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Beilage zu Nr. 295 der „Fuldaer Zeitung".

Freitag, den 23. Dezember^892.

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auf die

,Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Januar beginnende

1. Gmrtal 1893

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, damit uns dieselben rechtzeitig über­mittelt werden können und prompte Zusendung ermög­licht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die , Fulda er Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage

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* Eine neue Kohlenvrrthruerung droht und zwar wieder als Frucht des unersättlichen Kapitalismus und als Folge einer falschen Wirthschafts- politik, welche ein bedeutungsvolles Mineral, rote die Steinkohle, vorwiegend Privathänden zum Ausbeuten überlassen hat. Die rheinisch-westfälischen Zechenbesitzer, Gewerkschaften und Aktien-Gesellschaften fuchen nach einem Mittel, um dem befürchteten Niedergang des Kohlenbergbaues entgegen zu arbeiten und sind daher — beeinflußt durch Börsenkreise - auf den Ge­danken verfallen, in Form einet Aktien-Gesell- schaft, genanntRheinisch-westfälischesKohlen- Syndikat, eine große Vereinigung aller Zechen zu bilden und ins Leben treten zu lassen, falls ihr 95 pCt. des Kohlenbergbaues im Oberbergamtsbezirk Dort- mund beitreten. Das Bedenklichste ist der Umstand, daß diese Vereinigung fest auf zehn Jahre geschlossen werden soll, und dieser Umstand läßt auch eine Reche von Zechen noch besonders zögern, mitzuthun. Würde eine kürzere Dauer der Vereinigung angestrebt, etwa auf zwei bis drei Jahre, so würden vielleicht weniger Bedenken geäußert, weil dann die Kohlen Verbraucher die Entwickelung eher ein Mal ansehen können. Selbst zugegeben, — waS aber nach den mit den bisherigen Vereinigungen der Zechen (Kohlen-Verkaufs-Vereine, Westfälisches Koks-Syndikat) gemachten Erfahrungen entschieden bestritten werden muß — daß von der künftigen L.itung des geplanten großen Syndikats für die allernächste Zukunft allzu große Preiserhöhungen für Steinkohle nicht zu erwarten wären, wer bürgt dafür, daß eine solche Mäßigung auch vorhalten werde in Zeiten des Aufschwungs unserer Grvßgewerbe, dem wir doch hoffentlich bald innerhalb der nächsten zehn Jahre entgegensehen dürfen? Wer bürgt dem Ver­brauch dafür, daß das Kohlen-Syndikat dann nicht die gewaltige Macht, die ihm in die Hand gegeben werden foll, mißbrauchen wird? Die Vergangenheit der bis­herigen Zechen-Vereinigungen und des Koks-Syndikats wahrlich nicht! Unter solchen Umständen darf also der Verbrauch nicht mit gebundenen Händen dem guten Willen der Syndikats-Betheiligten überliefert werden, um so weniger, als Letztere sich die Lage, in der ste sich befinden, selbst geschaffen haben. Die tolle Preistreiberei der Jahre 1890—91 hat die Ueber- Erzeugung von Kohlen verschuldet, an welcher der Bergbau jetzt krankt, und welche, nur allmäblig, aber

nicht durch ein Gewaltmittel wie es das Syndikat bot* stellen würde, überwunden werden kann.

Frage man sich kühl: Was bezweckt das Kohlen- Syndikat? Antwort nach den eigenen Angaben seiner Betreiber: 1. Festsetzung der Preise, so daß jede theil- nehmende Grube verdient. 2. Regelung der Kohlen* Erzeugung, d. h. also bei Nachlassen der Nachfrage Einschränkung der Förderung. DaS dem geplanten Ring vorschwebende Muster ist das bestehende west­fälische Koks-Syndikat in Bochum, daS bekanntlich auch die Preise festsetzt — sür inländische Hochöfen gegen* wärtig 120 M. der Waggon von 200 Centner, während es nach dem Auslande zu 65 M., 60 M, sogar noch billiger — seinen Koks verschleudert, um seine Ueber-Erzeugung, koste es, was es wolle, unterzu­bringen, weil die von ihm gegenwärtig auferlegte Ein­schränkung der Erzeugung (20 pCt.) nicht genügt.

