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Sonntag, den 8. Januar 1893.

20. Jahrgang

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.6o.nIll unbKriertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zelle oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

«errelMrttcher «banne meal-pre,« ohne Brmgerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

X Ein Gesltzeniwurf zur Verschärfung der KonKursordnung

ist ein weiterer Schritt zum Schutze des reellen Ge­werbestandes Wir sind überzeugt, daß dieser Antrag (der Abog. Rintelen. Groeber, Spahn und Hitze) auch in den Reihen der Nationalliberalen Sympathie finden wird. Unsere Konkursordnung ist in der Hochfluth der liberalen Sllömung entstanden und trägt dieses Gepräge sehr deutlich an der Stirne. Das Konkurs­machen ist vielfach zum Geschäst geworden und Mancher hat es durch zwei, drei und mehr Konkurse zu Reichthum gebracht. Es gibt gewisse Kreise, welche eine besondere Routine darin besitzen, mit allen Mitteln einen spottbilligen Zwangsvergleich durch­zusetzen.

Aber auch selbst abgesehen von solchen frivolen Geschäftsgründungen und Bankerotten, selbst die leicht­sinnigen Geschäftsgründungen auf Kredit, wie sie vielfach üblich sind, die rücksichtslose Ausbeutung des Kredits, die Verschleuderung der Maare um jeden Preis, um nur Geld flüssig zu machen, sind wirth- schaftlich und sittlich von verhängnißvollen Folgen. Zunächst sind es die soliden Geschäfte, welche unter dieser Schleuder-Konkurrenz bitter leiden; den Haupt­schaden aber tragen die Fabrikanten, welche in letzter Linie die Verluste tragen müssm. Schon mancher strebsame tüchttge Fabrikant hat durch solche Verluste sein Kapital und seine wirthschastliche Existenz einge­büßt. ES ist geradezu empörend, wie oft gerade junge, unerfahrene Fabrikanten mit solchen zweifelhaften Auf­trägen, die ältere, klug gewordene Fabrikanten ablehnen, bedacht werden und dann diese Gutmüthigkeit mit ihrem Ruine büßen.

@8- ist eine weitgehende Ausnahmestellung, die dem Kaufmanne gewährt wird, daß mit dem Konkurse resp. Zwangsvergleiche alle Ansprüche seiner Gläubiger er- löschen; — ein Recht, welches z. B. dem Bauer und Handwerker versagt bleibt. Dieser bleibt sein ganzes Leben für die gemachten Schulden haftbar, ob durch per­sönliche Schuld unglückliche Konjunkturen rc. verursacht. Um so mehr müssen im Interesse der Gerechtigkeit und zum Schutze der Gläubiger alle gesetzlichen Garantien gegen leichtsinnige und frivole Bankerotte vorgesehen werden.

Was nun den Inhalt der Gesetzentwurfs der Cen­trumsmitglieder angeht, so enthält derselbe zunächst eine Reihe von Abänderungen und Ergänzungen der Konkursordnung zur Sicherung der Gläubiger- Ansprüche. So ist die Bildung einesGläubiger- AusschusseS zur Pflicht gemacht; derselbe muß sich vom Konkurs-Verwalter über die Lage der Sache, die Abschätzung der Waarenbestände und die Geschäftsführung Bericht erstatten und die Unter­suchung der Kasse des Verwalters mindestens jeden Monat vornehmen lassen. Als Konkurs-Verwalter darf kein Verwandter und Verschwägerter ernannt werden, und soll derselbe am Orte des Gerichtes wohnen. Ein zu erlassendes Gebühren-Gesetz soll die Vergütung des­selben regeln. Derselbe soll gehalten sein, in der ersten

Um den Lorbeer.

Roman von I. Sandhage.

(19. Fortsetzung.)

Als Benno auf Landsbeck eintraf, war der Post­bote gerade dagewesen. Martin leerte den Briefbeutel, holte die silberne Platte und ordnete die Briefe darauf. Er starrte lange ein Couvert; es zeigte die Adresse des Hausherrn in steifen charakteristischen Buchstaben. Es trug den Poststempel Kenten, und Manin zerbrach sich den Kopf, von wem der Brief herrühre« könne. Er kannte sämmtliche Handschriften der Verwandtschaft wie seine eigene. Auch die Rechnungen der Städter, I die Schriftzüge des Rechtsanwalts, mit dem er zu thun hatte, trugen andere Adressen; er schüttelte den grauen : Kopf. Benno sah es, er fragte was er habe.

»Ja, sehen Sie, Herr Walter", rief der Alte, ' „wenn Sie nicht gekommen wären, so hätte ich gedacht, dieses Schreiben rühre von Ihnen her. So müssen wohl Künstler die Buchstaben drechseln. Halb deutsch und halb lotein, eS l'egt Stil darin, allein kein geübter. Ein Federfuchser schreibt anders. Wer sollte diese Figuren gemalt haben?"

