19. Jahrgang
iildaer
Jubiläum des hi. Daters.
Die Erzbischöfe und Bischöfe Preußens haben zum bevorstehenden Bischofs-Jubiläum Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII. nachstehendes Hirtenschreiben erlassen, welches am gestrigen dritten Adventsonntag von der
i Kämpfe mit Wind und Wogen gewöhnt ist und so der göttlichen Leitung des Schiffes der Kirche ais ein in Weisheit und Klugheit erprobtes Werkzeug dient. Auf diese gnadenvolle und fak r wunderbare Fügung der Vorsehung blicken wir bei dieser Jubelfeier des heiligen Vaters. Durch die vielen und schweren Arbeiten in einer großen Diözese während zweiunddreitzig Jahren scheinbar gebrochen, trat er in seinem achtundsechszigsten Lebensjahre ins Conclave, in welchem der Papst gewählt werden sollte. Als es sich nun gleich anfangs zeigte, daß die Wahl aus ihn fallen würde, nahm er das Wort und bat die Cardinäle, ihr Augenmerk doch auf einen Andern zu richten; er fühle sich so schwach und leidend, daß er fürchten müsse, im Falle seiner Wahl werde das h. Collegium binnen Monatsfrist zu einem neuen Conclave zusammentrcten müffen. Und doch lag es im Rathjchluffe Gottes, gerade ihn zum Oberhaupt der Kirche zu berufen, und in einem Alter, wo Andere nach wohlverdienter Ruhe sich sehnen, dem schwachen Greis die erhabenste Würde, aber auch die drückendste Bürde auszulegen In der Wahl der Cardinäle erblickte Cardinal Pecci alsdann den Ausdruck des göttlichen Willens, und nun erfüllte an ihm der Herr die Worte des Propheten: „Es ermatten Jünglinge und werden müde, und Rüstige stürzen vor Entkräftigung, die aber, welche auf den Herrn vertrauen, erneuern die Kraft, sie nehmen Schwingen an gleich denen des Adlers, sie laufen und ermatten nicht, sie wandeln und ermüden nicht." (Js. 40, 30, 31.)
Das gnädige Walten der Vorsehung bekundet sich jedoch nicht nur in dem hohen Alter, welches Papst Leo XIII. erreicht hat, und in der Dauer seiner Regierung, deren Länge seine eigenen Befürchtungen so glücklich täuschte, sondern auch in seinem herrlichen Wirken und in den großartigen Erfolgen seines Pontifikates. Dem Dankgefühl der Kinder darf es nicht verwehrt sein, den Vater zu loben, um dadurch Gott zu preisen, daß er seiner Familie in der Zeit der Roth und Drangsal einen solchen Führer und Leiter geschenkt hat. Als der große Pius IX. die Augen im Tode schloß, da ergriff Schmerz und Bangen manch' frommes Herz. Man fürchtete zwar nicht für die verwaiste Kirche; denn der Herr ist ihr Schutz, und Jesus Christus hat uns sein göttliches Wort verpfändet, daß er bei ihr bleiben werde bis zum Ende der Zeit. Wohl aber fragten manche zaghafte Seelen, wer in den äußerst gefährlichen und verwirrten Berhältniffen der damaligen Zeit geeignet sei, diese Bürde auf seine Schultern zu nehmen; wer den Muth haben werde, des obersten HirtenamteS zu walten. Da ging in Erfüllung das tröstliche Wort, welches einst der Herr durch den Propheten Jeremias seinem betrübten Volke verkünden ließ: „Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden mit Weisheit und Lehre." (Jerem.
