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kommen. Die Forderung, daß Grundbesitz und Gewerbe von dem Kapital bei den Wahlen nicht zurückgedrängt werden dürfen, ist vollauf berechtigt. WaL aber die Regierung will, ist offensichtlich eine Äevorzugung des Großgrundbesitzes. Die Konservativen werden für djese „Reform" gerne zu haben sein, und daS Ganze sieht aus, als habe der Regierung bei Ausarbeitung der Vorlage nur daran gelegen, die Konservativen zufrieden zu stellen. Neben diesen gibt eS aber auch noch Leute, und diese werden keineswegs geneigt sein, sich ignoriren zu lassen. Werden den Gutsherren neben den Steuern auch noch andere Leistungen angerechmt, so liegt doch dir Frage nahe: aber warum werden denn nicht zum Mindesten den anderen Wählern auch ihre sämmtlichen Steuern ungerechnet? Die direkten Steuern sind eigent­lich gering im Vergleich zu den indirekten; diese wer­den von der Masse der Wähler getragen, sollen aber nicht angerechnet werden. Zu schätzen sind dieselben sehr wohl; ebenso gut, wie man fingirte Steuersätze für die unteren Wähleiklassen hat und wie die veran­lagte, aber nicht bezahlte Staats-, Grund- und Ge­werbesteuer angerechmt werden soll, kann man von den indirekten Steuern jedem einen bestimmten Satz an­rechnen. Man macht eS ja eben'o bei den Averjen im Reiche. Daß die indirekten Steuern dem Reiche zu­kommen, verschlägt nichts; die Kommunal-, Kreis- rc. Steuern erhält doch auch nicht der Staat, und doch sollen sie bei dem staatlichen Waslrechte berücksichtigt werden, wie umgekehrt die Staatssteuern beim Kom- wunalwahlrechte. Es ist so viel von Vorkehrungen gegen die plutokratische Entwickelung des Wahlrechts die Rede gewesen; was nun aber geschehen soll, ist herzlich unbedeutend. Daß den horrenoen Verschiebun­gen des Wahlrechts durch die Vorlage abgeholfen werde, vermögen wir nicht zu erkennen. Die Regierung gibt sich aber unseres Erachtens einer großen Täuschung hin, wenn ste glaubt, mit der lediglich agrarischen Re­form ihre Aufgabe erledigt zu haben. DaS Centrum kann sich unmöglich damit begnügen, und die Abg Fritzen m b Dr. Würmeling haben unzweideutig aus­gesprochen, daß es das nicht thun wird. Sie haben verlangt, daß das Wahlrecht auf breitere Grundlagen gestellt werde, und betont, daß auch die Nichtbesitzenden ein ganz erhebliches Interesse an der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten haben. ES ist von uns schon früher darauf hingewiesen worden, daß die ganze Steuerreform noch an der Wahlreform scheitern könne. Jetzt darf man fast schon sagen, daß sie nur noch daran scheitern könne. Ohne gleichzeitige Wahlrechts­reform gibt es keine Steuerreform, das steht fest. Die Wahlrechtsreform wird aber ganz anders anSsehen müssen, alS die geplante, wenn eine^Mehrheit sich für dieselbe finden soll.

* Wie die .Post' erfährt, ist es nicht ausgeschlossen, daß der Großfürst-Thronfolger in nicht ganz ferner feit dem Berliner Hofe einen Besuch abstatlet. Das Blatt fügt hinzu, daß drS nur zu den Vermählungk- feierlichkeiten und zum Geburtstage Kaiser Wilhelms sein könnte.

* Die ,Nordd. Allgew. Zeitung' konstatirt, daß die kurze Zeit, während welcher die Getreidezufnhr aus Rußland beschränk! war, genügt hat, um Deutschland von Rußland als Getreidequelle mehr und mehr unab­hängig zu machen. Diese Emanzipation werde in dem

möglich, daß eine Malve sich von ihm täuschen ließ O, Weiber, Weiber! Unwillig schüttelte er den Krpf. Er fuhr mit der Hand über daS Gesicht. Wahi hastig, eine Thräne hatte ihm der Schmerz ei preßt. Ja, io tief war es ihm gegangen? Fort mit der Thoihett! War ein oberflächliches, dem Schein huldigendes Weid eine Manneslhräne werth?! O, Blödsinn, Du hast gesiegt."

