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JV 281 Mittwoch, den 7. Dezember 1892. 19. Jahrgang

FuldaerWZeitiing

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der Regierung nicht bewilligt werden. Der Kampf bei ben eigentlichen Debatten über die Militärvorlage wird sich im Plenum wie iu der Kommission um die reichs- gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit und um thunlichste Herabminderung der dafür geforderten „Kompensationen" drehen. An eine Auflösung deS Reichstages im Falle einer starken Abschwächung der Vorlage oder selbst einer völligen Ablehnung glaubt Niemand. Wenn aber die gesetzliche Feststellung der zweijährigen Dienstzeit gelingt, dann wird daS Centrum die Konsequenzen im Sinne deu Windt- horst'schen Resolutionen ziehen und damit jedenfalls im Sinne seiner Wähler handeln.

(1. Fortsetzung.)

Die näheren Umstände, unter denen die Verlobung zu Stande kam, sind nebensächlicher Art, weshalb eine Schilderung derselben im Jnteresie der Kürze unterbleiben kann. Ich brauche zur Verständlichkeit deS Ganzen nur zu sagen, daß ich in Hämmerlind auf gesellschaft­lichem Wege ein Mädchen kennen lernte, daS mir ge­fiel, und dessen Gegenliebe mir nicht lange verborgen blieb. Sie war die ältere Tochter einer Wittwe, bereit Gatte in mehr als 20jährigem Dienste einer großen amerikanischen Zeitung so viel erspart hatte, baß fie mit ihren beiben Töchtern in bescheibenen Grenzen vom Zinsertrag leben konnte. Angeborene amerikanische Leb- > Hastigkeit mit deutscher GemüthSinnigkeit verbindend, dazu im Besitze einer nicht gerade alltäglichen Mitgift und, waS die Hauptsache war, eine ganz uneigennützige Neigung zu mir hegend, mußte dieses Mädchen meine Aufmerksamkeit erregen. „Heimliche Liebe, von der Niemand weiß", war nicht möglich. Die geordnete Lebensweise der Familie und die sorgfältige Erziehung der Töchter stand dieser Liebesromantik im Wege. Ich verlobte mich deshalb öffentlich, im guten und berech­tigten Glauben, früher oder später meinerseits bieten zu können, was eine Frau beim Eintritt in die Ehe von einem Manne erwarten darf.

♦ Die Aussichten der Milttärvorlage scheinen zu steigen. Der Abg. Dr. Buhl betonte im Reichstage in einer Rede, die wohl als das wohl­erwogene Programm der nationalliberalen Partei in Bezug auf die Militärvorlage gelten kann, den Entschluß derfelbeu, der Regierung daS zur Durch­führung der zweijährigen Dienstzeit und der allge­meinen Wehrpflicht Erforderliche im Einklang mit den wirthschafllichev Jnteresien der Nation zu ge­währen. Die nationalliberale Partei geht bei diesem Standpunkt, auf welchen sich wahrscheinlich eine, wenn auch nicht bedeutende, Majorität deS Hauses zusammen- finden wird, vou dem Gedanken aus, daß die Eiu- sjührung der zweijährigen Dienstzeit und die damit zu erreichende Schonung der älteren Jahrgänge, von großer wirth- schaftlicher Bedeutung uud deshalb eines Opfers werth fei. In der nationalliberalen Partei ist jedoch Niemand gewillt, die Militärvorlage unverändert anzunehmen; bis zu welcher Grenze aber die Partei der Regierung entgegmzu- kommen bereit fein wird, hat der Redner nicht ver- rathm und konnte eS auch nicht, da die Entschließungen der einzelnen Parteien wesentlich von dem Ergebniß derKommissiouS-Berathungm abhängen werden. Immer­hin hat Dr Buhl sich nicht grundsätzlich gegen die Durchführung der allgemeinen Wehr­pflicht ausgesprochen, sondern nur auS finanziellen uud militär-technischen Gründen die volle Durch­führung für unmöglich erklärte. In letzterer Be­ziehung verwies er auf den Mangel an Ausbildungs- Personal, zumal die gegenwärtigen Fehlziffern schon schwer zu beseittgen sein würden. Wenn eS weiter nichts ist, mochte sich der Reichskanzler gesagt haben, dann kann ja geholfen werden; Graf Caprivi beruhigte denn auch sofort den Redner, indem er bemerke, tm Ausschüsse würde schon bet Beweis geführt werben, baß bie Miliär-Berwaltung mit bet vorgeschlagenen Zahl deS Ausbildungspersonals auSkommm werde. Bisher hat die nationalliberale Preffe das Centrum als diejenige Partei hingestellt, welche dem Reichs­kanzler zu lieb, eventuell um ein Tauschgeschäft zu machen, die Forderung der ReichSregierung bewilligen werde. Dagegen schlug man auf liberaler Seite stolz auf die Brust und rühmte sich seines absoluten Wider­standes gegen die militärischen Pläne deS Grafen Caprivi. Hierin ist also eine merkwürdige Wandlung eingetreten. Der Widerspruch, welcher zwischen der Rede deS Herrn Buhl und der monatelangen Dekla- mattonen der Organe seiner Partei besteht, den müssen wir sestnageln zu Nutz und Frommen des großen Publikums, welches daraus wiedereinmal ersehen möge, wie wenig sich bei den Nationalliberalen Worte und Thaten deckenl DaS „schwere Herz", mit dem Dr. Buhl nach Berlin ging, scheint bereits bedeutend leichter geworden zu sein. Die gesammte Forde­rung, daS steht wohl schon heute fest und die Kom- misfionSverhandlungen werden daran nichts ändern, wird

