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S onntag, den 1. Januar 1893.

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von vorne an — so lange nicht btt Schnur recht! — Ja, wenn wir auf dem großen Planeten Jupiter lebten, wo das Jahr fast zwölfmal so lang ist, wie bei uns - da lohnte es sich, siebzig Jahre alt zu werden. Bescheiden, wie wir find, würden wir uns auch mit MarLjahren begnügen, die beinahe 700 Erden­tage lang sind. 68 hat nicht fallen fein, und deshalb müssen wir uns in daS kurze Erdenjahr schicken, um durch kräftige Ausnutzung der Zeit die Kürze des Lebens möglichst auszugleichen.

Alle Kräfte anzuspannen, mahnen uns auch die Nöthen der Zeit. Sonst lautete zu Sylvester der Trost­spruch in Trübsal: Schlimmer kann es doch kaum werben, also wird es wohl besser werden! Diesmal ist die Redewendung nicht am Platze; denn ernste Bor- zeichen deuten darauf hin, daß es im Jahre 1893 noch schlimmer werden könnte. Die Cholera spuckt uns m den Sylvesterpunsch. Die oben erwähnte Sterblichkeits­statistik ist keinen Pfifferling werth, wenn die schreck­liche Seuche, die sich jetzt wieder auf ihrem Winter­lager in Hamburg reckt, im Frühjahr ihren Rundgang, durch Deutschland beginnt, um den außerordentlichen Zehnten des Todes von der Menschheit zu erheben.

Darf man bei solcher Gefahr noch ein munteres Prost Neujahr! rufe«? Immer zu! Denn das Kopf- hängen und Jammern macht d>e Sache nicht besser. Die' Soldaien marschiren mit fröhlicher Musik in die Schlacht, obschon sie wiffen, daß mancher Mund bald für immer verstummen muß. Halten auch wir den Kopf hoch und das Herz frifch, wenn wir in einen neuen Jahresabschnitt des Kampfes um's Dasein marschiren. Ob wir siegen ober fallen, baS steht bei einer höheren Macht; aber daß wir nach Kräften ringen und uns wehren, das ist unsere Pflicht und Schuldigkeit. Dem Christen, den ein erquickendes Gottvertrauen beseelt, muß es doch besonders leicht fallen, guten Muth und frische Thatkraft zu bewahren.

Auf die Cholera von 1893 müssen wir uns ernst» lich einrichten, sowohl in der eigenen Lebensführung, als in den gesundheitlichen Borkehrungm für Haus und Gemeinde. Zur Ermunterung dürfen wir uns aber sagen, daß die Vorprobe vom vorigen Herbst recht leidlich ausgefallen ist und der Hoffnung auf euren gnädigen AuSgang Raum läßt. Trotz der großen Ver­breitung der KrankheitSkeime von mehreren Seite her, ist bloS eine einzige Stadt mit besonders ungünstigen Verhältnissen der Epidemie völlig verfallen; all S Uebrige zeigte eine erfreuliche Widerstandsfähigkeit. Es ist gewiß nicht ausgeschloffen, daß bei einem neuen stärkeren Angriff sich noch andere Orte schwach zeige«, 1 aber es ist doch möglich, daß die große Masse wrd

auf die ,Fuldaer Zeitung' nniniHlifllMI für das 1. Quartal 1893 wer- UVJllUUliyVIt hxnfortwährend von allen Post- «stalten, den Boten und in der Expedition angenommen.

Deutsches Keich.

Berlin, 30. Dezember.

* Die kaiserliche Familie ist heute vom Neuen Palais nach dem königlichen Schlöffe inBerlm über- gesiedelt. — Der Kaiser wird zu dm VermahlungS- feierlichkeiten des rumänischen Thronfolgers und der Prinzessin Marie von Edinburgh am 8. Januar AbendS spät in Sigmaringen eintreffen, am 9. und 10. Januar dortselbst verweilen, und am 11. Januar über Karlsruhe, wo den Großherzoglichen Herrschaften ein Besuch zugedacht ist, die Rückreise nach Berlm anrnten^er (genera{abjtttaut des Sultans, Kamy- bövener Pascha, ist nach Berlin abgereift, um mit einem einhändigen Schreiben des Sultans die Neujahrsgeschenke des Letzteren für dar Kaiser­paar? die Kaiserlichen Sinder und die Erbprmzesfin von Sachsen-Meiningm zu überbringen.

