JV 291
Sonntag, den 18. Dezember 1892.
19. Jahrgang
illdlierWZeitillig
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Zweites Blatt.
Eine Katholische Prachtausgabe der heUigeu Schrift.*)
Nach chrer verkehrten Art find die Katholikenverfolger nnd Papsthetzer beständig geneigt und gerüstet, ihr wenig löbliches Gewerbe zn betreiben. Erst jüngst bei der Wittenberger Luther- und Thesen-Kirchweche sahen wir, wie ein sehr großer Theil der unkatholischen Prefie sprungbereit war, um in die Rumpelkammern religiöser Verhetzung früherer Zeiten zu eilen und alle Popanze hervorzuholen, womit man dem ehrlichen braven Manne in deutschen Landen Grauen vor Rom, vor der kacholischen Kirche einjagen könnte.
Es ist bekannt, welche Rolle in der religiösen Verhetzung seit drei Jahrhunderten die Stellung der katholi- scheu Kirche zu den beiligen Schriften des alten und neuen Testamentes gespielt hat und immer noch spielt. Wem wohl unter den guten Bewohnern der Nordens ist nicht schon die Märe zu Ohre gekommen oder auch, wem hat nicht schon Dieser oder Jener den Bären auf- bindm wollen, daß die Katholiken die Bibel nicht lesen dürften, daß die katholische Kirche die Bibel geheim- halte und das Lesen derselben geradezu verbiete.
Dem gegenüber ist katholischerseits unzählige Male die dogmatische wie historische Wahrheit fchgestellt und in« hellste Licht gerückt worden, wie fte unfern Lesern ja hinreichend bekannt ist. Die katholische Kirche sieht bat Inhalt der Bibel als göttlich geoffenbart, als Wort Gottes an. Und dabei sollte sie so unrecht handeln, diesen kostbaren Schatz ihren Kindern vorzuenthalten, ja sogar zu verbieten? Mit dem Weltapoftel Paulus glaubt die Kirche, daß „jede von Gott eingegebene Schrift nützlich zur Belehrung, zur Befferung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit" ist, und da sollte sie zu chrem Theile mitwirken, daß diese Belehrung, Besierung und Unterweisung gehindert werde? Nicht daL Lesen ober bie Herausgabe der hl. Schrift hat die Kirche verboten, sondern fie hat nur Vorkehrungen getroffen, daß das reine, unverfälschte Wort Gotter ihren Kindern zugänglich gemacht werde und daß nickt unter dem Scheine des heiligen Eifers für die Sache der Religion Unkraut unter den Weizen gesäet werde.
Daher bestimmte daS Tridmtinische Konzil (4. Sitzung vom 8. Avril 1546, Dekret „über die Veröffentlichung und die Benutzung der hl. Schriften"), „daß in Zu- kunft die hl. Schrift, besonders die altherkömmliche Vulgata, möglichst genau im Druck erscheinen solle. Riemandm solle eS ferner gestattet fein, Bücher reli« giösen Inhalts ohne den Namen deS Verfassers und ohne vorherige Prüfung durch dm Diözesanbischof zu drucken ober drucken zu lassen, zu verkaufm ober zu besitzen." Und biefe bis heute giftige Vorschrift war uichr etwas NmeS, sondern hatte ihr Fundament in uralten Bestimmungen des kirchlichen Rechtes, welche noch auf dem letzten Konzil vom Lateran zu Anfang deS Jahrhundnts erneuert waren. Gerade die Heilig
*) Die im Folgenden besprochene „Heilige Schrift, Jllu- strirte Volksausgabe" mit 45 Vollbildern in Farbendruck und über 1000 Abbildungen im Text nebst einer Familienchronik, ist in Heften zu 50 Pf. oder 30 Kreuzer (70 Cent ) durch alle Buch- und Kolportagehandlungen oder auch direkt durch die Verlagsbuchhandlung von Friedrich Pfeilstücker in Berlin W., Bayreutherstr. 