Was würden bei den Kohlen die Folgen sein? Jeder Betriebsführer, jeder Steiger einer Zeche wird sagen: „Je mehr ich fördern kann, desto mäßiger wer­den die Selbstkosten; umgekehrt werden die Selbst­kosten sich um so höher stellen, je mehr ich die Förde­rung einschränken muß." Ohne Auferlegung einer Ein­schränkung würde das Kohlen-Syndikat nicht bestehen können; denn es treten nach und nach etwa dreißig neue Schächte in Förderung. Demnach ist ein Steigen der Selbstkosten-Preise unausbleiblich. Jede Zeche, die dem Syndikat beitritt, soll aber doch verdienen. Also müssen die Preise so hoch gesetzt werden, daß auch die­jenigen Zechen noch verdienen, welche die ungünstigsten und daher theuersten Abbau-Verhältnisse haben. Nun sagt man, daß bei den augenblicklich zu erzielenden Preisen etwa die Hälfte der Zechen keinen Verdienst mehr hat. Das geplante Kohlen-Syndikat muß also jedenfalls die jetzigen Preise wesentlich er* höhen, namentlich wenn durch Förder-Einschränkung die Selbstkosten steigen. ä

Daß solchen Erwägungen gegenüber die Kohlen* Verbraucher, groß und klein, bisher ziemlich un* thätig geblieben sind, ist eine merkwürdige Erscheinung. Bisher ist von den Gasanstalten, für welche die An­gelegenheit von weittragender Bedeutung ist, nur be* fannt geworden, daß sie Schritte — planen. Einige Rührigkeit zeigen bis jetzt nur die Siegenländer Eisen* Industriellen, deren Gewerbe unter dem Druck des Koks-SyndikatS durchgängig sehr darnieder liegt. Daß die nächstbetheiligte große Eisen-Industrie deS nieder­rheinischen und Ruhr-Bezirks unthätig den Ereignissen zusieht, ist wesentlich der Furcht zuzuschreiben; ange­sehene Industrielle scheuen sich, Abwehr-Maßregeln tn die Hand zu nehmen und sich an die Spitze zu stellen, weil sie Bedenken haben, der Kohlen-Ring könne sie das, falls er zu Stande kommt, später fühlen lasten. Das Zustandekommen des Ringes kann wirthschaftliche Schäden der schwersten Art im Gefolge haben:

1. die Vertheuerung derKohlen für sämmt- liche Groß-Kohlen-Verbraucher, unter der alle Jndu* strie-Zweige leiden und die für manche geradezu ver- hängnißvoll werden würde;

2. die Unterbindung und Lahmlegung der Kohlen­handels, der jetzt Tausende ernährt;

3. die Vertheuerung der Kohlen für alle Verbraucher im P ri v a t - Pu b l i k u m, die sämmtliche Kreise unseres Volkes treffen würde.

Und alles dieses nur, um in erster Linie verhält- nißmäßig wenigen Börsen-Jnterestenten große Gewinne zu verschaffen! Denn das muß festgehalten werden: die Bestrebungen der Syndikats-Bildung gehen nicht nur von der Kohlen-Jndustrie, sondern zunächst von

Groß-Börsenspekulanten aus; diese sind die treibende Kraft in der Sache. Diesem Unfug gegenüber kann nur die Verstaatlichung des Kohlenbergbaues helfen.

Vermischtes.

