Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

20. Jahrgang

Dienstag, den 31. Januar 1893.

25

illdaerMZemlig

Am den Lorbeer.

Roman von I. Sandhage. (Fortsetzung und Schluß.)

Gr schüttelte sich, eisige Schauer rieselten durch seine Glieder. Wie sollte er nun seiner Frau und Tochter diese Schreckenskunde beibringen? Sie saßen ahnnngs- los daheim, während sich hier ein entsetzliches Drama abspielte. Wie verstört und aschfahl der Marchese kürz­lich erschienen war. Ader wer konnte so etwa? ver- muthen. Wie man sich doch täuschen konnte. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, sagt dar Sprüchwort. Man würde es schon erfahren. Die neidische, boshafte Welt wies fortan schadenfroh mit Fingern auf ihn und die ©einigen, als die vom Italiener düpirten Thoren. Wie ein Lauffeuer würde er morgen durch die Sladt gehen. Recht ärgerlich, baß er den saueren unnützen Gang gethan, nur um Zeuge dieser Schluß-Katastrophe auf dem Boden zu sein, auf den er ferne stolzen Luftschlösser erbaut hatte. Ingrim­mig gedachte der Stadtrath, wie es seine Fran gewesen, die ihm diese ganze Suppe mit dem Italiener einge- brockt hatte. Durch ihren albernen Hochmuth, ihre Sucht, groß zu thun und zu scheinen, zu glänzen, ihrer bürgerlichen Herkunft sich schämend, war der ganze Schwindel an Aufwand und Prätensionen in Scene ge­setzt worden. WaS nun folgte, hatte er auszubaden. Das war immer so. Warum hatte er sich die Zugel

fession; 3) freie Ausübung der Religion endlich 4) ob­ligatorische C:v:lehe. .

SBj8 die Ztsammensetzung des Mmistermms be­trifft, so sitzen oarin drei Calviner, darunter der Bru­der des vorvorigen allgewaltigen Ministerpräsidenten Kolomann von Tisza, während die katholischen Mit­glieder von dem landläufigen Schablonen-LiberaliSmus angekränkelt oder in kirchlichen Dingen indifferent sind. Der neue Kabinetschef selbst ist nach seiner ganzen politischen Vergangenheit eine Schöpfung des Herrn von Tisza und darum diesem wesentlich verpflichtet. Es bestand ja überhaupt das Ziel des Sturzes des bisherigen Ministerpräsidenten, Grafen Szapary, in der Wiederherstellung des Botten Machteinflusses des Herrn von Tisza und seiner Freunde und Angehörigen.

Handelte es sich bei dem bisherigen Verlaufe des Kulturkampfes in Ungarn hauptsächlich um die sogen. Wegtaufen, so hat derselbe, wie obiges Programm zeigt, nunmehr einen viel weiteren Umfang angenommen. Wie wird er enden? Das muß abgewartet werden; indessen wollen wir deutsche Katholiken unsere ungari- scheu Glaubensbrüder hiebei mit unseren besten Segens- wünschen begleiten! ...... riE_

Alexander Wekerie

der neue Kabinetschef in Ungarn.

In ihrem zweiten Januarhefte bringen die,Histor.- polit. Blätter' in einem Korrespondenz-Artikel aus Ungarn ein sehr günstiges Urtheil über die Persönlich­keit des jetzigen ungarttchm Ministerpräsidenten, wobei man selbstverständlich Ansehen nehmen muß von dem kirchen-politischen Programme, dessen Aussühruna die gegenwärtige Regierung Ungarns, an deren Spitze Wekerle steht, auf sich genommen hat.

Der heutige Chef der Regierung in Ungarn, Dr. Alexander W-kerle, ist der Sprößling einer aus Wür- temoerg eingewanderten schwäbischen Kolonistenfamilie. Sein Vater war Wirthschaftsbeamter auf dem Gute des Grafen Lamberg in Moor (Stuhlweißenburger Komitat), wo der Sohn am 14. November 1848 ge­boren wurde. Das ungewöhnliche Talent verriety sich schon an dem Knaben und Jüngling, der nach Absol- virung der juristischen Studien an der Budapester Universität als Praktikant in das Finanzministerium eintrat. Hier hatte er es im Jahre 1877 erst zum Konzipisten gebracht. Aber nachdem seine damaligen Minister (Kol. v. Szell und Graf Julius Szapary, der spätere Ministerpräsident) seine außerordentliche Fähigkeitm erkannt hatten, durchlief er rasch die ein­zelnen Stadien der Beamtenkarriere, und bereits im Jahre 1885 hatte er den Rang eines MinisterialratheS erreicht. In dieser Stellung fand ihn Koloman von Tisza, als er 1886 neben dem Ministerpräsidium die Leitung des Finanzministeriums übernahm, um die arg verfahrenen Zustände in den ungarischen Staats­finanzen, welche trotz der zunehmenden Steuerlasten am Krebsübel eines wachsenden Defizits.krgnkten, wo­möglich einer Besserung und GesundÄch- entgegen- zuführen. Zur glücklichen Lösung dieser schwierigen Aufgabe wählte er den Mimsterialrath Dr. Wekerle als Staatssekretär und er gewann damit den geeignet- sten Mitarbeiter, nach befielt Rathschlägen und unter dessen thatkräftiger Leitung das große Werk der Finanz- reform erfolgreich in Angriff genommen wurde. Schon nach zwei Jahren war das Defizit rm Staatshaushalte auf ein Minimum gesunken und im solgenden >;ahre verschwand es gänzlich, um seither nicht wiederzukehren; statt dessen weisen die jährlichen Schlußrechnungen em sehr bedeutendes Plus von mehreren Millionen Gulden in der Staatskasse nach. ,