3' diesen Hirten nach .dem Herzen Gottes haken wir in unserm glorreich regierenden Papst erhalten. Als Wächter Gottes auf die Zinnen Sions, auf die höchste Warte der Kirche gestellt, hat der Stellvertreter Christi seit fünfzehn Jahren unaufhörlich die Gesetze der ewigen Weisheit Gottes für das Heil der Menschen, die Lehren des Evangeliums den Fürsten und Nationen verkündigt. Gleich bei seiner Erhebung auf den Apostolischen Stuhl faßte Leo XIII. dieses erhabene Ziel seines oberhirtlichen Wirkens fest ins Auge: „Bor Allem erklären Wir feierlich vor euch," sprach er in seiner ersten Anrede an die versammelten Kardinäle, ,daß Uns in der Ausübung des apostolischen Dienstes nichts mehr am Herzen liegen wird, als mit Hilfe der göttlichen Gnade all' Unsere Mühen darauf zu verwenden, den anvertrauten Schatz des katholischen Glaubens heilig zu bewahren, die Rechte der Kirche und des Apostolischen Stuhles treu zu erhalten und für das Heil Aller zu sorgen. In dieser Pflichterfüllung sind Wir bereit, keine Arbeit zu fliehen, keinem Leiden auszuweichen und nie zuzugeben, als dächten Wir Unser Leben höher zu achten als Uns Selbst." t ,n
Das ist fein Regierungsprogramm, und ihm ist er unverbrüchlich treu geblieben. Trotz der schwierigen Lage des Papst- thnms, welches, aller weltlichen Macht und Hilfe entkleidet, nur noch im Glauben und im freien Gehorsame bei katholischen BolkeS seine Stütze hat, erhob sich Papst Leo als höchster Lehrer, indem er in himmlischer Erleuchtung und mit apostolischem Frei- muth der ganzen Welt die christlichen Wahrheiten und Pflichten verkündete.
So entstanden jene herrlichen Rundschreiben, welche für immer die Ehrenkrone seines PonttfikateS bilden werden, und in denen er zeigt, wie keine Gefahr unserer Zeit, kein Bedürfmß des christlichen Lebens dem Auge wie dem Herzen unseres gemeinsamen Vaters entgeht, wie derselbe vielmehr bei allem, was die Welt bewegt und das Wohl der Menschheit betrifft, mahnend und warnend feine Stimme erhebt. . m
Die Grundübel unserer Zeit erblickt Leo XIII. nut Recht in der ungestraften öffentlichen Leugnung der höchsten Wahrheiten, in der Abneigung gegen alles Ewige und Uebersinnliche, in dem Widerstreben gegen die rechtmäßige Obrigkeit, in der Verachtung der Gesetze, welche Sitte und Gerechtigkeit schützen, endlich in der rastlosen unersättlichen Gier nach vergänglichen Gütern und Freuden. Die Ursachen dieser Uebel findet er vor Allem in der Untergrabung und Verschmähung der höchsten und heiligsten Autorität der Kirche, welche im Namen und Auftrage Jesu Christi die Menschen führen soll und jede andere rechtmäßige Autorität hütet und schützt. Dieser Bedeutung der Küche sind sich auch die Feinde bet öffentlichen Orduung wohl bewußt. Um bie Grundfesten bet Gesellschaft um so sicheret zu zerstören, richten sie bähet ihre Angriffe in erster Linie unaushötlich gegen bie Kirche Gottes, überhäufen sie mit Betleumbungen, als fei sie bie Feindin bet Staaten wie bet wahren Kultur, unb suchen insbesonbete die höchste Autorität des Papstes zu untergraben, in welchem sie eben den unerschütterlichen Hort und Bertheidiger der Wahrheit und des Rechtes erblicken.
