20. Jahrgang
Dienstag, den 24. Januar 1893
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tltung
Mitglieder herauSgesucht und in engern Zusammm- künften in sozialeii Dingen unterrichtet und tm Ausdrucke geschult werden. Es mag zuweilen unbiguem werden, redselige Mitglieder im Verein zn haben; aber diese Unannehmlichkeit darf uns nicht vom Nothwen- digen abhalten.
Wir können auch unserseits den Ausführungen d,S Herrn Dr. Huckeri nur in allen Punkten beipflichten.
Ueber politische Schulung unserer Geseüen- uud Arbeitervereine.
Ueber diesen Punkt schickt Herr Dr. Huckert (Reisse) der Kölner .Korrespondenz für die geistlichen Präsides kathol. Vereins Folgendes ein: „Die Gesellen- und Arbeiter-Vereine bedürfen meines Erachtens einer Reform in ihrem Innern Leben. Wenn Jemand die Berichte über die Versammlungen dieser Vereine liest oder selbst viele Versammlungen besucht hat, so kann eS ihm wohl nicht entgangen sein, daß die eigentlichen Mitglieder in den Versammlungen zu wenig hervortreten. Gewöhnlich wird vom Präses oder einem Ehrenmitgliede ein Vortrag gehalten, auch wohl zwei, aber eine Besprechung knüpft sich nicht daran, und die Folge ist, daß die Gesellen und Arbeiter selbst selten ein Wort sprechen. Es ist daS nach verschiedenen Richtungen hm sehr zu bedauern. Die Gesellen und Arbeirer haben sür manche Dinge aus eigener Erfahrung ein besseres Berständniß als Diejenigen, welche ihnen Borträge halten. Es ist mir sehr lehrreich gewesen, daß ich einst in einem kath. Arbeiterverein einen Vorschlag machte, und dann sofort von einem einfachen Arbeiter belehrt wurde, daß der Vorschlag in der Praxis wohl kaum durchgeführt werden könnte. An Sachlichkeit würden die Versammlungen dock sehr gewinnen, wenn die Gesellen und Arbeiter über ihre Erfahrungen oder auch ihre Anschauungen sich auS- sprechen würden. Für die Theoretiker in der Volks« wirthschaft und der sozialen Frage wäre es oft recht Wünschenswerth, wenn ihre Anschauungen auf diese Weise Bestätigung oder auch Aenderung erführen. Wenn die Sozial-Demokratie nur überwunden werden kann durch eine theoretische Bekämpfung ihrer Ideen und geeignete Reformen, so bedürfen wir in beiden Beziehungen der Mitwirkung derjenigen Arbeiter, welche der Sozial-Demokratie bis jetzt abhold find. Der christlich gesinnte, der Sozial-Demokratie fern stehende Arbeiter wird aber in keiner der beiden Beziehungen Mitwirken können, wenn er nicht lernt, sich in einem
Um den Lorbeer.
Roman von I. Sandhage.
(31. Fortsetzung.)
„Wir müssm weit hinaus, nach Skandinavien!" fuhr er bei ihrem Schweigen fort. Zuerst aber reisen Sie nach C... bad; eS liegt ganz in der Nähe, und dort können Sie sich neue Kräfte holen!"
Sie nickte. Ja, eS war das Beste so. Nur fort von hier, wo Alles sie an den süßen Knaben erinnerte. So wie die Dinge jetzt lagen, war es ja ein Glück, daß sich der Knabe bei seinem Vater in guter Obhut befand. Jetzt traf sie und Lecia allein die Schmach. O, wie gut, daß die Versöhnung mit dem Gatten nicht zu Stande gekommen. Wo hätte ec sich verbergen sollen bei der hereinbrechenden Schande? Sein, ihr Schwager als ein Dieb, Fälscher vor den Gerichtsschranken. Schrecklich! Ja, sie wollte fort, morgen, gleich nach C... bad. Horch! rollt nicht ein Wagen heran ? Der Maestro eilte auf ihren Wink hinaus. Im Flur stößt er auf einen Fremden. Er fährt zurück; der Maler, was will er. Ach so, die Signora sprechen?
„Sre ist unwohl", versichert der Maestro, aber der Andere läßt sich ohne Weiteres nicht abweisen.
„Ich habe ihr Wichtiges zu sagen", ruft er, den Alten vom Scheitel bis zur Sohle mit flammenden Blicken messend.
Zum 1. Februar
bietet sich wieder Gelegenheit, die,Fuldaer Zeitung' zu bestellen. Wir wenden uns deshalb von Neuem an unsere Leser und Freunde mit der Bitte, auch jetzt wieder zur weitesten Verbreitung der .Fuldaer Zeitung' thatkrästig durch Empfehlung und Verbreitung von Probe-Nummern — welche man gratis und franko per Postkarte von unserer Expedition verlangen wolle — mitwirken zu wollen.
