Beilage zu Nr. 261 der „Fuldaer Zeitung
ein
war
Häuschen ein.
Der Anblick, welcher sich ihr hier bot, recht trauriger. In der Küche, in welche man von der Straße aus direkt hineinsehen konnte, saßen da in einer Ecke zusammengekauert vier oder fünf Kinderchen, das älteste wohl kaum schulpflichtig, alle nur halb angekleidet und zitternd vor Kälte und Hunger. In der Wohnstube aber, welche von einem halben Dutzend Frauen angefüllt war, lag auf einem ärmlichen Bett bleich und ohnmächtig eine Frauengestalt.
Noch machte sich um dieselbe die Hebamme de» Dorfes geschäftig zu thun, und unter ihren Händen hatte soeben ein Kindlein das Licht der Welt erblickt, über dessen Schwächlichkeit fte bedenklich den Kopf
ten, noch kaum zu Athem gekommen, und man hatte sich die ganze Größe des Unglücks noch nicht recht klar machen können.
Wie ein böser Traum schien es dm Leutm, wenn sie an die letzten Ereignisse zurückdachten: die Explosion, die verbrannten und zerstückelten Leichen, das Begräb- niß, die ergreifende Predigt und der überraschende Tod des Pfarrers; die klaffendm Lücken, welche der Sensm- mann in der Gemeinde, in Freundschaft und Verwandtschaft gerissen hatte; die trauernden Wittwen und die verlassenen Waisen, deren Noth um Hilfe zum Himmel schrie: Wer hätte das Elmd in seiner ganzen Nacktheit ertragen können.
Da wirkten also die äußeren Geschäfte, welche auf die kranken Gemüther einstürmten, sie mit Beschlag belegten und zerstreuten, äußerst wohlthätig wie eine Ohnmacht, welche bei übergroßem körperlichem Schmerz die Sinne zu umfangen pflegt.
Auch unsere Leute in der Familie des alten Köhler hatten eine Beschäftigung gefunden, welche keine Grübeleien aufkommen ließ.
Als an dem Tage der Explosion die Mutter Köhler und Marie von der Kirche nach Hause gingen, wo sie so lange und inbrünstig vor dem Bilde St. Barbara'S gebetet hatten, kamen sie an einem Häuslein vorüber, in welchem etwas Ungewöhnliches vorzugehen schien.
Die Frauen der Nachbarschaft liefen hin und wieder, und weinende Kinderstimmen schlugen an daS Ohr, der Vorübergehenden.
Auch Marie ging hin, zu sehen, was es gäbe, und während sie die alte Mutter Köhler allein die kurze Strecke nach Hause machen ließ, trat sie in daS
Der Geschäftsbericht der Hessischen Drand- Versicherungs-Anstalt.
(Schluß.)
Entstehungs-Ursache. Die Ursache des SchadmS war: In 48 Fällm kalter Blitzschlag, in 15 Fällen Blitzschlag, welcher gezündet hat, in 10 Fällen vorsätzliche Brandstiftung aus Gewinnsucht (— Fall erwiesen, 10 muthmaßlich), in 37 Fällen vorsätzliche Brandstiftung au« anderen Motiven (4 erwiefen, 33 muthmaßlich), in 68 Fällen Fahrlässigkeit einschließlich Rauchen (35 erwiesen, 33 muthmaßlich), in 16 Fällen Spielen der Kinder mit Streichhölzchen (13 erwiesen, 3 muthmaßlich), 1 Fall Spielen der Kinder mit sonstigen Zündstoffen, in 66 Fällen vorschriftswidrige oder schadhafte Feuerungs - Anlagen (50 erwiesen, 16 muthmaßlich), in 5 Fällen sonstige vorschriftswidrige oder mangelhafte Bauart (5 erwiesen), in 1 Fall der Gewerbebetrieb, in 2 Fällen Explosion, in 3 Fällen Selbstentzündung (3 Fälle muthmaßlich), in 16 Fällen Gardinenbrände, in 2 Fällen Explosion von Petroleumlampen, in 3 Fällen durch Funken aus der Dreschmaschine, in 37 Fällen nicht zu ermitteln. Zusammen 331 Fälle. Bon den im Jahre 1891 statt- aehabten Blitzschlägen sind betroffen worden, und zwar: von 48 kalten Blitzschlägen: 39 Gebäude mit harter Dachung, 15 desgleichen, jedoch mit Strohsieder-Unterlage, von 15 zündenden Blitzschlägen: 15 desgleichen mit harter Dachung, 16 deSgl. mit Strohfieder-Unterlage. Blitzschläge auf Gebäuden mit weicher Dachung sind im Jahre 1891 nicht vorgekommen.
