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Um -en Lorbeer.

Roman von I. Sandhage.

(15. Fortsetzung.)

,Wie Du mich ängstigst, Kind!" hob die Mutter «», ihr die bleichen Wangen streichend.

»Frau Meier war vorhin da und hat dann natür­lich den schönen kostbaren Strauß bewundert. „Zwanzig Mark unter Brüdern werth," rief sie, die Hände zu» sammenschlagend. Ja, Dein Glück ist gemacht. Es wird sicher schon Stadtgespräch sein, wie Dir gehuldigt worden, nachttäglich. Nicht nur Weinlaane war es bei Battt, wie seine frühere Kourmacherei, als er Cor­nelia auszeichuete, das haben die Blumen deutlich be- Kleide Dich hübsch heute; ich weiß sicher, sein Besuch laßt nicht lange auf sich märten; er macht Dir seinen Antrag, iU xmer Ektärung muß eS kommen jetzt.

Die Worte waren nur so hervorgesprudelt; Malve ®?.r erst feuerroth, dann kreideweiß geworden. Tausend widerstrebende Empfindungen bemächtigten sich ihrer. Aber Haß und Verachtung schwammen oben auf io chrer Seele. '

»Mama, ich verstehe Dich nicht," rief sie heiser die Zunge klebte ihr am Gaumen. War es möglich' daß die eigene Mutter so vom Schein verblendet war »wd ihren Ruf vernichten half. Hätte sie den Sttauß doch einfach zurückgesandt. Meiu Gott, dieses Unglück!

* Dir Lage der Steuer-Deform.

Die Kommission deS Abgeordnetenhauses zur Bor- berathung der Steuer-Reform hat nach Durchberathung deS Gesetz-Entwurfs der Regierung über die Ver­mögenssteuer ihre Thätigkeit vor dm Ferien damit geschloffen, daß sie die von der Subkommission ent» worfmeu Grundzüge einer Zusatzsteuer zur Ein­kommensteuer, welche nur das fuudirte Ein­kommen trifft, einer allgemeine» Berathung unterwarf. Eine ganze Reihe von Härten der Vermögenssteuer- Vorlage ist abgefchliflen, eine weitere Reihe von Milderungen ist eingefügt, der starr-fiSkaljfche Charakter der Vorlage im Ganzen erheblich abgeschwächt worden. DaS finanzielle Srgebniß der Steuer ist natürlich da- durch in Mitleidenschaft gezogen, indessen nicht so sehr, daß sie nicht mehr die auSreichmden Erträgniffe zu bringen geeignet wäre, deren die Staatskaffe zur Durch­führung der gesammten Steuer-Reform bedarf. In so fern kann mau die bisherige Arbeit der Kommission nicht als unbefriedigend bezeichnm. Etwas ganz anderes ober ist die Frage, ob damit die Vorlage betr. die Vermögenssteuer an und für sich, als Ganzes, losgelöst aus dem Gesammtrahmeu der ©teuer* Reform, annehmbar geworden ist. Für die Gegner des Grundgedankens einer Vermögenssteuer ganz gewiß nicht. Aber auch die mehr oder minder warmen Freunde dieses Grundgedankens werden sich zum Theil noch sehr bedenken, ob sie diese Vorlage anuehmen sollen. Sine ganze Reihe weiterer 8er- befientngen derselben, welche in der Kommission vor- «schlagru worden find, ist abgelehnt worden, meist mit Rücksicht auf das vom Finanzminister mit unwandel­barer Zähigkeit festgehaltene Ziel deS finanziellen Resultats. So find namentlich nur geringere und «genügende Milderungen des TariseS angenommen worden, während der auf einer prinzipiell zweifellos richtigen Grundlage beruhende und ganz folgerichtig durchgeführte Anttag deS Abg. Wuermeling und feiner Kollegen aus dem Centrum bett. Aenderung des Tarife« bei der Mehrheit der Kommission keinen Bei­fall sand. Dieser Antrag ging davon aus, daß die Vermögenssteuer als ErgänzungS- und Zuschlags-Steuer für daS fuudirte Einkommen die Einkommensteuer, welche aus daS normale Einkommen aus solchem 8er- wögen gelegt wird, nirgendwo übersteigen dürfe; er wollte statt 6000 Mark Vermögen, wie die Regierungs- Borlage, 12,000 Mark ganz von der Vermögenssteuer fr eitaff cn und führte von einem Vermögen von 48,000 Mark an nach unten bis 12,000 Mark eine allmälige Degressiv» bis zu »/. vom Tausend ei», so daß der ton der Regierung verlangte Satz von '/» vom Tausend

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muß, der in formeller Beziehung dem nun in erster Berathung durchberathenen Entwurf der Regierung betr. die Vermögenssteuer vollständig ebenbürtig ist, ehe man die Wahl zwischen beiden Entwürfen trifft. Das kann das Plmum des Abgeordnetenhauses ver­langen. Die von der Regierung vorgefchlagene Ver­mögenssteuer hat so viele Bedenken und Schattenseiten, daß man sie erst annehmen tarnt, wenn unwiderleglich feststeht, daß etwas Anderes nicht übrig bleibt. Das tarnt selbst ein Freund deS Prinzips derselben zugeben; jedenfalls wird keinem Freunde desselben damit zu nahe getreten. ____________

Deutsches Deich.

