üb er wies en. Nächste Sitzung unbestimmt. Jedenfalls tritt in diesem Jahre das Abgeordnetenhaus nicht mehr zusammen. Dagegen wird erwartet, daß die Kommission für die Steuergesetze bis Weihnachten die 1. Lesung der Vorlagen zu Ende führen wird, so daß nach der 1. Berathung des dem Landtage nach Neujahr zugehenden Staatshaushalts für 1893/94 unverweilt das Plenum in die 2. Lesung (Spezialberathung der Steuergesetze eintreten kann.
* Kardinal Lavigerie, dessen Ableben schon zwei Mal irrthümlich gemeldet worden, ist, wenn eine aus Algier kommende telegraphische Meldung sich bestätigt, iu dieser Nacht wirklich gestorben. Der Kardina! trat 1889 in den Vordergrund der Erörterungen, als er, durch die Stanlcy'schen Darstellungen angeregt, ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Staaten gegen den Sklavenhandel in Jnnerafrrka zu predigen unternahm. Anfangs des Jahres 1890 fand eine internationale Antisklaverei-Konferenz in Brüssel statt, dem im September als Fortsetzung ein internationaler Kongreß in Paris sich anschlvß. Der Kardinal versuchte später, die „Freiwilligen", welche die Brüsseler Konferenz auszurüsten beschlossen, gewissermaßen als Kreuz- ritter zu formiren. Am 12. November 1890 gab er in Algier französischen Flottenosfizieren ein Dejeuner und prvklamirte bei diesem Anlaß die Pflicht der Geistlichkeit, die Republik in Frankreich anzuerkennen. Eine Würdigung der Verdienste des Kardinals Lavigerie behalten wir uns noch vor.
* Die Freisinnigen Dr. Hirsch u. Gen. haben beim Reichstage eine Novelle zum Kraukenver- sscherungsgeseh eingebracht, welche eine Erweiterung der Rechte der freien Hülfskasfen bezweckt.
* Das am Donnerstag vom Reichstage in allen 3 Lesungen erledigte Gesetz, betreffend die Anwendung der vertragsmäßigen Zollsätze gegenüver den nicht meistbegünstigten Staaten gegen Einräumung angemessener Bortheile, ist noch am selben Tage vom Kaiser sanktio- uirt worden und wird heute amtlich veröffentlicht.
* Der bayrische Finanzminister, Freiherr von Riedel, wird zur Berathung der Steuergesetze im Reichstage wieder hier erwartet.
* Als Ergebüiß der Reichstagswahl im Wahlkreise Arnswalde-Fried eberg wird gemeldet: Stichwahl zwischen Ahlwardt (antisemit) und Drave (freisinnig).
* München, 26. Nov. In der Presse ist die Nachricht ausgetaucht, daß hier in München ein Konsortium sich gebildet habe, um das ,Fr em den blatt' von der Manz-Gesellschast anzukaufen oder, falls der Kaufpreis zu hoch ist, vom 1. Dezember ab ein neues katholffcheS Organ erscheinen zu lassen. Die Nachricht ist vielleicht nur ein Versuchs-Ballon, da Personen, die als Mitglieder des Konsortiums genannt wurden, von der Sache nichts bekannt ist. —
• Wie aus Stuttgart gemeldet wird, soll die württembergische Regierung die Absicht haben, dem demnächst zusammentretenden Landtage die Aufhebung der württembergische« Gesandtschaften in Petersburg und Wien vorzuschlagen.
Ausland.
* Pest, 26. Nov. In den letzten 24 Stunden sind 4 Personen an Cholera erkrankt und 2 gestorben.
* In Ungarn find die Kulturkampfs-Puppen schon in den Coulissen, und es wird nicht lange dauern, bis sie anfangen zu tanzen. Der neue Präsident des Ministeriums, <5etr Mekerle, hat im Abgeordnetenhaufe rundweg erklärt, daß die Regierung dahin strebe, den konfessionellen Frieden zu erhalten. Um dieses edle Ziel zu erreichen, hat der Mann ganz sonderbare Mittelchen: Die Regierung will nur auf dem Platze bleiben, wenn ffe die obligatorische Civilehe gesetzgeberisch „nach Prinzipien" durchzuführen vermag, und das alles nur aus „Nothwmdigkeit" und aus sittlichem Interesse. Jetzt kann man nur noch die Gesetzentwürfe abwarten. Das „sittliche Interesse" kennt man schon.
