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Donnerstag, den 24. November 1892.

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Deutsches Keich

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Um den Haushalt der einzelnen Bundesstaaten mit der Auf­bringung der für die Verstärkung der Armee erforderlichen Mit­tel nicht zu beschweren, besteht die Absicht, diese Mittel durch die Erschließung neuer Einnahme-Quellen für das Reich zu be­schaffen. Demzufolge unterliegen gegenwärtig derBeschlußnahme des BundesratheS Gesetzentwürfe, welche auf eine anderweite Be­steuerung des Bieres, des Branntweins und gewisser Börsen- Geschäfte abzielen.

। aufheben, oder doch gerechter vertheilen werde. Abg. v. Eynern (natl.) sprach sich gegen die Vorlagen aus, insbesondere gegen die Vermögenssteuer in Verbindung mit der Deklarationspflicht. Die Geheimhaltung der Deklaration ließe sich nicht immer durchführen und | würde somit den Ruin vieler kleinen und auch mancher I großen Kapitalbesitzer nach sich ziehen, sowie auch die Auswanderung begünstigen. Redner empfahl schließlich die Erbschaftssteuer, die ja doch auch Hamburg, Bremen und Lübeck bereits hätten und deren etwaige Härten durch das Eintreten schnell aufeinanderfolgender Erb­fälle bestimmungsmäßig gemildert werden könnten. Generalsteuerdirrktor Burghardt legte dar, daß der Vorredner die Wirkung der Ueberweisung der Real- I steuern erheblich unterschätze. Im Uebrigen halte die Regierung an den Formen der Einschätzung, die durch die Zustimmung des Hauses erlangt worden wären, fch; dieselben wären röthig, um Mißbräuchen vorzu­beugen. Abg. Frhr. v. Huene (Ctr.) machte die An­nahme der Reform Vorlagen im Namen seiner politischen Freunde von der Aenderung des Wahlrechts abhängig. Redner billigte die Aufhebung der Realsteuern, doch genügten bloße Ueberweisungen nicht, da den Gemein­den doch nur auSgeschöpfte Brunnen überwiesen werden würden. Daß auf dem Lande Wohlhabenheit herrsche, wies Redner zurück: wäre das der Fall, dann wären wir schön raus! Redner wies dann die Vorwürfe gegen die lex Huene zurück, hielt die Ueberweisung der Berg- Werkssteuer an die Gemeinden nicht für unbedenklich und fand bei dem Vermögenssteuerentwurf namentlich Mängel in der Steuerskala. Nachdem er schließlich noch die Unzufriedenheit über die neue Art des Einschätzungs­verfahrens Seitens der Beamten, die ja auch bte An­nahme des Bermözensstenergesetzes erschwere, betont hatte, gab er zu verstehen, daß die Aussicht auf eine Verständigung über die Steuerreform nicht gar zu schlecht sei. Wenn nicht Alles zu erreichen ist, so wolle er doch die Richtung der Reform nicht hindern.

* Dem Bundesrathe ist ein Gesetzentwurf, be­

* Das preußische Abgeordnetenhaus setzte die 1. Berathung der Steueraufhebungsvorlage in Ver­bindung mit der Denkschrift fort. Finanzminister Dr. Miquel wies die Behauptung, daß die Steuerreform einen plutokratischen Charakter trage, zurück. Kleine Besitzer, Handwerker und Arbeiter würden nicht be­troffen, denn dieselben hätten eben kein steuerpflichtiges Vermögen von 6000 Mark. Die steuerschwachen Ein­kommen werden entlastet, die steuerkräftigen dafür stärker herangezogen; das wäre doch keine Plutokratie. Der Minister sprach dann noch die Hoffnung aus, daß die Stadt Berlin, wenn sie 10 Millionen aus der Ge-

desraths betr. die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Uebersicht Der das Heeresergänzungs-Geschäft. Die Auszählung ergab die Anwesenheit von 222 Ab­geordneten. Das Haus ist somit beschlußfähig. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Wahl der Präsidenten und Schriftführer.

