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grundsätze. Dem Abg. VopeliuS erwiderte der Minister, daß wegen Besteuerung gewerblicher Anlagen Verhand­lungen schwebten. Abg. v. Buch (kons.) b fürwortete die Vorlage und empfahl den Gemeinden u. A. die Schlachtsteuer. Abg. Sperlich (Ctr.) hatte eoenso wie Abg. v. Strombeck (Ctr.) im Emzetnen Ausstellungen zu machen, wünschte aber das Zustandekommen der Vorlagen.

* Das Gesetz über die Verbesserung der Lage der Volksschullehrer ist zwar im Kultusministerium fertiggestellt, scheint aber in anderen Resso-ts auf Schwierigkeiten zu stoßen; vielleicht, weil man eine Störung der Steuerreform durch dieses Ges tz befürchtet?

* Die Ernennung der Generals v. Werder zum deutschen Botschafter in Petersburg, welche dem Wunsche des Zaren entspricht, hat an der Newa den besten Eindruck gemacht. Von russisch-osfijwser Seite wird versichert, General v. Werder fei, wie selten Jemand, geeignet, zwischen Rußland und Deutschland freundliche Beziehungen zu erhalten und dadurch zur Wahrung des Friedens bejzutragen, waS ihm den Dank der beiderseitigen Völker sichern würde.

* Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten scheint in dem Reichstagswahlkreise Ärnswalde-Friedeberg der Kandidat der Antisemiten, Rektor Ahtwardt, ge­wählt zu sein.

* Pose», 24. Nov. Der .Dzieunik' bringt einen Bericht über die Thätigkeit der Sperr geld er-Kom­mission für die hiesige Erzdiözese. Derselben haben 168 Entschädigungs-Anträge mit einem Gesammtbetrage von 2,529,894 M. vorgelegen. Zur Bertheilung waren bestimmt 1,954,205 M., mithin betrug die Mehr- i forderung der Interessenten 575,689 M. Die Kom­mission hat 60 Anträge, welche eine Summe von 861,705 M. umfassen, abgelehnt, 1,668,188 M. be­willigt und nach Abzug der Kosten von 1714 M. einen Betrag von 284,300 M dem Diözesanfonds im Sinne des Gesetzes überwiesen. Hinzugefügt wird, daß die Kommissions-Mitglieder keinerlei Remuneration erhalten haben.

* Aus Pelpliu wird mehrern Blättern gemeldet: Dem Bischöflichen Stuhle wurden auf Beschluß der Sperrgelder - VerwendungS - Kommiifion für die Diözese Culm in Ausführung des vorjährigen Gesetzes 800,000 Mark und der katholischen Geistlich­keit deS Blsthums gegen 200,000 Mark ausgezahlt.

* Metz, 23. Nov. Auch die hiesige General-Ver­sammlung des Bolksvereins für daS katholische Deutsch­land war von glänzendem Erfolg begleitet. Es war | die erste öffentliche Versammlung der französisch redenden Katholiken, und sie bewies auf das Erfreu­lichste, daß die Herzen der reichsländischen Katholiken eins sind, ob auch die Sprache verschieden ist. Der Andrang war wahrhaft großartig: der weite Saal war so überfüllt, daß Biele keinen Einlaß mehr finden konnten. Unser Klerus, dessen Eifer für die Sache des Volksvereins ja auch auf der Mainzer Katholiken-Ver- sammlung mit Recht gerühmt wurde, hatte sich sehr zahlreich eingefunden; die Reichstags-Abgeordneten Dello- und Küchly waren anwesend; aus dem Elsaß waren Sladtpfarrer Cetty von Mülhausen, der bekannte Sozial-Politlker, und der Landesvertreter des Volks­vereins für Elsaß-Lothringen, Rentner Bachem von Straßburg, erschienen. Dre Reichstags-Abgeordneten Guerber und Simonis hatten warme BegrüßungS- und Glückwunsch-Schreiben an die Versammlung gerichtet. Drese wurde eröffnet von ReligionSlehrer Müller, auf dessen Vorschlag Herr Stadtrath Aubertin zum Präsi­denten erwählt wurde. Reichstags-Abgeordneter DelloS legte die Ziele und die Rothwendrgkeit deS Volksver­eins dar und forderte unter lebbaftem Beifall zum Eintritt auf. Chef-Redakteur Abba Collin sprach in zündender Rede über daS Wesen der Sozialdemokratie und ihre verderblichen Wirkungen. Dr. med. Haas forderte unter stürmischer Zustimmung die Katholiken aus, einig und geschlossen auch im öffentlichen Leben zusammenzustehen. Die bisherige Enthaltung vom poli­tischen Leben müsse aufhören; auf dem Boden der katholischen Ueberzeugung müssen Alle gemeinsam vor­gehen. Als glänzendes Vorbild dafür stellte Redner die Katholiken Aitdeurschlands hin. Pfarrer Cetty (Mül­hausen) führte in begeisternder, oft von wahren Stürmen des Beifalls unterbrochener Rede aus, wie sich die katholische Bewegung im Einzelnen zu gestalten habe, um zum Ziele zu gelangen. Unterstützung der Presse, Theilnahme am katholischen Vereinsleben sei die unbe­dingte Pflicht des Katholiken in unserer Zeit; im öffentlichen und politischen Leben, bei Wahlen u. s. w. dürfe er nicht zurückbleiben. Abb« Müller schloß mit warm empfundenen DankeSworten, namentlich für die Redner. Auch diese glänzende Kundgebung war wieder ein Beweis, daß die katholische Bewegung im Reichs­lande stetig fortschreitet, und daß die Erwartungen, welche in der katholischen Presse an den Straßburger Katholikentag geknüpft wurden, sich erfüllen werden.

