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Donnerstag, den 19. Januar 1893

20. Jahrgang

iildakrWZkitun

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Bterteljährlicher Bbonne mratSprei- ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der delletristiseben Sonnt-iaSbeilage ,Sterne »nd Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. ”T—iimri~*iinnirMMirmnii jmuwitina mmwiim—iii—■ihih irmi । < nun

geutsches Krich.

Berlin, 17. Januar.

* lieber das päpstliche geheime Konsistorium am 16. d. M. erhält die,Germ/ ein Privattelegramm, dem wir Folgendes entnehmen: Heute hielt der hl. Vater ein geheimer Konsistorium ob, in welchem er nach einer Ansprache an das Kardinaltzkolleginm 14 neue Kardinale ernannte und zwar: Krementz, Erzbischof von Köln; Kopp, Fürstbischof von BreSlau; Vaszary, Primas von Ungarn; Vaughan, Erzbischof von West­minster; Logue, Erzbischof von Armagh; Meignau. Erzbischof von Tours; Thomas, Erzbischof von Rouen; Sanz y Forey, Erzbischof von Sevilla; Di Pi'tro, Nuntius in M drid; Galimberti, Nuntius in Wien; Mocenni, Substitut des Staatssekretariats; Peisico, Generalsekretär der Propaganda; Malagolo, Erzbischof von Fe'mo; Guarino, Erzbischof von Messina. Hierauf präkonisirte und verkündete der Papst die Ernennung der Kardinals Serofi o Baunutelli'S zum Erzbischof von Bologna und Msgr. Kohn's zum Erzbischof von Olmütz. Nach btm Konsistorium begaben sich die päpst­lichen Ceremoniare sogleich zu den in Rom anwesenden neuen Kardirälen, um ihnen ihre osfizielle Ernennung zu verkünden. Erzb schof Krementz empfing dieselbe im Germanicum, Fürstbischof Kopp in den Gemächern deS Kardinals Ledochowrki. Den neu ernannten Kardinäleu brachten auch die Diplomaten, die römische Aristokratie, die Prälaten, Freunde und Bekannte ihre Glückwünsche dar. Nachmittags überbrachten denselben Nobclaardisten die rothe Calotta. Abends werden die dazu desiznirten Nobelgardisten abreisen, um den auswärts residirenden Kardn älen die Calotta zu überbringen. In Ergänzung derselben Wollen wir nach der .Köln. Volksztg.' noch hinzafügen, daß daS gestrige geheime Ko^sistorn m um 10 ww 10 Min. seinen Anfang nahm und bis 11 Uhr 30 M u. dauerte. Dem Her n Fürstbischof Kopp wurde dar seine Ernennung zum Kardinal entbaltende Blllet um 12 Uhr vorgelesen. Msgr. de Monte hielt die Dankesrede. Herrn Erzbischof Krementz wurde lein Billet um 12 Uhr 25 Mm. vorgelesen. Msgr. Nagl h'lt die Dankesrede. A wesend waren Fürst Sw.m- Dyck, Msgr. Wilpert, Msgr. de Waal, Kaufmann EhseS und Andere

* Kardinal Krementz und Kardinal Kopp. Das alte heilige Köln am Rhein, daS „deutsche Ram" mit dem vornehmsten erzbischöflichen Stuhle des Deut­schen Reicher, und ian den Ostmarken deS Deutschen R ich s le n jetzt einziger FürstbiSthum, daS „goldene" BreSlau, beide seit vielen Jahrhunderten hellleuchtende fruchrbare Mittelpunkte kirchlichen Lebens und Wukens, von denen die Segnungen wahrer christlicher Kultur wüthin ausstrahlten beide so oft auch in derGsammt- krrche hoch auf dm Leuchter erhoben — sie sind bereits wiederum «euer Ehren und Auszeichnungen gewürdigt worden und in der gewaltigen katholiich-n W lkkirche Allen sichtbar, an Rana, Würde und Bedeutung noch erhöht. Der Hochw. He-r E^zbstchsf Dr. Krementz von Köln und d^r Hochw Hrr Fürstbischof Dr. Kopp

Um den Lorbeer.