* Siege«, 18. Dez. Wie die.Köln. Ztg/ berichtet, hat der Amtmann Fuß in Stift Keppel eine Verfügung erlaffen, die dem Begriff des groben Unfugs eine bisher ungeahnte Ausdeh­nung gibt. „Ich verbiete hierdurch für den Umfang deS Amts­gerichts-Bezirkes Hilchenbach folgende vielfach noch bestehenden Gebräuche: Das Verkleiden als Nikolaus am Nikolaus-Abend, das sogenannle „Würste - Aufheben", das Neujahrssingen am Sylvesterabend und Neujahr, Ansagen oder Glückwünschen am Neujahrstage, das Peitschenknallen und sonstiges Skandalverüben (sogenanntes „Platzen") vor dem Hause der Verlobten am Abend des Tages, an welchem dieselben das Aufgebot beantragt haben, das „Seilhalten" bei der Rückkehr von der Trauung, das Schießen bei Hochzeiten und alle ähnlichen Unsitten, mit welchen das „Auf­heben" oder richtiger gesagt das Erbetteln von Geld verbunden ist, und ich werde jede Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot, sofern nicht nach anderen Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, nach § 360 Nr. 11 des Reichs-Strafgesetzbuches als groben Unfug mit einer Geldbuße von mindestens 10 Mk. oder entsprechender Haft bestrafen." Das rheinische Blatt bezweifelt, und wohl mit Recht, daß die Anordnung aufrecht erhalten wer­den könne. . „

* Symptome. Fräulein: Haben Sie schon Schwalben ge­sehen? Herr: Nein, ich merke den Einzug der wärmeren Jahres­zeit an anderen Symptomen. Fräulein: Ah, Sie sind Arzt? Herr; Nein, Pfandleih-Beamter.

* Boshafte Ablehnung. Herr (auf der Straße zu einer jungen Dame): Gnädiges Fräulein, dürste ich Sie vielleicht be­gleiten? Fräulein: Weshalb nicht? Aber sechs Schritte hinter mir und in Livree. , , . ,

* Ein schlagfertiger Richard Hl.) Schauspieler auf einer kleinen Büyne Richard lll. spielend; „Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für'n Pferd!" — Stimme von der Gallerte: „Thut's ein Esel nicht auch?" — Richard III.: „Jawohl! — kommen Sie nur 'runter!"

* (Ans dem Markt.) Frau: „Den Fisch mag ich nicht, der ist schon tobt!" — Händlerin: „Wenn Sie sich Rind­fleisch kaufen, ist da der Ochs vielleicht lebendig?"

* (Schmeichelhaft.) A.: „Ich heirathe nächste Woche, — natürlich Vernunftehe." — B.: „So? Ihre Braut scheint aber anspruchsloser zu fein."

Literarisches.

Die Nr. 51 der „Gefiederte« Welt", Zeitschrift für Bogelliebhaber, -Züchter und Händler, heraus­gegeben von Dr. Karl Ruß (Magdeburg, Creutz'sche Verlags­buchhandlung, R. & M Kretschmann), enthält: Warum singt der Bogel. (Fortsetzung.) — Die Vernichtung unserer Vögel im Süden (Fortsetzung.) — Die Kanarienvögel im Dienste öer Kultur. — Briefliche Mittheilungen. — AuS den Vereinen: Plauen; Hannover. — Anfragen und Auskunft. — Bücher und Schriftenschau. — Die Beilage enthält: Anzeigen.

Getreide-Eours.

+ Fra«kf«rt a. M., 19. Dez. 1892. Weizen hiesiger (Sommerweizen) 1 1 • 16’/ie—V« Red-winter I. Qualität .... 17»/<

. Steamergrade . . . 17 */»—»/«

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Roggen hiesiger 14’/io— Zs „ französischer

Gerste neue < Hafer je nach Qualität 14 /« lö Raps ........ • • • ~

Mais, mixed pr. März verzollt. ... 12

Mais, ungarischer prompt.....—

Malzkeime ..........1°

Spelzspreu . . . ...... 31/« /«

Getrocknete Biertreber — Weizen russischer —

Roggenkleie..........10

Weizenklete /«

Weizenpreise schwach behauptet, Roggen unverändert, Gerste lebhaft, Haser träge, Malzkeime unthätig, Torsstreu letzter Cour- Mark 1.10 per Centner, Spelzenspreu coulant verkäuflich, Roggenkleie und Weizenkleie aus zweiter Hand erdrückend offenrt.

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