* Dr. Wekerle, der neue ungarische Minister- Präsident, scheint sich schon aufdringlicher Freunde erwehren zu müssen: sogenannter Demokraten, die von ihm einen frischen fröhlichen Kampf gegen die ungarische Aristokiatie erwarten. Darauf deutet wenigstens die Antwort, die er in der Mittwochssitzung deS Unter»

I Hauses ertheilte, wo er die Bemerkung eines Abgeord­neten zurückwies, der mit dem Dienstantritt deS neuen Ministeriums den Kampf zwischen der Aristokratie und der Demokratie beginnen werde. Er lege viel zu großes Gewicht auf daS Zusammenwirken aller Kräfte der Nation, als daß er zu einem solchen Kampf die Hand bieten wollte, obwohl er bestrebt sein werde, grund­sätzlich die Postulate der Demokratie auf allen Gebieten zu verwirklichen. Bezüglich der Ehegefetzgebung sei die Regierung bemüht, ihr Versprechen durch Vor­legung eines Gesetzentwurfes baldmöglichst einzulösen. Daß die letztere Zusicherung den lebhaftesten Beifall der kulturkämpferischen Elemente deS Hauses fand, braucht wohl nicht besonders heivorgehoben zu werden. Bis zur Vorlegung desEhegesetz-Entwurfs könnte aber doch etwas mehr Zeit verstreichen, als den Freunden desselben lieb und angenehm ist. — Die Art und Weise wie Dr. Wekerle den ihm zugemutheten Gegensatz zwischen Demokratie und Aristokratie ablehnte, ist zweifellos geschickt, indeß hat der Minister am selben Tage bei anderer Gelegenheit über den gleichen Punkt sich anders ausgesprochen. Am Abend fanden große Ovationen der hauptstädtischen Bürgerschaft für den Ministerpräsidenten statt. An 2000 Fackelträger zogen, gefolgt von etwa 40,000 Menschen, vor seine Wohnung. Auf eine Begrüßung durch den Wort­führer dankte Dr. Wekerle und betonte, daß eS stets das Glück Ungarns gewesen sei, daß eS den Prinzipien der Demokratie und deS Liberalismus gefolgt. Das bürgerliche Element sei berufen, sämmtliche Schichten der Gesellschaft Ungarns zum Wohle des Vaterlandes zu vereinigen. Die Verschmelzung zu fördern und die Einigkeit aufrecht zu erhalten, werde er stets als seine erste Aufgabe betrachten. Aus diesen Worten leuchtet weit mehr eine Spitze gegen die Aristokratie hervor. Indeß dürfte Dr. Wekerle klug genug sein, sich zu sagen, daß eine Herausforderung der Aristokratie zu den überflüssigsten und dabei gefährlichsten Experimenten gehören würde, die er machen könnte.

