirth­schaft wäre einfach dem schnellen Unter­gänge überliefert und damit der letzte Damm gegen den Umsturz zerstört, zugleich aber auch die Henne getödtet, welche wirklich die goldenen E.er für den modernen Staat in der Form der Blut- und Staatssteuern zu legen pflegte.

Deutscher Keich.

Berlin, 31. Januar.

* Em Glückwunschtelegramm haben die beiden neuen deutschen Kardinäle, Erzbischof Dr. Krementz von Köln und Fülstbtschof Dr. Kopp von Breslau, von Rom auS an den Kaiser und König zum Geburts­tage gesandt. Außerdem haben die beiden Kardinäle Erbauerin gewesen wäre, dann hätte der deutsche Orden, dem die Aufsicht über das Hospital nach ihrem Tode übertragen ward, diese Stiftung, die Kapelle, ganz ge­wiß nicht durch einen fremden Priester, sondern durch einen seiner Ordenspriester verwalten lassen." Dieser Beweis setzt voraus, daß Elisabeth nothwendig die Kapelle dem Deutschorden, resp. dem Hospital über­tragen mußte. Aber waS nölhigte sie denn dazu? Welchen Nutzen tollte die Zugehörigkeit zum Hospital bringen? Der Deutschorden txistirte damals in Mar­burg noch nicht. ES war doch klar, daß die Kapelle zum ganz nahen Schröck gehören müßte. Der Grund und Boden der Kapelle war landgräfliches Eigen, r - Wenn Bücking zum Vergleiche auf die Konrads- Kapelle bei Beltershausen hinweist, die durch einen Ordensbruder verwaltet wurde, so ist dem zu entgeg­nen, daß die Konrads-Kapelle erst lange nach Konrad's Tode (1255) an der Mordstelle gebaut wurde, und zwar von dm Deutschherren selbst auf eigenem Grund und Boden. Der deutsche Orden hatte fast die ganze BelterShauser Gemarkung erworben. Gewiß handelten hier die Deutschherren so aus Pietät gegen Konrad von Marburg, der ihrem Orden in Marburg den Weg geebnet hatte. Solltm sie seine TodeS- uild Grabstätte ohne Denkmal lassen? Dagegen verknüpft keine derartige Ursache den Deutschorden mit der Kapelle

ihre Ernennung zu der höchsten kirchlichen Würde dem Kaiser angezeigt. Schon vorher hatte der hl. Stuhl, als die beiden Kirchenfürsten zu dieser Rangerhöhung ausersehen wurden, hierher Meldung von dieser Absicht gemacht und von berufener Seite die Zustimmung dazu erhalten.

* Ueber eine vertrauliche Konferenz des Kaisers mit dem rnffischen Thronfolger berichtet die,Freis. 3tg.' Folgendes: Am Hochzeitstage der Prinzessin Margarethe, Abends 9 Uhr war die Feier im Schlosse beendigt; auf halb 10 Uhr war zum Fest in der russischen Botschaft eingeloden. Alles wartete auf den russischen Großfürsten; dieser aber traf erst zwei Stunden darauf, um 11 Uhr 40 ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Großfürst im Schloß bei dem Kaiser geweilt. Andere Personen sind bei der mehr­stündigen Unterredung nicht zugegen gewesen. — Ueber den Großfürsten - Thronfolger schreibt man der .Kreuzzeitung': Der Zarewitsch hat am hiesigen Hofe ein sehr freundliches Andenken hinterlasfen. Seine Jugend, sein sympathisches Wesen und nicht zuletzt seine Bescheidenheit hatten bei allen denen, die mit ihm in persönlichen Verkehr zu toten in der Lage waren, den günstigsten Eindruck gemacht. Seinem GesichtSauSdrucke nach gehört der Großsürst-Tronfolger zu denjenigen Charakteren, die viel beobachten, indessen wenig aus sich herauSgehen; ober im Kreise der Kame­raden des Alexander-Regiments zeigte er sich ftei von aller Zurückhaltung. Dazu kam der Umstand, daß er deutsch und zwar sehr gut deutsch sprach, und daß durch die preußische Husarenuniform, die er mit Zobel­pelz besetzt trug, olles Fremdartige von seiner Per­sönlichkeit wich. Ihm selbst schien man aus demBer« kehr anzumerken, daß ihm daS Gefühl, sich in Berlin frei bewegen zu können, ein gewisses Behagen ver­schaffte, was seiner und der ihm entgegenkommenden Stimmung nur zum Bortheil gereichte."

* Die Militär-Kommission des Reichstages hat am SamStag die allgemeine Besprechung geschlossen und tritt am Dienstag in die Sonder berathung ein. Trotz vielem Hin- und Herstreiten und einem ununter­brochenen Bombardement von Zahlen ist eine Klärung der Lage keineswegs erfolgt. Der B e n n i g s e n' s ch e Compromiß liegt vorläufig nur in großem Umrisse vor und bedarf noch der Fassung. Sollte Herr v. Bennigsen seine Vorschläge in der Zahlenhöhe aufrecht erhalten, so steht heute schon fest, daß sie auf eine Mehrheit im Ausschüsse nicht zu rechnen haben werden, er wird aber vermuthlich mit Rücksicht auf die Er­klärungen des Centrums sein Angebot erniedrigen, in der Hoffnung, dafür eine Mehrheit zu gewinnen. Ueber die Stellung der Regierung weiß man nur so viel, daß sie das Angebot des Centrums und der Frei­sinnigen rundweg ablehnt, wie weit aber auf eine Er­mäßigung der Regierungs-Forderungen zu rechnen sein würde, hat der Reichskanzler mit keiner Silbe ange­deutet. Es wird nun nachgerade lohe Z it, daß der Reichskanzler ans seiner Zurückhaltung hervortritt und die verbündeten Regierungen ihre Forderungen auf das nach ihrer Ansicht unentbehrliche Mindestmaß beschränken, am Brunnen. Sie exiftirte schon vor Auftreten des Ordens in Marburg und wurde der Pfarrei Schröck einverleibt, um so mehr, als damals in Marburg noch keine Pfarrei bestand. Mehrfache Gründe machen den Ban gerade einer Kreuz-Kapelle durch die hl. Elisa­beth wahrscheinlich.

In Kreuzburg soll schon der hl.BomftüuS eine Kirche des hl. Kreuzes erbaut haben. Im Jahre 1223 ließen der Landgraf Ludwig und seine Gemahlin, die hl. Elisabeth, welche zu Kreuzburg mit der Wartburg abwechselnd residirten, unmittelbar neben der Werra­brücke zwischen dem Flusse und der steilen Felswand, eine Kreuz-Kapelle erbauen. Es wallfahrteten namentlich in der zweiten Hälfte deS 15. Jahrhunderts so zahlreiche Schaaren zu dieser berühmten Stätte, daß noch heutigen Tages der steile Pfad von der Kapelle auf den Gipfel des Berges der „Wallsteig heißt. (Mertens, der hl. Liborius. S. 171.) Auf dem Schlosse zu Kreuzburg wurde Elisabeth'S Sohn Hermann geboren. Hatte Elisabeth nun eine zarte Anhänglichkeit an Kreuzburg und die Kreuzkopelle, was war natür­licher, als daß sie auch amFelSabhange deS Lahnberges, wo die ganze Gegend mit jener in Thüringen so große Aehnlichkeit hatte, eine zweite Kreuzkapell? erbauen ließ? Auch an der Stelle, wo das bekannte Rosenwunder sich zugetragen haben soll, ließ Ludwig eine Säule mi