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Beilage zu Nr. 297 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 25. Dezember 1892.

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1. Guartal 1893

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Weihnachts-Lied!

Auf Bethlehems Gefilde sangen Die Engel in der heiligen Nacht: „Des Heiles Stern ist aufgegangen, Ihr Menschenkinder froh' erwacht! Was lange ihr in bangen Nächten So heiß erfleht, ist nun erfüllt: Die Himmel thauten den Gerechten Und Segen aus den Wolken quillt, Das Friedenskind zu grüßen eilet! Habt keine Furcht; es zürnet nicht, O selig, wer bei ihm verweilet Und sehen darf fein Angesicht!

Und die beglückten Hirten lauschten Des EngelsangeS süßem Schall; Das Kirü>, dem Himmelsharfen rauschten. Sie fanden es im nahen Stall.

Schaut her, hier liegt es arm gebettet: Gehüllt in Windeln, nur auf Stroh; Wenn ihr des Goldes Fülle hättet, Ihr legt es vor die Krippe froh.

Doch will's nicht Gold; es will die Herzen. Zur Herberg, gönnt darin ihm Raum! Dann stellt es euch, voll heller Kerzen Hinein den schönsten Weihnachtsbaum!

So laßt die Krippe uns umringen Die Mutter grüßen und das Kind! Dann hören wir die Engel singen Bom Frieden, der jed' Herz gewinnt!

Um -en Lorbeer.

Roman von I. Sandhage.

(10. Fortsetzung.)

„An der Klangfarbe; kein Metall, wie sonst, in Deiner Stimme, mein Kind! Dazu diese ewigen Ein­ladungen; Echauffement ist unausbleiblich und solche Extravaganzen stnd der Ruin für eine Singstimme in ihrer Entwickelung." So, in dem Tone, predigte er eine Weile fort, bis Lucia in helle Thränen ausbrach.

„WaS soll ich thun, Maestro, waS, was?"

„Dich schonen," erklärte er innerlich befriedigt, äußer­lich streng und ernst. Man mußte das Eisen schmie­den, so lange es heiß war.

„Soll ich ein Halstuch tragen?" fragte ste naiv. „Oder ist daS Tanzen mir schädlich? Dann werde ich morgen Abend bei Walters mich nicht vom Flecke rüh­ren und mäuschenstill dasitzen, gewiß, Maestro."

„Unsinn!" brummte er, die Arme verrenkend blieb er vor ihr stehen und schaute ihr blitzenden Auges in'S Gesicht. „Seitdem Signora Lucia weltlichen Vergnü­gungen nachrennt und ihr Glück in den albernen, faden Zerstreuungen einer Krämerprinzessin sucht, geht es riesig bergab mit ihrer Kunstleistung. Bis heute habe ich gewartet und still geschwiegen. Ich dachte, meine kleine Nachtigall würde von selbst zur Einsicht kommen und von selbst aufhören mit Visiten und Tanzbelusti­gungen, wie sie sich für eine angehende Künstlerin über­haupt nicht schicken. Wie es scheint, habe ich mich ge­täuscht und viel zu hohe Ansprüche an meine einstmals so eifrige Schülerin gestellt," rief et im Tone schmerz­lichen Grolles.

„O nein, nein!" rief Lucia flammenden Auges. „Nicht biefen Ton, Maestro, es ist pure Ironie. Ver­zeihen Sie mir, ich habe nicht gewußt, daß Sie unzu­frieden mit mir waren. Warum haben Sie mich nicht früher gewarnt, ich war Ihnen ja stets eine folgsame Schülerin." — Ihre Stimme erlosch vor Aufregung.

Antonio wandte sich ab; Lucia durste den Triumph nicht von seinem Mienenspiel lesen. Es hatte getroffen. Die Kleine hielt Wort; das Ziel war erreicht.

„Gut, Signorina," rief er über die Achsel, „ganz gut, beruhige Dich; ich gehe zur Mama, aber ich ver­klage Dich nicht, Lucia, kein Wort," damit ging er.

