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beherrschet; denn von dem Herrn ist euch die Herrschaft gegeben und die Macht von dem Allerhöchsten." (WeiSh. 6, 3, 4.) Aus sich allein kann kein Mensch den freien Willen Anderer binden, nur von Gott wird diese Gewalt ettheilt. Deswegen schreibt der Apostel: „Ts gibt keine Gewalt außer von Gott und die, welche besteht, ist von Gott angeordnet." (Röm. 13, 1.) Aus diesen Worten erhellt die Würde der Fürsten wie die Pflicht der Unter» thanen.

Wie falsch und böswillig muß also die Anklage sein, die Kirche wolle durch ihren Einfluß auch die staatliche Macht der Fürsten an sich reißen! In seinem Rundschreiben über die christ­liche Verfassung der Staaten weist der hl. Vater auf das Schick­sal deS Heilandes hin, welches die Kirche mit ihm theile, da auch er als Aufwiegler des Volkes und Feind des Kaisers verschrieen wurde und zeigt dann, wie die Kirche in Wahrheit lehre, daß die staatliche Gewalt von Gott stamme und Alle verpflichtet seien, nicht aus Zwang, sondern aus Gewissenspflicht zu gehorchen. Darum müfle der Staat die Kirche in ihrem Mrken unterstützen und fördern.

(Schluß folgt.)

Deutsches Keich.

Berlin, 10. Dezember.

* Tine neue päpstliche Eucyklica wird dem De- peschenbureau Herold aus Rom, 9. d. in folgender Form angekündigt: „Zum 20. d. M. ist eine Encyclica über das Bischofsjubiläum Leo XIII. und über die wichtigsten Thaten der Päpste dek 19. Jahrhunderts angekündigt."

* Das nächste päpstliche Konsistorium soll be­kanntlich, wie schon gemeldet, im Januar stattfinden und in demselben auch die Erhebung der Hochwürdigsten Herren Erzbischof Dr. Krementz von Köln und Fürst­bischof Dr. Kopp ovn Breslau zu Kardinälen statt­finden. Es ist nunmehr, wie aus Rom berichtet wird, von dort die Anzeige von der bevorstehenden Erhebung an die beiden Kirchenfürsten abgegangen. Bis jetzt sei die Ernennung von 10 neuen Kardinälen sicher, darunter 4 Italiener und außerdem der päpstliche Nuntius Msgr. Galimberti in Wien und der FürstprimaS von Ungarn, Erzbischof VaSzary von Gran.

* Das Leichenbegänguiß des Geh. Rath Werner v. Siemens gestaltete sich heute zu einer imposanten Trouerfeier. Am Fuße des Katafalks lagen die Kränze der Allerhöchsten Herrschaften und der großen technischen Korporationen. Im Auftrage deS Kaisers wohnte der Prinz Friedrich Leopold, im Auf­trage der Regierung der Reichskanzler Graf Caprivi der Trauerfeier bei; ferner waren anwesend die Minister von Bötticher, v. Berlepsch und v Schelling Ein gemischter Chor leitete die Trauerfeier ein, während welcher in endlos langem Zuge 4000 Arbeiter mit unzähligen Kränzen und umflorten Bannern an dem Trauerhause vorbeidefilirten. Unter dem Spiel ernster Trauermusik setzte sich dann der Leichenzug nach dem Begräbnißplatz in Bewegung.