* Paris, 24. Nov. Die Kammerhat demP an am a- Ausschuß dre ausgedehntesten Vollmachten erthellt. Auf Antrag Tourquay de Boisserin erhielt sie das Recht, selbst mit Gewalt Personen vor ihre Schranken zu bringen, den Eid abzunehmen, Beschlagnahmen und Haussuchungen zu veranstalten, überhaupt alle Befug­nisse zu üben, welche der Polizei und den Richtern zustehen. „Ein WohlfahrtS-AuSsckvß", sagen daher heute mehrere Blätter. In der Thal hat nie ein | Untersuchnngs-AuSschuß so ausgedehnte Befugniss: be­sessen, welche diejenigen aller Staatsbehörden durch­brechen, vernichten. Dies kann recht schlimm auSschlagen. Die Ausgabe von Loospepieren der Panama-Gesell­schaft wurde (April 1888) mit 288 Stimmen genehmigt, wovon 133 konservativ. Von diesen 288 gehören noch 100 der Kammer an. Die Hauptsache bleibt: durch I die bisherigen Enthüllungen und die Einsetzniig des 33er-AusschusseS ist der allgemein herrschende Argwohn gegen die Kammer, die Obenstehenden, nur bestärkt worden. Deshalb jammern auch schon viele Blätter wegen des Schicksals der Republik. Da daS Bürger- tönigihum und das zweite Kaiserreich durch viel un­bedeutendere Durchstechereien ur d Bestechungs-Geschichten gründlich erschüttert wurden, wird die Republik schwerlich mit heiler Haut davonkommen. — Im Senat will Blavier gegen den Kredit Foncier vorgehen, bei dem ein Fehlbetrag von 300 Millionen vermuthet wird. Bekanntlich wurde schon vor Jahren in der Kammer festgestellt, daß derselbe jährlich 1,200,000 Frcs., meist in regelmäßigen Monatsgeldern, an die Presse zahle.

* Das neue italienische Parlament ist am Mitt­woch vom Könige Humbert mit einer Thronrede er­öffnet worden, aus welcher vornehmlich der Passus her vorzuheben ist, daß die italienische Regierung zu­sammen mit den verbündeten Regierungen in wachsamer Sorgfalt bemüht sei, Europa vor jeder Gelegenheit einer Zwietracht zu bewahren. „Inmitten dieser Friedens­bürgschaften", schloß der König, beginnen Ihre Arbeiten. Ihre Weisheit wird dieselben fruchtbar zu gestalten wissen."

* Der junge König von Spanien ist nunmehr vollständig wiederhergestellt; derselbe unternahm gestern bereits eine Spazierfahrt.

* Die Kampagne in Dahomey scheint mit der er- folgten Einnahme von Abomey als in der Hauptsache beendet. König Behanzin hat vor dem Verlassen seiner Hauptstadt seine sämmtlichen Paläste niederbrennen lassen und ist mit den Trümmern feiner Armee drei Tagemärsche weiter nordwärts gezogen. Dieses Alles bestätigt General Dodds in feiner Depesche an die französische Regierung und er sügr noch hinzu, daß er Maßregeln ergreife, das ganze Gebiet von Dahom y zu besetzen.

Stabt, Monny rmd Nachbargebrei.

Fulda, 26. November.

* Wie uns der Landtagsabgeordnete für de» Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld, Herr Kaplan Das­bach, ans Berlin wittheilt, wird derselbe am nächsten Mittwoch, den 30. November, Vormittags 9 Uhr in Hilders und an demselben Tage vm 1 U6r im neuen Hüte! am Bahnhofe Milseburg je eine Versammlung

I abhalten, um seinen Wählern über die gegenwärtig im Abgeordnetenhause zur Berathung stehenden Steuer­gesetze Bericht zu erstatten. (Siehe Nachtrag.)

* Am morgigen Sonntage, sowie am 4., 11. und 18. Dezember, den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten, ist der geschäftlicheBerkehr bis Abends 7 Uhr freigegeben, selbstverftändlich mit Ausnahme der Zeit des Haupt-Gottesdienstes. Unter Hinweis hierauf und auf die herannahende Weihnachtszeit ist es wohl gerechtfertigt, an Alle, die es angeht, auch in diesem Jahre die Bitte zu richten, ihre Einkäufe und Bestellungen auf anzufertigende Artikel möglichst am Orte zu machen und nicht in dem Glauben das Geld nach Auswärts zu tragen, „dort billiger und besser bedient zu werden." WaS sie sich vielleicht ein­mal durch scheinbar billigeren Einkauf ersparen, daS setzen sie ein ander Mal doppelt und dreifach zu, gar nicht zu redjnen die Reise- und Portokosten und die versäumte Zeit! Die hiesigen Geschäftsleute sind stets bemüht, dieBedürfniffe der Kauflustigen zu befriedigen, sind auch gewiß unter allen Umständen bereit, das Möglichste in billigen Preisen und reellen Maaren zu bieten. Wo das Geld bleibt, bleibt auch Der Verdienst, und das ergänzt sich gegenseitig, so daß der Eine durch den Andern mit verdient. Es bleibt auch im Orte die Steuerkraft, ein Umstand, den man ja nicht unterschätzen möge! Nachgerade ist das Wegtragen des Geldes au- kleineren Städten in größere zur förmlichen Manie ge­worden. Haben sich Diejenigen, die derselben huldigen, | schon einmal klar gemacht, was aus unserem Geschäfts- und Handwerkerstande, der wahrlich nicht auf Rosen gebettet ist, werden sollte, wenn Jeder so wie sie han­delte? Ist eS vielmehr nicht segensreicher, durch Pflege des Lokal-Patriotismus die Zufriedenheit in diesen Kreisen bewahren zu helfen, anstatt der Unzufriedenheit in die Hände zu arbeiten? Darum: „Kauft am Orte."