1, sowohl vollständig, als auch in einzelnen Heften und in beliebigen Zwischenräumen nach und nach zu beziehen. Auch der weniger Bemittelte wird dadurch in die Lage versetzt, sich das Werk anzuschaffen. DaS Alte Testament umfaßt 32, das Neue Testament 10 Hefte. Das Neue Testament ist auch für sich allein zu haben; es ist ebenso wie die ganze Bibel mit Familienchronik zum Einträgen der Familienmitglieder versehen. Die Berlagshandlung hat von einem Düffeldorfer Künstler eine außergewöhnlich reiche Einbanddecke im Stile deS Mittelalters zeichnen lassen, welche die Käufer der Heftausgabe zu mäßigem Preise nachbeziehen können. Die vollständige „Heilige Schrift" ist auch jetzt schon gebunden zu beziehen, ebenso das Neue Testament. Die Preise vollständiger gebundener Bibeln betragen! Im Prachteinband. Halbleder mit Bronzevergoldung und Rothschnitt 30 M. oder 18 Gld, mit Goldschnitt 33 M. oder 19 Gld. 80 Kr. Derselbe Einband mit echter Vergoldung und mit Goldschnitt : In Halbleder 36 M. oder 21 Gld. 60 Kr., in Kalbleder 48 M. oder 28 Gulden 80 Kr., in Schweinsleder 66 M. oder 39 Gld. 60 Kr. Jede der 5 Ausgaben ist aus Wunsch mit 2 Schlöflern zu haben, gegen einen Aufschlag von 5 M. oder 3 Gld. Das Neue Testament allein kostet: Volksausgabe in Leinwandband und Bronzevergoldung und Rothschnitt 8,50 M. oder 5 Gld. 10"Kr., mir Goldschnitt 10 M. oder 6 Guld. Im reichsten Einband mit echter Vergoldung und mit Goldschnitt: In Halbleder 15 M. oder 9 Guld., in Kalbleder 25 M. oder 15 Gld., in' Schweinsleder 40 M. oder 24 Gld. Auf Wunsch werden vollständige Bibeln und Neue Testamente auch gegen monatliche Ratenzahlung abgegeben.
kett bes Inhaltes bet hl. Schrift unb bie Wichtigkeit biefer als Quelle deS Glaubens mußte bie Kirche antreiben, ben Druck berselben in bet Richtung zu überwachen, baß nur ber reine nnb lautere historisch unb kritisch beglaubigte Text ben Gläubigen geboten, jeg- liche willkürliche Nenberung, wie sie im 16 Jahrhundert öfter versucht war, hingegen mit Erfolg vereitelt werbe.
Allen ben Nachweisungen über bie Wahrheit in ber Frage nach ber Stellung ber katholischen Kirche zu ben heiligen Schriften nun sinb wir in ber Lage aus allerneuester Zeit unb fo recht im Angesichte der Verbreiter jener falschen Märe uud der Liebhaber unb Anhänger jener „Bärenaufbinderei" ein überzeugendes Beispiel zur Seite treten zu lassen. In Berlin selbst ist kürzlich eine katholische Ausgabe ber hl. Schrift, bazu mit prachtvollem Bilber- schmuck, eine katholischePrachtbibel erschienen. Dieselbe ist unter kirchlicher Aufsicht unb mit Gutheißung Sr. Gnaden des Hochwürdigsten Herrn Fürstbischofs Dr. Georg Kopp hergestellt und hat bei Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. eine allergnädigste Aufnahme und höchste Auszeichnung gefunden. Gerade in dieser Zeit, als manche Hetzer die Erwartung einer erneuten Katholiken- unb Romhetze hegten und steigerten, da erging von Rom aus an ben Verleger zu Berlin jenes huldvolle Schreiben, welches beweist, wie sehr die Kirche und ihr Oberhaupt die wahren Bestrebungen zur Verbreitung und »um Gebrauche ber hl. Schrift begünstigt unb fördert. Unterm 8. Oktober dieses Jahres sandte Se. Eminenz der Karbinalstaats- sekretär Rampolla im Namen des Papstes an den Verleger, Herrn Pfeilstücker, folgendes Schreiben:
„Hochgeehrter Herr!
Dem in Deinem Briefe ausgesprochenen Wunsche, daS Exemplar Deiner Ausgabe des Alten und Neuen Testamentes dem Heiligen Vater zu überreichen, bin ich unverzüglich nachgekommen. Seine Heiligkeit ist es wohl gewärtig, daß es nicht daS erste Zeichen Deiaer Ergebenheit ist; der Heilige Vater hat darum Deine Gabe und Deinen ganz ergebenen Begleitbrief mit ausgezeichnetem Wohlwollen ausgenommen. Ferner hat der Heilige Vater dem Bilderschmuck, den Du Deiner Ausgabe mit vieler Sorgfalt beigegebeu hast, und den Zierrathen, die daS Buch verschönern, sowie der in Deinem Briefe offenbarten Gesinnung, das verdiente Lob gespendet. Zur Bethätigung aber seines Dankes für Deine Gabe sendet er Dir durch mich die beifolgende goldene Medaille mit seinem erhabenen Bildniß und läßt Dir zugleich die Wünsche mittheilen, die er für Dein und Deiner Familie Wohlergehen an Gott richtet.