Benno nahm das Schreiben in die Hand, und er gab dem Alten Recht; die Handschrift zeigte einen eigenartigen Charakter. Man vergaß sie nicht, wenn i

Gläub Igerversammlung über die Entstehung und die Gründe der Zahlungsunfähigkeit oder Ueber- sch ul düng des Gemeinschuldners zu berichten, über die Buchführung und Bilanzziehung sich gutachtlich äußern; der schriftliche Bericht soll den Betheiligten zur Einsicht offen st-hen, Abschrift soll auch an dm Staatsanwalt gehen; kurz, eine Reihe von Vorschriften sollen die Prüfung, ob ein verschuldeter Bankerott vor­liegt, und die Verfolgung desselben sichern.

Die wichtigste Bestimmung des Entwurfes ist die Verpflichtung zur Konkurs - Anmeldung nicht erst im Augenblicke der Zahlungsunfähigkeit, sondern auch im Falle der Ueberschuldung, sobald aus der Bilanz sich ergibt, daß die Ueberschuldung das Ver­mögen um ein Biertheil übersteigt. Ebenso wird der durch Leichtsinn, Verschwendung oder Bernach- läffigung des Geschäftes verschuldete Bankerott bestraft.

Die entsprechende Bestimmung der Konkursordnung (Ziffer 1 und 2 sind neu) lautet (§ 210):

„Schuldner, welche ihre Zahlungen eingestellt haben, oder über bereit Vermögen das Konkurs-Verfahren er­öffnet worden ist, werden wegen einfachen Bankerotts mit Gefängniß bestraft, wenn sie

1) ihre Zahlungs-Unfähigkeit oder Ueberschuldung auch nurzumTheil durch übermäßigen Aufwand, ausschweifenden Lebenswandel, Vernachlässigung ihres Erwerbs» Betriebes, Verschleuderung von Ber- mögensstücken, leichtsinniges Kreditqeben, insbesondere Bürgschafrs-Uebernahme oder Gefälligkeits°Gir>, durch Spiel oder Differenzhandel mit Waaren oder Börsen- Papieren, Wechselreiterei, oder durch sonstige, ihrem regelmäßigen Geschäfts-Betriebe fremde oder »u ihrem Vermögen in einem auffälligen Mißverhältnisse stehende Geschäfte herbeigeführt haben;

2) zu einer Zeit, in welcher ihnen ihre Ueberschul­dung bekannt war oder bekannt sein mußte, durch leichtsinnige Eingehung von Schulden die Lage der Gläubiger verschlimmert haben;

3) HandelLbücher zu führen unterlassen haben, bereit Führung ihnen gesetzlich oblag, oder bieselben verheim­licht, vemichtet oder so unordentlich geführt haben, daß sie keine Uebersicht ihres VermögmS-ZustandeS gewäh­ren, oder

4) es gegen die Bestimmung des Handelsgesetzbuches unterlassen haben, die Bilanz ihres Vermögens in der vorgeschriebenen Zeit zu ziehen."

Von entscheidender Bedeutung sind ferner die Be­stimmungen zur Erschwerung deS ZwangS-Ver- gleichs und die Verschärfung der Folgen des leicht­sinnigen Bankerotts. Ein Zwangs-Vergleich unter 25 Prozent soll überhaupt ausgeschlossen sein, eben so soll der Zwangs- Vergleich unzulässig sein, wenn der Schuldner schon einmal in Konkurs sich befunden hat, oder wenn die Firma nicht wenigstens seit zwei Jah­ren im Handelsregister eingetragen war. Wer einmal Bankerott gemacht hat, soll nur unter eigenem vol­len Namen ein Geschäst eröffnen dürfen, außerdem von der Wä h l b ar ke i t zu kaufmännischen Ehrenämtern und vom Besuch- der Börs' (bis zur Ertdeilung der man sie gesehen hatte. Blitzartig schoß es ihm in den Kopf, sollte dieser Brief nicht von der Signora Tor- toni sein. Al»'o „er" kocrespondirte mit ihr.

Sein Interesse an dem seltsamen Paare steigerte sich. Er nahm sich vor, Augen und Ohren offen zu halten. Wer wußte, ob er nicht beitragen konnte, den Vater für sein reizendes Kind zu begeistern. Um des Knaben willen würde er schließlich die Mutter lieben.

„Ich kenne die Handschrift nicht; kommt sie Euch heute zum ersten Mal unter die Augen, Martin?" forschte Benno.

„Jawohl, zum allerersten Mal. Mich soll wundern, j was der Herr Baron für em Mienenspiel aufletz-n wird beim Empfang Vielleicht steht der Barometer i schon auf Sturm und Ungewitter für uns, in der Burg. Es war schon zu lange Windstille hier. O, was haben wir nicht schon Alles erlebt in diesem alten Ge­mäuer. Im Vertrauen!" rief der Alte

Benno nahm stehend einen h ißen Labetrunk, genoß ' ein belegtes Butterbrod zum Frühstück und begab sich an die Staffelei.

Konrad von Wüllesen schlürfte recht mit Phagen seinen Kaffee und rauchte habet aus einer langen Pfeife. Sinnend blies er den bläulichen Rauch in Ringeln vor ! sich hin und schaute ihnen nach.