Roman von I. Sandhage.

(27. Fortsetzung.)

Antonio erblaßte leicht. „Bewahre!" rief er sich fast nd. „Bewahre! Ich wußte, daß ich dem ritter­lich n Charakter eines EoelmanneS vertrauen dürfte", ri>.f er schwungvoll. Konrad lächelte ironisch in den leichte rarauten Ba t hinein. Rach einer Weile sagt er, jeder Wort betonend:

„DaS Wohl^ meines einzigen Kindes ist mir nicht gleichg ltig. Sie werden auch w fieu, daß mir ein volle- ungeschmälerter Recht auf meinen Sohn zusteht, Wenn ich davon b-.S j tzt keinen Gebrauch gemacht, io hatte ich meine Gründe dafür. Die Devise meines Ge- schr echter, derer v. Wüllesen, heißt: „Die Ehre über Alles." Von diesem Gesichtspunkte aus zog ich mich vor Jchren — Sir wissen ja, war ich meine — schleunigst auS der Welt zurück; seitdem führe ich das Leben einer EirstrdlerS. Des Kind liegt mir schon Jahr und Tag im Sinn; Ihre Worte überraschen mich nicht, aber war kann ich thun?"

„Nun, war Anderes," warf Antonio bin, „als sich den Knaben zu erobern. Bist Du nicht willig, so brauche ich G-walt."

„Hm, al» ob dar leicht wäre, in unserer Zeit", «einte der Baron achselzuckend.

von Breslau, die seeleneifrigen Oberhirten dieser beiden auch an katholischer Bevölkerung reichsten Diözesen Preußens, sie sind über die schneebedeckten Alpen hin­gepilgert zur ewigen Stadt, zum heiligen Rom, zu den Gräbern der Apostelfürsten PetruS und Paulus, und dort sind sie vom Statthalter Christi auf Erden, un­serem glorreich regierenden Papst Leo XIII., in die höchste und ehrwürdigste Korporation der ganzen Welt ausgenommen worden, in daS „hl. Kollegium", dm obersten Rath der katholischen Kirche, dessen Mitglieder beim Tode der Papstes auch das neue Oberhaupt der Kirche zu küren berufen sind. Bon jetzt ab sind unsere beiden hochverehrtm Kirchenfürsten geziert mit dem Purpurgewande, zum Zeichen, daß sie auch ihr Blut für die Kirche jederzeit zu opfern bereit sind; sie heißen Kardinal, ein Titel, neben dem jeder andere kirchliche Titel zurückiritt, weil „Kardinal" nach dem Papste der höchste in der Kirche ist und auch von den weltlichen Gewalten sehr hoch gestellt wird. Den beiden neuen Kardinalen der hl. Römischen Kirche rufen wir mit der ,Germania', der wir diese Zeilen entnehmen, ein herz­liches ad multos annos! zu. Gott erhalte und fördere die Eintracht von Staat und Kirche!

* Kardinal Melchers sandte der Cmtrums- Fraktwn, welche ihm zu seinem 80. Geburtstag einen Glückwunsch gesandt hatte, ein herzliches Schreiben, in welchem er „mit schuldigen Dank herzlichen Gruß und Segenswunsch" zum Ausdruck brachte.

* Bei dem am 15. b. auf B-tehl deS Kaners be­gangenen Krönungs» und Ordensfeste erhielt Armee- bischof Dr. Aßmaun den Rothen Äolerorden zweit, r Klasse mit Gch nloub.