* Zu der bevorstehenden Vermahluugsfeier der Prinzessin Margarethe /nt dem Prinzen Fried- ?ich K ar l v o n Hessen werden auch der GroßherzoF und die Großherzogin von Sachsen-Wermar m Berlm

25. «etfiatb ,u gyia(eotumMm)

bet «Ä,etliche MinifterResibent 8a,6"J™ von 52 Jahren. Lueder, em geborener Mecklenburg Ärfitneriner war nach einander Bizekonsul in Canton, si>nM»ntb»r 1879 erfolgte seine Beförderung zum Ml filt »olumU »-ch- S»-- " »■« 1U feinem Tode bekleidete. Noch am 23. Juli d. I. gelang es ihm, den Handelsvertrag ^.Kolumbien rum Abschluß zu bringen. — Der >Retchsanzeiger widmet dem Berftorbenm einen ehrenvollen Nachruf.

• Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des ; Abgeordnetenhauses nach den Ferien (am 10. Sar.uar,

sparsamer, wenn man seinen kleinen Zeitvorrath sich stets vor Augen hält.

Der Student, der im Anfang der Monats sein Deputat erhalten hat, pfeift auf den rollenden Thaler. Aber je weiter eS in den Monat hineingeht, desto nach­denklicher ist er bei dem Abschied von jedem Goldstück, und gegen Schluß sieht er sogar jedem Silberstück weh- rnuthsvoll nach. Wenn man jung ist, was ist dann ein vei floffenes Jahr? Für zärtliche Rückblicke hat man keine Zeit. Vorwärts, immer vorwärts! Es liegen ja noch so viele, viele Jahre vor Einem? Wenn die Zeit doch schneller liefe, damit man geschwind auf die verlockende Höhe des Lebms kommt! Mit den ersten grauen Haaren wird die Sache bedeutend an­ders: Schon wieder ein Jahr hin! Rein, die Zeit verläuft wirklich zu schnell. Mir ist gerade, als ob das alte Neujahr erst etliche Wochen hinter uns läge. Ich weiß noch ganz genau, wo ich mit Muttern ge­feiert und wie wir angestoßen haben, als die letzte Neujahrsglocke schlug. Ja, Frauchen, wir werden alt, ehe wir es uns versehen. Ich würde es wirklich nicht glauben, daß schon ein ganze» Jahr wieder hin ist, wenn man die Kinder nicht so wachsen sähe. Leuchte doch mal an den Thürpfosten, die Maßstriche unserer Sprößlinge sind der schönste Zeitmesser. Für uns bilden die Striche so eine Art Himmelsleiter; wenn der Strich vom Jungen den meinen erreicht hat, dann find wir in da» Jenseits geklettert. Siehst du, ftüher brachte jedes Jahr wirklich etwa- Neues; da war man ans der einen Klaffe in die andere, aus der einen Stellung in die höhere gekommen. Jetzt bleibt man, wo man ist; man fängt Morgens wieder bei berfelben Arbeit an, die man Abends verlassen hat. Ein Tag nach dem andern, glen-ü fa dr<ch die Fngrr, cis wenn es Korallen am Rs/enkranz- wären mrdtwrnn

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d Sylvestergedanken.

Dit Erde läuft viel zu schnell um die Sonne. Kaum ist man im Sommer ordentlich warm geworden, j da ifUmb her fühl» KE sich ew bischen an Ofen und Lampe gewöhnt hat, bann fängt schon wieder ein neues Jahr an. Da »er­ben wir wieder von Dreikönigen zu Fastnacht, von Fastnackt zu Oster«, von Ostern zu Pfingsten und so weiter Hüpfen, und ehe wir es uns versehen, sind wir auch durch 1893 hindurch. Etwas langsamer, wen« ich bitten darf, sonst komme ich wirklich zu schnell an's Ende! , , r „

Wollen wir uns hmte einmal „wahrsagen" lassen, wie viel Jahre des Lebens wir noch in Aussicht haben ? Aber richt von einer „Wahrsagerin wunderbar, wo Alles emtrifff, sondern aus der „Deutschen Sterbe­tafel", he sich im Statistischen Jahrbuch des Deutschen Reichs non 1891 findet. Dort ist nach allen Regeln bet Kurst ausgerechnet, wie groß «ach dem Durch­schnitt )er Erfahrung für jede Altersstufe die Wahr- scheinlickkeit des Lebens und Sterbens ist. Für meinen Theil ersehe ich, daß mir von Durchschnittswegen noch 21V» Jchre zustehen und daß die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Jahre zu sterbeu, für meine Altersgruppe nur i7/1000 beträgt. Wollen die Leser an dieser statlstischen Bleigreherei Theil nehmen, so rnüffen wir zwischen den Männlem und den Fraulein unterscheiden; den« die holde Weiblichkeit hat nehm so Dielen anderen Vor­zügen auch den einer größeren Lebenszähigkeit, woraus sich vernmthlich die Erscheinung erklärt, daß viel mehr von alten Weibern als von alten Männern geredet Wirb. Greifen wir nun die Haupt-AlterSstufen heraus, so beträgt die wahrscheinliche Lebensdauer bei einem

standsfähig bleibt. Also Vorbereitung, aber keine Ver­zagtheit !

