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Einwohnern, vielen Fabriken, Kriegsschule u. s. w. wird alle Hebel ansetzen, um die für die bezeichneten Linien günstige Meinung zu finden.- (Dann ist, bemerkt hier­zu der ,Thür. Hftd/, die Ausführung der vom hiesigen Komitee angestrebten Verbindungsbahn Wernshausen- Dermbach-Seisa-Hünfeld erst recht wohl nur noch eine Frage der Zeit)

*> * Gersfeld, 29. Aug Die Sektion Fulda des Deutschen und Oesterreichischen AlpenvereinS hat am Sonntag einen Ausflug in die Rhön ausgeführt, an dem eine stattliche Anzahl Herren theilnahm. Von der Haltestelle Milseburg wurde über RupSroth und DietgeS gewandert und von da der Königstein, sowie der Schaf- ftein (830 M ) bestiegen, lieber die hohe Rhön führte sodann die Wanderung durch daS Feldbachthal und die sehr romantische Kaskadenschlucht nach Gersfeld. Hier wurden im Gasthause „zum Adler" die Lebensgeister wieder aufgefrischt und mit dem Abendzuge nach Fulda zurückgefohren.

* Kaffel, 28. Nov. Die Uebernahme des Amtes eines Oberbürgermeisters der Stadt Kassel durch Herrn Oberbürgermeister Westerburg findet gutem Verneh­men nach, selbst wenn, wie anzunebmen, die Bestätigung viel früher erfolgen wird, am 15. Februar statt. — Der große Einbruchs-Diebstahl in dem Schcel'- schen Gold- und Juwelierladen bildet naturgemäß das Tagesgespräch. Es sind Verhaftungen vorgenommen worden, jedoch konnte bis jetzt die Thäterschaft den Be­treffenden nicht nachgewiesen werden. Thatsache ist, daß an dem fragt. Morgen auf der Station Wilhelmsböhe zwei elegant gekleidete Herren zu dem Thüringer Zuge 4 Uhr 10 Mm. sich Billete nach Golha lösten und sich auf diese Verdacht gelenkt hat. Für die Entdeckung der Diebe ist dem Vernehmen nach eine Belohnung von 2000 Mark ausges tzt worden. Allgemein glaubt man, daß die Diebe einer Bande angehören, welche bereits in anderen Städten ähnliche Verbrechen begangen. Neu­lich sollen sich einige Elegants von Herrn Sch. Waaren im Werthe von 1000 Mark haben zeigen lassen und mit der Erklärung, wiederkommen zu wollen, fortgegan­gen sein. Man glaubt, daß diese die Thäter gewesen, da gerade u. A. dieselben Waaren, welche sie besichtigt, verschwunden sind.

* Orb, 29. Nov. Nach einer von Hohenstedt von Herrn Bürgermeister Menzel hierher gelangten Nach­richt ist an der Bestätigung dieses Herrn als Bürger­meister von Orb Seitens Königl. Regierung nicht mehr zu zweifeln, sie ist erfolgt. Da derselbe jedoch vom Direktorium der Landwirtschaftlichen Schule dortselbst, an der Herr Menzel angestellt ist, erst mit dem Beginn der Werhnachtsferien entlassen werden kann, so wird derselbe sofort am 22. Dezember abreisen und den 23. Dezember in Orb eintreffen. Somit hätte also der einjährige Kampf in Orb, der so viel Staub aufge- wirdelr, sein Ende erreicht. (O. Z.)

* Volkmarsen, 28 Nov. Die mit Vermessung der Bahnstrecke Kassel-Volkmarsen beschäftigten Beamten find nun über die noch in Frage gewesenen Haupt- schwierigkeite i hinweg und gegenwärtig im Warnethal daran, die Achse festzustellen. Der Bahnhof Zieren­berg bekommt auf der nach Dörnberg zu direkt vor der Stadt gelegenen Höhe eine recht günstige Lage. Ein 300 Mir. langer und 18—20 Mtr. hoher Via­dukt soll die Bahn über daS Thal nach dem projek- tirten Tunnel von ungefähr 800 Mtr. Lange hinüber­

führen. Mit dem Bau soll aller Wahrscheiulichkeit nach schon im nächsten Frühjahre begonnen werden.