Da trat Martin unhörbar herein; er stellte die 1

Wiederbefähigung) ausgeschlossen sein. Wer zweima bankerottirt hat, soll überhaupt kein selbstständiges Geschäft wehr errichten können. Nur soweit nach­gewiesen wird, daß unverschuldetes Unglück Ursache des Bankerottes war, sollen Ausnahmen zulässig sein.

Deutsches Keich.

Berlin. 6. Januar.

* Der Kaiser empfing gestern den Erzbischof von Posen-Gnesen, Dr. v. Stablewski, welcher darauf auch cn der kaiserlichen Tafel theilnahm.

* Ueber die Geschenke, welche der Sultan der kaiserlichen Familie zum Neujahrsfeste hat überreichen lassen verlautet weiter: Zunächst sind für beide Maje­stäten, als Anfang einer vollständigen Zimmereinrichtung, eine Garnitur von Möbeln bestimmt, die in völlig orientalischem Geschmack in Konstantinopel gearbeitet sind und in eingelegter Perlmutterarbeit den Namens­zug und das Wappen des Sultans zeigen. Es find ein Divan mit hohem Aufbau, zwei Sessel, vier Stühle und zwei Tabourets. Der Kaiser erhielt für sich ein Album in syrischer Perlmutterarbeit, die Kaiserin zwei kostbare orientalische Vasen in blauer Emaille und ein­gelegtem Silber; auf der einen erblickt man die Moschee von Ottakiö, auf der anderen die Säule des Hippo­drom. Jedem der sechs kaiserlichen Prinzen wurde eine Garnitur von Hemden- und Manschettenknöpfen in Brillanten überreicht, die des Kronprinzen ist noch be­sonders durch den Halbmond ausgezeichnet. Für die junge Prinzessin war eine Brosche in fächerartiger Form bestimmt.

* Tin Hofberichterstatter, bestätigt die,Kreuzzeitung', bestreitet die Nachricht von dem bevorstehenden Besuche des ruffischen Thronfolgers in Berlin. Eine An­kündigung dieses Besuches hat nach der ,Kreuzzeitung' jedenfalls nicht stattgefunden. Gleichzeitig wird die englische Zeitungsnachricht von einer geplanten Zu­sammenkunft zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm demmtirt.

* Im Reichsamt des Innern haben die Besprechungen her sachverständigen Techniker über den Entwurf eines Reichsseuchengesetzes begonnen, und dürften die Ar­beiten so gefördert werden, daß der Entwurf wohl noch im Laufe des Januar an den Bundesrath gelangen wird.

* Der am Montag aus Südwestafrika zuröckze- kehrte Graf Pfeil bestätigt, daß es in dem deutschen südwestafrikauifchen Schutzgebiete große Landstrecken gibt, welche sich zur Viehzucht, insbesondere auch zur Schafwollzucht vortrefflich eignen.

* Die Brutto-Einnahmen bei her Zollverwaltung in Deutsch Ostafrika haben im Monat Oktober v. I. 62903,27 Maik betragen. — Die Betst tgerung deS von den Herren Sigl, Dr. Stuklmann und Langheld zur Küste gebrachten Elfenbeins hat in Bagamoyo stattgefunden und bei der regen Kauflust, besonders der reicheren Inder Bagamoyo's, ein günstiges Resultat erzielt. Die Versteigerung der auS Geschenken, Tri­buten und ftr.ifroetfer Einziehung berrübrenbett 193

Platte mit Briefschaften vor den Herrn und machte sich am Frühstückstisch zu schaffen. Unter den buschigen Brauen blitzten ein Paar forschende Augen theilnehmend nach seinem Herrn hinüber, der die Briefe, einen nach dem anderen, langsam aufnahm und die Aufschrift musteite. I tzt nahm er den mit der fremden Hand­schrift. Martin hielt fast vor Angst den rlthem an, und seine Hand witterte leicht, als er das Theebrett auf« nahm. Die Tassen klirrten aneinander. Der Gutsherr starrte momentan auf die Adresse. Sein Gesicht rölhete sich leicht. Weiter keine Spur von Aufregung. Erleich­terten Herzens glitt der Diener hinaus. Erst nachdem Martin das Zimmer verlassen, öffnete Konrad den Brief; feine Hand bebte, als er das Papier aus­einander faltete. Er wußte es, Constance schrieb iam, aber was wollte sie? Er überfleg die Zeilen, seine Brust hob und senkte sich; ferne Hand, die la sig auf der Tisckkame ruhte, ballte sich zur F ust; fette Aage sprühte. ' „Ha, ha, ba!" stieß er eine g-llende Lache aus, es klang wie Hohn.

„Weiberüst!" bebte es von seinen Lppen. „Wie kann sie es roa;en,“ fuhr er p ötzl ch auf, „diesen Ton der Zuversicht gegen mach anzuichlagen? Meint sie noch, ich sei der alte verliebte Tropf von damals, als ihr Lächeln, ihre Tränen, ihre Schwüre mich um den Verstand bringen konnten? Ja, damals hielt ich sie