M 294 Donnerstag, den 22. Dezember 1892. 19. Jahrgang
FiildktrWZkitilng
Macht der Freimaurerei stehenden öffentlichen Schulen und die katholifchen Privatschulen unterstützen, die christ. liche Charitas im Privatleben üben, nachdem daS Vermögen der Wohlthätigkeits-Anstalten konfiszirt worben sei, die katholische Presse gegen die freimaurerische unterstützen, Gesellschaften gründen zur wirthschaftücheu Unterstützung und zur Abhilfe der Roth Bedürftiger, gegenüber den kirchenfeindlichen Kongressen solche katholischer Art veranstalten, den Glauben offen und un- erschrocken bekennen, zeige doch auch die Freimaurerei heute offen ihr Gesicht; sie sollten nicht aufhören, deren Angriffen gegenüber die Freiheit der Kirche mit allen gesetzlichen Mitteln zu vertheidigen und zu erkämpfen, die festeste Einigkeit aufrecht zu erhalten in Liebe oder Gehorsam. . ,
„Wie die ersten Gläubigen, seid Alle ent Herz und eine Seele; um Petri Lehrstuhl versammelt, einig mit eitern Hirten, beschützet die höchsten Interessen der Kirche und des Papstthums, welche auch die höchsten Interessen Italiens und der ganzen christlichen Welt sind. Urheber und eifriger Beschützer der Größe Italiens ist der Apostolische Stuhl stets gewesen. Seid also, Italiener und Katholiken, frei, keine Anhänger geheimer Gesellschaften, treu dem Vaterland und zugleich Christo und seinem sichtbaren Stellvertreter, überzeugt, daß em christusfeindlicheS und papstfeindliches Italien den göttlichen Geboten zuwider und somit dem Untergang geweiht sein würde." .
In einem besonderen, an die italienischen Bischöfe gerichteten Abschnitt fordert der Papst zur Bekämpfung der fteimaurerischen Gesellschaften auf. Man solle sich mit aller Kraft den Versuchen entgegen- stemmen, welche gemacht würden, um den jungen Klerus zu verderben. Die jungen Priester müßten jetzt im Heere dienen und seien da dem Einstuß ihrer freimaurerischen Kameraden preisgegeben, welche sie dazu trieben, die religiösen Einrichtungen zu verspotten.
Papst Ko XIII. au das italienische MK.
Als Hüter des Glaubens, welchem die christlichen Nationen ihren sittlichen und civil,sator>schen Aufschwung verdanken, erinnert der Papst in seinem bereits erwähnten Schreiben vom 8. Dezember an den gottlosen Kampf, welcher gegenwärtig gegen die katholische Kirche in Italien geführt wird und welchem der Katholik und der Italiener nur mit großem Schmerz zuschauen können, weil Italien gerade der Sitz deS Hauptes der katholischen Kirche sei und hier das Bekennerthum des Katholicismus das ehrwürdigste Alter habe. „Hier ' muß man das stets seinem Glauben treue Volk der beständigen und dringenden Gefahr auSgesetzt sehen, seinem Glauben untreu zu werden und auf den Weg , deS JrrthumS, materiellen Elends und sittlicher Ver- ; derbniß zu gelangen."
Dieser Kampf gehe auS von der Freimaur er ei, ! Don welcher schon in seinen Encyklcken vom 20. Sprit 1884 und vom 15. Oktober 1890 die Rede gewesen. ; In diesen Encykliken habe er der Freimaurerei die Maske abgerissen und sie in ihrer ganzen Häßlichkeit gezeigt. Dies Mal beschränke er sich darauf, die trau- rigen Wirkungen der Freimaurerei auf Italien zu betrachten; diese Betrachtung erstrecke sich insbesondere auf die letzten dreißig Jahre.
Die Religion sei das Ziel von Verfolgungen jeder Art geworden; man wolle den Naturalismus an ihre Stelle setzen, an die Stelle des Glaubens den Kultus der Vernunft, die sogenannte unabhängige Moral an die Stelle der christlichen Moral, an die Stelle des Fortschritts deS Geistes denjenigen der Materie; das Gesetzbuch der Revolution trete an die Stelle der Lehren und Vorschriften deS Evangeliums. Nachdem man in den Tempel Gottes ringedrungen, habe man unter Konfiscation der Kirchengüter den größten Thetl des zum h. Dienst nothwendigen Vermögens verschleudert, die Zahl der Priester gewaltsam vermindert. Könne man auch die Spendung der h. Sakramente nicht hindern, so fördere man dafür die Civiltrauun- gen und Civilbegräbniffe. Alles suche man zum Nach- theil der Kirche zu laicisiren, wenn man auch der Kirche noch nicht die Jugenderziehung und die Verwaltung der Wohltbätigkeits-Jnstitute habe ganz ent- winden können. Wenn man auch die Stimme der katholischen Presse nicht habe ersticken können, so thue man doch alles, um sie der Mißachtung preis zu geben.
