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Mittwoch, den 4. Januar 1893

20. Jahrgang

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eine

worden,

von dem Kranken

„Sie find so bleich, Fräulein," sagte (r, „fehlt Ihnen etwas?"

^77 „Rein, nein! nur müde," hauchte fie und hatte Mühe, ihre Thränen hinab zu würgen. „Man sieht es

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Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung" werden noch fortwährend entgegengenommen.

„Gründern" als spanische Wand benutzt wurde. Sie raubten daS Bolk aus, während sie demselben den Klerus als seinen Feind, als Wauwau vorhielten. In Deutschland waren die Kulturkämpfer die Hauptgründer, vom Centrum aber war keiner

Am -en Lorbeer.

»oman von I. Sandhage.

(16. Fortsetzung.)

_ •®eE®*ot<9tf.e will Dir auch Beschäftigung geben," jM btt Mutter ein. „Ach, daß ich nicht eher daran gedacht habe; Fräulein Meier erzählte mir davon. Sein Wohnhaus soll ja nahezu fertig und wunderbar schön «nd kostbar rchaurirt fein. Die Möbel kommen dirett au» Berlin. Hübsch ist eS von ihm, daß er auch unseren Handwerkern zu verdienen gegeben hat."

»Wo hast Du Fräulein Cornelia getroffen?" fragte wnno franend. ♦

«der unserem Patienten unten. Gerade kam Kerner «ch dazu. «S war ein peinlicher Zusammentreffen für Berde, daS merkte man." " 1

, »Wie geht eL dem kranken Hermann?" ftaate Malve. Sie hielt^ nicht länger aus hier unter den arglosen, heiteren Menschen. In ihr war nichts als Qual, Unruhe, Herzweh und Beklommenheit. Dafür gab eS nirgends Trost und Rettung als in der Ein­samkeit.

„Wie geht er? er fiecht langsam dem Grabe zu, ein Engel an Geduld; man kann an ihm lernen, wie «an sein Kreuz tragen muß."

„Dann will ich zu ihm," entfuhr eS Malve. Benno

katholischen Friedhöfe in der Linsenstraße erfolgt. Zu den Trauerfeierlichkeitm werden die Führer deS Gen« trumS sowie sicherlich auch die Mitglieder beider Frak­tionen, welche von dem Todesfall telegraphisch benach­richtigt worden sind, in großer Anzahl anwesend sein. Eine Deputatton legte im Namen der Frattion einen prachtvollen Kranz am Sarge im Sterbehause nieder mit der Inschrift: Ihrem großen Vorkämpfer und ge­liebten Altmeister.

* Die Centrumsfraktionen des deutschenReichs» tages «nd preußische» Landtages widmen dem ver­storbenen Centrumsführer Dr. Peter Reichens* Perger folgenden ehrenvollen Nachruf:

In den letzten Stunden des abgelaufenen Jahres, den 31. Dezember 1892, Abends 7 Uhr, verschied nach längeren Leiden im ehrwürdigen Alter von 82 Jahren, wohl vorbereitet durch die Gnadenmittel der heiligen katholischen Kirche, deren Berthei« digung sein ganzes Leben geweiht war, der Königliche Ober- tribunalSrath a. D., Mitglied des Reichstages und Landtage-, Dr. Peter ReichenSperger. Seine hervorragende Thättgkeit im öffentlichen Leben, sein Eifer in Bertheidigung der Rechte der katholischen Kirche und des katholischen Bolkes, sein fruchtbares Eingreifen bei allen Fragen des Staat-- und sozialen Leben-, seine hinreißende Beredtsamkett stehen noch vor unser Aller Augen, denn Gott hatte dem edlen Verstorbenen die große Gnade er­wiesen, seine geistigen Fähigkeiten und körperliche Rüstigkeit bi» in'» hohe Alter ungeschwächt zu erhallen. Die- Alle- wird die Geschichte einst würdigen. Die CentrumSftaktionen deS deutschen Reichstages und preußischen Abgeordnetenhäuser aber bettauern in Peter ReichenSperger wieder einen Mann, welcher, berell» im öffentlichen Leben erprobt, an ihrer Wiege und feit länger denn 20 Jahren an ihrer Spitze gestanden und al- einer der bewähr­testen Führer und hervorragendsten Borkämpfer der Prinzipien deS Eenttum» für Wahrheit, Freiheit und Recht in beredtester und erfolgreichster Weife stet- eingetteten ist. Die Mitglieder der Frattionen stehen mit tiefer Wehmuth und her­bem Schmerze an der Bahre dieses gütigen Kollegen, wricher Allen ein väterlicher Freund und treuer Rathgeber war. Möge Sott seinen treuen Diener zu den ewigen Freuden eingehen lasten! R. 1. P. Plawniowitz und Münster i. W., den 1. Jan. 1893. Die Vorsitzenden der Eentrumsfraktionen deS deutschen Reichs­tage» und de» preußischen Abgeordnetenhauses. Graf von Ballestrem. Freiherr von Heereman.

