JW 299
Donnerstag, den 29 Dezember 1892.
iildilkrSZkitung
19. Jahrgang
* Das Volksschullehrer-Pensions.Gesetz, welches 'M Kultusministerium bereits vollständig ausgearbeitet sein soll, beruht, wie ein Berichterstatter meldet, auf der Idee, Pensionsverbände mit staatlicher Unterstützung bilden zu lassen. Die Vorlage soll bereits vom Kultusminister dem Finanzministerium zur Begutachtung vor- gelegt worden sein.
* Das in der Generaldebatte über die Militär- Vorlage Seitens der Reichsregierung angekündigte Material zur Ergänzung der Vorlage ist der Militär-
vollen Herzen heraus verklären Sie ihn mit dem Glorienschein eines beleidigten Dulders. Nach unbefan- genem Urtheil hat er Sie niemals wahrhaft geliebt, sondern sich selbst gesucht, sich selbst, sein Ich geliebt in der ehelichen Verbindung mit der berühmten Sia- nora Tortoni." “
Kommission zugegangen. Dieses Material wird sekret behandelt.
* Paragraph 5 des Gesches, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuer- Waffe» tritt am 1. Januar, der Rest des Gesches am 1. April 1893 in Kraft.
* Der Kaiser hat genehmigt, daß die Vorschrift in W gfall kommt, nach welcher die evangelischen Mili- tarpfarrer zu ihrer Berheiraihung die Erlaudniß bei dem ihnen vorgesetzten Konsistorium nachzusuchen haben. — Ferner hat der Kaiser bestimmt, daß die Kommandantur Sonderburg-Düppel in Folge Eingehens der Festung Sonderburg aufzulösen ist.
* Im Finanzministerium ist anläßlich der Verhand- lungen der Stmerkommission des Abgeordnetenhauses eine Erbschafts»Statistik für Preußen aufgemacht worden. Danach hat man der .Freis. Ztg/ zufolge berechnet, daß in Preußen jährlich 1206 Millionen Mark vererbt werden. Davon entfallen auf Verwandte in gerader Linie mehr als Zweidrittel, nämlich 810 Millionen, auf Ehegatten 116 Millionen, auf Geschwister 106 Millionen, auf Nachkommen von Geschwistern 99 Millionen, auf Stief- und Schwiegerverwandte 13 Millionen, auf Adoptiv- und Eingekindschaftete Verwandte 5'/g Millionen Mark, ferner an Pensionen und Renten aus dem Hausstande des Erblassers 756,000 Mark, auf natürliche vom Vater anerkannte Kinder 853,400 Mark, auf Zuwendungen zu WohltbätigkeitS-, gemeinnützigen und Unterrichts-Zwecken 4,231,100 Mark, auf Verwandte bis zum 6. Grade einschließlich 16,327,500 Mark und auf Erbschaften in allen anderen Fällen 30,192,500 Mark.
rohen Behandlung, brach Otto in herzbrechendes Schluchzen aus.
Es war Abend, der Mond goß seinen blendendste» Silberschein über die Stadt aus, als Kurt sich dem Walter'schm Hause näherte. Hier herrschte bereit- f löbliches Leben. Kurt fühlte sich überaus selig in der Hoffnung, daß er Malve sehen, ihr ein paar Stunden lang nahe sein würde. Malve trug ihr bordeaux- farbenes Kleid, es stand ihr gut, aber heute erschien sie blaß und farblos; lag es an der Toilette? Das fragte sich Cornelia, die neben Batti ihren Platz gefunden hatte. Endlich kam Kurt. Cornelia war überglücklich, als er ihr gegenübersaß; sie fand nun vollauf Gelegenheit, den Marchese eifersüchtig zu machen. Batti durchschaute jedoch bald das Spiel seiner hübschen Nachbarin und wurde kühl und zurückhaltend. Seine Augen verfolgten Malve. TheilS um sich an Cornelia zu rächen, theils um Kurt zu ärgern, richtete er das Wott an Malve, so oft sie in seine Nähe kam. Als Tochter des Hauses hatte sie keinen festen Platz an der Tafel. So oft Kurt sie mit den Augen suchte, war sie ihm entschwunden, als ob sie ihm absichtlich ausweichen wollte. Zuerst machte er sich keine Gedanken darüber; endlich aber erschien es ihm auffällig. Da, jetzt kam sie an seine Seite. Sie überreichte dem Marchese eine Tasse Thee, sie sprachen mit einander. Sie lächelte; wenn sie nur einmal den Kopf ein wenig wenden und
Um den Lorbeer.
Roman von I. Sandhage.
(12. Fortsetzung.)
„Vielleicht. Aber setzen wir den Fall, daß Ihr Mann sich hartnäckig weigern würde, Ihnen Gehör zu so ist?^'e ”Ur ^en; — scheint es nicht, daß es „Ich habe dafür keinen Beweis," wich Constance erröthend aus. Heftig wandle sie sich ihrem Sekretär zu, um die Schmucksachen wieder an ihren Platz zu bringen.