Klöster werden geschlossen, Freimaurerlogen aber läßt man ungehindert in immer größerer Zahl entstehen; den religiösen Orden wird das Recht der juristischen Person versagt. Die Freiheit deS Kultus wird zwar verkündet, aber die Religion deS italienischen Volkes gehässig verfolgt.
Der h. Vater weist hm auf bte gegen die Gläubigen, die Kirche und seine Person gerichteten Schmäh- ungen; jede, nur keine katholische Demonstration werde geduldet; Auflehnung gegen die geistliche Obrigkeit werde gefördert und unterstützt, man lasse andere Ge- sellschaften unangefochten, dagegen gestatte man nicht
Um -en Lorbeer.
Roman von I. Sandhage.
(7. Fortsetzung.)
II.
5. Kapitel.
Der Oktober ging zu Ende. Die trübe feuchte Witterung regte zu häuslicher Gefelligkeit an: Walter's veranstalteten ihre erste Abendgesellschaft. Am Tage vorher traf Kurt bett Marchese Satti int Hause des Bürgermeisters. Malvine, anmmhig und liebenswürdig wie immer, machte jedoch keinen Unterschied im Verkehr mit den Gästen des Hauses. Kurt beobachtete sie fortwährend und zog sie innerlich für jeden freundlichen Blick auf den Marchese zur Rechenschast. Und doch hatte er kein Recht dazu. Noch war es mcht zur Ec- klärung zwischen ihm und Malve gekommen.
Diese oder Keine," so stand es deutlich tn Kurt s Augen zu lesen, während sie glückselig an der Geliebten hingen. Spät, sehr spät war die Liebe in seiner Brust erwacht. Um so feuriger loderte sie jetzt empor, um so tiefer wühlte sie sich in seine Seele ein. Warum zögerte er nur, sich Malvens Hand zu sichern? Zweifelte er immer noch, ob sie ihm gut sei, so gut wie er es so heiß ersehnte? Lange und schwer hatte er mit sich gekämpft. Ob feine Wahl die Tante wohl befriedigen würde? sie stellte hohe Ansprüche an die Frau, bte
Deutsches Keich.
Berlin, 20. Dezember.
* Dem Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf über den Vorsitz int katholischen Kirchenvorstande zugegangen. (DaS Centrum hatte wiederholt die Einbringung dieser Vorlage gewünscht.)
• DaS preußische Staatsministerium genehmigte heute die Reform des Landtagswahlrechts.
» Eine Versammlung der Gläubiger der Familie Ronacher beschloß die Stellung des Antrages auf Eröffnung des Konkurses. ,
* Die .Germania' erklärt, daß eine Verschärfung des Gesetze« gegen den Verrath militärischer Geheimnisse, wie sie von der Regierung in dem dem Reichstag bereits vorliegenden Entwurf beabsichtigt wird, für das Centrum völlig unannehmbar sei. Die Nothwendigkeit einer solchen Verschärfung sei nicht vorhanden. , , , m ,
* Die Sozialdemokraten bringen int Reichstage Anträge auf Aufhebung des Diktatm-Paragraphm in Lehmboden deS Weges seinen interessantesten Gesellschafter entbehren muffen. .
„Ich werbe mir ein Reitpferd halten," versicherte Satti. Mein alter Diener ist gestern schon hier angekommen; wir wollen unsere Junggesellenwirthschaft je eher je lieber anfangen. Ich bin deS Wanderns mübe und sehne mich nach eigener Häuslichkeit."
„Ach so," fiel Malve ein, gestern ist Ihr Diener angekommen und am Ende im goldenen Hecht abgestiegen? Den habe ich gesehen. Er kam mir gleich so fremdländisch vor und sah viel mehr einem Kunstreiter ähnlich als einem Diener."
„Hahaha," lachte Satti gezwungen. „Große Ehre für meinen simplen Jean. Gnädiges Fräulein, scherzen allerliebst." 1
Sie waren früher in Neapel, wenn ich vorhin recht gehört," nahm Kurt das Wort. „So kennen Sie vielleicht per Zufall Ihre berühmte Landsmännin, Signora Tortoni, die in der Villa Linda wohnt?"
„Signora Tortoni, nicht die Ehre," stotterte Satti, seinen Schnurrbart drehend. Sein Auge flackerte. Kurt war der Farbenwechsel seines Gesichtes nicht entgangen. Erlügt, dachte er. Er kennt Constance; oder der Name Neapel ist es, der ihn blitzschnell verstörte. Der flackernde unstete Slick hat ihn verrathen. Wie er mir zuwider ist, dieser prahlerische Italiener. Wer weiß, was er will und treibt hier.
die Ablegung religiöser Gelübde, weil sie der persönlichen Freiheit zuwider sein sollten.
