bestens mit dem gleichen, höchstens mit dem 1^/zfachen Betrage des Prozentsatzes heranzuziehen, mit dem die Staatseinkommenfteuer belastet wird.
Die Anlagen zu den Vorlagen enthalten ein reiches statistisches Material über die Steuerverhältnisse der Gemeinden, die Vertheilung des Einkommens und die Wirkung des neuen Steuertarifs bezüglich der pfysischen Personen und die gekeiften Grundsteuerentschädigungen.
Deutsches Keich.
Berlin, 14. November.
* Der Kaiser empfing gestern den aus Straßburg eingetroffenen Bischof Dr. Fritzen in Audienz. Heute früh kamen der Kaiser und die Kaiserin nach Berlin, statteten zunächst der Kaiserin Friedrich, die früh mit der Prinzessin Margarethe aus München hier eingetroffen war, einen Besuch ab und empfingen dann die Präsidien des Landtages. Der Kaiser erkundigte sich theilnahmLvoll nach dem Befinden des Präsidenten des Herrenhauses, HerzogvonRatibor, der noch immer das Zimmer hüten muß und deshalb an dem Empfange nicht theilnahm. Ferner sprach der Kaiser die Erwartung aus, daß die Steuerreform zu einem gedeihlichen Abschluß gelangen werde. Mittags fuhren die Majestäten nach Potsdam zurück, wo sie dem Prinzen Friedrich Leopold zu seinem heutigen Geburtstage ihre Glückwünsche abstatteten, und Nachmittags reiste der Kaiser nach Wernigerode ab.
* Der Kaiser hat zur ColumbuS-Weihefeier in Chicago folgenden Glückwunsch an den Staatssekretär gerichtet: „Der deutsche Kaiser läßt Ihnen durch den deutschen Geschäftsträger anläßlich deS 400. JahreSlageS der Entdeckung Amerikas seinen aufrichtigen Glückwunsch aussprechen und verbindet mit demselben seine herzlichsten Wünsche für die fernere Entwickelung deS großen Landes, an dessen Spitze Sie stehen."
* Die Eröffnung des Reichstags findet am 22. d. M. Mittags 12 Uhr im Rittersaale des Berliner Schlosses statt. Zuschauer können deS beschränkten Raumes wegen nicht zugelaffen werden. Die Verlesung der Thronrede erfolgt wahrscheinlich durch den Kaiser selbst.
* Der Reichstag wird bei seinem Zusammentritt am Dienstag über acht Tagen den ReichShaushaltS- etat vorfinden, dessen einzelne Theile gegenwärtig den BundeSrath beschäftigen. Die Wirkung der neuen Militairv orlage kann in dem Etat natürlich noch nicht berücksichtigt werden, da die Vorlage eben noch nicht Gesetz ist. Dieselbe wird, wenn sie angenommen werden sollte, eine wesentliche Verschiebung deS Bildes im Gefolge haben, welches der Etat darbietet. Zunächst hat die Militärvorlage noch nicht die Annahme im BundeSrath gefunden. ES scheint, daß eine Anzahl von Einzel st aaten darauf besteht, daß erst über die Deckung der Mittel völlige Klarheit geschaffen werde.
* Zum Studium der Stenervorlage« haben die Abgeordneten sich 8 Tage Zeit genommen. Die Zeitungen haben pflichtmäßig ihr Urtheil rascher zu liefern. Hauptsächlich beschäftigen sich die Blätter mit der Vermögenssteuer, zum großen Verdruß der ,Nordd. Allg. Ztg/, welche das Kommunalsteuergesetz als die prinzipiell wichtigste der Vorlage in den Vordergrund gestellt sehen möchte. Am meisten hat sich mit der Vermögenssteuer bereits die ,Kreuzztg/ be- fteundet, wenngleich auch sie an manchen Einzelheiten etwas auszusetzen hat. Sie kommt zu folgendem Er- gebniß: „Alles in Allem wird man zugeben müssen, daß der dreigetheilte Steuerentwurf eine nach großen Gesichtspunkten einheitlich gedachte und durchgearbeitete Vorlage ist, auf deren Zustandekommen trotz aller Wünsche und Bedenken im Einzelnen wir im Interesse deS öffentlichen Wohles nur hoffen können." Ganz anders die ,Post', deren reichen, im Herrenhause sitzen-
auf und die bloße Gegenwart genügt, um einander vollständig zu verstehen; alles Andere ringsumher verschwindet: was bedarf es da der Aeußerlich- keiten?--
Der alte Sanitätsrath hatte sich, nachdem er mit Zufriedenheit den ersten Eindruck des Besuches auf den Kranken wahrgenommen, um nicht weiter die Familienscene zu stören, leise entfernt und machte unter- deffen einen Rundgang durch die Krankensäle.
