der Bund ganz in's sozialdemokratische Fahrwasser gekommen sein.
* Der Verwaltungsrath der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika beschloß gestern, die Regierung um einige Aufklärungen über die Damaraland- Konzesfion zu ersuchen. Eine definitive Stellungnahme zu dieser Konzession wurde Vorbehalten; in der Versammlung wurde dieselbe allgemein als eine Verletzung der deutschen Interessen erklärt.
* Seitens der ärztlichen Kontrolstationen im Stromgebiet des Rheines wurden vom 6. Oktober bis 3. November d. I. 22,136 Schiffe und 95 Flöße revidirt. Die Zahl der desinsizirten Schiffe betrug 12,979. Von den revidirten 112,158 Personen wurden 2 als choleraverdächtig und 5 als cholerakrank befunden.
* Die Reklame für die .Volksschrift zur Förderung der Bestrebungen M. v. Egidy's' „Einiges Christen- thum" wird im großartigsten Maßslabe betrieben. DH Gymnasial-Direktoren mit Circularen des Professors Lehmann-Hohenberg in Kiel behelligt werden, wurde schon erwähnt; jetzt liegt ein anderer Reklame- Zettel in Plakat-Format vor, der in einer Kölner Buchhandlung einem Tertianer in die Hand gedrückt wurde! Man sollte doch wenigsteus die Jugend damit verschonen.
* Nach einer Meldung der ,D. Rchsztg/ aus Rom wurde der bekannte Pater Franz, Abt von Mariann- Hill in Afrika, seines Amtes als Abt enthoben.
* Straßburg, 7. Nov. An der Katholikenversammlung, welche gestern Abend stattfand, nahmen etwa 1500 Personen, Geistliche und Laien, Altdeutsche und Eingeborene, aus Straßburg und weiterher Theil. Zum Vorsitzenden wurde Stadtrath Metz, ein Elsässer, zum Schriftführer der Buchhändler Bach, mann, ein Alldeutscher, gewählt. Präsident Stadtrath Metz eröffnete die Versammlung mit dem katholischen Gruße und kündigte sowohl in seiner Begrü- ßungs- wie in der Schlußrede unter brausendem Beifall an, daß demnächst eine allgemeine Katholikenversammlung für das ganze Reichsland stattfinden werde. Es sprachen: Rechtsanwalt Trimborn-Köln über die Ausdehnung des Volksvereins für das katholische Deulschland auf Elsaß- Lothringen, Abg. Guerber über die Schule, dabei auch Streiflichter auf die reichsländischen Schulzustände werfend. Redner forderte unter stürmischer Zustimmung die Konfessionalität aller Unterrichts-Anstalten. Abg. Lieber sprach über die Pflichten des katholischen ManneS in seinem Privatleben, bei den Wahlen, gegenüber der Presse und im Vereinsleben; ferner über die territoriale Unabhängigkeit des hl. Stuhles. Redner erklärte, die Katholiken verlangten die territoriale Unabhängigkeit des Papstes und sähen, ohne Feinde des Dreibundes zu sein, in der Rückgabe des Kirchenstaates die beste Grundlage für den Dreibund und den Weltfrieden. Seinen Ausführungen wurde lang andauernder Beifall zu Theil. Die Versammlung, welche einen großartigen Verlauf nahm, wurde mit einem dreifachen Hoch auf den Redner geschlossen.
Ausland.
* Olmütz, 8. Nov. Zum Fürsterzbischof der Diözese Olmütz, zu welcher auch das preußisch-schlesische Dekanat Kätscher gehört, wurde heute nach zweimaligem Wahlgange der Olmützer Domherr und Kanzler deS Konsistoriums Dr. Theodor Kohn, geboren 1845, gewählt.