* Beim NeujahrSempfcmqe der Generalität äußerte der Kaiser, daß die Dutckfähnmg der beabfichttgten HeereSreform für Deutschland eine militärische und politische Nothwendigkeit fei, und er zuversichtlich er­warte, wie die Erkenntniß hiervon sich immer weitere Bahn brechen werde. (Bt stehe fest zu der von den verbündeten Regierungen eingebrachten Vorlage.

* Der neuernannte Botschafter am russisch« Hose, General v. Werder, gedenkt seine Abreife nach Petersburg so emzurichten, daß er am 13. Januar, dem ruffischen NeujahrStage, bertttS als Botschafter dem Zaren seine Glückwünsche überbringen kann.

* 3m Reichstage find drei Anträge deS CenttumS gegen böswillige SonkurSfälle, auf Stnschränkung deS HaufirbetriebS und auf Ergänzung deS Genossenschaft». gefetzeS, sowie die sozialdemokratische Interpellation über die NothstandSftage eingegangen.

* Neber den Stand der deutsch-russische» Zoll- Verhandlungen kommt nach längerer Pause wieder einmal eine Mtttheilung: In seiner Antwort auf die deutschen Forderungen wegen Schließung einer deutsch- ruffischen ZollvrrtragS hatte Rußland von der Ein­führung eme» Maximal- und MinimalzolltarifS ge-

Hn ihre« Früchten werdet chr fie erkennen.

Als unser unvergeßlicher Hermann vonMallinck« tobt, tief bedrückt wegen der inneren Knechtung und äußeren Leiden der Kirche vor zwanzig Jahren, mit vollstem Grund von dem „Knirschen deS ganzen innetn Menschen" sprach, da bedachte nach der -Nat.-Ztg." „der Liberalismus die Sicherung seiner Macht" und eS war für fie „eine Lust zu leben." „Nun kann mau außerhalb des Schattens der Kirche leben und sterben," „SS ist eine Lust zu leben", rief damals daS leitende Blatt deS Rationell- liberaliSmuS, die „Nat.-Ztg.", als der Kampf de» Staates gegen die christliche Kirche den „frischen, fröhlichen Kulturkampf" entzündet hatte. Heute, nicht 4<mz zwanzig Jahre später, jammert daffelbe Blatt: „Selten ist dar Fest, an dem nach der frommen Sage V) die Engel dm Fried« auf Erden verkündigten, einer fvlchm Aufgeregtheit, Verstimmung, Berdroflm- hett und Berbittenmg unter dm Menschen begegnet, al» diesmal. Niemand erinnert fich eines Festes, das so häßliche und nnwürdige Verhetzungen der Volksgenossen zu mtstellen verfuchen, wie wir fie jüngst anläßlich deS Harnackschen Falles aegm alle fteigefiuntm Protestant«, gestern gegen die Juden, heute gegen alle Vorsitzenden, jeden Tag gegen einen anderen Theil der Volksgemeinschaft er« lebten." Also waS z. B. em Harnack „erduldet" hat, nämlich eine Reihe schriftlicher und mündlicher Bet- urtheiluuam feiner Handelns und Lehrm», daS find « Bausch unb Bogen bem Blatt schon „häßliche nnb unwürdige Verhetzungen", bem Blatte, daS vor zwanzig Jahren jebe Niedertracht der katholischm Kirche zu »«Weifen* bei der Hand war, vor der katholischm Moral jede Gchandthat erlaubt oder gar vorgeschrieben fand, den kirchlichm Obern der Katholiken jede Boi- heft zuschrieb! DaS schreibt dasselbe Blatt, welches einst eine Lust daran fand, Glaube, Religion, Moral und damit Sittlichkeits- und Ger«httgkettSgefühl zu bekämpfen und zn schmähen.