Dr. Schneider (Nordhausen) (freif.), Stadthagen (Sozial­demokrat). Der Geschäftsordnungs-Kommission werden angehören Ackermann, v. Helldorff (kons.), greinen v Unruhe-Bomst (Reichsp), Günther, Schneider (Hamw) (<atlib.), Dr. Horwitz, Dr. Seelig, Träger (freif.), Weiß, v. Kehler Freiherr v. Pfetten, Dr. Porsch (Centt.), Singer (Sozialdemokat), v. KoScielSki (Pole).

* Gegen die Eiukommeusteuerveranlaguug find, wie während der Berathungen der Steuerkommtffion von der Regierung mitg theilt wurde, Seitens der Steuerpflichtigen gegen 300,000 Berufungen eingelegt worden, gegenüber 800 bis 900 Berufungen, welche von den Vorsitzenden der Beranlagungskommissionen eingelegt wurden. Unter jener Zahl von 300,000 Be­rufungen entfällt der überwiegende Theil nicht auf deklarationspflichtige Steuerpflichtige, sondern auf solche Ceufiteu, welche wegen eines 3000 M. nicht erreichen- ben Einkommens von bet Deklarationspflicht entbunden find. Wie groß die Zahl der an das Oberverwaltungs­gericht gebrachten Beschwerden ist, steht noch nicht fest, da noch nicht überall bie Frist zur Einlegung ber Be­schwerde abgelaufen ist.

* lieber die Vorbereitungen für die Betheiligung de» Reiches au ber Weltausstellung in Chicago ist bem Reichstag eine Denkschrift zugegangen. ES er­gibt sich barauS, baß bie Zahl ber deutschen Aussteller in Chicago sich auf rund 4000 belaufen wirb, an- näherub das Doppelte der ursprünglich in Aussicht genommenen Zahl und annähernd das Vierfache der deutschen Thetlnehmer an der Ausstellung in Phila­delphia.

* Herr Johannes Hoffmann, seit fast sechs Jahren speziell für katholische Angelegenheiten Mit­arbeiter der .Kreuzzeitnng' und vorher 10 Jahre lang verantwortlicher Redafteur deS ,Westfäl. Merkurs geht dieser Tage von Hamburg nach Amerika in See. Er wird dort Cheftedakteur deS,Pittsburger Beobachter,' einer größeren deutschen Tageszeitung in PittSburg.

* Einen vielgerügten Fehler scheint der Hamburger Senat noch nachträglich wieder gut machen zu wollen. In einem an den Dekan der Berliner medizinischen Fakultät gerichteten Schreiben spricht die Cholerakom- misston deS Hamburger Senats allen Studirenden der Medizin, welche bei Bekämpfung der Cholera­epidemie mitgeholfen haben, ihren Dank aus und gibt zugleich den Wunsch zu erkennen, allen denjenigen, welche in ber Voraussetzung, für ihre Thätigkeit mit 20 Mark pro Tag honorirt zu werden, in den Ham­burger Krankenhäusern thättg gewesen find, dak Ho­norar nachträglich zukommen zu lasten. Bekanntlich hat man s. Z. den Medizinern nur einen Tagelohn von 3,30 Mark angeboten.

* München, 3. Dez. Die Nachricht, daß die nächste Generalversammlung der deutschen Katholiken in Würzburg stattfiaden soll, hat hier großen Bei- lall gefunden. Die Freude wird nur in etwas dadurch getrübt, daß die beklagenSwerthen Zustände in BayeruS Hauptstadt noch nicht geschwunden find, die die Ab- einem meiner Freunde, der ihn durch mich zum Duell herausfordern ließ. Daß jener alte Groll noch heute in ihm sitzt, haben Sie ja selbst wiederholt in amtlichen Geschäften wahrgenommen."

„Allerdings," sagte ich zustimmend. „Bon diesen Dingen hat mir mein Vorgänger, Herr Tillack, schon Einiges erzählt. Die Sache ist ebenso interessant als bedauerlich."

„Es wird Ihnen nicht viel bester ergehm", fuhr mein Amtschef fort, „als Ihrem Vorgänger, der mich und mein Amt erst verlassen und eine andere Borichule aufsuchen mußte, bevor man ihn zur Kgl. Regierung berief. RegierungSrath Wolff ist ein leidenschaftlicher Mensch und als solcher von seinen Untergebenen »gefürchtet, von seinen Kollegen gemieben. WaS irgendwie mit meinem Amte in Verbindung steht, ist ihm verhaßt."