Ihnen die verbündeten Regierungen die Ann^me eines Gesetz­entwurfs vor, welcher, indem er die Friedenspräsenzftärke des Heeres anderweit regelt, die volle Ausnutzung unserer Wehrkraft ermöglicht. Sie verkennen dabei nicht die Größe des von der Natron zu bringenden Opfers. Allein sie vertrauen mit Mir mehr und mehr die Nothwendigkeit dieses Opfers anerkannt

„Ja, ich will es wieder gut matben", e widerte Franz mit einer Ruhe, die man früher nie an ihm gewohnt war. und die gerade deshalb dem heftigen Peter die Waffe aus der Hand schlug.

Sein Entschluß stand fest, und er ließ sich durch die Vorwürfe des Freundes nicht irre machen, sondern gab diesem ein volles Bekenntniß seiner Schuld, welches ja immer der sicherste Anfang der Besserung ist

„Es ist wahr« , sagte er, „ich habe Dir Unrecht gethan; Du warst mir von Juaend an der beste, auf­richtigste und uneigennützigste Freund, und ich habe Dich preisgegeben und verrathen um des Sachsen willen ... Aber soll ich Dir schildern, nue ich dazu kam, wie ich mich so verleugnen konnte? — O, ich weiß es ja selbst nicht — als wäre ich wahnsinnig gewesen die ganze Zeit, so scheint es mir heute, nachdem ich wieder zu mir gekommen bin . . .

„Fritz Glasing kam allein und fremd hier an. Du hattest von Anfanq an schon einen Widerwillen gegen ihn und machtest kein Hehl daraus; aber mich dauerte er, rote er so schief angesehen, und überall nebenhin geschoben wurde von allen Kameraden. Er war de- scheiden und zurückhaltend und wußte doch Manches, wovon wir Anderen, die nie draußen im großen Leben gewesen waren, keine Ahnung hatten, und er machte mich auf Manches aufmerksam, was ich bisher nicht beachtet hatte. So kam ich ihm nahe und näher, und

es schien mir Unrecht, wie Du ihn Dir vom Leibe hieltest, uni) wie die Änderen es Dir nachmachten. ES kam mir vor, als seien sie alle von Dir abhängig, und das verdroß mich, und ich suchte nur noch das Gegen- theil von Dir zu sein und zu thun.

„Anstatt dabei aber selbstständig zu werden, gerieth ich immer mehr in die Gewalt jenes dämonischen Menschen; er schürte und entflammte meine Leidenschaft, und schließlich war ich von einem Haß gegen Dich be­seelt, daß ich mit Wollust sah, wie Du auf dem Johannisfest gegenüber den Feldheimern den Kürzeren zogest . . .

„Eist später erfuhr ich von dem Sachsen, wie daS Alles von ihm selbst herbeigeführt war, wie er absicht­lich den plumpen Feldheimer Burschen zu Fall gebracht habe, um Dich als den Schuldigen hinzustellen. Mein Inneres bäumte sich auf über die Niedrigkeit, mit welcher er sich dieser That rühmte. Ader ich war gegenüber dem Sachsen nicht mehr Herr meiner selbst, toie ein willenloses Werkzeug stieß er mich, wohin er wollte.

„Als Du dann von Lisbeth getrennt warst, trieb er mich, daß ich ihr den Hof machen sollte, und ich gab mich dazu her, weniger, weil ich selbst Lust verspürte, als vielmehr aus Nerd gegen Dich . . . Doch die rich­tige Erkennmiß blieb nicht aus; gar bald regte sich ein richtiges Gefühl und ich sah ein, der Sachse hatte

Im Wetter geschüttelt.

Eine Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach.

(35. Fortsetzung.)

Franz war wie zerschlagen von dem Empfang, der ihm hier wurde. Aber die gute Regung in ihm war wirklich aufrichtig, und dabei dachte er vor Alftm an feine Braut, daß er sich so kurzer Hand nicht ab- toelfen ließ.

„Ja, Peter," sagte er offenherzig, „es ist wahr, ich habe Dir bitter Unrecht gethan. Aber siehe ... ich erkenne es an und . . . will auch wieder gut machen was noch gut zu machen ist ..."