„Wüllesen hat unverantwortlich an Ihnen gehan- delt. Ihre Frauenehre, den Ruf der Künstlerin durch seine kopflose Flucht gefährdet. Wer das vergessen kann, hat keinen echten Stolz, kein wahres Ehrgefühl," fuhr der Maestro fort.
„Die Eifersucht ist eine rasende Leidenschaft, die blmd und taub und thöricht macht. Ich zehre noch an der Erinnerung seiner einstigen Liebe zu mir. Sie ist mein Trost. Weshalb hat er mir unser Kind qe- lassen? Em Beweis, daß er meine Ehre schont. Wie Mwer muß ihm die Entbehrung seines Lieblings
1. Klasse tragen den Orden über der rechten Schulter' an breitem, goldgelbem, dunkelblaugerändertem Bande, daneben auf der Brust einen silbernen Stern, in dessen; goldmem Mittel sich die Eiserne Krone und darin auf blauem Email die Devise: „Avita et aucta“ (Alt und erweitert) befindet. Die Ritter I. Klasse haben die Geheimrarhswürde und werden vom Kaiser „Unser Vetter" tttulirt. Der Ordenstag ist der 7. April. Wie der ,Schl. Volksztg/ ein Wiener Privat-Telegramm meldet, ist mit dem Orden der Adel verbunden. Zu dieser Nachricht bemerkt die .Germania': Diese hohe Auszeichnung des Hochw. Herrn Fürstbischofs beweist, wie sehr auch der Herrscher deS befreundeten Nachbar- reiches die ausgezeichnete und segensreiche Wirksamkeit des Herrn Fü'stvischofS im österreichischen BisthumS- antheil zu schätzen und zu würdigen weiß. Mit der hohen Freude über die kaiserliche Anerkennung werden, wie jüngst bei der Nachricht von der bevorstehende« Kardinalsernennung, die treuen Diözesanen, denen auch wir uns von ganzem Herzen anschließen, den aufrichtigsten Glückwunsch für den geliebten Oöerhirten verknüpfen.
* Köln, 25. Dez. Der Hochwürdigste Herr Erzbischof Philippus erhielt vorgestern daS offizielle Billet des Herrn Kardinal-StaatSsekretärs vom 21. d., durch welches zur Kenntniß gebracht wird, daß der hl. Vater ihn in dem auf den 16. Januar k. I. anberaumte« geheimen Konsistorium zur Würde des Kardinalstes erheben werde. Das öffentliche Konsistorium. in welchem der Kardinalshut überreicht und die Titelkirche angewiesen wird, soll am 19. Januar statt- finden.
* Hamburg, 26. Dezbr. Gestern ist hier kein Cholerafall vor gekommen. Dagegen wurden heute in einer Familie, Borgeschstraße, bei welcher am 22. dS. WtS—zwei Kinder-erkrankte», u d noch zwei andere« Kindern Erkrankungen an der Cholera, wenn auch in leichter Form, festgestellt.
Ausland.
* Wien, 27. Dez. Der bei der Staatscmtral- kaffe im Reichsfinanzministerium angestellte Offizial Franz Maga wurde verhaftet, weil er schadhafte Staatsnoten zu 50 und 5 fl., die bereits zur Einlösung angenommen worden waren, stahl, ein zweites Mal wieder bei der Staatskasse präsentsten ließ und den Erlös für sich verwendete.
• Brüssel, 26. Dez. Die Delegirten zum sozialistischen Kongresse beschlossen heute, den allgemeinen Ausstand zu veranstalten, falls die Regierung die Einführung des allgemeinen Stimmrechts verweigern sollte. Dieselben sind viel mehr gewillt, eine revolutionäre Bewegung zu unterstützen als eine friedliche.
* Die Panama«Nntersuchungs - Kommission hat sich bis Donnerstag vertagt. DaS Gerücht von der beabsichtigten Demission Freycinets tritt mit immer größerer Bestimmtheit auf. Auch der Rücktritt des Präsidenten der Republik Carnot wird noch immer als
„Larifari," unterbrach der Alte die erregte Frau. I Der Knabe wäre ihm lästig, ein unnützes Anhängsel !
Deutsches Deich.
Berlin, 27. Dezember.
* Die nächste Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses ist auf den 10. Januar 1893 Mittags 12 Uhr festgesetzt worden.
* Wie offiziös gemeldet wird, herrsche an den höchsten Stellen, wie in den leitenden Kreisen tiefe Verstimmung über das Treiben der Antisemiten und noch mehr darüber, daß die konservative Partei sich von den Antisemiten in das Schlepptau habe nehmen lassen. Das Gebühren der konservativen Blätter, denen diese Thatsache sehr genau bekannt sei, dürfe darüber nicht täuschen. Die Hefttgkeit ihrer Sprache sei im Gegentheil nur eine Bestätigung dafür. Der jetzt so vielfach erörterte „Fall Löwe" wird, wie die ,Magdb. Ztg/ mit Bestimmtheit meldet, im Reichstage erneut zur Erörterung kommen. In welcher Form das geschehen soll, sei augenblicklich noch Gegenstand der Verhandlung. Augenscheinlich wolle die Regierung auch in dieser Beziehung über ihre Stellung zu der Frage sich aussprechen und Klarheit schaffen.