* Die Ausschreitungen in Belgien zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts sind in bedrohlichem Wachsen, nicht nur aus Brüssel, sondern auch aus andern Städten werden Tumulte und Demonstrationen gemeldet. So ging es in Gent gestern Abend arg zu. Etwa 4000 Personen hatten zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts ein Meeting abgehaltm, nach dessen Schluß etwa 2000 Personen unter Absingen revolutionärer Lieder die Straßen der Stadt durchzogen und wüsten Lärm machten. Auf dem sog. „Freitags-Markte" sah sich
— Hier ist aus den verzerrten Gesichtszügen nur noch mit Mühe die Persönlichkeit festzustellen.
Noch ärger ist eS bei denen, welche sofort im Feuer, mitten aus ihrem regen Schaffen heraus, von dem Sensenmann weggemäht wurden. Hier reicht jetzt noch ein Arm steif in die Höhe, als müsse er mit dem schweren Hammer abermals zum Schlage ausholen; alle Bemühungen, ihn friedlich an den Leib zu biegen, sind vergeblich, von selbst hebt er sich immer wieder empor.
Dort ist ein Knie gebogen, als stemme es sich in voller Kraft auf den Stein, der ihm von einem Frem- den längst aus dem Wege geräumt ist.
Bei einem Andern greifen die Hände noch aus, als sollten sie die Arbeit vollenden, während ihnen doch Feierabend für immer geboten wurde.
Viele von diesen Leichen sind auch äußerlich verletzt, verstümmelt; es fehlen einzelne Glieder, hier liegt ein Arm, dort ein Bein, dessen Eigenthümer nicht ausfindig gemacht ist. Dort ist der Kopf total zerschmettert, einem Andern wieder ist die Brust eingedrückt; ein Anderer ist gar gänzlich zur unförmlichen Masse zerquetscht.
Dabei sind diese Leiber furchtbar verbrannt; bei dem Einen ist kein Haar und kein Kleidungsstück mehr *
die Polizei genöthigt, blank zu ziehen, wobei mehrere Personen verwundet und einige Verhaftungen vorgenommen wurden. Nun aber demolirte die erbitterte Menge die Abflußröhren an den Häusern, die um die Bäume befindlichen Eisengitter und die auf dem Platze stehenden Bänke und drang mit den Bruchstücken dieser zerstörten Gegenstände auf die Polizei ein, die sich mit Revolverschüssen wehrte. Erst um IOV2 Uhr konnte ein zu Hilfe eilendes Piquet berittener GenSdarmerie die Ruhe wiederherstellen.
* In Paris hat in dem Polizeikommissariat in der Rue des bons-enfants heute eine Explosion stattgefunden. Der Hergang ist folgender: Zwei Polizeiagenten fanden gegen 11'/« Uhr Vormittags in der l'Avenue de l'Opera vor dem Geschäftsgebäude der Bergwerksgesellschaft von Carmaux eine Art von Bombe, welche die Form eines Kochtopfes hatte, die Polizeiagenten hoben die Bombe auf und brachten sie nach dem Polizeikommissariat. Als man die Bombe hier untersuchen wollte, erfolgte eine Explosion, durch welche zwei Agenten getödtet und einer verwundet wurde. Auch der materielle Schaden ist ziemlich erheblich.?
* Bei den italienischen Wahlen tritt der Sieg der Ministeriellen immer klarer zu Tage: es sind bis jetzt 350 ministerielle und 120 andere Kandidaten gewählt, die theils der gemäßigten Opposition, theils den Radikalen angehören. Sämmtliche Minister und parlamentarische Parteiführer sind wiedergewählt, während die bedeutendsten dreibundfeindlichen Kandidaten unterlegen sind.
* Die Franzosen haben am 2. und 3. d. M. wiederum in den Kämpfen gegen die Dahomeyer Erfolge gehabt, so einen Angriff der gesammten Streitkräfte der'Dahomeyer zurückgeschlagen. Die Zahl der seit Beginn der Expedition auf dem Schlachtfelde gefallenen oder in Folge Krankheit gestorbenen Franzosen beträgt 151.