Neu hinzutretende Abouueuten erhalten gegen Einsendung der Postqnittuug die Zeitung bis 1. Februar unentgeltlich und portofrei. _____
Ach, steht eS so? denkt der Alte, er ahnt es, der Feuerkopf wittert Unrath.
„Und ich versichere Sie, die Signora nimmt keinen Besuch an. Kommen Sw morgen wieder", braust der Alte auf.
Schweigend entfernt sich Benno. „Also bis auf morgen."
„Geh'Du nur", knurrte der Alte, ihm nachschauend. „Morgen ist die Signora in C... bad. Hat der Coup Hirnschmalz und Mühe gekostet! Jetzt ist der aufreibende Kampf zu Ende. Du hast mir den Handschuh vor Jahren hingeworfen, Barbar von Landjunker, rief er funkelnden AugeS Der Sieg ist mein; Alles um den Lorbeer! Du hast Deinen Sohn; für die Künstlerin bricht die goldene Züt endlich wieder an; wir sind quitt, Herr v. Wüllefen!"
Der Kutscher erhielt ein Trinkgeld; er fuhr davon. Brigitta wurde zu ihrer Herrin gesandt. Der Reisekoffer sollte sofort gepackt und in Ordnung gebracht werden. Der Alte saß und schrieb. Lucia bekam Ferien. Sie half überall mit anfassen; eine rastlose Thärigkeit allein konnte sie von ihren trüben Gedanken besreien. Der Macstco ahnte cs nicht, daß sie tägttcy stundenlang im Hinterhause bei Stadtraths verweilte. Der Kranke litt nach mehr als sie, und gab er ,hr nicht ein so hehres Beispiel der Geduld? Wie woh. und innerlich glücklich fühlte sie sich an der Lagerstätte des armen Leidenden, dem sie alsbald )o unentbehrlich
erschien. Sie wußte es nicht, daß ein Paar dunkle Augen, die hinter den Vorhängen in Cornelicn's Gemach hervorlauerten, sie beobachteten. O, hätte sie diesen hilflosen, tieftraurigen Blick sehen können.
Der Marchese schaute, so oft er unbeachtet, ver- stöhlen in den Hofraum hinab, und er sah, wie die zarte Signora sich so voll rührender Hingebung, voll Eifer sich als Krankenpflegerin bewährte. Wie zerstreut hörte der Marchese in solchen Momenten dem Redeschwall der jungen Dame zu, die tagtäglich seinen Antrag, aber bis jetzt vergeben?, erwartete. Es kamen Stunden, wo ihm das verhängnißvolle Wort aus der Zunge schwebte: „Sei mein Weid, Cornelia, allem eine fremde zwingende Gewalt schien ihn davon zuruck- - ruhalten. Seit zwei Tagen wußte er es nun, daß er das Schicksal der jungen Dame mcht an das ferne knüpfen durfte. Das geplante Fest m ferner Billa hatte verschoben werden müssen. SelnDimer war »löblich verreist; seitdem speiste er ihm Gasthofe. Er war fieberhaft erregt, sobald der Postbote rhm seine Briefschaften, seine ausländischen Zettungen ernhandrgte. Ja er ging ficher mit geheimen P!änen um. Denn
" Irlich in.Senten 8e. w-sen und harte ein Wort fallen lassen, daß er sich m diesem vorzüglichen Luftkurort häuslich niederlassen und eine ihm angebotene Besitzung mit Mobiliar und vollständiger Einrichtung käuflich erwerben würde. Mit dieser Besitzung konnte nur die Brlla des Marchese
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kleinern oder größern Kreise auszusprechen. An der Fähigkeit der Gesellen und Arbeiter fehlt eS nicht, wie die vielen sozial-demokratischen Agitatoren und Redner zeigen. Die Ursache der größern Redefähigkeit sozial-demokratischer Arbeiter liegt darin, daß in der Arbeiterwelt die sozial-demokratische Bewegung schon länger gedauert hat und schärfer betrieben worden ist als die christlich-soziale, und zudem die Sozial-Demokraten gezwungen sind, die irgend fähigen Mitglieder zur Agitation heranzuziehen, weil ihnen Kräfte aus den höhern Sränden nur wenig zur Verfügung stehen. In den Versammlungen der Sozial-Demokraten müssm die Arbeiter sprechen, weil sonst eben Niemand sprechen würde. Ich habe in einer Versammlung, die zum größern Theile aus Gegnern der Sozial-Demokratie bestand, einen Arbeiter sprechen hören, dessen Worte wegen des Inhalts und der Form seinen sozialistischen Genossen sehr peinlich waren. Aber er hat es doch gewagt, und ich halte eS gar nicht für unwahrscheinlich, daß derselbe heute schon viel gelernt hat und seine Genossen nicht mehr durch seine Worte in eine peinliche Lage versetzt. Die Gesellen und die Arbeiter müssen also meines Erachten» in der