„Wieder gut machen!" schrie Peter schrill aas. Du willst es wieder gut machen, daß Du mich, der "von Kindesbeinen an mit Dir zusammen ausgewachsen war der kein Geheimniß vor Dir hatte, der jeden Bissen Brod mit Dir getheilt hat — Du willst es wieder gut machen, daß Du mich verrathen und preisgegeben hast, um — nur um d-S Sachsenstitz willen! . Du willst es wieder gut machen, daß Du mich bet den Kameraden verleumdet und gegen mich geh-tz: hast — wo sind sie denn, bei denen Du es gut machen willst daß ich geächtet und aus der Heimath verstoßen ward, kannst Du denn die Zeit zurückrufen, die fest steht wie ein ewiger Fels im Meere der Vergangenheit daß Du wieder gut machen willst . . .?"

Eröffnung -es deutschen Reichstages.

Nach. voiangegangenem Gottesdienst in der St. HedwigSkirche für die katholischen Mitglieder und in der Jnterimskirche für die protestantischen Mitglieder des Hohen Hauses wurde gestein Mittag 12 Uhr die Eröffnung des Reichstages im festlichen Gepräge vom Kaiser selbst vollzogen. Die hier anwesenden Prinzen und Träger der höheren Hof-, Staats- und Reichs­ämter batten sich eingefunden und stellten sich links vom Kaiser, während die Mitglieder des Bundesraths rechts Posto gefaßt hatten. Die Schloßgarde war im Borsaale des R ttersaales aufgestellt. Nachdem der Kaiser benachiichtigt worden war, daß die Versammlung sich gruppirt habe, erschien er selbst im Rittersaale. Sei seinem Erscheinen brachte Präsident v. Levetzow ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Der Kaiser ließ sich vom Reichskanzler die Thronrede reichen und verlas dieselbe mit aehobener, kräftiger Stimme. Dieselbe hat folgenden Wortlaut:

Geehrte Herren!

Beim Eintritt in Ihre Berathungen heiße Ich Sie zugleich im Namen Meiner hohen Verbündeten willkommen. ® B

Der Rückblick auf den seit Ihrer letzten Tagung verflossenen Zeitraum gewahrt em nicht ungünstiges, wenn auch nicht in allen Beziehungen erfreuliches Bild. Auf dem Gebiete des wirtb- schaftuchen Lebens smd berechtigte Erwartungen vielfach nicht “ vfLün“2M-C9a?9e? Der Absatz der Erzeugniffe der vater­ländischen Arbeit hat sich in seinem Umfange und in seinem Er- trage nicht durchweg auf der Stufe befunden, welche unserem wrrthschastlichen Interesse entspricht. Daneben hat die in ein« jelnett Theilen des Reiches aufgetretene, nun aber, dank der «Prf^e.n.m6^e^r'-*I§r-9»il9t,4U betrachtende Seuche dem inneren Verkehr empfindliche Schranken auferlegt und dem Wohlstände unserer ersten Seehandelsstadt beklagenswerthe Wunden ge­schlagen, welche das aufrichtige Mitgefühl der Nation finden.

Jm Hinblick tedoch auf die im Allgemeinen gesegnete Ernte und auf die bisher von Erfolg begleiteten Bemühungen der verbündeten Regierungen, der deutschen Arbeit neue und er­leichterte Absatzwege zu verschaffen, gebe Ich Mich der Erwartung b°b wir zu einem kräftigeren Aufschwünge der wirthichaft- W" THMlgkeit gelangen werden, sofern uns der Friede, dessen erhalten bleib^^ ®^finen hohen Verbündeten am Herzen liegt, I TO®ei den freundlichen Beziehungen, in welchen wir zu allen Machten stehen, und in dem Bewußtsein, daß wir bei der Ver­folgung des gemeinsamen Zieles auch ferner der dankenswerthen und wirksamen Unterstützung der mit uns verbündeten Staaten zu erfreuen haben werden, darf Ich die Hoffnung hegen, b^ Deutschland m dem friedlichen Bestreben, seine idealen und wrrthschastlichen Interessen zu fördern, nicht werde gestört

Gleichwohl macht es uns die Entwickelung der Wehrkraft anderer europäischen Staaten zur ernsten, ja gebieterischen M'cht,. auch unsererseits auf die Fortbildung der Vertheidigungs- fahigkeit des Reiches mit durchgreifenden Mitteln Bedacht zu nehmen Jener Entwickelung gegenüber dürfen wir nur bei Durchführung des bewährten Grundsatzes der allgemeinen Wehr­pflicht erwarten, baß Diejenigen Eigenschaften unseres Heeres auf welchen seine Kraft und sein Ruhm beruht, Deutschland die bis dahin unter den Mächten eingenommene achtunggebietende Stellung auch für die Zukunft sichern werden.