* Französische Blätter veröffentlichen den Brief eines Deutschen aus Weidah(Dahomey), in welchem gegen die Behauptung protestirt wird, daß die Deutschen dem König Behanzin Waffen geliefert hätten, vielmehr seien wiederholte Anträge und Geschenke Be- hanzins, der sich deutschen Schutz erbat, abgelehnt und niemals nach Berlin übermittelt worden. Dre Deutschen an der Küste von Dahomcy unterhielten stets die besten Beziehungen zu dem französischen Gouverneur, den Missionaren und Handelsagenten; Waffen seien den Dahomeyern ausschließlich von Portugiesen und Engländern geliefert worden.
Stadt, Provinz rwd Dachdargebiet.
Fulda, 9. November.
* Des Königs Majestät haben Allergnädigst geruht: den Provinzial-Landtag der Provinz Hessen-Nassau zum 22. November d. I. nach der Stadt Kassel, sowie den Kommunal-Landtag des Regierungsbezirks Kassel im unmittelbaren Anschluß an die Sitzungen des Provinzial-Landtags ebenfalls nach der Stadt Kassel zu berufen.
)( Morgen Donnerstag, den 10. d. M., Vormittags 9 Uhr, findet laut amtlicher Bekanntmachung in der städtischen Turnhalle eine Versammlung der Gewerbetreibende» der Kreise Fulda und Gersfeld statt zum Zwecke der Wahl eines aus 7 Mitgliedern und 7 Stellvertretern bestehenden Steuerausschusses. Dieser Steuerausschuß wird demnächst die Gewerbetreibenden der Klasse III auf Grund des neuen Gewerbesteuergesetzes einschätzen, also alle diejenigen Gewerbetreibenden, welche ein Jahreseinkommen von 4000—20,000 Mark und ein Betriebskapital von 30,000-150,000 Mark haben. Der Mittelsatz für diese Klasse beträgt 80 Mark, kann aber nach Ermessen des Ausschusses bis zu 32 Mark herab oder bis zu 192 Mark Jahressteuer hinaufgesetzt werden. Hieraus erhellt, wie schwer die Ansicht des Steuerausschusses, ins Gewicht oder vielmehr „in den Geldbeutel" jedes einzelnen Gewerbetreibenden fallen kann. Es dürfte
sichtbar, die Haut ist zerschunden und blutrünstig; bei Anderen sind Arme und Beine verkohlt; ein Anderer zeigt gar keine menschliche Form, sondern gleicht mehr einem angebrannten Baumstamm.
Diejenigen, welche so sanft eingeschlafen sind, werden bald von den Ihrigen in Anspruch genommen, aber anders ist es in den Fällen, wo der Tod die furchtbaren Veränderungen vorgenommen hat.
Aus den Gesichtszügen ist da nichts mehr zu erkennen.
Man wendet sich also an die zerfetzten Kleider: die morschen Strümpfe werden ja wohl noch das Wäschezeichen tragen, oder in das ärmliche Hemd, die zerschlissenen Hosen aus schlechtem Baumwollstoff hat erst neulich die sorgende Mutter, die Gattin, die Schwester einen Flicken eingesetzt, und dieser muß jetzt als letztes Erkennungszeichen dienen. Auch die Wissenschaft des Dorfschneiders, der ziemlich genau Bescheid weiß in der Garderobe der Gemeinde-Eingesessenen, wird herangezogen und gibt öfters den Ausschlag bei den sich erhebenden Zweifeln.