Inzwischen war ein Viertelstündchen verstrichen, und jetzt trat er wieder durch eine Verbindungthür aus dem Nebenzimmer herein zu unseren Leuten, denn länger durfte sein Patient nicht in Anspruch genommen werden.
Das Gesicht des Arztes war sehr ernst geworden auf diesem Rundgang, und indem er nun freundlich zum Abschied mahnte, bemerkte er mit sorgenvoller Miene: „Es hat viel Elend gegeben in diesen Tagen, und Manchem, den der Tod noch nicht geholt hat, wird doch die Sonne nicht mehr lange scheinen. — Daneben liegt auch noch Einer, von dem man nicht weiß, ob er für die Welt oder das Jenseits zu rechnen ist."
Unwillkürlich folgten alle Blicke der Handbewegung, welche der Sanitätsrath nach dem Nebenzimmer zu machte, aus welchem er soeben getreten war.
den Hintermännern die Vermögenssteuer argen Verdruß macht. Die Thronrede habe in Herrenhauskreisen den ungünstigsten Eindruck gemacht, und zwar wegen der gänzlichen Nichtbeachtung der Beschlüsse des Herrenhauses, welches keine Erhöhung der Staatssteuern über 4 Prozent hinaus wollte und sich schon gegen die 4 Prozent Einkommensteuer für die großen Vermögen bekanntlich energisch gewehrt hat. Daß es ihnen nun doch wieder an den Beutel gehen soll, hat die Herren in großen Zorn versetzt, so daß sie sich mit scharfen Bemerkungen trennten. Grundsätzlich erklärt sich die freisinnige ,Vosf. Zeitung' mit einer Vermögenssteuer einverstanden, ja sie geht noch weiter als der Finanzminister, indem sie einen mit dem Vermögen steigenden Prozentsatz verlangt; aber sie will nicht nur zur Abrundung eines Steuersystems eine solche Steuer bewilligen. Die Reform im Ganzen ist ihr zu agrarisch. Daß den Grundbesitzern 61, den Bergwerksbesitzern 7 Millionen jährlich erlassen werden, hält sie sozialpolitisch nicht für gerechtfertigt. „Die Steuerreform trägt einen agrarischen Charakter, der erklärt, weshalb Herr Herrfurth seinen Namen unter die Entwürfe nicht fetzen wollte." Jedenfalls läßt sich schon jetzt erkennen, daß die Vermögenssteuer der am schärfsten umstrittene Punkt deS GesammtplaneS sein wird. WaS die Abgeordneten nach Beendigung des Studiums sagen werden, haben wir ja bald zu hören. Wir glauben nicht, daß dabei eine Berurtheilung in Bausch und Bogen herauskommen wird.
* Dem preußischen Laudesökonomierath wird eine Vorlage des Landwirthschafts- Ministers über die Frage, ob und in wie weit die Veröffentlichungen der ländlichen Subhastattons - Ordnung fortgesetzt werden sollen, zugehen. Von einer speziellen Veröffentlichung der Ergebnisse für 1889/90 und 1890/91 ist bereits abgesehen worden. Der Direktor deS statistischen Bureau empfiehlt die Bsseitigung des gutachtlichen Theiles der Erhebungen.
* Die Kommission für die 2. Lesung des bürgerliche» Gesetzbuchs für das deutsche Reich beneth in ihren letzten Sitzungen die Schadenersatzpflicht aus unerlaubten Handlungen. Er wurde eine Vorschrift ausgenommen, daß im Falle widerrechtlicher Tödtung iDber Körperverletzung, wenn der Verletzte einem Dritten zur Leistung von Diensten in dessen Hauswesen oder Gewerbe verpflichtet war, der Ersatzpflichtige auch dem Dritten Schadenersatz zu leisten hat. Ferner soll auch fahrlässige WeiterverbreiMng unwahrer Nachrichten, die den Kredit, den Erwerb und das Fortkommen Anderer schädigen, die Schadenersatzpflicht zur Folge haben.
* Der Berliner Korrespondent des,New-Iork Herald', Meltzer, ein Deutsch-Russe, dessen Ausweisung angeblich bevorftand, ist durch Stanhope, der sich in Paris gegen die Cholera impfen ließ und seine dadurch erlangte Immunität in Hamburg erprobte, ersetzt worden.