Und doch ist die Kirche, wie der hl. Vater weiter ausführt, die größte Wohlthäterin der Völker und Staaten. Sie war es, welche durch das Wort des Evangeliums überall Gesittung, wahre Freiheit, Licht und Wohlfahrt verbreitet, Kunst und Wissenschaft gefördert und gepflegt, Liebe und Barmherzigkeit unter dem Banner des Kreuzes entfaltet hat. Eingedenk ihres erhabenen Berufes, haben gerade die Päpste im Lause der Jahrhunderte keine Mühe, keinen Kampf gescheut, um das Heil der ' Völker zu fördern. Das Auge auf den Himmel gerichtet, haben
sie sich weder durch Drohung noch durch Schmeichelei von dem Pfade der Pflicht abdrängen laffen. In den Stürmen der Zeit und den Wirren der Völker war der Apostolische Stuhl ein rettender Leuchtthurm, ein fester Anker, das heilige Band der Liebe und Eintracht zwischen den entferntesten Völkern, der gemeinsame Mittelpunkt, von welchem die Lehren des Glaubens und die Rathschläge des Friedens ausgingen. Sollen aber diese Wohlthaten der Welt gesichert bleiben, so muß der Hl. Stuhl wieder volle Freiheit in der Ausführung der erhabenen Pflichten erlangen, damit er alles thnn und lehren, alles gebieten und verbieten kann, was erforderlich ist, um die Heerde Christi in der Wahrheit und Tugend zu erhalten und vor Verwirrung zn schützen.
In diesen kurzen Umrissen hat der hl. Vater den großen, weltrettenden Plan entworfen, an dessen Verwirklichung er unaufhörlich arbeitet. Die ferneren Rundschreiben bilden gleichsam die ausqewählten Bausteine, welche den christlichen Wiederaufbau der menschlichen Gesellschaft Jahr für Jahr weiter führen. Werfen wir nur einen kurzen Blick auf die einzelnen Rundschreiben.
Die sozialistischen und kommunistischen Lehren sind bte große Gefahr für unsere Zeit; sie stellen eine neue Weltordnung in Aussicht, in welcher jede Ungerechtigkeit, jede Ungleichheit deS Besitzes schwinden soll und Alle an dem Glücke und den Gütern dieser Erde gleichen Antheil haben sollen. Um so verführerischer wir» dieses erträumte, freilich nie zu erreichende Zukunftsbild, je mehr Armuth unb Leib sich gewöhnen, bie hilfesuchenden Blicke nur auf die Erde zu richten. Diesen Gefahren gegenüber erhebt Leo XIII. warnend feine Stimme. Er zeigt, wie der Sozialismus nichts anders bezweckt, als den Umsturz der christlichen Gesellschaft. Die Autorität unb der Bestand des Staates sind durch ihn ebenso gefährdet wie die Kirche und die Familie. Indem die Kirche den rechtmäßigen Besitz irdischer Güter als unantastbar erklärt, hebt sie zugleich die Pflicht der Barmherzigkeit uäd christlichen Liebe hervor und ist auf jede Weise bestrebt, daS harte Loos der Armen zu lindern, aber vor Allem weist sie auf Denjenigen hin, „der unferettoegen, da er reich war, arm wurde, damit wir durch feine Armuth reich würden.
Das leibliche Elend ist aber nur die Veranlassung der sozialistischen Irrlehren und Umsturz-Bewegungen; ihr Nährboden ist die giftige Verkommenheit in Folge der sich täglich steigernden Begriffsverwirrung und Gottlosigkeit. Die Gott und seiner Kirche entfremdete Zeittichtung sucht die Grundfesten der geoffenbarten Wahrheiten zu zerstören durch die Waffen, welche sie der ernfeitig im Partei-Interesse gefälschten Wissenschaft entlehnt. Wie könnte da der Stellvertreter Jesu Christi schweigens In weiser Erwägung der Zeit-Bedürfniffe war daher Leo XIII. bestrebt, daS Studium der Philosophie und Naturwiffenschasten zu förbern. Um aus reiner, unverfälschter Quelle zu schöpfen, werben nur von ihm an bie großen Lehrer ber Vorzeit als Führer unb Leiter gewiesen. . „
Durch eifriges Gebet, burch ttefeS Eindringen tn alle Fragen der Wiffenschaft ist insbesondere der hl. Thomas von Aqum em leuchtendes Vorbild für alle Zeiten geworden. Ihn bezeichnet daher der heil. Vater mit Recht als ein unübertroffenes Muster christlichen Forschungsgeister und glaubenstteuer Wissenschastllchkett.
