V 282
Donnerstag, den 8 Dezember 1892.
19. Jahrgang
FuldacrWZkitung
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Hierzu eiue Beilage.
Jubiläum des hl. Vaters.
* Rom, 1. Dtc. 1892.
Der ,Offervatore Romano' veröffentlicht das Programm der Veranstaltungen für dasBffchofS-Jubiläum deS hl. Vaters. Nach einer Einleitung deS Jubiläumsfestes durch Predigten und Tedeum in der Kirche al Gesu Ende Dezember, werden am Dreikönigentage zahlreiche Kinder römischer Famiben en pfangen werden. Ende Januar erfolgt der Empfang deS Central- AuLschusfes zur Ucberreichung einer italienischen wissenschaftlichen Festgabe. Am 11. Februar bringt der Circollo d.ll' Immaculata ein Album dar, worin die int Jahre 1892 besonders für das Jubiläum dargebrachten h. Messen und Gebetsübungen verzeichnet sind. Die verschiedenen Abtheilungen des italienischen Pilger- zuges werden am 16. und 17. Februar Audienz Haden, dann wird sich am 19. Februar die feierliche Jubel- meffe in St. Peter anschließen. Am gleichen Tage findet Ueberreichung des Meß - Almosens und eines prachtvollen Meßgewandes statt; ebenso übergibt man dem hl. Vater zu gleicher Zeit ein Berzeichniß der dauernden Stiftungen, die zum Andenken an das Jubiläum errichtet worden. Der Tag der Erwählung zum Papste, der 20. Februar, wird mit großem Tedeum in San Giovanni in Laterano begangen werden, während an den drei folgenden Tagen in San Lorenzo in Panisperna, wo der Papst zum Bischöfe gewählt wurde, feierlicher Dankgottesdienst abgehalten wird.
Die Speisung und der Empfang von 100 Armen ist auf die Oktav des Jubiläums, den 26. Februar angefetzt, und in den letzten Tagen desselben Monats findet in der Kirche der Zwölf Apostel ein großer Festakt unter Assistenz aller Kardinäle und Prälaten statt. Der musikaltsche Theil wird von der Cappella Slatina ausgeführt werden. In St. Peter wird der 3. März, der Krönungstag des Papstes, durch ein Tedeum feierlich begangen werden; ebenso der Namenstag des Papstes am 11. April in Santa Maria Maggiore. Die Missionen in der Passionswoche finden in den vier größten Pfarrkirchen Rom's statt. Zu diesen heute feststehenden Veranstaltungen gesellen sich noch die zahlreichen Empfänge der ausländischen Pilgerzüge hinzu, so daß dem hl. Vater eine sehr mühe- i und arbeitivolle Zeit bevorsteht, welche er mit Gottes Hilfe gesund und rüstig überstehen möge.__________
Deutsches Reich
Berlin, 6. Dezember.
* Das Plenum des Bundesraths trat heute Nachmittag 2 Uhr zur Berathung der Novellen zum Branntwein-, zum Börsen- und zum Brausteuergesetz zusammen, nachdem vorher die betreffenden Ausschüsse deS Bundesrathes die genannten Novellen in 2. Lesung genehmigt hatten.
-H- Achtzigtausend Gulden.
(2. Fortsetzung.)
Emilie.....klang und summte und zirpte es
in allen Fasern meines Gehirns, hallte es wider in allen Winkeln meines Herzens. Wohin ich gehen und flüchten, was ich thun und lassen mochte, Emilie riefen gleichzeitig die Feen des Reichthums, die Geldteufel und die Gespenster der Illusion. In dieser Stimmung sollte ich amtliche Arbeiten revidiren, und in der That, ich revidirte mein Pensum, aber Niemand dachte an den Seelenkampf und die fast übermenschlichen Willensanstrengungen, die mit dieser Revisionsarbeit verbunden waren. Gott' allein, zu dem ich, die Arbeit unterbrechend, im Taumel des Wahnsinns rief, er wußte es und erbarmte sich meiner. Jahre sind verflossen seit jener traurigen Periode meines Lebens, und der Alles heilenden Zeit verdanke ich meine vollständige Wiederherstellung. Was mich damals mit unwiderstehlicher Gewalt und scheinbar folgerichtigem Ernste an seine illusorischen Reize fesselte, wäre mir heute ein Motiv herzlichen Lachens, wenn die triste Erinnerung das Lachen aufkommen ließe.