* Bon Interesse ist es, zu erfahren, wie sich die bei der internationalen Münzkouferenz in Brüssel vertretenen Staaten zu der Währungsfrage stellen. Die Bereinigten Staaten halten als Hauptpunkte der herbei- zuführenden Vereinbarung die von jeglicher Beschränkung befreite Ausprägung von Gold und Silber zu Geld mit uneingeschränkter Zahlungskraft und die Festsetzung eines festen WerthverbältnisseS zwischen beiden Metallen. Dieser Ansicht schließen sich die Engländer an. Oesterreich und Deutschland wünschen in der gesetzlichen Regelung deS Münzwesens, wie sie zur Zeit besteht, keinerlei Aenderungen zu treffen. Rußland will sich nach keiner Richtung hin verpflichten und nimmt an den Berathungen nur unter allem Vorbehalt Theil. Frankreich und die lateinische Münzunion wollen jeden Vorschlag, welcher das Silber zu rehabilitiren geeignet ist, mit aller Sorgfalt prüfen. Holland, Spanien und Mexiko theilen Englands Ansicht, während Rumänien, Italien, die Schweiz und Griechenland ihre Vertreter auf der Konferenz zu irgend welchen bindenden Erklärungen nicht ermächtigt haben. — Biel wird, wie aus Obigem schon jetzt zu ersehen, bei den Verhandlungen der Münzkonferenz nicht herauskommen.
* In Paris fand gestern unter großem Zudrange des Publikums vor dem Appellhofe der erste Termin t
in der Untersuchung in der Panama-Angelegenheit statt. Die Angeklagten waren — wie vorauszusehen — nicht erschienen. Die Formalität ist aber erfüllt worden. Die Angelegenheit wurde nun auf Antrag der Anwälte bis zum 10. Januar 1893 vertagt. — Die parlamentarische UnterfuchungSkommission für die Panama-Angelegenheit beschäftigt sich näher über die Ursachen des plötzlichen Todes des Baron Reinach. Sie verlangte von der Regierung, Nachforschungen daüber anzustellen, und, falls sich Selbstmord ergeben sollte, die Papiere des Verstorbenen durchsuchen zu lassen.
* Die Fürstin von Monaco ist plötzlich wahnsinnig geworden und liegt im Sterben. Sie br findet sich bereits seit dem Tage, an dem die Jacht ihres Gatten in der Nähe von Toulon fast eine Beute der Wellen geworden wäre, in Fieberdelirien und glaubt fortwährend die Felsen von Toulon und bte Leichen der Selbstmörder von Monte Carlo zu sehen. Der Fürst und der Hof sind am Krankenbett versammelt. Die Fürstin ist eine geborene Heine, verwittwete Herzogin von Richelieu.
* Petersburg, 25. Nov. Aus Astrachan wird gemeldet: Der Kaiser begnadigt« die fünf wegen der Exzesse anläßlich des Ausbruchs der Cholera im Kreise Zarew kriegsgerichtlich Berurtheilten zu lebenslänglicher Zwangsarbeit.
* Der spanische Ministerrath hat beschlossen, 70,000 Gewehre und 5000 Karabiner nach dem System Mauser in spanischen Fabriken anfertigen zu lassen. — Ministerpräsident Canovas kündigte die Einbringunc eines Entwurfs an, betreffend die Aufnahme einer Anleihe zur Bezahlung der schwebenden Schuld.
* San Francisco, 24. Nov. Berichte aus Apia bestätigen, daß unter den Eingeborenen von Tutuila (einer der Samoa-Inseln) Unruhen ausgebrochen sind. Die Kämpfe in Pagopago begannen am 24. Oktober. Der Häuptling Leiato griff daS Dorf Aoa an und tödtete 4 Bewohner. Am 29. Oktober begaben sichAb- gefandte von Fagatono und Aoa nach Pagopago, um Friedens-Bedingungen zu vereinbaren, wurden aber von den Fayasaas, welche sich der Pagopago-Prrtei ange- schlosfen hatten, mit Schüssen empfangen. Fagatono und Aoa wurden in Brand gesteckt. Der östliche Theil ist zerstört. Leiato begab sich hierauf noch der Insel Annu in befestigte Stellungen. Am 4. Oktober trafen in Samoa 3 englische Kriegsschiffe ein.
* New-Nork, 26. November. In der Kohlenzeche Blofsbury bei Säten (Neu-Mexiko) brach ein Brand aus. Hundert Bergarbeiter sind erstickt.