Dieser Erfolg, der allerdings mit riesigen Opfern erkauft wurde, rechtfertigte es, daß der Staatssekretär Dr. Wekerle im Jahre 1889 das Portefeuille des Finanzministers erhielt, um oas glücklich begonnene Werk in gleicher Weise fortzuführen und zu vollenden. Seit 1886 gehört Wekerle auch dem Parlament an und hier überrafchte er sowohl durch die umfassende politische Bildung, durch seine rasche Auffassung und richtige Beurtheilung der öffentlichen Verhältnisse, so­wie durch ein bedeutendes Rednertalent. Er gewam

& ft Das^ kirchen-politische Programm des Ministeriums Wekerle umfaßt 4 Punkte: 1) obligatorische Civck- Matrikensührung; 2) Jnartckularirung (v. i. religiöse und politische Gleichstellung) der israelitischen Kon- der häuslichen Regierung in letzter Zeit ans der Hand winden lassen. Ihm geschah recht so. Frauenmund weiß süß zu kosen, aber schlecht zu regieren, noch war eg «eit Seine Frau würde ganz kleinlaut und demüthlg sein: diesen Moment mußte erbenutzen, seine Herrschaft für immer zu befestigen. Gottlob! er war noch der alte Finanzrath und fortan ließ er den Herrscherstab im häuslichen Regiment nicht aus der Hand. Unter diesen erbaulichen Betrnchtungen wuchs allmählich sein Muth, sein Vertrauen auf die Zukunft. Er wollte den Weibern zu Hause den Kopf schon zurecht setzen. Roch war es nicht zu spät. Eilenden Schrittes kehrte er nach Hause zurück. Mit welcher Ungeduls man ihn erwarten würde. Das Beste war, man verreiste moc- am gleich mit Frau und Tochter auf em paar Wochen. Später wuchs Gras über die Geschichte und Kerner war ein treuer Freund; eine gute Partie für Kormua, die jetzt schon gescheidt und fünf gerade fein lasten würbe.

Wie der Stadtrath sich den Empfang zu Hause vor- gestellt, so traf e« ein. Mau ließ ihn, als er ohne Satti eintrat, erst gar nicht zu Worte kommen. Ge­wiß war der Vater anstatt in der Billa ,m Kasino ge­wesen. Aber bald sollte sich daS Blättchen wenden. Wie er in seinem eigenen Jammer doch ^.Erch trium- phirte, als er bei seiner Nachricht die verblüfften Menen von Frau und Tochter sah! Kornelta fiel m Wem- Mm?“ Du SDiutler ,°°d leine Dhri«. -b-r schwichtigende Worte, Entschuldigungen, Bitten, Be-

wie im Fluge die Sympathie Aller, die ihm näher traten; ober" auch draußen im großen Publikum er- ; rang er ungeachtet seiner strengen finanziellen Maß- ■ regeln und trotz der erheblichen neuen Belastungen eine ganz ungewöhnliche Popularität. Er ast als Finanz- mtntfier volkSthümlich geworden, wie kaum ein anderer Mann des öffentlichen Lebens, und zwar schätzte man in ihm nicht nur den Retter Ungarns vor einer finan- j ziellen Katastrophe, sondern man erkannte auch besten i aufrichtiger Bemühen, die erschwerten Staatslasten durch Hebung der Volkswirthfchaft und der materiellen • Leistungsfähigkeit des Landes zu erleichtern. Dr. We- ■ kerle ist fetn Anhänger des ausbeuterischen FiskaliSmus. - So hatte natürliches Talent, ein reiches Wissen, eine unermüdliche Arbeitskraft, ein lauterer Charakter und ein liebenswürdiges Wesen im persönlichen Verkehr dem einfach-bürgerlichen Schwabensohne die steile Bahn nach den obersten Stellen im Staate gebrochen. Sein rascher Aufstieg ist hauptsächlich seiner eigenen Bedeutung zu danken und es muß dieser Erfolg doppelt anerkannt werden in einem Lande, das sich zwar mit Vorliebe feiner „demokratischen" Gesinnung berühmt, wo aber dennoch der Adel nach wie vor die Gesellschaft und den Staat beherrscht, und das Protektionswesen, die Fami- lienverbindungen und Familieninteressen im öffentlichen Leben eine namhafte Rolle spielen.