Berlin, 31. Dezember.

* Ein wie großes Avancement die neue Militär-Vorlage für die Offiziere mit sich bringen würde, ergibt sich nach den der Militärkommissto» mit* getheilten Etats aus den folgenden von der .Freis. Ztg.' zusammengestellten Ziffern für daS preußische Äontingent. Darnach sind unter den neuen 1714 Offizierstelle» 799 Stelle» vom Premierlieutenant an aufwärts enthalten, nämlich 379 Premierlieutenants, 50 Hauptleute zweiter Klaffe, 192 Hauptleute erster Klaffe, 170 Bataillonskommandeure, 6 Obersten, 2 Generalmajors. Die Stellen vertheUm sich auf die einzelnen Waffengattungen wie folgt: Infanterie: 133 Bataillonskommandeure, 133 Hauptleute erster Klaffe, 266 PremierlieutmantS; Feldartillerie; 16AbtheilungS- kommandeure, 24 Hauptleute 1. Klaffe, 24 Hauptleute 2. Klaffe, 48 PremierlieutS; Fußartillerie: 2 General- Majors, 3 Regimentskommandeure, 8 Bataillons­kommandeure, 10 Hauptleute 2. Klaffe, 20 Premier­lieutenants; Artillerieschießschule: 2 BataillonSkommau- deure, 5 Hauptleute 1. Klasse, 4 Hauptleute 2. Klaffe, 4 Premierlieutenants; Pioniere: 1 Oberst, 3 Bataillons* kommandeure, 6 Hauptleute 1. Klaffe, 6 Hauptleute 2. Klaffe, 10 Premierlieutenants; Eisenbahntruppen: 2 Regimentskommandeure, 3 BataillonSkommandmre, 5 Hauptleute 1. Klaffe, 4 Hauptleute 2. Klaffe, 8 Premierlieutenants; Kavallerie: 9 Rittmeister 1. Klaffe, 1 Rittmeister 2. Klaffe, 8 PremierlieutmantS. Bei den Aerzten komme» im preußischen Kontingent folgende neue Stellen in Frage: 8 Oberstabsärzte 1. Klaffe, 8 Oberstabsärzte 2. Klaffe, 7 Stabsärzte, 62 Assistenz- Arzte 1. Klaffe, 94 Assistenzärzte 2. Klaffe.

* Der bisherige Gouverneur von Ostafrika Frhr. v. Sode» ist für eine höhere Stellung im ReichS- bienft auSersehen. An seine Stelle tritt Oberftfieutenant Frhr. v. Schele, der bereits im November nach Ost- Afrika abgereist ist.

* Rektor Ahlwardt ist gestern Abend zur Be­erdigung seines am Donnerstag verstorbenen Schwieger­vaters aus der Sttafanstalt Plötzensee beurlaubt worden.

* Wie daS Kriegsministerium bekannt macht, ist die Forüfikatiou Rastatt am 1. Oktober d. Js. auf» .gelöst worden.

Ideen sind es, nur aus Verliebtheit heirathen zu wol­len. Schau Dich um in der Welt. Beim alten Adel, in fürstlichen Familien, selbst bei dm Juden find die Bernunst • Ehen selbstverständlich und sie scheinm eher glücklicher auf die Dauer, als die Heirathen von Äreti und Plett aus lauter Liebe."

„Ich bin leider anders geartet als Andere, liebe Mama! Darum verschone mich mit jedem HeirathS- Anttag," bat Malve mit gefalteten Händen undThräum in den Auge». „Ich fühle mich in der That nicht stark genug zu einem Opfer, wie Du es verlangst. Wmn ich a»S äußeren Rückfichtm einen edlen, guten Statur heirathe, dann reibe ich mich endlich auf an Pflichten, » die mein Gewissen mir diktirt. Für dm Mangel an Liebe muß ich ihn doppelt und dreifach durch zarte Rück­sicht und jede Aufmerksamkeit zu entschädigen suchen. Ob ich jedoch nicht alsbald unter der Abtragung einer solche» Schuld moralisch und körperlich erliegen würde?"

„Das sind verrückte LebenSanschauungm, ich bm mit meiner Lektion zu Ende. Du bleibst ein Starr­kopf, hast keine Liebe zu unS." Mit biefen Sorten eilte die Mutter hinaus.