* Dem Reichstag ging eine Interpellation deS Abg. Buhl zu, ob der Reichskanzler geneigt sei, die Gutachten der militärischen Sachverständigen im Pro­zesse Ahlwardt über die Tüchtigkeit des neuen Ge­wehres zu bestätigen und zu bekrästigeu. Der Präsident will die Interpellation auf die TageSordung der nächsten Sitzung setzen. DaS HauS beräth alsdann die Mili­tär-Vorlage, welche zunächst der preußische Kriegs­minister begründet, ohne aber neue Gesichtspunkte vor­zubringen. Abg. Huene hält dem Kriegsminister ent- gt gen, der Reichstag müsse neben den militärischen auch die wirthschaftlichen Interessen berücksichtigen. DaS Centrum sei darin vollständig einig, daß die Vorlage in diesem Umfange unannehmbar sei. (RechtS: Hört!) Darum sage er eS ja, damit man's hört. (Heiterkeit.) Das Centrum sei dagegen bereit, aller zu bewilligen, was zur Durchführung der gesetzlichen zweijährigen Dienstzeit innerhalb der jetzigen Friedenspräsenzstärke nöthig sei. Auf Einzelheiten eingehend, läßt Redner dahingestellt, ob seine Ausführungen überall mit den­jenigen der Fraktion sich decken; er erkennt das Ent­gegenkommen dec Regierung gegen die Windihorst'schen Resolutionen an, aber eine Erhöhung der Friedens­präsenzstärke um 83,000 Mann entziehe dem Lande eben so viele Arbeitskräfte. (Widerspruch rechts.) Der Reichskanzler erkenne den Geschäftsdruck an, aber seine Hoffnung auf baldige Besserung sei optimistisch. Huene tritt sodann der Auslegung deS Reichskanzlers bezüglich der ersten Resolution, die volle Durchführung der all­gemeinen Wehrpflicht werde immer unerschwingliche Kosten verursachen, entgegen. Die Kommission werde genau p üfen müssen, ob nicht auf dem Wege neuer vierter Bataillon die Verdy'schen Pläne durchgeführt werden sollen. In der Kommission werde die Militär- Verwaltung sich schon überzeugen, daß ihre Vorschläge auf einen gewissen Widerstand stoßen werden. Die Thronrede enthalte die Hoffnung auf eine Einigung. Auch wir wünschen uns zu verständigen auf der Grund- . läge, daß die wirthschaftlichen Interessen und die In­teressen der Sicherheit deS Reiches gleichmäßig gewahrt werden. (Beifall im Centrum.) — Abg. Richter (dfr.) erklärte, daß die Freisinnigen ein Interesse an dem Zustandekommen der Vorlage um der zweijährigen Dienstzeit willen hätten und die Mehrkosten bewilligen wollten, welche Die Herabsetzung der Dienstzeit erfordere, aber nur innerhalb der jetzigen Friedenspräsenz. „Keine Regierung sei heute in Deutschland stark genug, die dreijährige Dienstzeit entgegen dem Willen des Volkes aufrecht zu erhalten. Redner führte im Verlaufe seiner ziemlich langen Rede aus, daß gerade die jetzt vorge­

schlagene Dienstzeit ein Triumph deS bürgerlichen LaienverstandeS sei. Werde die Vorlage bewilligt, so würde man bald mit Nachforderungen für Ausbildungs­personal und Kasernenbauten kommen, weshalb er die Vorlage nur al- erste Abschlagsrate auf die Gefammt- forderung der Militärverwaltung halten könne. In erster Linie müsse die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt werden, wenn überhaupt die Regierung dieselbe ernstlich wolle. — Reichskanzler Graf Caprivi wandte sich gegen die Aussührungen Richters, der vom innersten Wesen deS Soldatenlebens naturgemäß nur geringe Kenntniß haben könne, und erklärte von der Nothwendigkeit der Vorlage völlig durchdrungen zu sein. Die eine Million junger Leute, Die bei der nächsten Mobilmachung unter dem jetzigen System ruhig zu Hause hinter dem Ofen blieben, wolle die Vorlage in den Dienst des Vaterlandes stellen, und dafür die älteren Leute zunächst zu Haufe lassen. — Abg. Frhr. von Manteuffel (kons.) konstatirte die reservirte Haltung der konservativen Partei der Vorlage gegen­über, einerseits infolge der großen Mehrbelastung bei der heutigen wirthschaftlichen Lage, andrerseits weil für den größten Theil unserer Truppen von der be­währten dreijährigen Dienstzeit abgegangen werden solle. Das Letzteres in der Vorlage nicht prinzipiell vorgesehen, sei ihm das Wichtigste. Im Uebrigen bezweifle er, daß die durch die Vorlage bedingte Zahl von Offizieren und Unteroffizieren aufgebracht werden könnte. Redner ging dann auf die Deckungsfrage näher ein und begrüßte in erster Linie die Börsensteuer, die aber doch wohl das nicht erbringen werde, was man von ihr erwarte. Was die Biersteuer anlange, so werde wohl wieder die Landwirthschaft zum Theil die Kosten tragen müssen, was in noch höherem Maße durch die Erhöhung der Branntweinsteuer der Fall sein werde. Redner erklärte bann, daß die konservative Fraktion nur bewilligen werde, waS sie für nothwendig und wirksam halte und daß sie daraufhin die Vorlage ernstlich prüfen werde. — Nachdem noch Abg. von Komierowski (Pole) die Vorlage in der vorliegenden Form für unannehmbar erklärt hatte, wurde die Weiterberathung auf Montag vertagt ; außerdem stehen am Montag zur Berathung Interpellationen betr. die Brauchbarkeit des deutschen Armeegewehrks und betr. die Brüsseler Währungskonferenz.