* Hr. Dr. Majunke veröffentlicht in der ,Post' nachstehende Erklärung. In der Politischen Tagesüber- sicht der ,Post' vom 3. d. M. wird behauptet, daß ich das „Deutsche Kaiserthum der Hoheuzollern als protestantisches Kaiserthum" bezeichne, und eS wird hinzugefügt, daß ich damit „nur die Auffassung weiter ultramontaner Kreise" wiedergebe. Dies ist unrichtig. Ich habe gerade den Ausdruck „protestantisches Kaiserthum", wie er zum ersten Mal vom Botschafter Graf Münster, und die Bezeichnung „evangelisches Kaiserthum", wie sie zuerst vom Fürsten Bismarck angewendet wurde (vergl. meine „Geschichte des Kulturkampfes," größere Ausgabe, S. 222 und 423), als mit dem modernen Staatsrecht unverträglich bezeichnet, und unterscheide noch heute mit „weiten ultramontanen Kreisen" zwischen der Person des Kaisers, welche zum Protestantismus sich bekennt, und seinem hohen Amte, welches allen Unterthanen ohne Unterschied der Konfession gleiches Recht zu Theil werden läßt. Hochkirch bei Glogau. 6. Nov. 1892.
* Aus Schlesien, 12. Nov. Vom Provinzial-
Die Thür war halb offen geblieben, und auf dem Bette lag wachsbleich, mit eingefallenen Wangen und hohlen Augen, eine Gestalt und zerrte und riß im Fieberwahn krampfhaft mit den Händen an der Bettdecke, während die blau unterlaufenen Lippen unverständliche Worte murmelten.
Nur einen Blick hatte Marie in das Zimmer geworfen, da sprang sie auf, stürzte hinein an das Lager des Kranken und rief voll Verzweiflung: „Franz, bist Du es? — O Gott, er stirbt! — Mußte es denn so mit Dir kommen!"
Niemand konnte behaupten, daß zwischen dem Kranken und Marie seit Langem andere Beziehungen bemerkt worden wären, als man sie sonst unter jungen Leuten findet, welche zusammen ausgewachsen sind. Um so größer war daher das Erstaunen der Umstehenden über die ungewöhnliche und stürmische Gefühlsäußerung des sonst so ruhigen und besonnenen Mädchens. Lisbeth und ihre Mutter fuhren zum Tode erschrocken in die Höhe, auch der alte Köhler wandte mißbilligend den Kopf nach dem Nebenzimmer. Nur die Anwesenheit des Arztes, welchem in diesen Räumen ja allein« die Aufrechterhaltung der Ordnung zustand, verhinderte, daß sofort scharfe Worte gegen dar Mädchen fielen.
(Fortsetzung folgt.)
Schulkollegium in Breslau ist folgende Verfügung an die höheren schlesischen Lehranstalten ergangen:
„An den Kommuniontagen ist für die katholischen Schüler eine besondere Nachmittags - Andacht abzuhalten. Die katholischen Religionslehrer sind bezüglich der Vorbereitung ihrer Schüler auf den Empfang der hl. Sakramente, sofern hierbei die Ertheilung des schulplanmäßigen Unterrichtes die erforderliche Berücksichtigung findet, nicht zu beschränken. An denjenigen Wochentagen, an denen kein Schulgottesdienst stattfindet, ist der Unterricht am Vormittage mit einem kurzen Gebete zu eröffnen. Wo die katholischen Religionslehrer den Fleiß der Erstkommunikanten im Borbereitungs-Unterricht mehrfach als zuvor in Anspruch nehmen, sind nöthigenfalls in den letzten vier Wochen die Anforderungen der Schule an deu häuslichen Fleiß der betreffenden Schüler in angemessener Weise zu ermäßigen. Hierauf bezüglichen Anträgen sehen wir in jedem einzelnen Falle behufs unserer Genehmigung entgegen. Die Theilnahme an den kirchlichen Stundengebeten Seitens der Schüler kann für die Zeit des Unterrichtes nicht stattfinden. Selbstverständlich bleibt es für die übrigen Stunden des Tages den Eltern überlassen, ihre Söhne auch an diesen Gebeten rach freier Bestimmung sich betheiligen zu lassen. Wo besondere Gepflogenheiten im einzelnen Falle eine Ausnahme von obiger Vorschrift begründen, ist ein entsprechender Antrag an unS zu richten. Der Einführung neuer Lehrer hat ein kurzer kirchlich-religiöser Akt vorherzugehen.",
* In Köln ist heute der Verband deutscher Ge- werbevereiue zu seiner diesjährigen Hauptversammlung zusammengetreten. ES waren 25 Delegirte erschienen, die 22,000 Mitglieder vertreten. Die Versammlung, wurde durch einen Vertreter der Staatsregierung begrüßt.