Lucia weinte noch immer still vor sich hin. Die Thränen flössen den unschuldigm Jugendfreudm, Wie sie ihr in Renten zuerst geboten worden. Mädchenttäu- mm durste ja eine angehende Künstlerin nicht nach­

hängen. Für sie gab e8 keinen Lebensfrühling, wie ihre harmlosen jungen Freundinnen aus Kenten ihn genießen durften. Nichts Fröhlicheres als ein Tanz­kränzchen, ein geselliges Spiel unter Alters- und Stan- desgenossen; aber nein, nein, für sie war es fortan »erbotene Frucht, der fchöne Traum war zu Ende.

Sie hatte sich zu sehr gefreut und es in deutscher Lust rein vergessen, daß sie eine Ausnahme - Stellung einnahm. Wie oft hatte man ste im gemächlichen Kreise um ihre schöne Stimme, um ihre vielleicht glänzende Zukunft beneidet; allein Lucia hätte in diesem Moment gern mit irgend einer ihrer Bekannten getauscht, so unglücklich fühlte sie sich in ihrer neuen Vereinsamung. Nichts hatte sie bis jetzt von ihrer Jugend gehabt. Stets war sie mit älteren Leuten zusammen gewesen. Kein Spaziergang ohne irgend eine Begleitung, mit der häusliche Sorgen besprochen wurden, ober in allen Variationen Kunst unb Künstler. Lucia wollte sich auch jetzt wieber mit ben schönen Bildern ihrer Zukunft be­schäftigen; sie strengte sich mit Gewalt an, ihre Phan­tasie-Gemälde aus alten Tagen wieder aufzufrischen. Allein seufzend gab sie es nach einer Weile auf. Es ging nicht mehr wie früher. Sie hatte das Leben in anderen Farni.ien kennen gelernt, welche auch die Kunst liebten und übten, aber nicht unbedingt ihr alle Kräfte widmeten. Lucia zweifelte jetzt an ihrem Beruf als Sängerin; nicht als ob ihre Stimme versagen würde, nein — ob sie aber ein Loos, wie die gute Mama es gefunden, einer einfachen bürgerlichen Existenz vorziehen würde?!

7. Kapitel.

Bevor Antonio die Signora Constance aufsuckte, zog er sich in sein Zimmer zurück. Er mußte sich sammeln und vorbereiten zu einer ernsten Unterredung mit der excentrischen, eigenwilligen Frau. Vergebens hatte sie vis jetzt auf ein Zusammentreffen mit ihrem Gatten geharrt. Ihn zu versöhnen, batte sie seit zwei Jahren keinen Ton mehr in der Oeffentlichkeit ge­sungen. Vielleicht hatte sie vor, sich auf ihr Privat­leben beschränken zu wollen, allein dazu gehörte auch feine, Antonio's, Zustimmung. „Nimmermehr," stieß er unter solchen Gedanken zornig hervor. „Habe ich ihr deshalb alle meine Kräfte gewidmet? Der Lorbeer allein kann Naturen, wie Constance beglücken. Um den Lorbeer drängt sich Alt und Jung, Reich unb Arm. Der Eine sucht ihn als Geschäftsmann im bunklen Staub beS Kontors, ber Andere unter Men, bei der Retorte, am Secirtisch, über Folianten gebeugt, auf den höchsten Spitzen der Alpen, im Schooß der Erde. Nicht nur der Mammon beherrscht die Welt; nur materielle Naturen huldigen diesem Götzen; wo die Leidenschaften in höherstrebmden Geistern walten, da werden auch dem Lorbeer Opfer gebracht; da spielen Jntriguen und werden alle Mittel angewandt, alle Wege gesucht, ihn zu erringen. Ein eigenes, halb spöttisches, halb siegesgewisses Lächeln umspielte die dünnen Lippen deS sinnenden Alten unter solchen Ge­danken. Auch er hatte ein gewagtes Spiel gespielt, da­mals, als Constance krank, hilflos, von dem Gatten verlassen, seinen Rath, seine Hilfe begehrte.

Es war die erste große Lüge seines Lebens ge­wesen, alS er sie in dem Wahn bestärkt hatte, daß er, Kurt, auS purer Eifersucht rein toll geworden und einzig deshalb davon gelaufen sei.