Wenn wir das Choleragespenst ins Auge faffen, so wird alles Andere nebensächlich. Wer wird sich um die Heeresfragen und die Steuerfragen das Herz zerreißen, wenn er mit den Seinen am abschüssigen Rande deS Grabes dahin wandeln muß? WaS helfen uns die Anzeichen des Aufschwungs von Handel und Wandel, wenn die lähmende Hand deS Würgengels über aller gewerblichen Tätigkeit schwebt ? Ja, es huschen schwarze Schatten durch die Sylvesternacht; in so gedrückter Stimmung haben wir lange nicht den Jahreswechsel bCQQltflCIt*

Nu«, wir haben viel frohere Sylvesterfeiern ver­anstaltet, und es folgte trotz aller Hoffnungsseligkeit ei« trübes Jahr. Warum soll nicht auch einmal auf ein trübes Geburtsfest ein frohes Jahr folgen? Wir leben ja immer noch, und v r Pulsschlag von heute ist eine tröstliche Anweisung auf morgen. Der alte Gott lebt auch noch, und fein Dasein ist die Anwart­schaft auf Hilfe.

Wünschen wir uns mit lauter und klarer Stimme ein glückseliges neues Jahr! Möge der Festgruß bringen bis über die Wolken, um die Güte des Weltenlenkers zu Gunsten der tingenben Menschheit zu wecken. Möge er in die Herzen dringen, um Hoffnung und Muth nach- zmusen. Denn Muth brauchen wir so nöthig, wie Brod und Wasser. Für ein Kriegsherr ist die Kugel des Feindes nicht so gefährlich, als die lähmende Furcht vor der Kugel. , . ,. . .

ES soll ein neues Jahr der Arbeit sein und mcht. des Klagens; des tüchtigen Strebers und nicht de« Verzagens. Nm etwas Ausdauer, bann rft r^ fv , mMehrr. schon wieder röt neuer

DW/HKt j« hjj-t frommen sind,

aber wir freuen unS, daß wir em Jahr mit fn schlechten Aussichten glücklich überwunden haben und rufen Mit dem Dichter: DaS Leben ist doch schön!

Das können wir schließlich auch heute schon rufen; denn das Leben ist auch bann schön, wenn es em harter Kamps gegen Roth unb Tod ist. ES muß nur ein gutes Gewissen dabei sein. DaS ist der Wich­tigste Bestandtheil einer guten Sylvesterbowle. Wenn das Gewissen in Ordnung ist, bann ist auch unser Glück in Ordnung, mag es kommen, wie eS will: Leden wir im neuen Jahr, so leben wir in dem Frieden, den die Welt nicht geb-1 md nicht nehmen kann; fterben wir im neuen '.><c, so ist es ein Jahr des ewigen Heiles. _____

Zum Jahreswechsel!

Nil timendum nisi a Deo. Leo P. P. X1U.

Soll Heuer fagtmen das große Jahr, Dus länW'gegrüßt die Propheten, Das endlich erfüllet wunderbar Der Völker Sehnen und Beten,

• Das endlich die Fesseln der Kirche bricht,7

Die dunkeln Tennen scheuert, Da frei in seligem Osterlicht Petrus sein Schifflein steuert?

Ich weiß es nicht — und Du weißt's nicht.

Doch grollt's in allen Landen

Wie ferner Sturm, wie Wetterlicht, Wie dumpfes Wogenbranden.

Sie reden von Frieden und Frecheit all'

Und schmieden Waffen und Ketten.

Der Abgrund klafft. Wer wird vor'm Fall

Die arme Menschheit retten? —

Äohl Einer trägt des Friedens Reis, Erprobt in Leid und Schmerzen; Er hat's gepflanzet Ml und leis In Millionen Herzen.

Der Sturm mag kommen. Frühling nur

Wird er den Seinen bedeuten.

Es werden endlich durch Feld und Flur Die Osterglocken läuten.

Exaeten. A. Baumgartner 8. J.

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jjeber ein Bild machen _____ ___ bei gleicher Bertheilung unter alle Altersgenossen für ihn noch abfallen müßte. Freilich Wirb nicht gleichmäßig geteilt; aber der Gefahr, eine kleinere Portio« zu bekommen, steht die tröstliche Hoff- »ang gegenüber, zu den Bevorzugten zu gehören, die es «och weiter bringen, als zu dem statistischen Mittel- Werth. Wir wisse« ja, daß nicht die Sterblichkeits- statistike«, sondern der liebe Gott über die Zahl unserer Jahre bestimmt; er löst nicht alle Wechsel ein, welche die Zahlenkünstler auf seine Vorsehung ziehen. Immer­hin ist es gut, wenn wir un8 klar machen, daß wir ohne eine besondere Bevorzugung nur noch auf so und so viel Jahre des LebenS hoffe« dürfe«. Man totrb

sich tton Leden, die