Ueber solche und ähnliche Dinge hatte mein früherer AmtSchef in seiner offenen, cordialen Weise zu wieder­holten Malen mit mir gesprochen. Das trotzdem Un« glaubliche war geschehen. ES konnte nicht anders sein. Der waghalsigen Neugierde meines eben erwähnten Vorgängers, dessen Arbeitszimmer neben demjenigen deS RegiemngSratheS Wolff lag, war eS gelungen, einige Blicke in die PrüfungSpapiere zu werfen. WaS dort von Wolffs eigener Hand geschrieben stand, stimmte mit seiner mündlichen, mir gegenüber unter vier

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Dezember.

* Das Kaiserpaar begibt sich am Mittwoch, den 7. d. M., nach Hannover, wo die Ankunft gegen 3 Uhr Nachmittags erfolgt. Hier verbleiben die Maje­stäten bis Freitag Mittag, zu welcher Zeit die Kaiserin nach Potsdam zurückkehrt, während sich der Kaiser nach Jagdschloß Springe begibt. Bon da erfolgt die Rückkehr des Kaisers nach Potsdam am Samstag Abend.

* Die Fachkommissionen des Reichstages haben sich konstittlirt. In der Budgetkommission führen den Vorsitz Frhr. v. Huene bezw. Hermes (Branden­burg), als Schriftführer fungiren Dr. Hartmann (Plauen) (kons.) Prinz Ärenberg (Centrum), Haerle (Volksp.) und Möller (natlib.) In dieser Kommission sitzen sonst noch Hahn, Dr. Frege, v. Henk, v. Massow (von den Konservativen); Graf Behr, v. Keudell (von der Reichspartei); Fritzen (Düsseldorf), Gröber, Dr. Singens, Rintelen, Dr. Schaedler, Sperlich (vom Sentrum); Dr. Buhl, Dr. Hammacher, Scipio (von den National- liberaleu): Dr. Baumbach (Berlin), Hinze, Dr. Witte, Richter (vom Freisinn), Dr. v. JazdzewSki (Pole), Singer, Meister (Sozialdemokraten). Inder P etitions- komMission sind zu Vorsitzenden gewählt worden: Büsing (natlib.), bez. Dejanicz von GliSczynski (Centr.), Schrislführer sind v. Jagow (Potsdam) (kons.), Dr. Gras Matuschka (Centr.), Dr. Pieschel (natl), Rimpau (natl.), v. Reibnitz (fteis). Dieser Kommission geboren ferner an: Dr. Giese, Hempel, v. Normann, Dr. Schier (kons.), Grumbt (ReichSP.), Dr. Gutfleisch, Schröder, Knörcke, Stephan (fteis.), Krebs, Mayer (Landshut), Rauchenecker, Wattendorff, Weber, Wenzel (Centr.), Graf Kwilecki (Pole), Geyer, Kunert, Schwartz (Sozial­demokraten), Speiser (Bolksp.) In der Wahl- Prüfungs-Kommission sitzen Schieber (Vor­sitzender), Fritzen (Koblenz) (Stellvertteter), Schneider (Hamm), v. Steinau-Steinrück (kons.), Dr. Schneider (Nordhausen) (fteis.), Stephan als Schriftführer, v. Holleufer, Dr. Mehnert (kons.), v. Hellmann (Reichsp.), Greiß Marbe (Centr.), Dr. Hermes (Sauer) (freif.), Bruhns, Auer (Sozialdemokraten). In der Rechnungs- Kommission werden sitzen Dr. Mehnert (kons.), Hug, Lerocha (Centr.), Troeltsch (natlib.), Dr. Meyer,

Unter den Adressaten, denen die Verlobungsanzeige zuging, befand sich auch ber alte Herr in ElbiSberg. Alle gratulirten, biefer nicht. DaS berührte mich pein­lich. Ich hatte nicht bie geringste Absicht, meinem Gönner wehe zu thun. hatte auch inzwischen keine Ein­ladung erhalten, durch bereit Zurückweisung seine Gunst verscherzt worben wäre, und doch mußte ihn bie Ber- lobungSanzeige unangenehm überrascht ober gar ironisch angemuthet haben. Ich überließ bie Sache ihrem Schick­sal unb dachte nicht weiter darüber nach.

Um dieselbe Zeit ging mir ein amtliches Schreiben zu, das mir eine große Enttäuschung brachte. Die PrüfungSnote entsprach keineswegs meinen Erwartungen und machte mir einen Strich durch bie Lebensrechnung.

WaS mein früherer AmtSchef, ein höchst leutseliger, kleiner Mann, mir vorauSgesagt hatte, war zur bitteren Wahrheit geworben.

„Sie haben sich eben badurch, daß ich selbst amt­lich wenig arbeite. — so ungefähr lauteten feine Worte — recht hübsche Fachkeuntniffe angeeignet. Sie machen jedenfalls ein gutes Examen, aber RegierungSrath Wolff wird eS zu verhindern suchen, daß ein bet mir ausgebildeter Praktikant als einer der besten aus der Prüfung hervorgeht. Wolff und ich standen zur Zeit, als ich selbst noch bet der Kgl Regierung be­schäftigt war, in feindseliger Beziehung zu einanber. Sein auf mich übertragener Haß galt ursprünglich