Er lachte laut und grell, wischte sich die Stirne, versuchte weiter zu gehen und sank endlich matt auf einen Markstein, der an der weißbestäudten Landstraße stand. Gegen Morgen erst kehrte er heim; an allen Gliedern wie zerschlagen. Planlos war er den Rest der Nacht umhergeirrt. Die Spuren dieser Nacht mußten sich in seinem Antlitz auspiägen; ein paar graue Haarfäden würden sich bald an den Schläfen zeigen. Tante Mechthild sollte jedoch nichts von seiner Niederlage ahnen. Zum Glück hatte er ihr sein Liebes­glück, seine beabsichtigte Brautwerbung verschwiegen. Jetzt galt es sich auf'S Neue für die Angelegenheit des Landsbecker zu interessiren. So lenkte man die Augen der beobachtenden Umgebung von sich ab. Etwaige Zerstreutheit und Melancholie in seinem Wesen schob man der Sorge um den Vetter zu.

Und während er des Vetters und seiner bitteren Lebenserfahrung gedachte, überkam ihn ein tief schmerz­liches Mitleid auf's Neue mit dem in einen GreiS verwandelten Dulder. Ec hat auf sein Kiüd verzichtet u8 zarter Schonung für diejenige, welche seiii Lebens- lück zerstört hat. Ob ich dieser Nachsicht 'fähig ge­wesen? Nein, nein, rief es in seiner Brust. Ubd Kon- ad ist ein Thor, sich zu härmen. Handeln sfill und iuß er. Mein erster Gang ist zu ihm heuie in aller erühe. An Tante sende ich durch den ®.ene;: ein B'llet, daß ich nach LandSbeck gegangen bin. Sh ent­geht man ihrem scharfen Blick, ihrer forschendem Neu­gierde am besten. i

Gedacht, grthan! Mit dem ersten Hahnenschrei.'langte

Maße vollständiger werden, als die deutsche Bevölker­ung sich an den Konsum von Weizen noch mehr ge­wöhnt, was nach den Erfahrungen deS letzten Jahres (fast 50prozemige Steigerung des Weizenkonsums) an­zunehmen fei. Damit würde ein großer Voitheil ver­bunden (ein, weil die Konkurrenz der Weizenländer eine viel größere sei, alS die der Roggenbautreibenden.

* Der ,Reichsanzeiger' schreibt: Die von den Ber­liner politischen Nachrichten' gebiachte Nachricht, daß bei der jüngsten Anwesenheit des bay rischen Finanz­ministers in Berlin die Einführurg der Tabakfabrikat­steuer zur Eiöcterung gelangt und eventuell zur Dickung der Kosten der Heeresreform in Aussicht genommen sei, ist vollständig aus der Lust gegriffen.

* Dem Reichstage sind drei Entwürfe von Ge­setzen, betr. die Abzahlungsgeschäfte, bett, die Bestimm­ungen über den Wucher und betr. die Begründung der R vision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, zugegangen.

* Die Reichsregierung hat nunmehr der Militär- kommisston des Reichstages wie in der Generaldebatte über die Militärvorlage in Aussicht gestellt war, reichhaltiges streng vertrauliches Material zur Ergän­zung der Vorlage zugehen lassen.

* Die ,Kons. Korresp.' schreibt: Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Berbefferung des Volk­schulwesens und des Die»st einkommens der Volks- fchnllehrer" wird eine der ersten Sitzungen deS Ab­geordnetenhauses nach Weihnachten in Anspruch nehmen. Dem Anscheine nach finden die Vorschläge, die Ent­scheidung bezüglich der Festsetzung des Diensteinkommens der Lehrer und bezüglich der Anordnungen, welche die Ausstattung und innere Einrichtung der Volksschulen betreffen, den Organen der Selbstverwaltung zu ent­ziehen und die letzte Entscheidung lediglich in die Hand des StaalsbeamtenthumS zurückzulegen, wenig Anklang. In wie wert tue Vorschläge des Gesetzentwurfs, die Mehrerträge der Einkommensteuer für die Jahre 1892/93 bis 1894/95 zn einem Fonds zur Verbesse­rung der Lehrergehälter und für Schulbauten und deren Ausstattung zu verwenden, Zustimmung finden werden, wird wahrscheinlich von allgemeinen finanziellen Er­wägungen abhängen. In der bezeichneten Richtung scheint die Stimmung in dem größten Theile der Parteien des Abgeordnetenhauses sich zu bewegen.

