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An die Katholiken Deutschlands.

Am 19. Februar kommenden Jahres feiert unser glorreich regierender hl. Vater, Papst Leo XIII., den 50. Jahrestag seiner Biscdossweihe, ein zweites goldenes Jubiläum, ganz ähnlich, wie sein großer Vorgänger aus dem Apostolischen Stuhle, PmslX., wrlcher als der Erste nach Petrus über 25 Jahre hindurch die drei­fache Krone des Statthalters Christi trug und gleich­falls zwei goldene Jubiläen feierte. — Wir müsse:? hierin die Fügung Gottes erkennen, der gerade in den fchwerften Zetten der Beraubung und Gefangenschaft einen Stellvertretern derart Trost spenden will, daß er durch solche außerorde iche Anlässe die Herzen aller Gläubigen dem bedrängten Oberbaupte nahe brmgt und Zeugniß von ihnen fordert, daß sie unter allen B rhältnissen treu u >d unentwegt zum Römischen Stuhl- stehen.

Unser heiliger Vater hat uns in seiner herrlichen Encyklrka über das Rosenkranzgebet vom 8. September dieses Jahres selbst gesagt, in welcher Weise er wünscht, daß die katholische Weit diesen seinen Jubi- läumswg mit ihm feiere. „Von Unseren Söhnen er­warten Wir nicht sowohl Glückwünsche und Lobeser­hebungen, als frommes Gebet. Unsere höchste Freude wird es sein, wenn sie Uns erbitten, daß alles, was Wir an Kraft und Leben, an Ansehen und Gnade noch besitzen, zum Heile der Kirche gereiche, besonders zur Zurückführung und Versöhnung der Verirrten und Feindseligen, weiche schon lange Unsere Stimme ein­ladet."

In Uebereinstimmung mit diesem Höchsten Wunsch« und in der Ueberzeuqung, daß die gemeinsamen Gebete Vieler, sowohl an den Gnadenstätten in der ewigen Stadt, als auch an den bevorzugten Gnadenstätten der Heimath die wirksamsten sein müssen, getragen von der Ueberzeugung, daß in dieser bedrängten Zeit dem hl. Stuhle zur Durchführung feiner erhabenen Auf­gabe neben dem Almofen des Gebetes auch dasjenige der thatkräftigen Unterstützung nicht fehlen dürfe; daß das katholische Volk aber auch verpflichtet sei, feiner Liebe und Verehrung gegen den großen Papst und Dulder in der ganzen Welt offenen Ausdruck zu ver­leihen, hat dre General - Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Mainz folgenden Beschluß gefaßt:

Die 39. General-Versammlung ladet die Katholiken Deutschlands ein, ihren Gefühlen bet Verehrung, Liebe und Dankbarkeit für das erhabene Oberhaupt der Kirch-, Papst Seo XIII., ans Anlaß seines am 19. Februar 1893 stattfindenden 50jährigen Bischofsjubiläum einen entsprechenden Ausdruck zu geben.

Im Anschluß an die Vorschläge des römischen Komitee's werden folgende Kundgebungen empfohlen:

1) Darbringung eines außergewöhnlichen Peterspfennigs als Stipendium für die vom hohen Jubilar zu feiernde Jubiläumsmesse.

2) Veranstaltung von Pilgerzügen nach Rom.

3) Veranstaltung von Wallfahrten nach den Gnadenorten im eigenen Lande, um die Befreiung des hl. Stuhles zu erflehen.

4) Gründung von besonderen Stiftungen innerhalb der Diözesen, um das Andenken an Leo XIII. zu ver­ewigen'

5) Abhaltung von Festversammlungen zu Ehren des Jubilars.

Das unterzeichnete Komitee, zur Organisirung dieser Kundgebungen von der Generalversammlung be­rufen worden, wendet fick hiermit an die Katholiken Deutschlands mit der Aufforderung, den Beschluß der General-Versammlung nach allen Seiten hin auf das Kräftigste zu verwirklichen.

Bezüglich der Wallfahrten nach Rom wird durch den ^Vorstand des unterzeichneten Komitee's zu ge­gebener Zeit das Nähere bekannt gemacht werden. Als Zeitpunkt für die deutsche Wallfahrt ist vorläufig die Woche nach dem Weißen Sonntag 1893 in Aussicht genommen.

