Um den Lorbeer.
Roman von I. Sandhage.
(30. Fortsetzung.)
An Schlaf war in dieser Nacht für die Frauen kein Gedanke. . , .. m. .
Der Morgen graute; tote langsam die Minuten dabinschlichen- Um die Poststunde wurde die H-uS- glocke gezogen. Die Signora schrak zusammen. Wer konnte das sein? Ein Brief, daS verkündete nichts Gutes.
Brigitta trug wirklich einen Brief in der Hand, als ste hereintrat. Fürchtet auch ste Unheil? Warum bleibt sie vor der Herrin stehen und weicht nicht vom Fleck, bis Constance das Siegel gelöst hat?
Sie überfliegt die Zeilen; ihr Gesicht wird aschfahl. Brigitta stürzt zum Schrank und ergreift em Flacon mit kölnischem Wasier. Sie kommt gerade zur rechten Zeit, denn Constance bricht ohnmächtig zusammen. Der Brief fällt auf den Boden. Der Maestro schaut durch die Thür. Kreidebleich nähert er sich und hebt den Brief auf. Ec lieft; seine Züge klären sich schnell. Rasch läßt er daS Papier in die Rocktasche gleiten.
Nach und nach erst kehrt die Signora zum Bewußtsein zurück. Ihre erste Frage war nach dem Brief. Oder hat si- gar geträumt? Wirren Bicks schaut sie um sich. Dort steht Brigitta mit angstvollem, ver- stö.tem Gesicht. , . _ . ,
Also Wirklichkeit ist 's. Sie erhielt emen Brref von ihm, von ihrem M^nne, von dem Vater ihres
Deutsches Krich.
Berlin, 20. Januar.
* Gestern fand bei den Majestäten im Ritterfaal der königlichen Schlaffes eine.Defilireonr statt zu welcher auch fämmtliche zur Zett hrer anwesende Mitglieder der königlichen Famüie und die bnelts Huer eingetroffmen hohen fürstlichen Gäftt mit ihrem Gefolge erschienen waren. - Dw Kaiserin Friedrich nahm an der Defilircovr nickt Therl.
Ueber die Cholera-Epidemie zu Nretleben bei Salle a/S. verlautet: Die erste Erkrankung tn der etfoi 700 Geisteskranke beherbergenden P^vinzral- Irrenanstalt zu Nietleben erfolgte am Sonnabend. den 14 d. M. Am Montag kamen bereits drei Todesfälle zur Kenntniß, am Dienstag wieder dr^am M ttwoch sechs und am Donnerstag bret. In allen diesen Fallen wurde im Hygienischen Institut der Koch sche Komma. bazilluS im Darminhalt der Verstorbenen nachgewresm und am Mittwoch Abend mit Sicherbett die Diagnose auf asiatische Cholera gestellt. Die Zahl der Chottra- Erkrankungen ist etwa doppelt so groß al? die der V r- storbenen. JnSgesammt sind nach den amtkchen Me dun- gen seit dem Austreten der Epidemie 44 Erkrankungen und 15 Todesfälle erfolgt. Dre Anstalt ist letzt für jeden Verkehr geschlosien. — Professor Dr. Koch, der im Auftrage der Kultusministers Dr. Bosie mit .mehreren Assistenzärzten in Halle eingetroff-m ist, wird jedenfalls so lange dort bleiben, bis eS feststeht, daß die Epi- demie auf die Irrenanstalt in Rietleb« befchrankt geblieben ist. - Nach der letzten Meldung von heute früh sind drei weitere Todesfälle vorgekommen, sodaß bisher im Ganzen 18 Personen der Epidemie erlegen fhb* Der Reichstag setzte heute, nachdem er dem Präsidenten von Levetzow die erbetene Ermächtigung erth ilt, dem Kaiser zu besten bevorstehenden GeburtS- tage die Glückwünsche deS H 'us s zu übermitteln, d,e Berathung der Börsensteuernovelle fort. Abg. Graf v. Arnim (Rp.) befürwortete eine schärfere Heranz,eh
KlvdeS. Aber war für eine Sprache führte dns-r Brief. Entsetzlich! Welch' eine Stunde, welch ein Unglucks- taq heute! Mit beiden Händen greift sie an ihren Kopf; sie kann eS nicht fasten, dar Schreckliche, daß sie verkästen ist für immer von ihm. Daß er eS über sich gewinnen kann, sie von ihrem Kinde zu trennen für immer, für immer. Jedes feiner Worte fuhr wre ein Hammerfchlag wuchtig, zerfchmetternd auf sie nieder.
Aber wo ist der Brief geblieben, wo ist er? Sie will muß ihn wieder lesen und dann will sie handeln, ja daS will sie. N'cht mehr abwarten und müßig sein, wie bis H ute. WaS hat eS ihr geholfen, daß sie ge- litten, geschwiegen, geduldet Hai?! Wie em Revelbild ist ihre glänzende Wirksamkeit zerronnen, weiß er eS nicht, will er eS nicht w sten? .