* Die im Reichstag von den Abgg. Dr. Buhl und Genossen (natl.) eingebrachte Interpellation hat folgenden Wortlaut: Die in dem soeben beendeten Prozesse Ahlwardt vernommenen militärischen Sach­verständigen haben sich zwar schon entschieden für die gute Qualität unserer neuen Infanterie - Bewaffnung ausgesprochen. Nichts destoweniger erscheint eS wünschens- werth, wenn von höchster autoritativer Stelle aus eine Bestätigung und Bekräftigung dieses UrtheilS erfolgt. Die Unterzeichneten richten deshalb an den Herrn Reichskanzler die Anfrage, ob derselbe bereit sei, dem Reichstage in diesem Betteff eine Mittheilung zu macken?

* In der dem Reichstage zugegangenen Denkschrift über die Choleraepidemie im Jahre 1892 wird u. A. Folgendes ausgesührt: Wenn anzunehmen ist, daß die Cholera in Deutschland einstweilen beseitigt ist und voraussichtlich auch Währmd des kommenden WinterS durch die getroffenen Maßnahmen unseren Grenzen fern bleiben wird, so darf doch die Seuchengefahr für daS Jahr 1893 nicht unterschätzt werden. Nach den Erfahrungen früherer Epidemien hat die Cholera, wenn sie einmal in das Wolgagebiet eingedrungen war, in Rußland währmd der kalten Jahreszeit wohl abgenommen, aber nicht ganz ausgehört. Es erfolgten vielmehr meist während des ganzen WinterS vereinzelte Er­krankungen, welche sich bei Eintritt des Frühjahrs vermehrten und neue Epidemien erzeugten. Mit einer Wiederholung dieser Vorgänge muß für das kommende Jahr gerechnet werden. Die Gefahr für das preußische Weichselgebiet wird dann beträchtlich größer sein, als in biefem Jahre, weil das Andringen der Seuche für 1893 in der »ärmeren Jahreszeit zu erwarten ist. Da eine ähnliche Ueberrointerung der Cholera wie in Rußland auch für Ungarn, Frankreich und die Nieder­lande nicht ausgeschloffen erscheint, so werden bie Be­hörden fortgesetzt ihr Augenmerk auf den in jenen Ländern herrschenden Gesundheitszustand richten müssm.

* Die Kommission des Reichstages zur Berathung deS Gesetzentwurfes über die Einführung einer einheit­lichen Zeitbestimmung hat mit allen gegen eine (Stimme den Gesetzentwurf angenommen. Ferner wurde eine vorn Abg. Möller (natl.) vorgeschlagene Resolution mit großer Mehrheit angenommen: „Die großen Unter­schiede zwischen mittlerer Ortszeit und mitteleuro­päischer Zeit für die im fernen Westen und Osten des Reich- gelegenen Landestheile erheischen die Mög­lichkeit, bie in Der Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juli 1891 feftgetegten Zeitbestimmungen für Beginn und Ende der Arbeitszeit auszugleichen, jofern die­selben derart gleichmäßig verfrüht ober verspätet wer­ben, baß bie Dauer der Arbeitszeit nicht dadurch ver­längert wird. Der Reichstag ersucht demnach die verbündeten Regierungen, eine entsprechende Abhilfe herbeizuführen."

* Der « Landwirthschaftliche Prvv nzialverein für die Mark Brandenburg und die Riederlausttz beschloß im Verlaufe seines Kongresses, in Sachen der Alters-

nnd Invalidenversicherung des landwirthschaft­liche» Gesindes dahin bei den Behörden vorstellig zu »erben, daß die Beitragsetate für die jugendlichen Arbeiter von 16 — 18 Jahren nach der 1. Lohnklasse, nicht, wie dies jetzt vorgesehen, nach der 2. Klaffe, berechnet werden.

* Seit der Eröffnung des Muster-Registers am 1. April 1876 sind im.Reichsanzeiger'Bekanntmachungen über 1,053,870 neu geschützte Muster und Modelle (303,311 plastische und 750,559 Flächenmuster) ver- öffentlich! worden, darunter 6969 von Ausländern nieder- gelegte (von Oesterreichem 4911, Franzosen 879, Eng­ländern 433, Spaniern 21, Nordamerikanern 258, Bel­giern 401, Norwegern 10, Schweden 7, Italienern 47 und Schweizern 2).

* Die Gesammtzahl der während der Monate April bis September 1892 bei den 16 der preußischen Kon- tingentS-Berwaltung angehörigen Armeekorps von Hitz- fchlag befallenen Mannschaften betrug amtlicher Mit- theilung zufolge 198. Bon den Erkrankten starben 11. Im vorigen Jahre betrug die Zahl der während des gleichen Zeitraums vorgekommenen Erkrankungen 121 mit 6 Todesfällen. Aus die Zeit der Herbstübuvgen, die in biefem Jahre besonders heißen Monate August und September, entfielen 106 Erkrankungen mit 6 Todes­fällen gegen 55 mit 2 Todesfällen im Vorjahre.