AusllMü.
* Der russische Thronfolger hat Wien gestern wieder verlassen. Er hat dort selbst bei Hofe und bei der Bevölkerung eine warme und sympathische Aufnahme gefunden. Daß dieser Besuch wohl nicht ganz der politischen Bedeutung entbehrt, geht schon daraus hervor, daß der Minister deS Auswärtigen, Graf Kalnoky, über eine Stunde beim Zarewitsch verweilte, daß da nicht blos von schön Wetter gesprochen worden iftr braucht wohl nicht erst noch versichert zu »erben.
* Pest, 14. Nov. Gestern 7 Cholerafälle, 2 Personen gestorben. Der Krankenbestand beträgt 68. Heute wurden die Schulen wieder eröffnet.
* Die Aussichten auf ein Zustandekommen eines französisch - schweizerischen Handelsübereinkommens werden immer trüber. So hat der Zollausschuß der französischen Kammer, der mit dieser Angelegenheit betraut ist, mit 20 gegen 2 Stimmen jede Ermäßigung der Zölle auf Vieh abgelehnt. Bei der Wichtigkeit gerade des Viehexports für die Schweiz wird letztere sich wohl schwerlich dazu verstehen, Frankreich die gewünschten Konzessionen zuzugestehen.
* Die schwedische Armee-ReorganisationS-Borlage hat in ihren wichtigtten Bestimmungen die Zustimmung der 1. Abtheilung des Reichstags-Ausschusses erhalten; dieselbe wünschte jedoch noch verschiedene Ersparnisse. Als tägliche Löhnung für jeden zum Heeresdienste Einberufenen wurden 50 Oere vorgeschlagen.
• Der .Times' zufolge drohen in Persien neue gefährliche Unruhen auszubrechen. Die dortige Priesterschaft, die ungeheuren Einfluß auf die Massen hat, verbreitet seit einiger Zeit mahdistische Lehren. Die Vertreibung der „Ungläubigen" wird immer lauter verlangt und Gewaltthätigkeiten gegen Europäer werde» immer allgemeiner. Wiederum sind es die Russen, von denen vermuthet wird, daß sie die Triebfeder der ganzen Gährung sind, um sich bei der ersten passenden Gelegenheit der von ihnen schon lange begehrten nordpersischen Provinzen zu bemächtigen.
* Uganda soll von den Engländern nun doch nicht aufgegeben werden; es verlautet, daß sick die Regierung dahin schlüssig gemacht habe. Die Kosten, um Uganda zu behaupten, werden auf 30—40,000 Pfb. St. geschätzt;___
Fulda, die Stadt des heiligen Konisatius.
Bon Dr. Joseph Rübsam.
(Fortsetzung.)
Eine Fülle der weitgehendsten Privilegien erhob Fulda früh zu der ersten Abtei des Reiches. Die Besitzungen Fulda's, durch Schenkungen der Kaiser, Könige und Großen deS Reiches, sowie nicht minder durch die Freigebigkeit der niederen Laienwelt zu einer imposanten Ländermasse angewachsen, dehnten sich über alle Gauen des Reiches. Von Friesland bis zu den den Alpen, von der Ostmark Deutschlands bis an den Fuß der Vogesen, gab es kein Land, welches nicht Fuldnische Hufen umschlossen hätte. Kein Kloster konnte sich an Reichthum mit der Kirche des heiligen Bonifatius messen. Auch in Rom war die Abtei Fulda begütert. Noch zur Zeit seiner Säkularisation hatte daS Hochstist ungeachtet der mannigfachen Verpfändungen und Veräußerungen ein zusammenhängendes Territorium, welches von Dermbach und Geysa bis Salmünster, von Herbstein und Neunkirchen bis Hammelburg sich erstreckte und auf ungefähr vierzig Qaadrat- meilen über 100,000 Einwohner zählte.
lieber dieses ganze Ländergebiet hielt der Kaiser seinen mächtigen Arm und schützte eS durch die Ver- leihnng der Immunität vor jedem Eingriff weltlicher Großen. Die Kaufleute des Klosters hatten im ganzen Umfange des weiten Karolingerreiches auf allen Land- und Wasserstraßen Zollfreiheit und standen unter Königsschutz. Zum Privilegium des Zolles kamen bald das Markt- und Munzregal, die Verleihung der Wild- und Forstgerechtfame und andere Befugnisse,