Seiner Heiligkeit Befehl gern gehorchend, erflehe auch ich vom Herrn für Dich alles Glück und Heil.
Rom, den 8. Oktober 1892.
Hochgeehrter Herr
Dein wohlgesinnter M. Kard. Rampolla. Seiner Wohlgeboren
Herrn Friedrich Pfeilstücker, Berlin."
Die beigefügte golbene Mebaille ist bie Pontifikats- Denkmünze beS hl. Vaters vorn Jahre 1892, welche bie Veröffentlichung ber Arbeiter - Encyklika barstellt. Auf ber einen Seite zeigt sie daS Bilbmß beS Papstes mit ber Umschrift: „L-o XHL, Papst, im 15. Jahre seiner Regierung." Auf ber anbern Seite erblickt man bie Gestalt ber Kirche mit bem Kreuze in ber Hanb, wie sie ben Arbeitgebern unb Arbeitern, Herrschern unb Völkern ihre gegenseitigen Pflichten unb Rechte vorhält; bie Umschrift lautet: „Verkünbigung beS Rechtes bei Besitzenben wie bes arbeitenben Volkes."
Nach biefer Auszeichnung ber ersten katholischen Ausgabe ber hl. Schrift zu Berlin burch ben hl. Vater erübrigen uns nur noch einige nähere Angaben über bieselbe. Sie bringt 1. ben ganzen vollstänbigen Bibeltext nach ber vom hl. Stuhle in Rom appro- birten unb von zahlreichen Bischöfen auf baS Entschiedenste empfohlenen Üeberfetzuug von Dr. Joseph Franz von Allioli, welche nach ber Vulgata ange» fertigt ist. 2. Diese Bibel ist mit ben kirchlich ge» forderten unb kirchlich approbirten Anmerkungen ber Volksausgabe von Allioli versehen. 3. Ihre Herstellung ist stetig burch bie von bem genannten Hoch- würbigsten Bischof bestimmten Geistlichen unb Gelehrten überwacht worben. Den kirchlichen Aaforberungen ist somit in einer Weise genügt worden, wie eS überhaupt bei einer Bibelausgabe nur geschehen kann. Das Papter ist vortrefflich, ber Druck groß unb schön; waS ihr aber ganz besonderen Werth verleiht, ist ber großartige JllustrationS-Schmuck, ber Jebermann mit Recht in Staunen verletzt. Fünsunbvierzig große Em- schultbilber, welche biblische Darstellungen nach ben berühmtesten unb angesehensten Meistern ber christ
lichen Kunst geben, zieren bas monumentale Werk, bazu kommt aber bie gewaltige Zahl von über tausend Abbilbuugen im Text, sämmtlich nach bem neuesten Standpunkt ber Jllustrationskuust auf bas Sorgfältigste ausgeführt — eine wahre Riesenarbeit, bie mit großartigen Mühen unb Kosten oerbunben gewesen ist. Was iubeß biesern Bilberschrnucke seinen befonberen Werth verleiht, ist, baß bie Silber nicht nach ber Phantasie entworfen sinb, sonbern thatsächliche Darstellungen von Oertlichkeiten ber hl. Schrift (Segen- stäube, bie in berselben zur Sprache kommen, Ab- bilbungeu von Personen ber hl. Schrift roiebergeben, so baß die christlichen Leser dadurch auf die einfachste unb leichteste Weise in baS wahre Berständniß beS Buches ber Bücher eingeführt werben. Für ben gläubigen Bibelleser werben biefe Abbildungen noch besonders darum wichttg, weil sie von ber Wahrhaftigkeit der hl. Schrift Zeugniß ablegen. Durch die feit etwa 100 Jahren gemachten Entdeckungen hat besonders das Alte Testament sehr liefe geschichtliche Beglaubigungen gewönnen. Eben diese sind hier alle mit wiffenschaftlicher Prüfung verwerthet. Die Bilder werden von einer fachgemäßen fortlaufenden Erklärung begleitet, fo daß sie überall im Einzelnen verständlich sind und daS Berständniß auf das Beste fördern.
Diese erste Berliner katholische BibelauSgabe und die Aufnahme derselben bei den hohen unb höchsten kirchlichen Behörden ist jedenfalls eines ber erfreulichsten Ereignisse in ber literarischen Bewegung unserer Tage. Wir glauben, daß bie Thatsache ihrer Herstellung gerabe in Berlin unseren Lesern eine sehr geeignete Waffe barbietet, Angriffe Anders- und Ungläubiger gegen unsere Kirche zurückzuweisen. Zugleich aber bürste biefe erste Berliner katholische Ausgabe ber heiligen Schrift bei Auswahl ber Geschenke zu bem bevorstehenden Christfest recht sehr die Aufrnerksamkett der Geschenkgeber fesseln unb rechtfertigen.__
Vermischtes.