Umsonst aber, geliebte Diözesanen, würde sich der menschliche Geist in der Pflege wahrer Wiffenschaft zur Rettung der Gesellschaft abmühen, wenn die von Gott gesetzte Ordnung der Familie wie im Staate gefährdet ober zerstört wirb. Die Fortbauer ber Gesellschaft beruht auf der Familie unb ben ihr von Gott gegebenen Gesetzen. Deshalb entwirft nun ber heil. Vater den Plan der göttlichen Weisheit unb Barmherzigkeit bet ber Ein- setzung ber Ehe. Als Gott ber Vater „bas Geheimmß fernes göttlichen Willens kunb that, um in Christo, feinem menschge- wordenen Sohne, Alles irn Himmel unb auf Erden zu erneuern, da ließ er ein neues, übernatürliches Leben in alle Einrichtungen ber menschlichen Gesellschaft fließen. Bor allem wurde bie Ehe jur ursprünglichen Einheit unb Unauflöslichkeit zurückgeführt unb zur Würbe eines Sakramentes erhoben. Ans ihr sollen Kinder Gottes hervorgehen, ein reines, heiliges Geschlecht, welches bem Dienste Gottes sich toibmet unb unter ber mütterlichen Leitung unb Fürsorge ber Kirche nach Erreichung bes ewigen Lebens strebt. Wenn bie christlichen Eheleute dieses erhabene Ziel immer vor Augen haben, fo wird die Ehe eine Quelle des Segens, ber Wohlfahrt unb bes Friebens für bie Gesellschaft. Es herrscht in , ihr der Geist ber Orbnung unb des Gehorsams unb durchdringt von ihr aus das ganze öffentliche Leben. Mit Recht zeigt Leo XIIL, daß die Päpste nicht nur die Religion, sondern auch bte menschliche Gesellschaft selbst vertheibigen, wenn sie im Laufe ber Jahrhunderte trotz Gefahren unb Verfolgungen bie Heiligkeit der Ehe zu wahren suchten unb baß daher ber religiöse Charakter bet Ehe, bas Grundgesetz ihrer Einheit und Unauflöslichkeil, von denjenigen am meisten bekämpft werde, welche die staatliche Ordnung bedrohen und den Leidenschaften des verdorbenen Herzens zügellose Befriedigung sichern möchten.
Wie die Familie, so ruht auch bte menschliche Gesellschaft auf göttlicher Autorität. Nachdem man die Rechte der Kirche bestritten unb ihr heilbringendes Wirken gehemmt hatte, wagte man eS auch, bie rechtmäßige Autorität im Staate zu bekämpfen. Das Volk, behauptete man, ist bie einzige Quelle ber Autorität unb die Könige, die höchsten Träger bet Gewalt in der Nation, besitzen unb handhaben sie nur im Auftrage des Volkes; sie können daher nach Belieben und nach Willkür ihrer Stellung entkleidet werden. Diese Lehren des Umsturzes trugen vei verbliche Früchte unb mehr beim je haben wir in unserer Zett staatliche Umwälzungen unb ruchlose Attentate auf Fürsten gesehen. Eine sich fteigernbe Unsicherheit hemmt bie ruhige, sruchtbringende Entwickelung im Leben ber Nationen. ... r.