Ganz besonders merkwürdig ist der Umstand, daß ich trotz des ungestümen Verlangens nach der schönen Mitgift Emiliens und trotz aller Wahnvorstellungen von einer sorgenfreien Zukunft, sobald Emilie ihre Hand
♦ Im Reichstage kam heute vor leider sehr schwach besetzten Bänken zunäcbst die Jnterp.llation des Centrum S bezüglich der Organisation deS Handwerkerstandes, der Regelung des Lehrlings wesens und deS weiteren Ausbaues der Innungen zur Verhandlung. Nachdem Staatssekretär von Bötticher zur sofortigen Beantwortung der Interpellation sich bereit erklärt, erhielt Abg. Hitze das Wort zu deren Begründung. Derselbe verwies auf die Erklärungen deS StaatsstkretärS v. Bötticher in der Reichstagssitzung vom 24. November v. I., worin Zusagen in Betr, ff einer baldigen g- setzg-berischen Regelung der in der Interpellation berührten Fragen gegeben wurden. Da es bisher noch an einer Ausführung dieser Zusagen fehlte, so höre man im Handwerker stände überall die Frage, wie eS damit stehe, und darum solle die J.rter- pellation Aufklärung hierüber dringen. Wolle die Regierung den vorgeschlagenen Weg der obligatorischen Innungen und des Befähigungsnachweises nicht betreten, so möge sie einen anderen besseren Weg zeigen. Jedenfalls sein die wichtigen Forderungen deS Handwerkerstandes so bedeutsam, daß man sie anderen Gesetzen, z. B. dem Auswanderungsgesetze nicht nachstellen sollte. Staatssekretär vor B ö tt tcher antwortete, daß seine vorjährigen Aussührungen keineswegs einen so unerfreulichen Eindruck gemacht hätten, wie der Interpellant es geschildert habe. Wenn die in Aussicht gestellten Vorlagen noch nicht hätten eingebracht werden können, obschon an denselben fleißig gearbeitet worden sei, so liege dies in der Schwierigkeit der Sache selbst. Die Regierung sei noch nicht in der Lage gewesen, zu der Frage der Organisation des Handwerks definitiv Stellung zu nehmen. In dieser Beziehung seien Sachverständige gehört worden, deren Vorschläge gegenwärtig noch geprüft würden. Die Absicht der Regierung gehe dahin, territorial abzugrenzende Handwerkerkammern zu schaffen, deren Aufgabe es sein würde, Gutachten zu erstatten, das Lehrlingswesen zu beaufsichtigen u. s. w. Bei der Regierung bestehe jedenfalls nicht das Bestreben, den Innungen das Leben zu erschweren, eher das Gcgentheil. Weiter darauf einzugehen, vermeide er heute, um nicht eine ziemlich nutzlose Debatte herbeizuführen. Die Einbringung einer entsprechendenVor- lage schon zu Neujahr könne er nicht zusichern. Die Regierung könne nicht mit unvorbereiteten Vorschlägen an den Reichstag herantreten,um demHandwerkerstande nichtmehr zu schaden als zunützen. Auf Antrag des Abg. Biehl fand sodann eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. Dr. Buhl sprach sich gegen obligatorische Innungen aus, welche nach seinem Dafürhalten dem Handwerk die erhofften Segnungen nicht erbringen würden. Wolle man das Handweik organisiren. so dürfe man nicht reine Handwerkerkammern schaffen, sondern nach dem süddeutschen Muster der Gewerbevereine organisiren. Mit der Industrie dürfe man aber das Handwerk nicht zusammenschweißen. Unrichtig sei es, daß das Handwerk von der Industrie vollständig aufgesogen werde, ein Theil des Handwerks könne immer noch gut bestehen, und diesen Theil des Handwerks zu schützen ohne zur Verlobung geboten hätte, nicht einmal darauf ein» gegangen wäre. So sehr mich der Wahn beherrschte, konnte sich mein G-müth mit der Verwirklichung desselben nicht befreunden. Während die „achtzigtausend Gulden" ihre ganze überwältigende Zugkraft entfalteten, wirkte die äußere Erscheinung Emiliens abstoßend auf meine Phantasie. In persönlicher Hinsicht mit ihr verglichen verdiente meine Braut weitaus den Vorzug. Schon das festbegründete bräutliche Verhältniß hätte mich nie und nimmer dazu kommen lassen, Emilie meine Hand zu bieten. Auch mitten in meinen damaligen Selbstqaälereien standen mir diese Gesichtspunkte klar vor Augen, und dennoch — dennoch der Wahn, dem ich nicht entrinnen konnte. Ich sah die Wunde und konnte sie nicht beseitigen. Die „achtzigtauscud" verfolgten mich, wie der Jagdhund ein scheues Reh verfolgt und in den Abgrund hetzt. Ein Kampf des Gelddämons gegen die Nüchternheit der Vernunft! Mein Gemüth aber zahlte die Kriegskosten. Ich fühlte fo recht die dämonische Gewalt des bloßen Wahnes, der sich um seiner selbst willen gefällt. Ein Hoffnungsstrahl, der von ferne leuchtet und sich nicht greifen, nicht festhalten läßt — so flimmerte dieses Wahnbild in das Elend meiner damaligen Situation.