Die Wallfahrten in den einzelnen Diözesen, die Veranstaltung von Festversammlungen und die Samm­lung des Peterspfennigs bleibt der Organisation durch die einzelnen Komitee - Mitglieder in den betreffenden Diözesen unter Heranziehung weiterer Hilfskräfte und in Übereinstimmung mit den hochwürdigen Oberhirten überlassen.

Nach den rührenden Worten, mit welchen unser heiliger Vater uns selbst zur Begehung seines Jubel­festes auffordert, dürfen wir uns jeder weiteren Auf­forderung enthalten. Wir sind überzeugt, daß, wie das goldene Priesterjubilum, so auch dar goldene Bischofsjubiläum Leo XIII. ein neuer RuhmeStag des

Gras Waldburg - Wolfegg, Domkapitular (Rottenburg tr. Württembergs.

Dr. Wick, Domkapitular, Bistbums - Offizial und Präses der St. Michaels-Erzbruderschaft (Breslau).

Mathias Wiese, Fabrikant (Werden a. d. Ruhr).

Dr. Woker, Domkapiiular (Paderborn).

Leo Wörl, Magistrat-ral!) und k. k. Hosbuchhändler (Würzburg).

katholischen Deutschlands werden wird, an welchem es aufs Neu- vor aller Welt zeigt, daß es treu und un­abänderlich festhält an dem Stuhle Petri und dem großert Papste, der noch lange mit gleicher Kraft und Weisheit die dreifache Krone tragen möge.

Der gcschäftsführende Ausschuß:

Karl Fürst zu Löwenstein, Voi' tzender. FelirFreiherr Loö, erster st-Üvertr. Vorsitzer ber. Koch, von Kochow, zweiter stellvertr. Vorsitzende. Dr. A. v. Steinle, Schrift­führer. K. K. Eirhensly. Kaffirer. Dr. Frhr. Dael v. Koeth und Dr. Schmitt, Beisitzer.

Ludwig Auer, Verlags-Buchhändler und Direktor desCassia- neum (Donauwörth).

Bachmann, Rentner (Straßburg)

Franz Gras Balle st rem, Maltheserordensritter (Planiowitz bei Gleiwitz in Schlesien).

Franz Freiherr von Bodman (Bodmin am Bodensee). Ferdinand Gras Bissingen-Nippenburg (Schramberg in Württemberg).

Dr. Adam Gras von Bognslawice Sierakowski • (Waplitz bei Altmark, Kreis Stuhm, Reg.-Bez. Marien- Werder).

Brandenburg, Amtsrichter (Berienbruck bei Osnabrück). Brieden, Bischöfl. Kommissar (Magdeburg).

von Brentano-Tremezzo, Rechtsanwalt (Offenbach). GrasDroste zuVischering, Erbdroste (Reg-Bez. Münster.) Dr. Endres, Domkapitular (Trier).

L. Gras von Frohberg-Montjoie (Gersfelda. d.Rhön). Fritzen, Landesrath a. D, Reichs- und Landtags-Abgeordneter (Düsseldorf).

I. F u chs, Kaufmann -(Danzig).

D r. ErnestF urtner, Dir. vesallgem.geistl.Rathes(München). Dr. Augustin Gockel, Weihbischof und Domdechant (Paderborn). Ferdinand Graf Galen, Erbkämmerer (Burg Dinklage, Oldenburg).

Dr. Gal land, Kaplan (Münster).

Dr. Görtz, Rechtsanwalt (Trier).

Gröber, Landrichter (Heilbronn).

Eugen Haffner, Kaufmann (Main-).

Ch. Hartmann ^Erfurt).

Dr. Franz Her g enröth er, Domkapitular und Geheim­kämmerer Sr. Heiligkeit (Würzburg).

Hesse, Reichs- und Landtags-Abgeordneter (Paderborn).' Wilhelm Graf von und zu Hoensbroech (Schloß Haag bei Geldern).

Ludwig Huber, Verlags-Buchhändler (Kempten).

F. Hugo, Domkapitular und Generalvikar (Hildesheim). Adalbert Huhn, Stadtpfarrer (München).

Dr. F. Hülskamp, päpstl geheimer Kämmerer (Münster).