Mußte nicht bem gegenüber ber Statthalter Christi seine Stimme erheben, um bie katholische Lehre über bie Autorität zu oertünben? Jede rechtmäßige Gewalt, so führt Leo XIII. in feinem Rundschreiben über die staatliche Gewalt aus, kommt von Gott. Falls auch das Volk die Träger der Gewalt durch seine Wahl bestimmt, so hat doch ihre Autorität nicht in dem Willen des Volkes ihren Grund und Ursprung, sondern sie wird von Gott verliehen. „Durch mich," spricht der Herr, „regieren bte Könige unb öerorbnen die Gesetzgeber, was recht ist. Durch mich herrschen bie Fürsten und üben die Gewalthaber Gerechtigkeit. (Spricht-. 8, .15, 16.) „Leihet Gehör, bie ihr ber Völker Menge
Kanzel verlesen wurde:
Geliebte Diözesanen! Am 19. Februar 1893 werben es fünfzig Jahre, baß Leo XIIL, unser glorreich tegierenber Papst, tn bet Kirche des h. Laurentius aus dem Viminalischen Hügel zu Rom bie bischöfliche Weihe erhielt. Der neu ernannte Erzbischof von Damietta, Joachim Pecci, staub eben im Begriffe, als Nuntius bes Papstes Gregor XVL an ben Hof des belgischen Königs Leopold I. nach Brüssel zu reifen. Es war gewiß eine Fügung des Himmels, daß der Prälat Pecci an der Stätte, wo einst ber h. Erzdiakon Laurentius unter ben snrchbarsten Qualen für seinen Glauben ben Martertod erlitt, die Fülle der Gnaden des h. Geistes empfing, um sich für die schwierige und bornenreiche Bahn vorzubereiten, zu welcher bte Vorsehung in ihrem unet« sorschlichen Rathschluffe ihn bestimmt hatte. Fünfzig Jahr stnb feit biefem Tage verflossen. In biefer Zett erstieg bet ehemalige Nuntius rasch alle Stufen ber kirchlichen Hierarchie; er ward auf ben Bischöflichen Stuhl von Perugia berufen, zur Cardinals- würbe erhoben, ein halbes Iaht vor bem Tobe Pius IX. zum Kämmerer ber Römischen Kirche bestimmt und endlich zum Oberhaupt der Kirche, zum Stellvertreter Christi hienieden erwählt.
Wenn eS nun zur frommen Sitte geworden ist, daß christliche Eheleute mit dankerfülltem Herzen des Tages sich erinnern, an welchem sie vor einem halben Jahrhundert am Fuße des Altares sich unverbrüchliche Treue gelobten; wenn bet Priester- greis am Tage seines fünfzigjährigen Priester-Jubiläums etn besonderes Dankesopfer dem Herrn barbringt, welcher seine Jugend erfreute; wenn bie Mitglieber einer Familie an ber Freude der Eltern, wenn bie Pfattkinder unter herzlichen Glückwünschen an der Jubelfeier ihres Seelsorgers innigen Antheil nehmen: dürfen wir bann bie Mahnung im Gesetze bes Alten Bundes überhören: „DaS fünfzigste Iaht sollst du hettigen"? (Lev. 25, 10.) Haben wir nicht bie triftigsten Grünbe, wie vor einigen Jahren daS goldene Priester-Jubiläum, so jetzt das goldene Bischofs- Jubiläum des Oberhirten der katholischen Kirche, unsere- Vaters in Christo, feierlich zu begehen unb untere heißen Segenswünsche mit benen ber ganzen katholischen Welt zu vereinigen?