* Biel Neues wird nun über die Operationen in Dahomey nicht mehr zu berichten sein. Abomey, die Hauptstadt des Amazonen-Staates, ist in den Händen der Franzosen und das „grausame Königreich, das auf der Sklaveret und auf Menschenopfern begrünvet ist," damit geöffnet. Eine Erinnerungs-Medaille an die Expedition nach Dahomey soll geprägt werden und Glückwünsche über Glückwünsche regneten auf den Führer der Expedition, den früheren Oberst jetzigen General Dodds herab. — Was soll nun mit Dahomey werden? Das weiß wohl so recht noch Niemand. Die französischen Truppen sollen demnächst aufgelöst werden, daß die weißen Soldaten, die von dem dortigen Klima schwer leiden, in ihre Heimath zurückkehren können; die Besetzung einzelner Punkte soll dann afrikanischen Truppen überlassen werden, während der wichtigste Hafen von Dahomey, Weidah, von nun an eine französische Garnison erhalten soll. — Da die Franzosen ihrem „großen Mitbürger", General Dodds, noch nicht die Hände schütteln können, so begnügen sie sich vor der Hand mit der Frau Generalin, einer Senegalesin, welche in Toulon wohnt. Die Frau des „glücklichen Feldherrn" wird mit Glückwünschen förmlich überfchüt- tet, wie denn auch der Kriegshasen von Toulon, ihres Wohnortes, zur Feier der Einnahme von Abomcy illu- minirt wurde.
Stadt, Provinz und Dachbargebret.
Fulda, 28. November.
* An der Spitze unseres heutigen Blattes veröffentlichen wir den wegen Mangels an Raum mehrere Tage zurückgestellten Aufruf „An die Katholiken Deutsch- lauds", in welchem ein Ausschuß katholischer Männer, deren Namen guten Klang hat, Vorbereitungen trifft, um am 19. Februar 1893 zum Papstjubiläum zu zeigen, was das katholische Volk Deutschlands für sein kirchliches Oberhaupt im Herzen fühlt.
(*) Die gestrige kir ch liehe Feier des Stiftungsfestes deS hiesigen Gesellenvereins verlief in üblicher Weise. Die Generalkommunion spendete am Morgen unser Hochw. Herr Bischof in der Michaelsktrche. Um */s3 Uhr fand in der Marienkapelle des Domes nach vorausgegangenem Umzug, an welchem der St. Josephs- Verein, der Meister- und Männerverein und die „Win- ridia" theilnahmen, die Nachmittagsandacht statt. Die Festpredigt hielt der hochw. Herr Diözesanpräses Prof. Dr. Schmitt, sich sehr eingehend und überzeugend darüber verbreitend, daß in keiner Lebensp-riode der innige Anschluß an die Kirche nothwendiger sei, als in )er Jugeridzeit. Am Abend vereinigte man sich im Vereinslokal zu gemüthlicher Unterhaltung,
* In Folge Erkrankung einer SohneS deS Herrn Freiherrn von Schorlemer-Alst war es fraglich geworden, ob derfelbe am Mittwoch, den 30. d. M., zum Bauerntage hierfelbst erscheinen werde. Wir können unseren Lesern heute die sehr erfreuliche Mittheilung machen, daß der erwartete hohe Gast laut einer heute Vormittag an Herrn Direktor Fürst Hierselbst gelangten telegraphischen Depesche ganz bestimmt übermorgen (Mittwoch) hier anwesend sein und bei der nachmittägigm Versammlung in der Turnhalle sprechen wird. Also am Mittwoch auf nach Fulda zum Bauern tage, der hochinteresfant zu werden verfpricht! —
• Die Tyroler Konzert - Sänger - Gesellschaft D'Jnnthaler, welche unter der Direktion des Herrn Franz Zunder am Sonnabend eine Vorstellung für die Rhönklubmitglieder im Bürgervereinssaale und gestern zwei Vorstellungen in der „Harmonie" für das Gesammt- Publikum veranstaltete, bietet Freunden deS NaturgesangeS und einer mitunter drastischen Komik reiche Abwechslung im Chor- und Einzelgesang. Die schmeichelhafte Anerkennung, welche den Leistungen der Gesellschaft aller Orten zu Theil wurde, ist vollauf gerechtferttgt. Die gemüthvollen, melodischen Tyroler Volksweisen werden nicht immer von einer Tyroler Sängergesellschaft in so künstlerisch vollendeter Weise zum Vortrag gebracht. Durch Xylophon- und Zithervorträge, sowie durch das Auftreten des trefflichen Schuhplatt'l-Tänzer» Paares erhält das Programm eine angenehme Abwechslung. Als hervorragendstes Mitglied der Gesellschaft dürfte Herr Kullmann zu bezeichnen sein, der auf der Zither wirklich Ausgezeichnetes leistet. Wir können deshalb den Besuch des heute (Montag) Abend, 8—11 Uhr, in der „Harmonie" stattfindenden Schlußkonzertes bestens empfehlen.