Ungeachtet der nicht unerheblichen, im Allgemeinen inner«

der planmäßigen Grenzen sich haltenden oder auf rechtlichen , öululTOuu, ivwu ue ±u ivciuiunen aus oer l»e-

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die Bundesstaaten in den ihnen gebührendenUeberweisungen eine ™ b nh,r hnfh nprprh,pr hprf*'“,f”’ Wfc“

mehr als ausreichende Deckung für die allen gemeinsamen Matri- kular-Beiträge vom Reiche empfangen.

Mit Rücksicht auf die Ansprüche, welche die zur Fortbildung unserer Heeres-Einrichtungen bestimmte Vorlage und die damit in Verbindung stehenden Steuergesetzentwürfe an Ihre Arbeits­kraft stellen, werden Ihnen außer dem Etat von den verbündeten Regierungen nur solche Vorlagen zur Beschlußfassung zugehen, deren Erledigung besonders dringlich erscheint.

Meine Herren! Indem ich Sie einlade, in Ihre Geschäfte einzutreten, weiß Ich, daß es der besonderen Aufforderung, die Berathungen im vaterländischen Geiste zu pflegen, nicht bedarf. Der feste Wille der Nation, das Erbe der Väter zu wahren, den Frieden zu sichern und dem geliebten Baterlaude seine theue'rsten Güter zu erhalten, wild — das ist Meine Zuversicht — zu einer Einigung über den von Mir und Meinen hohen Verbündeten Ihnen vorgeschlagenen Weg führen. Geschieht dies, so wird das Reich im Vertrauen auf Gott und auf die eigene Kraft der Zu­kunft ohne Sorge entgegengehen dürfen!

Nach Verlesung derThronreve brachte der bayerische BunbeSrathS-Bevollmächttgte Graf Lerchenfeld das Hoch aus den Kaiser au«, in welches die Vetsammlung be­geistert einstimmte. Der Kaiser verneigte sich huldvollst gegen die Anwesenden und verließ den Rittersaal, nach allen Seiten grüßend.

Sicherheit des Vaterlandes getragen werden müssen. befirntha tu>tr h>p OLL-hnftt-mnz»

In dem Bestreben, diese Lasten thunlichst zu erleichtern wird die Dienstpflicht im Heere bis zu der militärisch als zu­lässig erkannten Grenze thatsächlich eingeschränkt werden. Da­neben wird durch die erweiterte Ausbildung und Verwendbarkeit der jüngeren Kräfte für den Heeresdienst nicht allein eine em­pfindliche Ungleichheit in der Erfüllung der Wehrpflicht, sondern auch der wirthschaftliche und militärische Nachtheil abgemindert welchen die Heranziehung der älteren Jahrgänge mit sich bringt.

Zugleich wird diesen Jahrgängen eine Schonung zu Theil wer­den, deren sie sich bei den gegenwärtigen Einrichtungen nicht zu erfreuen haben.

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Berlin, 22. November.

* Die erste Sitzung des Reichstags eröffnete Pcä- sibent v. Levetzow mit einer kürzen Begrüßung der Abgeordneten. Eiugegangen sind folgende Vorlagen: Reichshausbaltsetat für 1893/94, Anleihegesetz. Kolo­maletats, Uebersicht der Reichs-Ausgaben und Ein- nabmen im Jahre 1891/92, Allgemeine Rechnung für 1884—1889, Etats-Konti olgesetz, Novelle zum Reichs- Bon dieser Ueberzeugung einmüthig durchdrungen, schlagen invalidenfondsgesetz, Strafgesetznovelle betr. die nicht m bte ^rhünhPtPn ----- — 1 öffentlichen Gerichtsverbandlungen, Gesetzentwurf betr.

die Anwendung der VertragSzollsätze auf nicht meist­begünstigte Staaten, Gesetzentwurf betr. Einführung der mittelem opäischen Zeit, Auswanderungsgisetz, Denk- schrift über die Anleibegefttz-, Rechnung der Ober-