Wohl ist baS Leben bes Menschen, an sich betrachtet, mag es auch noch fo lang fein, noch so weit bie gewöhnliche Lebensdauer überschreiten, nur eine kurze Spanne Zett im Laufe ber Jahrhunberte, gleich einem flüchtigen Schatten vergehend (Pf. 38, 7). Wie anders aber nimmt sich ein Leben aus im Plane der göttlichen Vorsehung, ein Leben, das der Seele bestimmt wurde als irdische Laufbahn, in welcher sie daS höchste ewige Gut erringen, in dem sie für die Ehre Gottes und das Wohl ber Menschen arbeiten unb kämpfen foll. „Wahrlich.nicht kurz", jagt ber h. Ambrosius, „sondern lang find die Tage zu nennen, die Gott mit demselben Maße bestimmt, mit welchem er die Himmel bemessen hat." Und wenn dies für jedes Menschenleben gilt, so trifft es besonders zu im Leben des PapsteS, des obersten Bischöfe- der Kirche, beffen Liebe der Herr feine theuerfte Braut, besten väterlicher Fürsorge er feine Schäflein anvertraut hat. Gewiß steht dieses Leben unter bem besonberen Schutze des Himmels, wie ber heilige Vater selbst in seinem Hirtenschreiben am 8. September b. I. es ausspricht. „Mit befonberem Danke," sagte er, „schreiben Wir es ihr, ber Gottesmutter, zu, daß Uns das Glück bevorsteht, demnächst ben fünfzigsten Jahrestag Unserer bischöflichen Weihe zu begehen. Etwas Großes wahrlich ist eS, baß Wir bei Hirtenamtes so lange Zeit hindurch malten unb daß Wir es unter täglichen Sorgen bis heute in Leitung der gejammten Christenheit ausüben konnten. . . . Bon Unfern Kindern, deren Liebe und frommer Eifer für Uns bekannt ist, erwarten Wir nicht fo sehr Glückwünsche und Lobeserhebungen, sondern vor Allem innigen Dank gegen Gott und inständiges Gebet." Ja, geliebte Diözesanen, welches Dankgefühl gegen Gott und gegen feine väterliche Fürsorge für die Kirche muß nicht unser Herz ergreifen, wenn wir erwägen, baß gerabe in unserem Jahrhundert bie Stellvertreter Christi ein hohes Alter erreicht und baS Steuer-Ruder ber Kirche während langer Jahre geführt haben! Im Jugenbalter ber Kirche raffte bie Wuth ber Verfolgung bie Päpste rasch hinweg, bamit, wie ihre Lehre, so auch ihr Blut die Aussaat ber Kirche sei. Im Mittelalter wechselten die Nachfolger des h. PetruS nicht minder rasch, „damit", rote ber h. Petrus Damiani sagt, „der Herr an bem Beispiele ber« jentgen, welche zum höchsten Gipfel der Ehre gelangt seien, bte Hinfälligkeit alles Irdischen zeige und die Menschheit, einem Baume gleich, der seinen Gipfel und seine Krone so leicht stürzen sieht, bis in die entferntesten Beste und Zweige vor Furcht erzittere " DaS Jahrhundert, tn welchem wir leben, hat andere Bedürfnisse. Bei der Zetfahrenyeit in allen irdischen Verhältnissen, bei ben vielen Umwälzungen unb Verwirrungen, bei ben großen Gefahren unb wechselnden Strömungen bedarf es vor allem ber Stetigkeit in ber Leitung ber Kirche. Wir erblicken daher mit Recht in der langen Dauer ber Regierung der Päpste unserer Zeit eine befonbere Gnabe ber göttlichen Vorsehung. Gewiß bleibt ber Herr immerbar bei ber Kirche unb leitet sie auf bem wechselvollen Wege durch bie Jahrhunderte zu ihrem ewigen Ziel. Mag auch baS sichtbare Oberhaupt in kurzer ober langer Frist wechseln, das unsichtbare Oberhaupt Jesus Christus bleibt immer dasselbe und offenbart feine stetige Gegenwart in der Kirche durch feinen wunderbaren Schutz inmitten aller Leiden unb Stürme. Wie aber bie Gnabe keineswegs die Natur aufhebt ober vernichtet, fonbetn sich auf berfeiben aufbaut unb deren Kräfte als Werkzeuge gebraucht, so bedient sich auch der Herr ber natürlichen Mittel, um sie zur Verwirklichung seines göttlichen Planes zu verwenben. Unsere Zeit, gleichsam „vom Geiste bes Schwindels" (Js, 19, 24.) getrieben, strebt ruhelos voran, ungeachtet der überall sichtbaren Gefahren und Klippen. Es ist deshalb eine große Gnade für die Kirche, wenn der Steuermann, welcher das Schifflein Petri in den stürmischen Wellen ber Zeit lenken foll, durch die Erfahrung einer langen Regierung gereift, in der Beurtheilung der Zeichen ber Zeit geübt, an bte
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