Sie fährt wie elektrisirt von ihrem Entschlüsse in die Höhe und sie ist prächtig anzusehen m ihrem Zorn; die Wangen geröthet, die Augen blitzen , Much und Willensstärke geben ihrer biegsamen Gestalt neue Spannkraft. Constance ist auf einmal wie 10 Jahre jünger anzuschauen. Sre ist wahrlich im Stande, etwas Un- erhörtes zu begehen — und dann stürzt daSPhantasre- Geväude d>S schlauen geriebenen Alten zusammen wie ein Kartenhaus. So fliegt cs durch seinen Anwnros S>nn in dieser Sekunde, wahrend er zu fewrit Erstaunen wahrnimmt, daß eS bet B-rkust ihres «näbm ift, der sie jählings aus ihrer Apathie °"ftü"elt D.ete W ikuna hatte der Alte nicht erwartet. Jetzt yieß eS, feine Maßregeln treffen. Ec sinnt und sinnt, wahrend
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W- Das soziale Wirken der Franziskaner in UordameMa.
n.
Wir haben in unserem ersten Artikel die Thätiakett der FranziSkanermönche in volkSthümlichn Hinsicht kennen gelernt. SS wird unsere Leser mterestiren, auch über ihre sozialen Leistungen Einiges zu vernehmen. Für einen wahrheitsliebenden, um daS Wohl der darbende« Menschheit wirklich und ernstlich besorgten Sozialisten ist die Schilderung höchst lehrreich, welche MoftaS über die innere Einrichtung der von den Franziskanern gegründet« und geleiteten Mission« entwirft ^seidig, 450 Fuß im Qua
drat Die Vorderseite hat einen Säulengang. Die Höhe schließt mit dem zweit« Stockwerke ab. Das Innere des vom Gebäude umschloffenen Raumes bildet ein« Hos mit Springbrunnen und Bäum«. Auf den doffelbe umgeb«den Gang münden die Zellen der Mönche, die Gemächer der HauSbedimsteten und der Fremd«, kleine Werkstättm, Schulzimmer und Bor- rathskammern. Die Krankenfäle Kegen mr ruhigsten Theile der Mission, wo auch die Schul« gehalten werd«. Die Judianermädchen wohnen abgesondert unter besonderer Obsorge verttaumSwürdlger Frau«. Sie lernen Stoffe aus Wolle, Baumwolle und Flachs web«, woraus sie «leider verfertigen. Hier »er- bleib« sie, bis sie ein heirathSfähigeS Alter erreicht haben. Die gleiche Schule bient für die Kinder der Indianer und der Weißen. Die talentvolleren Schüler lernen Musik, Gesang. Violine, Flöte, Horn, Violoncello und andere Instrumente. Jene, die sich i« Schreiner-Handwerke, in der Schmiede oder tm Ackerbau auszeichnen, werden zu Aussetzern ernannt und letten die Arbeit«.- (S. 88.) Einem eckten und über- xengtm Sozialisten muß bei der Schilderung solcher Entrichtungen vor Freude daS Herz iw Leibe lach«; daS sind ja, wird er unwillkürlich ausrufen, Zustande, welche unterem vielgerühmten Sozialstaate ziemlich nahe komm«. Diefer ist aber nicht von Sozialdemo- traten, sondern von Mönchen gegründet worden. Um ihn einzurichten und zu leiten, ist d,e Entsagung und der Opsersinn des ChristenthurnS unbedingt nothwendig. Es ist wahrlich eine leichte Sacke, m einer Volksversammlung gegen alle bestehende Ordnung loSzudonnem und dm fabelhaften Jdealstaat der Zukunft zu rühm«. Biel schwerer warm die Vorbedingungen zu erfüllen, welche der Belehrung der armen Indianer voraus- gingen. Die Franziskaner mußten zuerst die Sprache der Völker und Stämme mühselig erlernen, Alvhabete «finden, mit dmselbm die ersten Bücher der Sprache schrecken. z^kanermönche waren nicht blos stark in der Liebe mit dem Munde, sondem auch in der That. In seiner Geschichte KalifornimS schreckt ForbeS 1832: Die Franziskaner übten sortwährend eine un
M Wiederholungen enttprechender RaWt Blumen' in Fulda und auswärts 1 Martb^ßlem^.
fie ungestört in ihrem frommen Werke gelassen d, Jndianerftage wäre m einet zufriedenstellenderen Wrtse gelöst worden, als durch die gänzliche Vermchmng der Ureinwohner deS Landes. (Hammer S- 104.)
Die Franziskaner-Mönche haben nach demUctheile kompetenter Bmrtheiler also verstanden, tue soziale Frage bei dm Indiane« soweit eS möglich ist, zu lös«, ohne für sich irgend etwas zu erstreben. Dw Sozialdemokraten haben noch nicht dm geringsten B^ weis dafür geliefert, daß sieem Volk wirttich glückuch machen können. Die angeführten Thatfachen beweis« die Unwahrheit und Lügmhastigkett der systematisch verbreitet« Behauptung, daß die Kirche “nb be£” Dimer Fände des Volker sei«. W.r dürfm den Berläumde« der katholischm Mönche zurus«: Seht und tHut desgleichen!_____________________
begrenzte Gastfteundschast. ZimwnfücReismde standen in jeder Mission bereit, ja selbst eigene Obstgarten warm für sie bestimmt.