Ibach, Dekan, geistlicher Rath, päpstl. Kammerer (Vilmar, Hessen-Nassau).

Fürst Isenburg (Birstein).

von Kehler, Legationsrath a. D. (Berlin).

Fritz Freiherr von Ketteler (Ebringerfelde bei Lippstadt). Freiherr von Kettenburg (Kettcnburg bei Visselhövede, Hannover).

Eberhard Klein, Hofkaplan (Dresden).

Krebs, Amtsgerichtsrath (Liebstadt, Ostpreußen).

Dr. Knecht, Domkapitular (Freiburg im Breisgau).

Dr. Komp, Domkapitular und Regens (Fulda).

G. Freiherr von Korfs (Sutthausen bei Osnabrück).

Max Freiherr von Korff (Harkotten bei Füchtorf).

Ferdinand Graf Korsf-Schmissing, Amtsgerichtsrath (Werden a. d. Lippe).

Dietrich Freiherr von Laßberg (München), Dr. Leitner, Bischöflicher Sekretär (Regensburg). Dr. Joseph Lingens (Aachen).

Fritz Graf von Lo8 (Wissen bei Weeze, Rbeinprovinz).

Dr. Lüdtke, Generalvikar (Pelplin, Diözese Kulm).

Dr. Mandel, Ehrendomherr und Großdechant der Grafschaft Glatz (Niederhannsdorf bei Glatzl.

Dr. Eduard Marcour, Chefredakteurder.Germania'(Berlin). Dr. H. Meurer, Domkapitular (Osnabrück).

Ferd. Freiherr von Moreau (Reelsdorf).

Dr. Müller, Rechtsanwalt (Trier).

Dr. Müller, Justizrath (Coblenz).

Racke, Propst und päpstlicher Hausprälat (Paderborn).

Dr. Oberdörffer, Kaplan (Köln).

BaronvonPapius, Gcheimkämmerer Sr. Heiligkeit (Aschaffen­burg).

Dr. Porsch, Konsistorialrath (Breslau).

Friedrich Graf Praschma, Ehrenbarlli des Maltheserordens, Major a. D. (Falkenberg, Oberfchlesien).

Konrad Graf Preyfing-Lichtenegg-Moos (Moos bei Lan­genisarhofen).

Friedrich Pustet, Verlags-Buchhändler (Regensburg).

Dr. Raich, Domkapitular (Mainz).

I. Rang, Justizrath (Fulda).

F. Rang, Oberbürgermeister (Fulda).

A. Rees, Buchhändler (Freiburg).

Richtarsky, Kanonikus, sürst-erzbischöflicher Kommissarius und päpstl. geh Kammerherr (Bauerwitz, Oberfchlesien).

Freiherr von Rinck, Divisionspfarrer (Rastatt).

Rody, Khufmann (Köln).

Dr. Schädler, Professor (Landau).

Fritz Freiherr von Schorlemer (Overhagen bei Lippstadt). Dr. L. Schütz, Seminar-Professor (Trier).

Dr. Marc. Siigloher, Domkapitular (München).

Anton Graf zu Stolberg-Wernigerode (Peterswaldau, Oberfchlesien).

Graf F. L. zu Stolberg (Brauna bei Kamenz).

Baron von Stotzingen, Amtsrichter a. D. (Steißlingen bei Radolfzell, Baden).

Franz Teichgreeber, Rentner (Breslau).

Alois Tenger, rechtskundiger Magistratsrath (München).

Dr. Karl Trimborn, Rechtsanwalt (Köln).

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnemcntspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletrirtischcn Aonntagsbeflage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Berlin, 26. November.