* Vom König!, statistischen Bureau in Berlin wird eine Ansprache an die Bevölkerung über die Bedeutung und die Ausführung der Viehzählung am 1. Dezember 1892 verbreitet, welche wir dieser Tage im Wortlaut mitgetheilt haben. Wir glauben jedoch nachstehende Sähe noch besonders hervorheben zu sollen: Endlich müssen wir einem noch immer nicht ganz geschwundene« Jrrthume entgegentreten, bet bahin geht, daß die Viehzählung irgend welchen Maßnahmen der Besteuerung zu dienen bestimmt sei. Dies ist keineswegs der Fall. Die durch hie Viehzählung erlangten Einzelangabm auf den Zählkarten werden weder Seitens der Steuerverwaltung noch sonst zu fiskalischen Zwecken verwerthet, sondern lediglich zu Uebersichten zusammengestellt und veröffentlicht, aus welchen zwar der Vieh- stand der Gemeinde- und Gutsbezirke, nicht aber derjenige des einzelnen Gehöftes, erkennbar ist. Das Ergedniß der Viehzählungen ist an erster Stelle dazu bestimmt, die wirthschaftlich nothwendige Frage zu beantworten, ob das vorhandene Vieh dm verschiedenartigen Bedürfnissen des Volkes genüge. Es soll u. A. Fingerzeige dafür bieten, in welchen Landestheilen dem Biehstande aufzuhelfm sein wird, wie die von auswärts an die Reichsgrenze heranrückmde Seuchengefahr abzuwehren oder ein derartiger im Innern auftretenber verberbenbringenber Feind erfolgreich zu bekämpfm, welche Viehgattung oder -Art für die verschiedmen Landestheile und Gebiete zu empfehlen ist u. a. m.
* Das König!. Staatsministerirm hat die Einführung des für wissenschaftliche Zwecke seither allein an» gewendeten lOOtheiligen Thermometers nach Celsius an Stelle des noch gebräuchlichen 80iheilrgen nach Räaumur beschlossen und die Einführung desselben in den öffentlichen und privaten Kranken- und Jrrenheil- anstalten, in Bädern und Badeanstalten, in dm Heb- ammm-Lehranstalten, in der Krankenpflege, sowie in den Schulen angeordnet. Es empfiehlt sich auch für den Privatgebrauch, in Zukunft Thermometer nach Celsius anzufchaffm, da voraussichtlich in nicht ferner Zeit alle Temperatur-Angaben in öffentlichen Vlättern und Zeitschriften nur nach diesem gemacht werden.
* Rothenditmold, 26. November. Dem Landwirth Heinzeroth wurden in vergangener Nacht vier Gänse gestohlen. Von dem Dieb hat man noch keine Spur.
* Kassel, 24. Nov. Der Präsident Herr Justizrath Hilf eröffnet die Sitzung des Provinziallandtages um »Ml Uhr Morgens und theilte mit, daß Seitens des „Kasseler Bürgervereins" eine Petitton hinsichtlich der Hoftheaterfrage eingegangm sei. Der Landtag beschließt in die Berathung der Pe/itton einzutreten und ernennt der Herr Präsident dm Abg. Herrn Justtzrath Rieß-Kassel zum Referenten über diesen Punkt. Der Landtag bewilligt sodann ohne Debatte dem Vorstände der Alters- und Jn- validitäts - Vers'cherungs - Anstalt Hessen- Nassau, eine von 1890 an zu berechnende jährliche Vergütung von 3000 Mk. Es folgt dann der Bericht der Kommission über den „Verwaltungsbericht der hessm-nassauischen landwirthschaftlichen Verufs- genossmschaft für die Jahre 1890 und 1891." Wir heben aus demselben Folgendes hervor: An Unfällen angemelbet finb im Jahre 1890: 1735, im I. 1891: 2214. An Entschädigungen sind gezahlt 91,498.75 Mk resp. 178,782.62 Mark. Von den in den Vorjahren bewillrgten Entschädigungen waren am 1. Jan. 1892 an Jahresrente fortlaufend zu zahlen: insgesammt 167,806,77 Mk. Nachdem dieser Bericht zur Kenntniß genommen, wird der Rechnnnzsberichr derselben Ge-