Dasselbe Blatt verfolgte anch die Entwickelung der französischen Republik feit dem Sturze Mac Mahon'S mit dem lebendigsten inneren Jnteresie; beson- derS je mehr dieselbe von Christenthnm und Kirche fich mtfernte und fie direkt bekämpfte, war fie dem Blatte Wmpathisch. Wenn Frankreich die Schnle ohne Sott durchzuführm vermöchte, marschire eS wieder an der Spitze der Nationen, sagte dar Blatt, wie eS die Katho­liken während des Kulturkampfes „Fettsch-Anbeter" zu nennen gemht hatte wegen ihres Glauben», and als Zweck deS Kulturkampfes angab, dm Aufpmch stier christliche« Kirchm zu vernichtm, Trägerinnen über- nattmtcher Offenbarung zu fein. Frankreich hat nun Vie Schule ohne Sott feit vielen Jahren; die Herrm

täglich, Sonn- unb Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einfpallige Zelle oder deren Raum 16 Pf„ bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Viertmjährlicher Abounement»prei» ohne Bringerlohn unb Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auSwättS 1 Mark 60 Pfennig.

Gunst lebt, erfährt kein Heil von chr. Wohl dem, der eS beherzigt." Der Kranke streckte Malve die hager« Hände entgeg«; wie hohlwangig er auLfah. Roche Flecke auf dm wachsbleichen Waugm. „SchwindsuchtS- tofen," dachte Malve, daS Herz that ihr weh.

„Wie geht eS Dir, mein Junge?" rief fie, fich zur Heiterkett zwingend.

„O, wie immer," gab er hüstelnd zurück. „Sie warm lange nicht hier; Bmno hat mir ein fo wunder- schönes Bild mitgebracht, von LandSbeck; schm Sie her, einen „Ecce Homo", in Del gemalt, meine ganze Freude. Er hat Herm Kurt v. Wüllefm-Romberg auf LandSbeck gettoffm und chm von mir erzählt. Er will mich sogar besuchm, der vornehme Herr, und recht bald, hat er gesagt. Ist daS nicht schön von ihm? D, so gute, gute Menschen gibt er," lächelte Hermann mtt bem Egoirmur verwöhnter Kranken. Malve erbebte innerlich. Immer und überall verfolgte fie die Erinne­rung an ihn, an Kurt. Gab eS kein En, flieh« für fie? Wohlan, fie wollte sich die Erlaubniß zu einer Reise erbitten. Je eher, je bester. Sie sühlte fich auch hier beobachtet.

darunter und auch in Frankreich sind bis jetzt die Christlich-Konservativen anklagefrei, auch die Mo­narchisten fast alle! Da sagt selbst die .Köln. Ztq.':

Bettachtet man dagegen daS Nebel von der moralischen Seite, so gelangen diese Beurtheiler auf verschiedenen Wegen einstimmig zu der Ansicht, daß die Jagd nach dem Reichthum, die Anbetung des Mammons der Urquell aller Zeitübel, der Krebsschaden sei, der unser Geschlecht verzehre. Aber wie wieder aufbauen, was man kritisch zerlegt hat, wie einer Gesellschaft Moral predigen, welcher der kategorischeJmperattv der Pflicht abhanden gekommen zu sein schemt? In diesem Tasten und Haschen nach einem Allheilmittel offenbatt sich ein andere- Zeichen der Zeit: der mystische Zug, der anderwärts bereits offen zu Tage tritt, hat auch die Landsleute Boltaire'S ergriffen. Män­ner, die auS Religion zu keiner Religion sich bekennen, klammern sich an das unausrottbare menschliche Bedürf«iß nach einem Ueberirdischen. Einer der vornehmsten Ver­breiter dieser Richtung ist Anatole Leroy Beauleu. Er ist kürz­lich dem Schaden nachgegangen und urtheilt also: „DaS liebel liegt darin, daß wir keinen Glauben und keine Begei­sterung mehr haben, daß wir nicht mehr verstehen, zu glauben oder unS für ein Ideal zu erwärmen. Juden undEhristen, meint er, vereinen sich in dem Satze Ad.eniat regnum tuum, in der wen« auch verschieden gestalteten Hoffnung auf den MesstaS. Aber über den Messianismus der Berge von Juda und über das Reich GotteS vom Galiläischen See ist der ReopaganismuS (da» Ren- heidenthnm) dahin gegangen und Inden undEhristen verwech­seln fast in gleicher Weise den Fortschritt mit dem Reichthum und da» Glück mit dem Wohlleben, beide haben zu ihrem Messias den Mammon erwählt. Selbst JuleS Simon hat neulich gesagt: „Nur der Glaube kann Frankreich ret­ten!" Gewiß ist, daß man den von den jetzige« Machthabern selbst so sorgfältig vorberetteten Untergrund benutzen und fich an- lehnen wird an daS Bestehende, an die Kirche und da» Papstthum."