□ Dermbach, 28. Nov. Am Donnerstag voriger Woche traf der für die hiesige kath. Stelle ernannte Herr Pfarrer Wiegand aus Eschwege im reichge- schmücktm Pfarrhause hier ein. Nach dem gestrigen Nachmittagsgottesdienste begrüßte ihn der Kirchenchor unter Direktion des Herrn Lehrers Fröhlich mit Gesang und Musikvorträgen. Als die Musiker mit einer ge­fühlvoll vorgetragenen Piece die Feierlichkeit eingeleitet, sang der Männerchor das Lied von C. Kreuzer: „Was ist das Göttlichste auf dieser Welt?" und alsdann: „Die Dorfkirchglocke" von F. E. Feska, worauf der gemischte Chor die Hymne: „O großer Gott! Allmächt'ger Gott!" von Stadler vortrug. Nach diesen wohlge­lungenen Gesangesvorträgen begrüßte Herr Lehrer Fröh­lich den Herrn Pfarrer in schwungvoller, herzlichen Ansprache Namens des Kirchenchors und der gesammten Pfarrgemeinde, betonend, laß letztere in Erfüllung ihrer religiösen Obliegenheiten keiner anderen Pfarrei nachstehe und daß der Herr Pfarrer auch eines freund­lichen Entgegenkommens Seitens der nicht katholischen Mitbürger versichert sein dürfe. Auch wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Herr Pfarrer recht lange hier ausharren und es Niemanden gelingen möge, das gute Einvernehmen zwischen Pfarrer und Gemeinde zu stören. Dm Schluß der Ansprache bildete ein drei­faches Hoch auf S. K. H. den Großherzog von Sachsen- Weimar und den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Fulda, in welches d« zahlreich versammelten Kirchen­gemeindemitglieder begeistert einstimmten. Hierauf richtete der fierr Pfarrer Worte des Dankes an die Anwesenden für die ihm dargebrachte Ovation und sprach seine Freude besonders darüber aus, hier in einer Pfarrei wir'cn zu können, wo auch ein Kirchen­chor bestehe, da er die Bedeutung und den Werth guter vierstimmiger Gesänge zu schätzen wisse. Mit einem Hoch auf da? gedeihliche Zusammenwirkm von Seel­sorger und Gemeinde schloß er seine wohlgefällig auf­genommenen Worte, worauf die Versammelten ihm selbst ein van Herzm kommendes dreifaches Hoch auS- brachtm. Zum Schluffe intonnte die Musik das „Großer Gott, wir loben Dich!" welches von allen Anwesende mitgesungen wurde._________

Vermischtes.

* TröriShofen, 26. Nov Unser Kurort bietet seit einigen Monaten ein Bild des rührigsten Lebens. Häuser schießen wie Pilze aus der Erde hervor, wo man geht und steht, wird Bau­material hergeschleppt und überall bilden sich neue Häuserreihen. Der Frühling wird bei seinem nächsten Einzug im „Wasserdors" ganz verwundert dreinschauen, und manche Schwalbe wird traurig ihr altes Nestchen vergeblich suchen. Beim Niederreißen der Dächer zerbröckelten die niedlichen Vogclbettchen, andere sind eine Beute des Feuers geworden, denn gegenwärtig scheinen die Brandstifter mit den Architekten einen Wettkampf begonnen zu haben. Mittwoch den 16. ds. loderten die Flammen an drei Stellen zugleich und das Mayersche Anwesen ist so ziemlich ab­gebrannt. Ganz Wörisbofen war in Schrecken und Aufruhr. Ein dichter Nebel hatte frühe Nacht gebracht und erschwerte die Rettung des Hauses. Die Feuerspritze eines benachbarten Dorfes war des Nebels wegen in einen Graben gefallen. Ferner war großer Wassermangel, und man konnte der Gewalt des schreck­lichen Elementes nicht eher Einhalt thun, als bis fast das ganze Gebäude ein Raub der Flammen geworden. Die Brandstätte bot ein wahres Jammerbild. Doch nicht nur das; jeder Haus­besitzer ist nun in Angst und Unruhe und wagt es kaum, sich dem Schlafe anzuvertrauen.