• Bezüglich der deutschen Wallfahrt uach Rom wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte r ächften Monats das genaue Programm bekannt gegeben werden. Schon jetzt kann die Schles. V.-Ztg. auf Grund sicherer Information mittheilen, daß, auf den von verschiedenen Herren Geistlichen wegen der Osterzeit gehegten Wunsch hin, die Wallfahrt nicht in der ersten, sondern zu Anfang der zweiten Woche nach dem weißen Sonntag abgehen und vor dem 1. Mai Rom wieder verlaffen wird. „Wir hoffen," schreibt genannter Blatt, „daß die Pilgerfahrt eine zahlreiche Betheiligung finden wird, entsprechend der Erwartung welche der h. Vater in so bestimmter Weise durch den Brief des Kardinals Parocchi an die hochwürdigsten Herren Bischöfe dahin'hat aussprechen lassen, daß viele Wallfahrten nach Rom kommen werden. Sehr richtig ist in dem erwähntm Schreiben der Gedanke ausgesprochen, daß die Katholiken für den h. Vater nicht nur Gefühle der Dankbarkeit und Treue im Herzen hegen sollen, sondern auch zur Kundgebung dieser Ge- finnungen, selbst vor den Augen der Schaar seiner Feinde verpflichtet sind. Das ganze Jahr 1893 soll als JubiläumSjahr gerechnet werden, auch soll der h. Vater die Absicht geäußert haben, wiederholt in St. Peter zu pontificiren. Hoffentlich wird auch den deutschen Pilgern daS Glück zu The« werden, einer solchen Funktion beiwohnen zu können."
* Die Wagengestelluugsziffer», welche die auf Ladungen von 10 t zurückgefuhrtm Verhandlungen Steinkohlen und Koks angeben, für deren Verladung an der Ruhr und in Obkrschlesixn Wage« jum___
Gruben an den einzelnen Fördertagen angefordert und von der Eisenbahnverwaltung gestellt worden sind, haben in der letzten Zeit eine ungewöhnliche Höhe er- wcht. Im Ruhr gebiet sind am Freitag, 12,030 Wagen gestellt wo-den; es ist dies die höchste An- forderung, die höchste Gestellung und die größte Förderung, welche dir her an einem Tage stattgefunden hat. Auch aus Oberschlesien sind an einzelnen Tagen ungewöhnlich hohe Gestellungsziffern gemeldet worden; so am 13. ds. Mts. 5131 Ladungen (auf 10 t zurückgeführt) und am 14. ds. Mts. 5253. Die Ge- tellungsziffern enthalten nämlich in der That nur diejenigen den Gruben für den GesteüungStag zugeführten Wagen, welche auch thatsächlich (bis auf eine geringe, nicht rechtzeitig beladene und deshalb mit Wagenmiethe -elegte Zahl von Wagen) an dem betreffenden Tage beladen aufgeliefert worden sind.
* Breslau, 24. Dez. Wie gemeldet, hat Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, dem Hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Dr. Kopp dm Orden der Eisernen Krone I. Klasse verliehen. Es ist dies nächst dem Goldenen Vließ der höchste Orden der österreichischen Krone. Derselbe zählt drei Klassen. Die Ritter der
„Bitte, bitte, Maestro," rief Constance, „nicht wei- ^r-. Sie bringen mich zur Verzweiflung mit Ihren ^"sichten. Es sind Trugschlüsse und ich glaube Ihnen nicht. Verschonen Sie mich, wenn ich nicht irre werden soll an Ihrer Vernunft." Sie hielt beide Hände ?°rf sich wie erschöpft in den Lehnstuhl. Kopfschüttelnd rannte der Alte hinaus. Knarrend flog die Zimmer thür in's Schloß. Im Flur spielte der Knabe; sein Schaukelpferd versperrte dem Alten den Weg. Zornentbrannt schleuderte er daS Spielzeug an hie Wand, daß es in dm Fugen krachte. Em Helles Geschrei war die Antwvrt. Otto schlug mit seiner Peitsche nach dem Maettro, aber er sollte es bereuen. Kreideweiß vor Wuth erfaßte er das Kind am Arm und schüttelte es, wie er einen Hund, den er aus dem Wasser gezogen, geschüttelt haben würde. Der Knabe verstummte vor Schreck. Da wurde die Küchmthüre aufgerissen. Brigitta sprang hinzu, nahm das Kmd an sich und trug es fort. Sie übergab es auf seiner Reise geworden. Aus Ihrem eichen lieb e- ! entsinne erber^ng^^tenY^toaSfamen^