Auch der,Köln. Zig. ist nicht ganz wohl bei dieser Aussicht, fie denkt auch schon wieder an dm Kirchm- staat, den eine „christliche Republik" Herstellen könne, aber so dumm wie die ,Rat. - Ztg.' ist fie benn doch nicht, auch in diesen Tagen noch als dm Grund« fehler zu bezeichnm, daß „das Dogma die Moral nieberdrücke"!!

Deutsch« Keich.

Berlin, 2. Januar.

* Die irdische Hülle des verstorbene» Cen­trumsführers Dr. Peter Reichensperger wird morgen auS der Wohnung in der Hohmzollernstraße nach der St. HedwigSkirche überführt, wo die Auf« bohrung erfolgt. Am Mittwoch, dm 4. d., Vor­mittags 10 Uhr, findet daselbst der feierliche Trauer« gotteSdimst statt worauf die Beerdigung anf bem

und die Mutter schauten sich betreff« an. DaS klang ja befrembenb von dm Lippen des fchönm, ruhigen Kinde».

Der Kranke faß aufrecht zwifchm rothgewürfeltm Kiffen in feinem Bette. Schneeweiße Vorhänge von ge­reiftem Battist vor dm Fensterchm. Alles glänzte vor Sauberkeit in der Krankenstube; die Mutter war Plätterin, sie besorgte chr Geschäft in der Küche, die zarteste Rücksicht umgab dm Leibenden. Malve hatte früher oft hier verkehrt; fie liebte eS, dem Krankm vorzulesm, und brachte die schönsten Bücher mit. Benno hatte sein altes Spinett in die Krankenstube tragen lassen. Früher hatte Malve wohl ein einfaches Lied mit Begleitung hier gesungen, alle» um den Krankm zu erheitem. Allein StadttathS, die aus ihrm Fenstern deS Hinterhanfe» beobachtetm und jedm Besuch ge­wahrten, der hier verkehrte, hatten fich bald darüber aufgehaltm, daß man im Hinterhause Konzerte gebe. Bmno und Malve amüsirtm sich auf Kosten der Nach­barschaft, der man Ruhe und Frieden störe. AlS Malve diese Nachrede erfuhr, blieb sie fort: fie war leicht empfindlich und fürchtete dm Stadtklatsch wie die Pest. Sie war noch fo jung, wie Tünchen» Mutter fjgte. „Später würbe fie auch zu der Weisheit gelang«, daß sich die bös« Zungen vorzugsweise mit denen beschäf­tigen, die fie am meisten fürcht«. Wer der Welt zur

dieser Gesinnung hab« fest 14 Jahren im Lande machen könnm, waS fie wolltm, fie besitz« die Sttrn, den ärmsten Eltern die öffentliche Unterstützung zu versagen, wenn fie ihre Kinder dm gottlosm Staatsschulm nicht überantworten, sondern in die freien christlichen Schulen smdm. Aber diese Männer nach dem Herzen der ,Rat.-Ztg.' sind jetzt im Panama-Skandal als -1-- Gesellschaft von Spitzbuben entlarvt

lt, Wie auch der preußische Kulturkampf von dm