Auch der Lucretia hatte er die Unwahrheit gesagt, als ob er eS nicht gleich geahnt, was Kurt v. Wullesen von ihm zu wissen begehrt. Er hatte ihn mit Lucia von Weitem kommen sehen und den Argwohn des deutschen Brausekopfes gewittert. War er verpflichtet, ihn aufzuklären?

Wuth, Haß, Rachsucht, eS waren böse Geister, die den Alten beim Anblick Kmt'S beherrschten. Er dachte, Auge um Äuge, Zahn um Zahn! Einzig er, der Maestro, kannte Constancen's Vergangenheit; war er verpflichtet, ihren Anwalt zu spielen? Was ging es ihn an, wenn endlich aus aller Zwiettacht dieser Ehe die Trennung der Beiden hervorging? Jrn Grunde hatte Kurt das Richtige mit seiner Flucht getroffen. Constance hatte ihre Freiheit wieder. Der Ruhm ent­schädigt für Alles, Sucretia hatte ihm, dem Maestro, unabsichtlich den größten Dienst erwiesen. Aber die Polittk gebot, eS sie nicht merken zu lassen, damit ihre Zunge gebunden blieb, falls sie wieder mit Constance znsarnrnentraf. Diplomattsch fein War der Alte damals :;u Werke gegangen.

Constance erfuhr ben Grunb bis heute nicht, weS- jalb Kurt sie verlassen. Der Maestro riSkirte baher >urch ihre Uebersiedelung nach Renten nicht bas Minbeste.

Ein Jrrthum hatte bie Mauern für immer aufge­richtet zwischen ben Gatten Constance sollte unb konnte sich überzeugen, wie gehässig unb unversöhnlich ber Gatte sich verhalten würbe, falls er wirklich heimgekehrt unb in ihrer Nähe war. Von Kurt hatte er nichts zu fürchten; allein plötzlich stieg eine andere Gefahr

vor ihm, wie aus dem Boden, empor. Hugo Walter, Constancen's Vetter und Jugendfreund, lebte hier und wenn er in der Signora Tortoni seine Kousine Con­stance entdeckte, so war Antonio's Spiel verloren. Fast ein Wunder erschien eS ihm, baß er bei Lucia's An­blick nicht aufmerksam geworden. Allein die Haar- und Kleidertracht mochte mirgewirft haben, das Gesicht der Kleinen zu verändern, in den Augen desjenigen, der ein anderes Bild seiner Jugendfreundin im Herzen trug.

Und während der Alte dachte, baß er heute seine Maßregeln getroffen unb einer Entdeckung durch Lucia vorgebeugt sei, weil sie das Haus Walter's zu meiden hatte, trug er den Kopf wieder hoch, fühlte er sich wieder als Sieger. Was ihm bis jetzt gelungen, schien ihm Bürge, daß Fortuna chm auch in Zukunft hold sein würde._________________________(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Der Münchener Schäfflertanz wird in diesem Winter nach siebenjähriger Pause wieder stattfinden. Die Proben dazu sind unter Leitung des Hoftänzers Raithmaier flott im Gange. Der Schäfflertanz, welcher im Jahre 1517 zum ersten Mal auf­geführt wurde, um die durch das Wüthen der Pest geängstigten Münchener aus den Häusern zu locken, wird nun zum dreiund- süufzigsten Male aufgesührt werden. Er geht auch dies Mal von der alten Herberge der Schäffler, dem Gasthaus zum „Kreuz- bräu", aus. Der erste Tanz findet am Dreikönigstag vor dem Prinz-Regenten statt. Wegen der Kürze des kommenden Karnevals ist es den Schäfflern dies Mal nicht möglich, an ein und demselben Tage in mehreren Bezirken zu tanzen, vielmehr werden zur Vermeidung großer Umwege die Tänze nach den einzelnen Bezirken vorgenommen. Verschiedene Vereine haben die Schäfflertänzer zur Mitwirkung bei ihren Karnevals-Unter- Haltungen ein geladen. Am Sylvester-Abend findet die feierliche Uebergabe der 1886 nen gestifteten Fahne an die diesjährigen Schäfflertänzer statt.