Versammlung viel mehr als bisher zur aktiven Theilnahme an den Verhandlungen und Besprechungen herangezogen werden. Wir müssen auch Meister, Gesellen und Arbeiter dazu erziehen, eine Versammlung zu leiten, weil daS öffentliche Leben, welches noch keineswegs auf seinem Gipfelpunkt angekommen ist, dessen bedarf und später noch viel mehr bedürfen wird. Die Kräfte fehlen auch hierzu unter den Handwerkern und Arbeitern keineswegs, wie wiederum die Handwerker-Versammlungen und die ganze sozial-demokra- tische Bewegung beweisen. Deshalb halte ich es für nöthig, daß in den katholischen M eist er-, Gesellen- und Arbeiter-Vereinen die aktiven Vorstandsmitglieder mehr zur Vereins- und VersammlungS« Leitung herangezogm werden als daS meiner Erfahrung nach bisher geschieht. Alle diese Vereine müssen nicht bloß bestrebt sein, ihre Mitglieder in den sozialen Kämpfen der Gegenwart auf dem richtigen Wege zu erhalten, sondern alle Diejenigen, welche daS Talent dazu zeigen, auch so zu erziehen, daß sie selbst in diesen Kämpfen mit eingreifen können. Für manche Kreise, welche zum weitaus größten Theile Arbeiterbevölkerung haben, wird das Centrum meines Erachtens auf die Dauer nur den Sieg davon tragen können, wenn tüchtige und geschulte Kräfte aus den arbeitenden Ständen als Kandidaten aufgestellt werden. Daß diese Kandidaten erzogen werden, ist auch eine Aufgabe der katholischen Gesellen- und Arbeitervereine, welche deS Schweißes werth ist."
Die Redaktion der oben genannten Korrespondenz bemerkt dazu: „Diese Anregung ist sehr am Platze. Im Rheinlande werden auch die Arbeiter schon vielfach zum Reden und zu Zweigen der Geschäftsleuung herangezogen. Aber es muß das noch mehr geschehen. Auch ist es von großer Wichtigkeit, daß befähigtere VereinS-
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Januar.
* Die neueste Nummer deS.Reichsanzeigers' br'ngt folgende Hof-Ansage aus Anlaß der Feier der Vermählung I. K. Hoheit der Prinzessin Margarethe von Preußen mit S. H. dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen: Montag, 23. Jan., Abends 7'/, Uhr, Gala- Tafel bei Ihren Kaiserl. und König!. Majestäten im Weißen Saale deS Königl. Schlosser für die anwesen- den Allerhöchsten und Höchsten Gäste und Gefolge. Dienstag, den 24. Januar, Abends 7 Uhr, Famitten- tafel bei I. M. der Kaiserin Friedrich in Allerhöchst« ihrem Palais. Mittwoch, 25. Januar, nach vocaus- aegangener standesamtlicher Trauung um 5 Uhr in der Schloßkapelle die Feierlichkeit der kirchlichen Vermählung, der sich Abends der übliche Fackeltanz anschließt. Donnerstag, 26. Jan. ist noch Allerhöchster Bestimmung Vorbehalten. Freitag. 27. Jan. Allerhöchstes GeburtS« fest S. M. des Kaisers.
* Sogar der Papst wird wieder vor die Militär« Vorlage gespannt. Nach einer der Wiener ,Polit. Korr.' aus Rom zugehenden Meldung „glaubt man in den vatikanischen Kreisen Anhaltspunkte für die Annahme zu besitzen, daß das deutsche Centrum trotz seiner bisherigen Haltung gegenüber der Militärvorlage dieselbe vielleicht doch mit gewissen Modifikationen vottren werde." — Wir glaubm aber nicht an diesen Glauben in vatikanischen Kreisen.
* An fäwmtlicke aktive und inaktive Offiziere ist der militärische Befehl ergangen, über militärische Dinge nicht zu sprechen, wenn Gefahr vorhanden ist, daß die Unterhaltung von unberechtigter Seite angehört werden kann. t m ,,
* Im Herbst finden in der Gegend von Pceßburg große Manöver von fünf Armeekorps statt. Kaiser Wilhelm und andere auswärtige Fürstlichkeiten werden denselben beiwohnen. , ,
* Im Reichstage erklärte heute vor Eintritt m die Tagesordnung der Abg. Dr. v. Frege (kons.), die in seiner Abwesenheit vom Abg. Singer bei Berathunq der Börsensteuernovelle auf ihn gewachten Angriffe nicht mit demselben Tone, den Singer angeschlagen, beantworten zu können, da ihm dies Anstand und Erziehung verböten; sachlich werde er bei einer anderen Gelegenheit darauf zurückkommen. Dem Abg. Singer, welcher antworten wollte, wurde vom Bizeprästdentm Grafen Ballestrem bedeutet, daß dieses unzulässig sei. — Dann trat das Haus in die 1. Berwhung des