* Die morganatische Vermählung des Herzogs Ludwig in Bayer« mit der bisherigen Ballet-Tänzerin des Münchener

Hottheaters, Antonie Barth, ist seit einigen Monaten der dritte Fall dieser Art in den deutschen Fürstenhäusern. Boran ging Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, der sich mit der Tochter des Schriftstellers Jensen vermählte; dann kam Prinz Heinrich von Hessen, der die Darmstädter Hofopernsängerin Milena heirathete, und nun folgt der im 62. Lebensjahre stehende Her­zog Ludwig in Bayern, der sich am Samstag mit einer 21 Jahre alten Theaterdame ehelich verbunden hat- Es ist dies die z w e i t e m o r g a n a t i s ch e Ehe, die Herzog Ludwig geschlossen hat, nachdem seine erste Gemahlin gestorben ist. Der Herzog war seit 1859 mit der ehemaligen Schauspielerin Henriette Mendel aus Darmstadt vermählt, welche den Titel einer Freiin von Wallersee erhalten hatte. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter, die sich mit dem Grafen Heinrich Larisch-Moennich vermählt hat. Freifrau Henriette v. Wallerfee starb am 12. Nov. 1891. Seine zweite Gemahlin, der vom Prinz-Regenten der Adel mit dem Beinamen v. Bartolf verliehen wurde, soll noch in den letzten Tagen vor ihrer Vermählung als Fräulein Antonie Batth gleich ihrer Schwester dem Münchener Hoftheater als Ballet Elevin angehört haben. Sie ist die Tochter eines schon verstorbenen Mechanikers, und ihre Mutter lebt noch in München.

Literarisches.

§ Pecher, Dr. I. K. — Diätetik unb Lebeusregel« für geistig Beschäftigte. Verlag von Karl Fr. Pfau in Leipzig. Preis Mk. 1.—. Leute, die geistig arbeiten — wer gehört heut­zutage nicht zu ihnen? In unserer hastenden, nervösen Zeit ist Jeder mehr oder weniger Kopfarbeiter und Jeder spürt mehr oder weniger die Folgen geistiger Anstrengung auf seine Nerven, auf den ganzen Körper. Das obige Büchelchen, das für einen ge­ringen Betrag (1 Mark) zu haben ist, bildet einen vortrefflichen Berather für alle jene Leute, die „nervös" geworden sind, die schlecht schlafen und keinen Appetit haben, die leicht zerstreut und müde werden, die — und das ist das Schlimmste — merken, daß ihre Arbeitskraft abnimmt. Es ist eine Diätetik für geistig Be- schäfttgt, die mit Klarheit und Sicherheit jeden ernsteren Zustand analysirt, die einfache Wege und Mittel nennt, ihn erträglich zu machen, zu beffern und zuletzt ganz zu heben. Es verlohnt sich, das Merkchen zu kaufen und zu lesen. Jeder, der mit der Feder arbeitet, der da rechnet oder denkt, zeichnet oder spricht und plötz­lich merkt, daß er nicht mehr ganz so frisch ist wie ehedem, follte es zu Rathe ziehen. Die Schrift ist durch jede Buchhandlung zu beziehen, ebenso gegen Einsendung von Mk. 1.10 direkt von der Berlagshandlung Karl Fr. Pfau in Leipzig.

Gedenke, o Mensch, daß dn Staub bist!

Der schnellste Reiter ist der Tod; Er überreitet das Morgenroth, Des Wetters rasches Blitzen; Sein Roß ist fahl und ungefchirrt, Die Sonne schwirrt, der Pfeil erklirrt Und muß im Herzen sitzen.

Durch Stadt und Dorf, über Berg und Thal, Im Morgenroth, im Abendstrahl Geht's fort mit wildem Jagen, Und er floh mit Ungestüm, Da schallen die Glocken hinter ihm Und Grabeslieder klagen.

Er tritt herein in den Prunkpalast, Da wird so bleich der stolze Gast Und läßt von Wein und Buhle; Er tritt zum lustigen Hochzeitsschmaus; Ein Windstoß löscht die Kerzen aus, Todt lehnt die Braut im Stuhle.

Dem Richter blickt er in's Gesicht, Der just das weiße Stäblein bricht: Da sinkt's ihm aus den Händen; Ein Mägdlein windet Blüth' und Klee, Er tritt herein, ihr wird so weh — Wer mag den Strauß vollenden?

Drum sei nicht stolz, o Menschenkind!

Du bist dem Tod, wie Spreu dem Wind Und magst du Kronen tragen.

Der Sand verrinnt, die Stunde schlägt, Und eh' ein Hauch dies Blatt bewegt, Kann auch die deine schlagen.

G e i b e l.

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