* Im preußischen Abgeordnetenhaus- ist die ver­gangene Woche durch die Generaldlskuffion über die Steuerreform aesgefüllt wo den. So weit sich aus dem Verlaufe derselben ein allgemeines Urtheu fällen läßt, erscheint die Miquelsche Steuerreform keineswegs aussichtslos. Eine Vo bei ngnrg ist dabei von allen Parteien gemacht wordeii: Vorher über gleichzeitig, muß da? Wahlrecht, welches durch die Steuerreform nach der plutokratisch n Seite hin verschoben wird, einer Abänderung unterzogen werden, welche das Wahl­recht auch der minderbegüterteu Klasse sichert. Diese Vorbedingung stellten insbesondere auch die beiden Centrumsredner Frhr. v. Huene und Dr. Bachem. Am meisten gingen in der Generaldiskussion die Urtheile über die Vermögenssteuer auseinander. Ob die­selbe beibehaltm oder ob ein anderer Ersatz für dieselbe gesucht und gefunden werden wird, - steht noch dahin. Finanzministrr M-quel, welcher wiederholt in die Debatte ein griff, blieb stets dabei, daß die Vermögens­steuer der beste Wsg sei, um das funbirte Einkommen einer gerechrcn Höherdelastunü gegenüber dem Arbeits- Einkommen zu unterziehen. Bemerkenswerth ist noch, daß der ehemalige. Munster H er rs urt h als entschiedener Gegner der Miquelschen Steuerreform auftrat.

* Das Abgeordnetenhaus führte heute die 1. Berathung der Kommui alabgabenvorlagc zu Ende. Abg. Gerlich (freit.), der jedoch nicht im Namen der Fraktion sprach, tote vom Abg. Vopelius ausdrücklich hervor­gehoben wurde, erklärte, dem ganzen Reforwplan und besonders dieser Vorlage, nicht sympathisch gegenüber« zustehen. Er bedauerte namentlich die Ortsschulzen, die mit der Ausführung dieses Gesetzes betraut werden sollten, was einem gebildeten Manne schon Schwierig­keiten mache, indem der Sinn in den einzelnen Para­graphen der Vorlage doch gar zu dunkel gehalten sei. Städte und plattes Land unter einem Kamm zu scheeren sei unrichtig und befördere nur den Arbeirsrnangel auf dem Lande und Vergrößerung der Zahl der Arbeits­losen in den Städten. Abg. Seyffardt-Magdeburg (natl.) war prmzipiell mit der Vorlage einverstanden, beklagte aber, daß den Gemeinden die Erhebung von Zuschlägen zur Einkommensteuer verschränkt werden solle. Minister Miquel erwiderte, daß es immer noch genug Gemeinden geben werde, denen ein Einkommensteuerzuschlag über 100 % nicht verweigert werden kann. Abg. Kelders (natl.) möchte es gesetzlich festgelegt wissen, daß in be­stimmten Fällen die Regierung den Gemeinden die Er­hebung von Zuschlägen über 100 % nicht versagen dürfe. Abg. Dr. Würmeling (Ctr.) erklärte sich mit der Erhebung indirekter Steuern Seitens der Gemeinden einverstanden, bekämpfte aber die Nahrungsmittel- u. be­sonders die Biersteuer. Die Selbstverwaltung wolle er nicht beschränken, wohl aber vermieden wissen, daß eine Partei ober Clique die Verwaltung an sich reihen werde; vor Allem aber bekämpfte Redner eine Ent­wickelung der Steuern in plutokratischer Richtung. Abg. Sombart (natl.) erwartete bei der kommunalen Be­steuerung große Unzuträglichkeiten in Folge der neuen Landgemeindeordnung, was aber vom Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg als grundlos hingestellt wurde, der es auch für ungerecht hinstellte, die Gutsbezirke von der Aufhebung der Grundsteuer auszuschließen. Abg Tiedemann-Labischin (freiks.) empfahl Einführung der Hundesteuer als Kreissteuer, sowohl in pekuniärer als hygienischer Hinsicht. Nach einer Polemisirung zwischen dem Abg. Dr. Meyer und dem Finanzminifter Dr. Miquel wegen der gestrigen Angriffe des Ersteren gegen den Minister, wobei Letzterer das englische System bei uns neu einzuführen, als große Tborheit hinsttllte, er­griff Abg. Herrfurth, (der frühere Minister des Innern) das Wort, welcher die Vorlage als brauchbare Grund­lage zur Regelung des Gemeindeabgaben-Wesens hin­stellte, welche die Mängel des ganzen Reformprojektes wieder einigermaßen ausgleiche. Jedensalls: Ohne Aenderung des Wahlrechts keine Steuerreform. Schließ­lich wurden sämmtliche drei Steuervorlagen einer Kommission von 28 Mitgliedern