* Eine hiesige Korrespondenz will wissen, daß gegen den im Ählwardt-Prozeß viel genannten Oberstlieme- nant a. d. Kühne vom Kriegsminister eine ehrenge­richtliche Untersuchung wegen seines Benehmens in der Löwe'schen Affaire eingeleitet worden sei.

* Saarlouis, 28 Dez. Dem.Saarlouiser Journal' wird aus Bildstock von heute gemeldet: In zwei von Bergleuten des SaarrlvierS zahlreich besuchten Ver­sammlungen wurde allgemeiner AuSstand für morgen beschlossen.

* Mainz, 28. Dez. Wegen anarchistischer Umtriebe wurden heute mehrere Personen verhaftet.

* Bei zwei am 26. d. M. in Hamburg er­krankten P.rsonen ist heute Cholera sestgestellt worden.

Ausland.

* Wien, 27. Dez. Große Eeregung verursacht die Enthüllung eines Großwardeiner Blattes über die Beseitigung von 4 Millionen Gu den aus dem unga­rischen ReligionS-Fon ds, welche sich nach dem

Kurt auf Romberg an. Ec w-.ckle den Diener, schrieb mit dem Bier ein paar Zeilen in sein Taschenbuch, riß dos Blatt heraus und übergab es mit dem Auftrag. es der Tante auf den Frühstücksnsch zu legen. Dann begab er sich stehenden Fußes nach LandSbeck hinaus.

Wiederum wie das letzte Mal empfingen Zither­klänge den Besuch. Obschon noch früh am Tage, saß der Haush:rr von LandSbeck bereits fertig angekleidet in seinem Arbeitszimmer. Die Zither bot ihm Zer­streuung, Ableitung von seinem nagenden Gram. Kurt schüttelte den Kopf; der Vetter schien ihm mehr und mehr von aller Thatkcafl ve. lassen. Er an seiner Stelle würbe Musik und Träumerei an den Nagel hängen und sich fein Kind längst geholt, erfhitten und womöglich geraubt haben. Wohin war die Energie dieses ehemals so willenskrästigen Edel- manneS?

Was nützte daS alte sentimentale Wechilachtslied in der Fremde? Ach so, es hatte damals dm Anstoß zu dem ersten Heimweh gegeben, daS Konrad in Mexiko unter den Palmen empfunden, und das ihn in die Heimaty zurückgetrieben hatte. Tante Mechthild hatte eS ihm erzählt. Diesem Lied hätte sie die Rückkehr des Neffen zu verdanken. Ein Freund von ihm hätte eS am heiligen Abend in feiner Gesellschaft an ein­samer Stelle gelungen und ihn zu dem Bewußtsein aufgeiüttelr, daß auch er ein Deutscher sei. und daß man unter dem Cyristbaum, an der Krippe, m der Kapelle des Elternhauses seiner jetzt gedenke. Und Kurt fang, im Vorzimmer harrend, bewegt und leise mit:

Nu trennen to Hus woll de Dannenböm Un Allen» freut fick un lacht, Un nächsten, denn bebbens so selige Dröm, Kinn Jes hett jo Jeden bedacht.

Min Mutting allen wakt noch spät in be Nacht De Thran ut e Ogen ehr füllt:

„Kinn Jes hett den Enen ja doch nich bedacht;

De is jo so mit in de Welt."

Tode des Unterrichtsministers Trefort herauSgestellt und welche, wie daS offiziöse .Wiener Tageblatt' be­richtet, der jetzige UnterrichtSminifter Csaky aus Schonung für feinen Vorgänger verschwiegen haben soll. Im gegenwärtigen Augenblicke deS Beginnes eines Kultur- kawpfes schädigt diese Nachricht sehr empfindlich daS kirchenfeindliche Vorgehen der liberalen Regierung. Die hiesige liberale Presse verschweigt bisher gänzlich die Angelegenheit.

* Aus Rom wird der .Köln. Bztg.' vom 23. dS. Mts. geschrieben: Die folgende Mittheilung machte die Runde durch „gefinnungStüchtige" Blätter. Sie ver­dient im Wortlaut wiedergegeben zu werden: „Mord im Spital. In Padua hat sich im Spital der Barmherzigen Schwestern eine furchtbare Blutthat er­eignet. Der als Patient dort weilende Finanzwachmann Commachio wurde in seinem Bette durch vierzehn Messer­stiche ermordet aufgefunden. Als der That verdächtig wurde eine Nonne, Schwester Annunciata aus Padua, verhaftet, welche zu dem Ermordeten vor vielen Jahren in Beziehungen gestanden hat." Italienischen Blättern folgend, hatte man ein besonderes Behagm daran, diesm neuen Klosterskandal auszuschlachten. Wenn eS den betreffenden Herren Korrespondenten nur um die Wahr­heit zu thun gewesen wäre, dann hätten sie auch aus liberalen Blättern, denen sie dieses fette Skandäl- ch-n entnahmen, denn auch die entrüstete Erklärung entnehmen müssen, daß die ganze Geschichte von An­fang bis zu Ende erfunden ist und nur dazu diente, Reklame für einen unsauberen Roman zu machen. Namentlich hat die liberale Presse Venedig'- energisch Front gemacht gegen eine so infame Irrefüh­rung der öffentlichen Meinung zu Gunsten eines Schund­romans.