Der Gesammtschaden von den im Jahre 1891 entstandenen Schadensfällen betrug 1,101,234 Mark 62 Ma Am meisten betroffen sind die Kreise Kassel (Land), Wolfhagen, Rinteln, Gelnhausen (ohne Stadt), Hofgns- mar und Melsungen. Auf je 1000 Mark Versicherungs- Summe entfallen hiernach überhaupt: an Brandsteuern 1 Mk 60 Pfg., an Brandentschädigungen 1 Mk. 23 Ma Verwilligt sind an Brandentschädigungen für die im Jahre 1891 entstandenen Schadensfälle: tn 1891 774 969 Mk. 70 Pfg., in 1892 326,264 Mk. 92 Pfg., zusammen 1,101,234 Mk. 62 Pfg. Nachträglich »er- willigt sind für Schadmsfälle aus dem Jahre 1890 11,491 Mk. 83 Pfg.
1) Zur Förderung des Feuerlöschwesens sind im Jahre 1891 bewilligt worden: 20 Mark Prämie für bewiesene Umsicht bei Löschung eines Brandes. 1600 Mark Beihilfen zur Beschaffung von Feuerspritzen und Löschgeräthen rc. - an 8 Gemeinden, 1500 Mark Beitrag zur Unterstützungskasse zu Merseburg für im Feuerlosch- dimst Verunglückte für das Jahr 1891. Summa 3120 Mark 2) Aus der Untersiützungskasse zu Merseburg sind gezahlt worden: in 1891 an 28 verletzte Feuerwehrleute 1416 Mk. 50 Pfg. (in 1890 an 13 verletzte Feuerwehrleute 856Mk., in 1889 an 3 verletzteFeuer- wehrleute 284 Mk. 90 Pfg.), zusammen 2557 Mk. 40 Pfa. 3) Darlehen zur Anschaffung von Feuerspritzen und anderen Löschgeräthen, welche nach einem vom Kommunal - Landtag gebilligten Beschluß des Landes- Ausschusses an bedürftige Gemeinden gegen mäßige Verzinsung und Rückzahlung in jährlichen Raten gewährt werden können, sind im Jahre 1891 nicht beantragt worden.
Der Reservefonds der Hessischen Brandversicherungs- Anstalt, welcher am Schluffe des Jahres 1890 794,784 Mk 28 Pfg. betragen hat, ist im Laufe des Jahres 1891 um 1,180,861 Mk. 87 Pfg. vermehrt worden, mithin angewachsen auf 1,975,645 Mk. 15 Pfg. und berechnet sich auf 2/100 Prozent des Ende 1891 bestandenen Gesammt - Bersicherungs - Kapitals. Sobald derselbe die Höhe von ^go ('/^Prozent des Gesammt- Bersicherungs-Kapitals erreicht hat, dürfen dessen Zinsen nach § 60 des Reglements vom 19. März 1880 zu den laufenden Ausgaben der Anstalt verwendet werden. Der Reservefonds besteht: 1) in baarem Selbe mit 30,947 Mk. 52 Pfg., 2) in Effekten zum Nennwerth von 1 927,500 Mk. mit dem Ankaufspreis von überhaupt 1,844,688 Mk. 63 Pfg., zusammen 1,975,645 Mk. 15 Pfg.
Die Verwaltungskosten haben nach der beigefügten Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben 140,070 Mk. 70 Pfg. betragen, mithin pro mille der Versicherungs- Summe 152/g Pfg. Hierin find u. «-begriffen: 1) 30/0 Erhebe-Gebühren von beit durch die Königlichen Steuerkassen in 1890 erhobenen Brandsteuern mit 47 512 Mk. 85 Pfg., 2) Beiträge zu den Pensionen für die König!. Rentmeister 489 Mk., 3) Kosten der Brandschadens-Erhebungen 8190 Mk. 83 Pfg.