* Die Stellung des Leutrum» zur Miliiir- Vorlage, so schreibt die ,Germania', verursacht v-r- schrederen Leuten Kopfzerbrechen «r.d ■ — Sorgen. So will beispielsweise das .Wiener Vaterland'aus Süd- deutschiand erfahren haben, „es habe sich bei den nach Berlin zmiickg kehrten Cer-trumSwännern die Srimmung während der Ferien bedeutend zu Gunsten der Milnärvorlage geändert." E' muß eine sonderbare Quelle sein, au? welcher daS Vater­land' bitte W fsenschaft geschöpft hat, von der man in Kreisen, in denen man über die Stimmung in Süddcutschland so zu sagen doch auch unterr-chtet ist, nichiS me ß. Wir glauben nicht , daß es raihsam ist, sich zum Verbreiter von Gerüchten zu machen, die von centrumS feindlicher Seite 8 fl ssmlllch verbreitet werden, um dar Centrum bet fernen Wählern zu ver­dächtigen und seine Sreünng i«'Volke zu erschübern. Da wir überzeugt sind, daß dem ,Vaterland' nichts ferner liegt, als diesen Bestrebungen Vorschub zu leisten, so bedarf e» auch nicht der Mahnung, bei dir Aufnahme von Gerüchten und Nachrichten über die Stellung der Centrums zur Militärvorlage fürderhin recht vorsichtig zu sein. Während der Wechnachis- Ferien sind keinerlei Momente hervorgetrelen, welche geeignet rein könnten, d-e ablehnende Haltung d,s C-ntrumS brr R grerungsvorlage gegenüber auch nur im Geringsten zu c chartere, n~b das Brener ,Vater-

land' darf daher versichert sein, daß kein Centrums- Abgeordneter mit anderen Gesinnungen der Militär« Vorlage gegenüber aus den Ferien zurückgekehrt ist, als er beim Antritt derselben von hrer mitgenommen hat. — Recht erheiternd ist die Furcht der national» liberalen Mannen, es könnte zwischen Regierung und Centrum ein „Geschäft" dahin abgeschlossen werden, daß daS Centrum als Gegenleistung für die Auf­hebung deS Jesuitenge^tzes die M'litärvorlage annehme. Um nun dieses Geschäft zu hintertreiben, gibt der in Stuttgart erscheinende besonders „schlaue" .Schwäbische Merkur' den andern Parteien, auch den „Freisinnigen", den guten Rath, doch die Militärvor­lage in ihrem ganzen Umfang zu bewilligen. Dadurch würde dar Gentium kalt g« stellt, und die schrecklichen Jesuiten blieben aus Deutschland entfernt. Also lieber 150 Millionen neue Steuern als die Jesviten! — Da hat man also die gewöhnlichste Pferdehandels - Ge­sinnung in ihrer wahrsten und ur.verhülltesten Gestalt! Und diese Herren haben dann den Muth, anderen Parteien Schacherpolitik vorzuwerfen! Rette Bo krver- treter dar, die nach solchen „Grundsätzen" handeln und die Rechte des Volkes zu verkaufen, jeder Zeit bereit sind, wenn nur ihre kulturkämpf«rischen, kotboliken- feindlichen Gelüste Befriedigung finden. Gtücklicher- toesfe können die 41 „Mannen" im Reichstag kein Unheil anrichten. Eine Unverschämthert aber rst eS, angesichts der vom Reichstagsabgeordneten Dr. Lieber in öffeml chen Versammlungen wiederholt klar und be­stimmt gegebenen Zusicherung: daß das Cenrrum die Wrrdkrzuwssu- g des Jesuitenordens, so th'uer ihm die Patres auch s'ien, um den Preis seiner Zustimmung zur M lnä Vorlage nicht erkaufen werde, jetzt noch die ge.enth.ili.',e B'hraplung aufstellen zu wollen.

" * Der Reichstag verhandelte h ure zur äwst über die Jnreipktlar o.t d.s Abgeordneten Broewel über die Abänderung frei amtliche« Waaren- Verzeichnisses zum Zoll-Tarif. N'chd m der Abg. Broemel die Inter­pellation begründet, erklärte Staatssekretär v. Maltzadn, daß die Abänderung dcs amtlichen Waaren-VerzechwsseS zum Zr-Ü-Taris in h'en wesentlichen Theilen den Ja- ter° ss vten vo her mitgetheilt worden sei, um die Wünsche der Betheiligten za hören und daß die Beschlußfassung des BundeSrathrS so weit ausgedehnt werden solle, daß den einzelnen R gier ungen Zeit bleibe, die Handels­kammern zu befragen. Arg. Broemel erklärte sich durch diese Auskunft befriedigt m>b verzichtete auf eine Be­sprechung der Interpellation. Sodann setzte der Reichs­tag die erste Berathung der Novelle zum Branntwein» sstur-Gesetze fort.