Zitternd, innerlich wie gebrochen blieb Malve zu­rück. Sie brach in Tbränen aus; sie befreiten ihr die Seele. Rach einer Weile fand sie chre Ruhe wieder. Sie überlegte. Was sollte sie heute mit ihrer Zeit An­fängen? Ihre Freundinnen wollten h-ute bei gutem Wetter ein ländlicher Gasthaus in der Nähe besuchen.

erst bei Vermögen von mehr als 48,000 Mark gezahlt werden sollte. Der für die Staatskaffe dadurch herbei­geführte Ausfall wurde von dem Regierungs-Kommissar auf 6 bis 7 Millionen Mark geschätzt. Vorn finanziellen Standpunkt aus würde man diesen Ausfall gewiß nicht tragisch zu nehmen gehabt habm, da ja zu Zwecken der Steuer-Reform außer den von der Regierung herangezogenm Bettägen aus Heineren, nicht berück­sichtigten Posten eine Summe von jährlich 7,364,000 bis 8,450,000 Mark zur Verfügung steht. Judeffm, der Finanzminister und feine Kommiffare wehrtm sich gegen diese Schmälerung des voraussichtlichen Ertrags der Vermögenssteuer auf'S Nachdrücklichste, und so fiel der erste Theil des Antrags Wuermeling betteffend Herabsetzung der Untergrenze der Steuer von 6000 Mark auf 12,000 Mark Vermöge» mit 16 gegen 10 Stimmen. Nunmehr war dem zweitm Theil deS Anttags betreffend Degression deS Steuersatzes von */2 bis 1U vom Taufend in dm Stufen von 48,000 bis 12,000 Mark Vermögen der Bodm entgegen und mußte derselbe zurückgezogen werdm, waS der Anttag- stellet jedoch ausdrücklich nur that vorbehalttich erneuter Einbringung in der zweiten Lesung. Ebenso fiel ein anderer Antrag der CentrumS-Abgeordneten, den Er* trag der Vermögenssteuer aut30 Mill. Mark zu kontingent treu, statt auf 35 Mill. Mark, und zwar mit derselbe» Mehrheit vo» 16 gegen 10 Stim­men. Abgesehen vo» dem finanziellen Erttägniß, «ist damit wieder eine ganz erhebliche Milderung der Re* gierungS-Vorlage abgelehnt. Denn der Finanzminister wird seine Organe ganz anders instrnirm, wmn er mit der Vermögenssteuer nur 30 Mill. Mark bekommen kann, als wmn er mit demselben Gesetz 35 Mill. M. herauSholm darf.

Unter diese» Umstände» hätte man erwarten sollen, daß die Vorschläge bet Subkommission bett, die fun-- dirte Einkommensteuer mit befonberm In­teresse vo» ber Kommission würden ausgenommen worben sein. Doch ein ganz anderes Schauspiel ergab sich: wenig Lust zu eingehender Durchberathung der­selben, die wohlgemeinte Absicht, durch sofortige Ab­stimmung dieselbe mit einer kurzen Handbewegung bei Seite zu schieben, und bann, als biefer Versuch an dem energischm Widerstanb der CenttumSmitglieder und mehrerer Konservativer scheiterte, die Tendenz, diese Vorschläge von vorn herein als ein todtgeborenes Kind darzustellm, über deffm Begräbmß man auS zarter Schonung sür die Empfindlichkeit der Subkow- Mission wohl eine Weile berathen wollte, an deffm Wiederauferstehe» aber nicht zu denken sei. Der Leb­hafteste in dem Bestreben, die „Grundzüge" der Sub- kommifsto» ohne Weiterer abzulehue», war der Finanz- Minister.

Man wird dieser Lage gegenüber daran festzu­halten habe», baß unter allen Umständen erst auch ein ausgearbeiteter und durchberathener, eventuell ver* befferter vollständiger Gesetz-Entwurf betr. die funbirte Eiukommensteuer vorliegen

»Wie so verstehst Du mich nicht? fragte die Mutter verwundert mit flammendem Blick.

»Ich wollte, Du hättest der Frau Meier dm Sttauß nicht gezeigt. Jetzt geht es wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt, und wir find btamirt."

„Blamirt? Wir?! Du bist wohl toll! Battt tarnt nicht mehr anders —"

»Ich bitte Dich, nenne den Namm nicht mehr, ich kann ihn nicht hörm; er ist mir geradezu verhaßt," rief Malve, beide Hände an die kleinen rosigen Ohren schmiegend.

„Malve!" zürnte die Mutter, „Du weißt nicht, waS Du willst. Du bist eigmfinnig oder überreizt von der Anstrengung der letzten Tage. Du müßtch ja blöd« sinnig oder blind fein, Dein Glück nicht einfehen zu wollen. Wir sind nicht reich; nicht einmal vermögend. Vater ist schwächlich; wenn er, was Gott verhüten wolle, einmal zu früh die Augm schließt, stehen wir mittellos da. Den» meine Pension ist zu gering und Du, wärest Du unversorgt, müßtch Dir selber Dein Brod bei Fremden verdienen. Nur etwas Entgegen­kommen von Deiner Seite und der Marchese liegt Dir zu Fuße». Weich' ei» glänzendes Loos!"

»Ich liebe den Mann nicht; verkcmsm werde ich mich niemals. Noch lebt Papa und der alte Gott lebt auch noch. Weshalb so weit in die Zukunft blicken, es verräth wenig Gottvertrauen, Mamachen!" smfzteMalve.

„Thorheit," ereiferte sich die Mutter. „Ueberspannte

20. Jahrgang

Dienstag, den 3. Januar 1893.

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