Das Gesammt-Bermögen der Hessischen Brandver- ficherungs - Anstalt am Schluffe des Jahres 1891 beträgt nach der anliegenden Uebersicht einschließlich des Reservefonds im Betrage von 1,975,645 Mk. 15 Pfg. überhaupt 2,194,488 Mk.
schüttelte.
„Wenn nur die Mutter davon kommt," sagte eine von den Frauen; „es wäre doch gar traurig, wenn die armen Würmer auf einen Taz Vater und Mutter verlieren sollten.
Die noch immer bewußtlos Daliegende war während der Nacht durch den ungewöhnlichen Tumult in dem Dorfe aufgeschreckt worden. Sie stürzte ans Fenster und fragte einen der im Dunkel Vorübereilenden nach der Ursache des Lärms.
„Bergmannsglück" brennt!" war die Antwort. „Und die Mannschaft?" forschte sie weiter. „Wahrscheinlich Alles tobt!" würbe erwibert.
Der die Antwort gegeben, eilte weiter, um möglichst bald auf die Grude zu kommen.
Drinnen in der Stube aber hörte man laute» Stöhnen, dann einen dumpfen Fall, dem ein leises Röcheln folgte, so daß die Kinder erschreckt in die Höhe fuhren und nach der Mutter riefen.
Aber Niemand gab ihnen Antwort und aufzustehen fürchteten sie sich, bis der Morgen graute, und sie die Mutter regungslos am Boden liegen sahen.
Bei diesem Anblick wurde ihr Geschrei lauter und machte eine Nachbarsfrau aufmerksam, welche endlich hereintrat und bei dem schrecklichen Funde sofort nach Hilfe schickte.
Dies war der Hergang der Dinge gewesen, welche Marie jetzt in dem Hause antraf.
Gleich nach ihr trat auch der Arzt ein. Man hatte chn erst von der Grube holen müssen und sein rußiges Antlitz zeigte noch Spuren seiner dortigen Thätigkeit.
Mit einem Blick überschaute er die ganze Sachlage und fragte bann, zu den das Zimmer füllenden Frauen gewandt: „Ist Jemand hier, der die Pflege übernimmt?" (Forti, iolat.)
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Vermischtes.
* Es ist nicht genug bekannt, daß Goldfische in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar gar keines Futters bedürfen. In diesen vier Monaten kann die Fütterung ganz eingestellt werden, da durch die Futteraufnahme leicht eine für die Fische tödtliche Verstopfung herbeigeführt wird. Dagegen ist den Goldfischchen auch im Winter alle zwei Tage frisches Wasser zu geben, wobei darauf zu achten ist, daß dieses möglichst dieselbe Temperatur habe, wie das alte; jenes ist zu diesem Zwecke längere Zeü vorher im Zimmer aufzustellen. Es sei noch bemerkt, daß in den Monaten März, April und Mai nur sehr wenig und erst allmählig mehr Futter gereicht werden darf, weil sich der Bevdauungsapparat des Fisches erst wieder an die Futterausnahme gewöhnen muß.
(Fatale Aehnlichkeit.) Bummel (in einem Restaurant) :„Du, jener Herr dort am vierten Tische rechts ist meinem Onkel aber ausfallend ähnlich!" — Rummel: „So pump'ihn doch an!"
Sonntag, chen 13. November 1892.
Im Wetter geschüttelt.
Eine Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach (27. Fortfetzung.)
DaS Alles ftanb in seiner Verantwortlichkeit jetzt Jebem so klar vor Augen, wie nie zuvor. Wie oft hatte her greise Priester gegen bas gottlose Treiben geprebigt unb gefleht und gebeten bavon abzulafsen. Aber man hatte damals nur Hohn und Spott gehabt für seine ernste Mahnung.
Der Hauptwidersacher deS Pfarrers aber, der immer den Anführer machte, war der Sachsenfritz gewesen. Er lag hier in der Grube zerschmettert und verbrannt, und viele Dutzende braver Kameraden mit ihm. Seine frevelnde Hand hatte über sie Alle das unsägliche Unheil heraufbeschworen. Wer mochte da noch Theil haben an seinen Heldenthaten?
Still und stumm begaben sich die Grabwaller auf den Heimweg von dem Gottesacker.