* Der höchste Preis für eine Nähmaschine, der jemals gezahlt wurde. Eins der Hochzeitsgeschenke, welche Miß Willing anläßlich ihrer Vermählung mit Herrn Astor in New-Aork er­halten hat, bestand aus einer ihr von ihrer Großmutter gegebenen Nähmaschine. Die Maschine an sich war von der bekannten neuesten Konstruktion „Bibrating Schüttle" und aus dem ge­wohnten vorzüglichen Material, aber reich versilbert, währed der Stand aus reich verziertem und vergoldetem Schmiedeeisen her­gestellt war. Der Tisch der Maschine besteht aus einer wunder­vollen Marmorplatte, in welche das Monogramm der Neuver­mählten mittelst kleiner Steinchen und Crystalle eingelegt war; das Ganze von einem Rosenkranz und sonstigen Verzierungen in Mosaikarbeit umgeben. Der Schrank und die Schiebladen sind aus Ebenholz, auf's reichste durch Einlagen von Gold, Silber, Perlmutter und Elfenbein in Blumenform geschmückt. Diese Nähmaschine hat 2800 Doll, oder 11,70) Mk. gekostet.

* „DaS dritte Jahrzehnt des Lebens, meine Herren" — so erklärte ein Professor seinen Studenten — „ist dasjenige, in welchem der Körper bis zu seiner höchsten Entwickelung ausreift, das Alter, in welchem man am besten int Stande ist, schwere Mühen, Sorgen und Leiden zu ertragen. Es mag dies wohl der Grund sein, weshalb die meisten Menschen in diesem Lebens­alter heirathen".

* Beim Gefängnißverwalter klopft es an. „Herein! — Nun? Was wollen Sie hier?" — „Ich bitt', Herr Gefängniß- verwalter, ich hab' wegen Jagdfrevels vier Wochen abzusitzen — die möcht' ich halt jetzt verbüßen!" — „Wo haben Sie Ihren Strafantrittsbefedl?" — „Den hab' ich leider verloren!" — „Was? Und da soll ich Sie annehmen? Marsch hinaus. Sie unverschämter Mensch! Da könnt' ja jeder Lump daherkommen und eingesperrt werden wollen!"

(Unverbesserlich.) Ein Herr wettet mit einer Dame, daß alle Frauen Postskripte schreiben. Sie will ihm das Gegentheil beweisen und richtet einen Brief ohne Postskriptum an ihn. Aber unter ihrem Namen steht: „Ist dies nicht wirklich ein Bries ohne Postskriptum?" und weiter unten fragt sie: „Wer hat nun die Wette gewonnen? Ich oder Sie?"

* Unteroffizier: „Ihr dummen Kerls haltet natürlich den langsamen Schritt für eine bloße Spielerei. Aber bedenkt einmal, wenn wir im Kampfe das Schlachtfeld räumen und im lang­samen Schritt abmarschieren, was das für einen Eindruck auf den Feind macht!"

Wunschzettel einer bescheidene« Jungfrau.

Liebes Christkind, hab' die Güte, Bring' mir eine große Düte Cremebonbons und Chokolade, Eine Büchse Haarpomade, Einen Hut nach neu'ster Art, Briefpapier recht fein und zart. Eine schöne Sammtmantille, Zuckermandeln und Vanille, Einen Fächer, Gummischuh', Auch ein Opernglas dazu.

Ein'ge Fläschchen mit Odeur, Und ein Kleid von Seide schwer, Einen Kamm zur Toilette, Eine Uhr mit gold'ner Kette, ,

Eine Brosche, ein Kollier, t Auch ein neues Portemonnaie,

Einen spannenden Roman, Einen Haufen Marzipan, Ein modernes Plüschjacket, Schltttschnh' und ein Pelzbarett, Neue Noten zu vier Händen, Einen Gürtel um die Lenden, Einen Stutz von Strauß und Reiher, Einen Muff, ein Dutzend Schleier, Eine große Schachtel Puder, Bänder, Rüfchen, gleich ein Fuder, Handschuh' auch die schwere Menge, Ein Korset, doch ja recht enge, Eine große Büchse Schminke, Zwanzig Märkchen Taschenpinke, Einen neuen Bräutigam, Schön und reich und möglichst zahm.