Als nun der Finanzminister Dr. Wekerle von Sr. Majestät zur Bildung des Kabinets aufgefordert und bald nachher zum neuen Ministerpräsidenten ernannt wurde, da erregte diese königliche Berufung eine all- gemeine Befriedigung im Lande. Man wußte es dem Könige Dank und fand darin eine Art von erhebender Genugthuung, daß der Liebling des Volkes, der Mann „ohne Namen und Vergangenheit, ohne Familie und, Vermögen" zum ersten Ralhgeber der Krone, zun^ SflfcW her'Ntcaiepmc'.tz^SauwuM:. Der schwäbifche Dolksstamm hat dem Üngarnlam,- »»»«f tiae Kraft verliehen, und wer in diesem Lande Umschau hält, findet allenthalben die Spuren und Früchte deL gedeihlichen Waltens dieses tüchtigen deutschen Volks- stammes. Ministerpräsident Dr. Wekerle ist hiefür ein nCUISöirb1et sich auf der schwindelnden Höhe erhalten? Das ist die bange Frage, welche zahlreiche seiner Freunde und Verehret nicht unterdrücken können, angesichts der unendlichen Schwierigkeiten, welche sich der neuen Regierung oder vielmehr dem Haupttheile ihres Pro- arammes entgegenstellen. Dieser bedenklichste Theil der von dem Kadinet Wekerle in Aussicht gestellten Reformarbeiten betrifft ober die Lö sungd er k irchen- politischen Streitfrage, unter deren Zeichen daS Ministerium die Regierung angetretem und dieer selbst als den wichtWen Theil seiner Aufgabe hm-

Berlin, 28. Januar.

* Der Kaiser gab vergangener Nacht dem säch­sischen Königspaare bei dessen Abreise das Geleit nach dem Anhalter Bahnhof und verabschiedete sich herzlich von demselben. Heute früh ist der Herzog von Emn- bürg, heute Nachmittag der König von Württemberg und Abends der russische Thtoufolger abgeteist. Mit dem letzteren besuchte der Kaiser heute im Laufe der Tages das Zeughaus mit den Waffensammlungen und dS? Mausoleum zu Churlottenburg. Bor der^lbtech ein^ Galadiner' statt, zu dem 300 Einladungen ergangen waren. Das neuverwählle Paar Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, haben ihre Abreise von Berlin auf morgen Abmd verschoben.

* qu Ehren deS Geburtstags der Kaisers erhielten Auszeichnungen: General-Adjutant v. Hahnke das Großkreuz veS Rothen Adlerordens wZt Eichenlaub, Schwertern am Ringe und Krone, @taa^minifter, Oberpräsident Dr. v. Achenbach dasselbe nut Eichenlaub und Krone, Justizminister Dr. v. Schelling dasselbe mit Eichenlaub, Kultusminister Dr. Bosse und E'fen- bahnminister Thielen den Rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub, Staatssekretär des ReichSmarmeamts Vizeadmiral Hollmann bett Kronenorden l Klasse und der Minister des Königlichen Hauses v. Wedel daS Kreuz und Stern der Komthure des Hohenzollern- tSan8Diben8 — Alle Generallieutenants der Rangliste Ms einschließlich Grafen Schliffen II, Chef des General- Nabes sind zu Generalen der Infanterie bezw. der Kavallerie ernannt worden. Den Charakter emeS Generals der Infanterie bezw. Kavallerie erhielten tdeuerunaen: denn der Herr Gemahl hielt es für an­gemessen,^ den Tyrannen und Oberbefehlshaber recht ordentlich herauszukehren. DaS wirkte wie Feuerfunken

Am" folgenden Morgen hielt sine Droschke vordem Sause des StadtrathS; die Familie fuhr aufs Land. Zum Erstaunen des ganzen Hinterhäuser war du Stadträthin huldvoll zu den Insassen der Nachbarschaft herniedergestiegen und hatte der Mauttrs-Witwe nicht nur ein Beileidsbesuch, sondern Benno und seiner Mutter ebenfalls Abschiedsvisite gemacht. Cornel,e, die sie begleitete, hatte Benno einen Gruß für lernen Freund Kerner aufgetragen. gp töb(

u Ob sie es schon wissen, daß der Marchew tooi ist und daß er verhaftet werden sollte?" sagte Bennos Mutter zu ihrem Sohne, als StadtrathS sie verlassen ^°ttC«eI(fier Wind mag es ihnen so früh schonzuge- _ .rT'X ahPr fie finb von Allem unterrichtet," weht haben, aver ne R b nicht davon gab Benno zu- - wundern, welch' ein Gesicht

* *■

8Ut Korneixe ist ein gutes Mädchen. Diese Erfahrung hat ihr eine Lehre fürs Leben gebracht. Die Mutter hat die ganze dumme Geschichteeingebrockl^yeMrd