Der Zug machte gar nicht mehr den stolzen Eindruck wie vorher. Jeder hatte geglaubt, durch allen möglichen Tand und Pomp den Kameraden „die letzte Ehre" erweisen zu müssen, und ängstlich wurde darauf geachtet, ob auch Alles genau klappte und nicht das Geringste versehen werde.
All' das schien jetzt auf einmal ganz Nebensache geworden zu sein.
Die vereinigten Gesangvereine sangen noch eines von den bekannten GrabeSliedrrn wie sie heute in der Mode sind und für Juden, Heiden und Christen ganz gleichmäßig passen: von der Friedenspalme, mit welcher der Todesengel winkt, von dem sanften Hauch, der die Lebeusmüben hinweggenommen, unb dergleichen. Aber es wollte gar keinen rechten Klang geben nach der Geisterstimme des alten Pfarrers.
Die drei Schüsse, welche der Kriegerverem in das Grab schoß, wurden kaum gehört, und nach dem Takte der Musik, welche nach alter Gewohnheit, auf dem Heimweg vom Begräbniß eine lustige Tanzweise anstimmte, richtete sich heute kein Fuß. Selbst die be° florten Fahnen und Wimpeln blitzten sich nicht mehr so üppig, wie vorher, sondern flatterten unter den ab- geriffenen Stößen deS Frühjahrsturmes wie Fledermäuse um ihre dünnen Stangen, während naßkalte Regen- und Schneejchauer auf die bleichgewordenen Gesichter der Leichenzügler niedergingen.
Der ganze Pomp und Staat erschien Manchem fast wie ein Todtentanz, zu dem der Sensenmann aufspielt, wie es öfters alte Bilder zeigen — ein Fastnachtszug vor den Posaunen des Gerichts. In dem Maße aber wie das Aeußerliche verloren hatte nach der Predigt des alten Pfarrers, so wurde der innere Geist wieder lebendig, und manches kräftige Vaterunser, woran vorher nur wenig gedacht worden war, wurde jetzt gebetet für die so plötzlich Abberuseuen — und auch zum Heile mancher armen, kranken Seele, die noch in gesundem Leibe umherwandelte, und es gar wohl nöthig hatte.
Nach der Leichenfeier in Kohldorf fanden auch noch in den benachbarten Dörfern die Begräbnisse der Tobten statt. Alles verlief programmgemäß, aber doch viel stiller und ernster, als man zuerst gedacht und geplant hatte. An den offenen Gräbern schwebte immer wieder der greise Pfarrer von Kohldorf mit dem Geistergesicht und der Grabesstimme und bannte Alles weg, was nicht zu dem furchtbaren Ernst deS Tages paßte. ,
So wenigstens hatten die Lebenden eine Ahnung, und den Todten war es vielleicht die Wirklichkeit.
Denn als die Kohldorfer Abends von dem letzten Begräbniß nach Haufe tarnen, empfing sie die erschütternde Kunde, daß ihr langjähriger Seelsorger inzwischen vor seinen ewigen Richter berufen worden sei.
Angegriffen und unwohl war er heute Mittag nach seiner Rede heimgekommen, einen Arzt wollte er nicht, und eine halbe Stunde später war er eine Leiche.
Der später erschienene Doktor konstatirte, daß in Folge allzu großer Aufregung und Anstrengung ein Blutgefäß geplatzt war und einen Herzschlag herbeigeführt hatte. — Auch im Tode hatte der getreue Hirte die ihm anvertraute Heerde nicht verlassen wollen! — Requiescant in pace!
8. Kapitel. Die Krisis.
Das Begräbniß der auf Grube „Bergmannsglück" Umgekommenen, der großen Haupttrupps, wie auch einzelner Nachzügler, welche erst später bei dem Fortschreiten der Aufräumungsarbeiten gefunden worden waren, war vorüber. Ebenso hatte der so plötzlich abberufene, alte Pfarrer von Kohldorf unter einen ungeheueren Theilnahme der ganzen Bevölkerung seinen Platz auf dem Kirchhof mitten unter seinen Pfarrkindern eingenommen; — so hatte er es kurz vor seinem Sterben noch ausdrücklich gewüuscht, und deshalb sah man von der Beisetzung in der Kirche, welche chm sonst gebührt hätte, ab.
Die Ueberlebenden aber warenLinzwischen vor all' den Angelegenheiten, welche dringende Erledigung heisch