Während dem aufmerksamen Leser vorerst nur ein flüchtiger Bl'ck in'S Halbdunkel dieses seelischen Prozesses geboten war, gehe ich nun daran, diese Andeu-
Eingrtffe in die Gewerbefreiheit, müsse Aufgabe der angekündigten Vorlage sein. Abg. Ackermann (kons.) unterstützte die Ausführungen des Interpellanten und hob besonders hervor, daß die g»planten Handwerkerkammern die Innungen nicht unterdrücken dürften. Staatssekretär v. Bötticher bemerkte darauf, daß den Innungen keineswegs die Lebensbedingungcn abge- fchnitien werden sollten. Es handle sich eben darum, die Innungen zu ei halten, zugleich aber auch den nicht korporirten Handwerkern eine Vertretung durch die Handwerkerkammern zu geben. Darin liegen eben die Schwierigkeiten. Er betonte das nochmals, damit nicht die Meinung aufkomme, die Regierung wolle die Innungen beseitigen. — Abg. Rickert (freis.) sprach gegen die Forderung des Befähigungsnachweises unö verlangte volle Freiheit für das Handwerk. — Abgg. Auer, Joest und Bebel (Soz.) suchten darzuthun, daß daS Handwerk dem Untergänge geweiht sei, da es sich im Kampfe mit dem Großkapital nicht behaupten könne. — Abgg. Metzner und Bachem (Ctr.) befürworteten eine Organisation auf der Grundlage der Innungen, während die Abcg. Dr. Buhl und Möller (natl.) mehr für eine freiere Organisation nach Art der Handelskammern eintraten. — Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Der Präsident theilte mit, daß die Steuervorlagen eingegangen sind. Morgen 1 Uhr Anträge, betr. Novelle zumKrai kenveisicherungsgesetze, betr. Einführung der Berufung in Strafsachen, Antrag Ackermann betr. Befähigungsnachweis rc.
* In die Reichstagskommisfion zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, betr. die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung, sind gewählt worden Adt, Dr. Bachem, Brandenburg, Dr. Hirsch, v. Holleuffer (kons), Hultzsch (kons.), Möller, Dr. Müller, v. Junta-Polczynski, Samhammer, Schuler. Stadthagen, Frhr. v. Stumm-Halberg, Wuthendoiff.
* Tie deutsch - russischen Zollverhandlungen werden zwar weiter gesührt, aber es scheint weder auf der einen noch auf der anderen Seite besondere Hoffnung auf Erfolg zu bestehen. Die Verhandlungen sind bekanntlich von Rußland angeregt worden, und es ist wohl mehr ein Akt der Höflichkeit, daß Deutschland auf dieselben eingegangen ist und sie bisher auch noch nicht abgebrochen hat.
* Die Stichwahl im Reichstags-Wahlkreise Arns- walde-Fricdewald hat, wie dies vorauszusehen war, zu einem Siege Ahlwardt's geführt. Das bis jetzt bekannte Ergebniß stellt sich ungefähr wie folgt: Ahl- wardt 9339, Drawe (dfr.) 2864 Stimmen. Das Endresultat ist noch nicht bekannt. Beim ersten Wahlgange waren abgegeben worden fürAhlwardt 6903 Stimmen, für Drawe 2915, für v. Waldow (kons.) 2876, für Millarg (Sozialdcm.) 943 und für Hobrecht (nat.-lib.) 406 Stimmen.
* München, 5. Dez. Wie das .Fremdenblatt' aus Berlin hört, ist das Centrum in seiner Gesammtheit gegen die Militärvorlage und will dieser Stimmung einmüthig Ausdruck geben. Natürlich ist das Centrum, gleich den Deutschfreisinnigen, bereit, bei Bewilligung tungen schärfer zu markiren sowie den thatsächüchm Ausgang der Sache mitzutheilen.
Die Offerte des alten Henn hatte, wie schon gesagt, anfänglich keinerlei Emotion meines Innern bewirkt. Mein gesunder und niemals zum Luxus geneigter i Sinn war mehr auf die stille Zufriedenheit bescheidener ; Lebenswege als auf Glanz unö Wohlleben gerichtet. ! Die in Aussicht gestellten achtzigtausend Gulden weckten in mir eher Furcht als Verlangen. Das ganze Anerbieten lag außerhalb meiner Hoffnungen und überstieg meinen Jdeenkreis. Auch die äußere Erscheinung Emiliens übte keinen Reiz auf mich. Sie war jenseits des Ozeans geboren und erregte durch ihre sonderbaren Gesichtszüge Verdacht, das Kind einer Mulattin zu sein. Auch wurde gesagt, daß sie an einer zehrenden Krankheit leide. Meine Verlobung verwischte vollends, was mir die Illusion hätte ausmalen können.
Erst die Wendung zum Schlimmeren, die erwähnte Enttäuschung und die allmählig eintretende geistige Abmattung und GemüthSverwirrung weckten die Erinnerung an das Anerbieten des alten Herrn. Parallel mit der Furcht wuchs der Wahn. Alleinige Ursache dieses Wachsens war die schöne Summe, die mich aus aller Verlegenheit und Bedrängniß, von allen lästigen Verbindlichkeiten mit einem Ruck befreien und mir eine ganz andere Lebenseinrichtung, zunächst aber ein Asyl der Ruhe ge-