Die Franziskaner waren jederzeit gerne bereit, von dem Ihrigen zu nehmen und dm Fremden ohne Unter- schied der Sprache und deS Bekenntnisses aus chnst licher Liebe Nahrung und Obdach zu geben, ja dm- selbm durch besondere Gärtm noch Annehmlrchketten zu verschaffen. Die Sozialdemokraten wollen nm von Anderm nehmm, aber Niemand etwas geben; ich habe wmigstmS noch nicht gehört, daß dieselben Audcren etwas gegeben haben, höchstmS Parteilmten, wenn diese im Jntereffe der Partei etwa Opfer zu tragen hatten. Da fcheinen mir doch die Mönche mtt ihrer christlichen Nächstenliebe beffere „Sozialisten zu sein.
Die Franziskaner nahmen sich stets des Volkes an, wmn es bedrückt wurde. Pater Juarez, welcher 1526 nach Florida gekommm wm, verwandte sich beim Könige von Spanien für die Indianer, so daß dieser da« Verbot erließ, sie zu Sklaven zu machen und dm Spanie« eine milde Behandlung derselben entschärfte. (S. 15.) Als unerschrockene Prediger der Gerechtigkeit schmeichelt« die Mönche auch nicht dm Leidenschaften der Eingeborenen, sondern traten den Lasterhaften muthvoll entgegen. 1597 stellte Pater Corpa von St. Augustin in Florida dm Sohn eines Kaziken wegen feines sittenlosen Lebens zu Rede. Dieser sammelte rasch eine Rotte von Wilden, überfiel den Ordens» mann und töbtete ihn mit seinem Kriegsbeile.
Sebermann wirb nun fragen, welchen Erfolg denn das eifrige foziale Wirkm für die opferwilligen Mönche und für die Einwohner gehabt hab«. Die Franziskaner haben keinen irdifckm Lohn gesucht. Sie waren glücklich in dem Bewußtsein, für Gott und bte ihrer Obhut anvertraute arme Bevölkerung arbeiten und sterben zu bürfen. Ja nicht wmige gaben freudig« MutheS ihr Leben hin und stmben als Märtyrer; Sammer zählt 59 Franziskaner auf, welche in der d« Zeit von 1541 bis 1832 in den Vereinigten Staaten Nordamerikas um des Glaubens willen den Tod erlitten. t „ ...
UeberanS wohlthätig dagegen wirst« dl Mönche für die Bevölkerung. Dwinelle, der Geschichtsschreiber Kaliforniens, schreibt in bietet Hinsicht: »Der Erfolg des MiisionrplaneS zur Bekehrung und Civilisirmig der Indianer genügt vollständig, denselben als gerecht- fertigt, ja weise zu bezeichnen, Ueber 30,000 bekehrte Indianer wohnten in diesen Missionen. Unterricht und Arbeit wechselt« ab und allenthalben herrschte ein blühender Wohlstand. Wenn nur tti Be- tracht ziehen, welchem Elende die Indianer unter der jetzigen Regierung anheim gefallen find, so können wir jenen braven und opferwilligen Männern unsere Anerkennung nt(f)t Der» sagen, welche mit so großer Geduld, Weisheit und Klugheit jene bewunderungswürdig« Anstalten m der Wildniß Kaliforniens ins Dasein riefen. Hatte man
er mit auf dem Rück« verschlungenen Hmiden auf und ab wandelt. Die Signora hat kernen Bl ck für ihn. Sie brütet ebenfalls an ihren Plan «.Auf. eigene F ust hin will si» eS wagen. Brigitta erhält Befehl, hinaus- zugehen, um eine Droschke zu holen. Zu elnem Rechts- anwalt will sie sogleich hinaus. S'e scklüpft mr Nebenzimmer. Nicht lange, so kehrt pe vollends zum AuSgang angeklcibet wieder. Der Maestro steht unbe- wegkch; aber in seinem Mienenspiel verrath sich nichts weniger als Furcht und Besorgmß. Noch Hai er dm letzt« Trumpf in der Hand. Nur Ruhe.
6 S-gnora!- hebt er nach einer Weile an ; sie steht vor "dem Spiegel und befestigt ihren Schleier. >. 'tz noch die Handschuhe, ungeduldig erwartet sie den Wa en.
len Tones; sie schaut ihn gar nicht mal an. Ihre Gedanken sind wett weg von ihm. y
SRittp («en Sie sich, S'gnora, haucht er mtt Ich habe Ihnen eine wichtige Mtt-
^Ach so," lachte sie spöttisch, »ich werke eS schon,
Sl' mb«.-
"Was wird die Welt dazu sagen. Das istunser ali-r"Losungswort, aber eS wirkt nicht mehr Ma-stro, es hat für meine Ohren seine alte Zauberkraft ernge- bM Wenn diefe neueste That der Grausamkeit der 1 b-utalen Willkür, ungestraft bleckt, dann bewerfe ich ,hm