Wenn man auch die Macht der Freimaurerei nicht übertreiben wolle, so erkenne man doch in Allem ihren Geist. Die Freimaurerei betrachte die öffentlichen Be- höcden als ihre Werkzeuge, und so sehe sie denn auch die von diesen ausgehende Verfolgung der Kirche als ihr eigenes Werk an.
Religiöser und gefellfchaftlicher Umsturz gehen Hand in Hand, Leidenschaften, Spaltungen, Verderbniß, Verbrechen ergeben sich daraus; im Familienleben keine Autorität mehr, im Leben der Gemeinde häufig Streitigkeiten, Zügellosigkeit der im modernen Segriff der Freiheit aufgewachsenen Generation. Anstatt, daß der Staat das göttliche und menschliche Recht unter seinen Schutz nimmt, sucht er es nach seiner Willkür verkürzen.
Die Gesellschaft ist in ihren Grundlagen erschüttert. Vücher und Zeitungen, Schulen und Lehrstühle, Vereine und Theater, politische Reden, Photographie und schöne Kunst; alles wirkt zusammen, die Geister zu verwirren und die Herzen zu verderben. So murrt das unterdrückte Volk, die Anarchisten regen sich, die Arbeiterklasse erhebt das Haupt und vergrößert die Reihen des Sozialismus, des Kommunismus, der Anarchie. Der Charakter erschlafft und das Leben endet oft durch Selbstmord.
Das sind die Früchte, welche unS Italienern die Freimaurerei gebracht hat, uns selbst aber gibt sie den verleumderischen Titel Feinde des Vaterlandes; und doch ist der Patriotismus der Freimaurerei nur Egoismus, der den modernen Staat bevormunden will. That- sächlich bezweckt die Freimaurerei mit ihrer politischen Unabhängigkeit, Gleichheit, C'vilisation, ihrem Fortschritt, die Lostrennung des Menschen von Gott, die Freiheft des Jrrthums und des Lasters, die Verbindung einer Partei zum Schaden der anderen Bürger, die Kunst, die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen, die Uebersührung eines mit dem göttlichen Mut erkauften Volkes zu den Spaltungen, der Verderbniß und Schmach des Heidenthums. Eine Gesellschaft, welche die göttliche Offenbarung leugnet, nach Plan und Wirken sich nur auf die schwache und verderbte Natur des Menschen stützt, kann nur der Gipfel des Hochmuths, der Leidenschaft, der SinneSlust sein, die Ursache des Unglücks eines ganzen Volkes.
Der hl. Vater warnt vor den Verlockungen der Freimaurerei; der Christ dürfe keine Gemeinschaft mit dieser Gesellschaft der Verderbniß haben, wenn er sich nicht von der christlichen Gemeinschaft trennen und seine Seele zeitlich und ewig verlieren wolle. Er wendet sich dabei an Alle, welche moralische Autorität auf das jüngere Geschlecht auszuüben haben. In der Auswahl des Umgangs und der Hausgenossenschaft solle man vorsichtig fein, ebenso im Anschluß an Gesellschaften, welche heute so zahlreich entstehen, das allgemeine Beste auf ihre Fahne schreiben, aber dabei doch der Religion Abbruch thun. Ferner warnt der hl. Vater vor religionsfeindlichen, unmoralischen Druckschriften. Die Katholiken sollten sich fern halten von de» unter der den Namen Wüllesen tragen sollte. Satti erzählte von Italien, von Afrika und Sroftlien. Man mußte ihn sprechen hören, um das Interesse der Damen begreifllch zu finden, das sie ihm ohne Ausnahme zollten. Während Kurt ihn, unbeachtet, in's Auge faßte, entging ihm der verlebte Ausdruck feines fahlen Antlitzes nicht. Slitzende Augen, blendend weiße Zähne und ein tief schwarzer Schnurrbart täuschten über die weiten Züge des marfirten Gesichtes hinweg. Er war Lebemann ; in Herrengesellschaft machte er kein Hehl daraus. Sein geschmeidiges Wesen wußte jedoch auch die Frauen, selbst die nüchternsten Matronen, mit seiner Art „zu sein," auszusöhnen.
„Ich beabsichtige, mich hier dauernd mederzulasieu, sagte er, mit einem vielsagendem Blick auf Malve, die : mit ihrer Handarbeit ihm gegenüber saß.
„Ich habe eine ländliche Besitzung, unweit von i Süden höre, erworben. Das Ding gefällt mir. Man hat Zeit und Gelegenheit, eS nach seinem Geschmack zu gestalten. Wer versteht hier zu bauen? Das ist i kein Stil, und nicht einmal praktisch, Kasernen, große und kleine, aber keine Wohnhäuser; ich werde den Anfang machen," erklärte er heiter. Frau Walter lächelte und gab ihm Recht. Kurt fragte nach dem Preis des Hauses. Der Bürgermeister aber meinte, diese Besitzung liege zu einsam; es sei kein Plan nach seinem Geschmack; das Kasino würde im Winter bei dem ungangbaren
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