* Koche« ohne Feuer. Vom deutschen ReichS-Patentamt wurde ein Kochgeschirr gesetzlich geschützt, welches in weiter nichts besteht, als daß das Kochgefäß mit einem 2 cm dicken Roßhaarfilz überall umgeben ist, der äußerlich eine Bekleidung von waffer- dichtem Segeltuch oder Leder zum Schutz gegen Nässe erhält. Das Wunderbare dieses Geschirrs besteht nun darin, daß der Apparat „ohne Feuer" kocht. Der Soldat steht um 5 Uhr auf, setzt beispielsweise Erbsen mit Speck in dem Kochgeschirr ans Feuer, zieht sich in •/« Stunde an, nimmt das Geschirr, in dem die Speisen soeben anfangen zn kochen, vom Feuer und steckt eS in den Filzbehälter. Dann kocht daS Effen langsam weiter. Wenn der Ausmarsch um 51/2 Uhr erfolgt, um 11 Uhr das große Rendez-vous gemacht wird, nimmt er sein Geschirr heraus, zieht seinen Löffel hervor und ißt warme, nahrhafte Speise, denn das Gericht ist gar gekocht. Natürlich können auch größere Apparate mit derarttgen Jsolirschichten versehen werden, die elastisch sind und ein ganz unbedeutendes Gewicht besitzen. Die Bortheile solcher Kochgeschirre, wenn sie richtig arbeiten, fallen in die Augen. Wenn die ,Deutsche HeereSzeitung' sich darüber wundert, daß es bisher Niemand eingefallen zu sein scheine, diesen Zeit und Heizmaterial ersparenden Apparaten die ihnen zukommende Beachtung zu schenken, so ist das Blatt nicht genau unterrichtet. Frl. Susanna Müller, Zürich Aufferfihl, Konrad- straße 49, liefert seit geraumer Zeit verbefferte Selbstkocher (mit Filzumhüllung) für Haushaltszwecke, die sehr gerühmt werden. Der Apparat spart Zeit und Brennmaterial, Anbrennen oder Ueberkochen ist unmöglich; außerdem soll die Bereitung der Speisen eine bessere und schmackhaftere sein, als auf dem Feuer.
* Feusterputze«. Das Fensterputzen, welches sowohl den Hausfrauen als dem dienenden Personal so manche Roth verursacht einmal wegen der dabei entstehenden Gefahr des Verunglückens am Körper, waS beseitigt und verhütet werden kann durch die am Fenster anzubringende Sicherheitsleiter oder durch den unter den Leib geschnallten Schutzgürtel und andere in neuerer Bett gemachte Erfindungen, die leider noch zu wenig angewendet werden, als auch wegen des zum Putzen selbst zu benutzenden Stoffes, findet für daS letztere das beste Mittel in Anwendung von Spiritus: Man nimmt dazu den ganz ordinären (denaturirten) Spiritus, befeuchtet damit einen Schwamm und putzt mit diesem die Scheiben. Während der abgewischte Schmutz mit dem sonst üblichen Wasser sich verband, geschieht dieses mit dem Spirttus nicht, jener sintt vielmehr zu Boden, so daß der Spiritus nicht getrübt wird. Noch ein weiterer Vortheil ist, daß Scheiben, auf diese Art mit Schwamm und weichem Leder abge- rieden, im Winter nicht frieren.
* Der schlaue Johann. „Johann", sagt ein Junggeselle zu seinem Diener, „ich bin überzeugt, daß mein Hausarzt mich falsch behandett, und doch kann ich ihn nicht gut fortschicken, denn ich bin mit ihm befreundet, Wenn ich nur wüßte, wie ich ihn aus gute Manier los würde." — „Bitte, lassen Sie mich nur machen, ich werde ihn diplomatisch behandeln." Als der Doktor am nächsten Morgen wieder erscheint, empfängt ihn der Johann mit den Worten: „Herr Doftor, ich darf Sie nicht mehr vor- laflen, denn mein Herr ist so schwer erkrankt, daß er Sie nicht mehr empfangen darf."
* Bor Gericht. Richter: „Der Angeklagte hat Sie also zu überreden versucht, daß Sie schweigen! Mit was wollte er