* Eine für die Preffe wichtige Entfcheidung hat der Straf-Senat des Reichsgerichts dieser Tage gefällt. Es handelt sich um die Frage, ob an einem gerichtlichen Urtheil eine Kritik geübt werden dürfe und ob dem Kritiker dann der Schutz des § 193 des Str.-G.-B. (Wahrung berechtigter Interessen) zustehe. Der Re- bafteur der sozialdemokratischen,Magdeb. Volksstimme', Dr. Heinrich Lux, hatte das Urtheil des Landgerichts Magdeburg gegen den Schriftsteller Pens, das wegen Preßvergehens neben einer Freiheitsstrafe auch auf Ab­erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte lautete, einer Kritik unterzogen und war deshalb vom Landgerichte Torgau wegen Beleidigung des Magdeburger Landge­richts verurtheilt worden. Der Schutz des § 193 war dem Angeklagten versagt worden, weil es sich um ein gerichtliches Unheil handelte. Dieses sei keine wissm- fchastliche Arbeit, mithin falle die Kritik desselben nicht unter § 193. DaS Reichsgericht hob indessen das Tor­gauer Urtheil in Uebereinftimmung mit den Ausfüh­rungen deS Reichsanwalts auf und führte in der Be­gründung aus, daß ein gerichtliches Unheil wohl als wiffenschaftliche Arbeit zu betrachten fei und dem Kri­tiker betreiben somit der Schutz des § 193 nicht ver­weigert werden könne.

* Hannover, 10. Dez. Die heute hier im Kon­tinental-Hotel tagende außerordentliche Hauptversamm­lung des Verein- der Kor nb renn er ei-Besitzer und Preßhefe -Fabrikanten Deutschlands war von über 200 Mitgliedern besucht und beschloß Folgendes ein­stimmig : Staffelbesteuerung für kleine Hefe-Brennereien, Aufhebung der Maischraumsteuer, Revision der Kon- tingentirung, Milderung beim Schlempe-Verkauf für landwtrthschaftliche Hefe-Brenner. Der Verein sprach sich entschieden gegen jede Erhöhung der Brannt­weinsteuer aus unter der Aufrechterhaltung des Kon­tingents und verlangt vorab die Alkoholbesteuerung im Bier und Wein.

* Breslau, 10. Dez. Gegen die Verhetzungen der .Nowlny Racidorskie', welche besonders gegen den Hoch». Herrn Fürstbischof Kopp gerichtet sind, hak die ge- fammte Geistlichkeit des Archipresbyterates Myslowitz folgende Erklärung erlaßen: „Der unterzeichnete Klerus des Archipresbyterates Myslowitz sieht sich zu nach- stehender Erklärung gezwungen. Die ,Nowiny Raci- borSkie' haben wiederholt durch verleumderische Angriffe auf den oberschlr fischen KleruS Die Anhänglichkeit deS Volkes an feine geistlichen Führer zu erschüttern gefucht und in jüngster Zeit sich sogar an die hohe Person unseres Hochwürdtgsten allverehrten Oberhirten, des Herrn Fürstbischofs gewagt. Wir haben bisher ge- fchwiegen, weil diese Zeitung in unseren Gemeinden keinen Boden hat; jetzt halten wir es aber für unsere Pflicht, zu sprechen, damit dieser Zeitung auch nicht ein einziger Plätzchen in unseren Gemeinden verstauet werde. Der KleruS des Archipresbyterates protestirt feierlichst und aus'S Energischste gegen das unkatholische Vorgehen der .Nowiny', eingedenk der obedientia und reverentia, die jeder Priester am Weihetage seinem Oberhirten gelobt hat, eingedenk der Worte St. Pauli Hebräer 13: Mementote Praepositorum vestrorum, qui vobis locuti sunt verbum Dei, quorum intuentes exitum, conversationis imitamini fidem. Auch wird der Klerus von der Kanzel und in den Vereinen die Gläubigen vor dem Giste warnen, welches den Lesern der .Nowiny' geboten wird." Höchst wahrscheinlich werden die anderen in Betracht kommenden Archipres- byterate (mit polnischer Bevölkerung) mit ähnlichen Er­klärungen nachfolgen. Die Protest-Erklärung stammt auS dem Wahlttetse deS Abg. Major Szmnla, den die ,Nowiny' bis in die letzte Zeit als ihren Freund und Gönner bezeichneten. Dieser selbst richtet folgende Erklärung an die Redaktion der .Schlesischen Volks­zeitung' : „Der ohne nähere Prüfung abgedruckte, gegen Den Herrn Fürstbischof gerichtete Artikel der .Nowiny', fowie der Umstand, daß dieselben, nachdem sie sich von der Unrichtigkeit überzeugt, nicht sofort voll und ganz die Angelegenheit, um Entschuldigung bittend, wider-