* Der Thronfolger von Rumänien Prinz Ferdi­nand ist zum Ritter der 1. Klaffe deS englischen Bath- Ordens ernannt worden.

* Nachrichten aus Tonkin melden von zahlreichen Kämpfen in ganz Tonkin; Chinesenbanden drängten gegen das Delta vor, plünderten die Häuser der Euro­päer und schleppten deren Frauen und Kinder fort.

* Die ausständige Bewegung in der argentinische« Provinz Corrientes breitet sich immer weiter auS, so daß die Regierung zu den ernstesten Maßregeln sich gezwungen sieht. Bereits jetzt werden 10,000 Mann gegen die Aufständischen mobil gemacht.

Der Kauernstaud, unsere Kettung.

Bon P. K. Rosegger in Graz.

(Schluß.)

Ja den übervölkerten Stäbten wogen Rotten durch die Straßen, schreien nach Arbeit, greifen mit räube­rischer Hand nach Brod. Man ist bestrebt, ihr Be­gehren zu erfüllen, schafft in der Stadt allerhand Arbeiten, die an und für sich unnöthig wären, die nur die Gemeinde- und Staatslasten vermehren und trotz­dem ganz unzulänglich sind, um die Massen mit Brod zu versorgen. Was ist daS für eine Wirthschaft? Sicht eS denn um Gotteswillen Niemand, wo Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden ist, und zwar jene natü-liche, segensvolle Arbeit, die unmittelbar Brod schafft? Mit den Massen arbeitsloser Menschen aus'- Land hinaus! Zurück wieder auf die Dörfer, in'S Gebirge, roden, ackern und ernten, F.ldbau und Bieh-

De En min lew Mutting, be En bat bün ick:

Mi hett bat Kinn Jes nich bebacht;

Für mi giw't ken Lust un ken hüsliches Glück — För mi giw't ken heilige Nacht.

Ick sitt fo vertaten, fo tturig, allen, Wo de Palmenbom ragt in bat Land, Wo be Sünnenstrahl glanzt up bat Felsengesten, Un stütt mi ben Kopp in be Hand.

Doa denk ick trurig an be glückliche Tib, Wo ick ok vör ben Dannendom stahn;

Min Hatt warb fo weit, min Hatt war so mit, Als füng bat to klauben mi an.

Doa swewt mi bat Bild von ben Kirchenplatz vör, Bon bat Barehus trulich un still.

Sneefchanzen lig en bet dicht vör be Dör, Un be Flocken, fe btiben ehr Spill.

Wat kümmert be ©nee mi; Hart boch so het, Un tüht an be Laden mi ran:

In be Laben to Rechten ein Knastlock ick wet, Wo nah binnen man rin fiten kann.

Doa stahn fe denn All üm ben Dannenböm

Un freuen fick äwer fin Licht, Un ick — ick stah buten un kik as in’n Drorn In Mutting ehr lewes Gesicht.

Wo lücht't ehr de Freud' ut be Ogen so warm, As se Jeden hett geben fin Del;

Dünn küssen s ehr All un nehmens in’n Arm Und {eggen, bat wir doch to vel.

Wie Korlbror' woll an den Clawzimbel geht Un spelt den schönen Choral, Dat olle, bat lewliche Wihnachtsled: „Bou'n Hewen hoch kam ick hendal!"

Un as nu bat Börspill to Enn iS zahn

Bon be lewliche Melodie,

Dünn stimmen de Annern so fröhlich mit an, Und ick? — Ick bin nich borbi —

Ick sitt so vertaten, so tiurig allen.

Wo de Palmenbom ragt in bat Land,

Wo de Sünnenstrahl gläugt up bat Felsengesten, Un stüt mi den Kopp in de Hand. —

(Forts, folgt)