• Der Herr Oberpräsident schloß gestern mit einer Ansprache den fünften Provinziallandtag und er­öffnete anschließend den achtzehnten hessischen Kom­munallandtag. — In der Donnerstags-Sitzung des Provinziallandtags wurde u. A. der Antrag an­genommen, dem Vorsitzenden des Vorstandes der AlterL- unb JnvaliditätS-Versicherungs-Anstalt Hessen-Nassau, dem Herrn Landesdirektor der Provinz, von dem Jahre 1890 an eine jährliche auf 3000 M. festzusetzende Ver­gütung zu gewähren, sowie ferner der Anirag des Vor­standes der JnvaliditätS- und Altersversicherungs- Anstalt Heffen-Naffau auf Genehmigung der hypothe­karischen Anlegung eines TheileS deS Vermögens der Versicherungs-Anstalt über die mündelssichere Grenze hinaus, zum Zwecke deS Baues von Arbeiterwohnungen. Weiterer Bericht folgt.

* Schuldicnstnachrichtcn Lehrer Faber zu I Wlistenfachsen ist vom 1. Dezember ds. Js. ab an die Schule zu Dipperz versetzt worden. — Zum 2. Lehrer in Wüste- sachsen wurde Dir Schulamtskandidat August Will aus Geisa b«stellt.

* Die von hier nach Schlitz verlegte Stiehl'sche Militär-Musikschule, ist von dort nach Idstein über» gesiedelt.

* Die Regierung erläßt eine Ausführungs- Anweisung zum Gesetz über Kleinbahnen, wonn die dem Unternehmer im Interesse der Landesver- theidigung anfzuerlegenden Beipflichtungen festgesetzt werden. Zur Konzeision von Bahnen in oder bei Festungen bedarf es danach des Einverständnisses der Festungsdedörde. Bei allen für Maschinenbetrieb ein­gerichteten Bahnen werden außer der Normalspur nur Spurweiten von 0,60, 0,75 und 1,00 Mtr. zugelassen. Außerdem sind Bestimmungen über Mindestgewicht ! der Schienen, das rollende Material und BahnhofS- einrichtungen gegeben. Sofern die Kleinbahnen an andere Bahnen anschließen und ein Uebergang von Wagen nicht angängig ist, müssen zweckmäßige Um» ladevorrichwngen hergestellt werden. Bezüglich aller Kleinbahnen, welche ganz oder theilweise in Kreisen, welche an einen nicht zum deutschen Reich gehörigen Staat grenzen, oder in einem Gelände, welches seiner besonderen militärischen Bedeutung wegen, den Grenz­kreisen gleichzustellen ist, liegen, ist vor Ertdeilung her Genehmigung dem KriegLmlnister durch Bermittelurig deS Generalkommandos Anzeige zu machen.

? Uffhausen, 24. Novbr. Gestern Nachmittag waren in dem Hofe des Wirths Bernhard Wagner Fuhrleute mit dem Abladen von Eichenbauholz be­schäftigt, wobei Der hiesige Maurer Joseph Lang von einem Stamme zu Boden gedrückt wurde und so schwere Verletzungen erhielt, daß sein Tod augenblicklich eintrat.

* Gersfeld, 25. Nov. Die letzten Tage brachten uns bereite empfindliche Kälte. Vergangene Nacht hatten wir geringen Schneefall bei milderer Temperatur. Heuie Mittag stellten sich wiederholt Schneegestöber ein.

* Die mit einem Jahresgehalt von 900 Mark ver­bundene KreisphynkatSitille im Streife Schlüchtern mit dem Wohnsitz in Schlüchtern ist erledigt. Bewerber wollen ihre Gesuche, denen die ärztliche Approbation, der Nachweis der Befähigung zur Verwaltung einer Physikatsstelle, sowie ein kurz gefaßter Lebenslauf bei­zufugen find, binnen sechs Wochen an Herrn Regie­rungspräsidenten Rothe in Kassel einzureichen.

• Kassel, 25. Nov. Gestern Nachmittag fand in dem festlich geschmückten Saale des Hotels „König von