* DaS Abgeordnetenhaus begann heute nach Er­ledigung einiger R chnungss -chen die erste Berathung d<s Staatshausbaltr Etat für 1893/94. Als erster Redner in der Eiaisdebatte wies Abg. v. Sstombtck darauf hin, d- ß dis Msttheilung des FinanzmrnrsterS über das Defizit in der Bevölkerung unerfreulich qe- wirkt hchs, ncr-t blos mit Rücksicht auf die Höhe unserer Staats^ch:üden, sondern auch, weil wir g- nbrbigt seien, neue Star sschulden zu machen. Allerdmg- ver»

„Die Signora rst ttuiu UnterhaiiSlunq zugänglich," versicherte der Alte kühn. „Aus drcse W cse ist nichts zu erreichen. Entführen S e den Knaben ; mit ge­gebenen Thatsachen rechnet sich'S l-richt Die Signora ist nicht nur Mutter, in erster Lime auch Künstlerin, verg-sssn Sie daS nicht."

„R in, nein!" tief der Baron fast herbe, er flog von seinem Sitz empor. „DaS habe ich noch keinen Augenblick verg-fien. Künstlernaturen fassen das Leben anders auf als wir nüchternen Menschenkinder. Gott stehe un- bei, daS habe ich bitter genug erfahren müssen. Man hat sein Leben lang genug daran zu tragen."

„Lasten wir die Tobten rubeu", rief der Ma-stio in unbestimmter Angst, begrabene Dinge au'S Licht gezogen zu sehen. Vom Kernpunkte her Streitfrage mußte mau sich meilenweit fern halten. Denn vor einer direkten Lüge hatte Amonio sich dem beleidigten Gasten gegenüber bis j tzt schlau gehütet.

Diese Stellung behielt er im Auge. Klug und gewandt lenkte er die Unterhaltung von der Ver­gangenheit ab, indem er sagte:

»Der Maler Walter vwkchrte vorzugsweise gern und viel mit dem lebhaften kleinen Barschen. Er wird ' auch s ine E sahrung gemacht hoben, daß Osto e uer strengen Erziehung bedarf. Dreier Maler aber kann «

Ihnen leicht als W.ikzeug dienen, den Knaben für sich zu gewinnen."

„Nichts da!" brauste Konrad auf, „fremde Men­schen in'S Vertrauen ziehen, heißt sich selbst an den Schandpfahl heften. „

„Nein, so meine ich eS nicht", fiel der Mc'stro hastig ein, „w ssen toll und braucht der Maler ricbts. Im Gegentheil, er bat dem Kinde eine Ausfahrt ver- sprachen. Der Junge erinnert alle Tage daran. Sen­den Sie Ihr Gefährte mit dem Maler vor unsere Thüre. So, das Weitere verstehen Sie; die Ent­führung ist einfach, geräuschlos und bequem. Ohne Aufsehen erhalten Sre Ihr Kind. E'N paar Zeilen der Aufklärung an die Signora, und die Saae ist erledigt. Den Tod wird sie nicht davon haben. Eine Kunstreise ficht vor der Thür, und das Urbrige ^n£l$er Alte hatte es wie eine Lektion hervorgesprudelt. Konrad las ihm die heftigste innere Avfregurg an- den ccktgen Zügen, die sich mit leichtem Roth bedeck- ten.

Der Plan war in der That nicht schlecht. Und je lärgrr er die Sache erwog, je schwerer sank die Waagschale zn Gunsten des Alten nieder. Sine hef- tiae Sehnsucht nach seinem Rtr.be überfiel ihn. Hatte Ccnstar ce ihn nicht lange genug in Besitz g'habt; sich an fernem Lächeln, an seinem kindlichen Geplauder er»