Manchmal haben aber auch die Kleider von dem Feuer zu sehr Noch gelitten, um daraus noch einen Schluß auf den Eigenthümer ziehen zu können. Dagegen haben sich die schweren, eisenbeschlagenen Schuhe
daher im Interesse aller Gewerbetreibenden liegen, sich vollzählig bei der Versammlung einzu- finden und g er echt denkende, wohlwol- lende Männer in den Ausschuß zu wählen. Als Legitimatton dient der Steuerzettel des laufenden Stmerjahres. Wahlberechtigt für die Klasse III sind alle diejenigen, welche seither 36 Mark und mehr Gewerbesteuer gezahlt haben. Freitag, den 11. d. M. wählen die Mitglieder der Klasse IV ihren Steuerausschuß. Hier beträgt der Mittelsatz 16 M., wogegen die einzelnen Steuersätze zwischen den Beträgen von 4—36 M. angesetzt werden können. Hierzu gehören alle diejenigen, welche einen jährlichen Ertrag von 1500—4000 Mark und ein Betriebskapital von 3000 bis 30,000 Mark haben. Wahlberechtigt sind alle, welche bisher weniger wie 36 Mark Gewerbesteuer gezahlt haben, und deren Gewerbebettieb nicht so geringfügig ist, daß er nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes zweifellos steuerfrei zu lassen ist.
-TT- Für das Sonntag, ben 20. d.M. Seitens des Gesangvereins „Cäcilia" zur Aufführung kommende Haydn'schen Oratoriums „Die Schöpfung" sind außer der Meininger Regimentskapelle gewonnen als Solisten: Frl. E. Bode aus Cassel, sowie die Herren C. Hils- dorf aus Frankfurt a. M. und F. Waßmuth aus Hanau. Außerdem haben eine Anzahl dem Vereine befreundeter Damen und Herren ihre Kräfte in anerkennenswerther Weise zur Verstärkung des Chores zur Verfügung gestellt. Näheres über das Werk und dessen geplante Aufführung werden wir in den nächsten Tagen zur Kenntniß der verehrten Leser bringen.
* Am ersten Tage der letzten diesjährigen Sitzungsperiode des Schwurgerichts, am 7. d. M., standen zur Verhandlung 2 Sachen wegen Sittlichkeitsverbrechen. Zum ersten Falle wurde der beklagte Handlanger Friedrich Bild Häuser von Dörnigheim durch den Spruch der Geschworenen nicht schuldigerklärt, deshalb freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen. Vertreter der Staatsanwaltschaft: Erster Staatsanwalt Schumann. Vertheidiger: Justizrath Osius. Die andere Sache wurde vertagt, zwecks Ermittelungen betreffs der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten TaglöhnerS Cornelius Händler von Roßbach, Kreis Hünfeld.— Mitwoch den 9. November: Verhandlung gegen Monika Möller von Malkes wegen Kindestödtung (Vertheidiger : Rechtsanwalt Leroi).
* Zum langsamen Gange des Euteignuugsver« fahrens wird geschrieben: Die Klagen, daß die Durchführung des Entergnungsverfahrens auf Grund deS Gesetzes über die Enteignung von Grundeigenthum vom 11. Juni 1874, insbesondere bei Eisenbahnen, einen unverhältnißmäßig langen Zeitraum in Anspruch nimmt, und namentlich auch die Betriebseröffnung auf Eisenbahnen zuweilen um Jahre verzögert, haben es dem Minister der öffentlichen Arbeiten nahe gelegt, die Regierungspräsidenten zu Berichten darüber aufzufordern, ob und in welchem Umfange in ihren Bezirken Erfahrungen dieser Art gemacht worden sind, ob und eventuell auf welche Weise dem Mißstande abzuhelfen und insbesondere, ob das Enteignungsgesetz zu diesem Zwecke einer Aenderung zu unterziehen ist. Aus der Praxis heraus kann diesem Vorgehen deS Ministers nur zugestimmt werden. Wenn auch das Kapital verzinst wird, so ist doch gar Manchem mehr am Kapital selbst als an den Zinsen, die er ja auch nicht ausbezahlt bekommt, gelegen.
* In der Zeit vom 1. August 1891 bis 31. Juli 1892 wurden im preußischen Staate 188624 Jagdscheine ausgegeben (1019 weniger als im Vorjahre), davon 4672 unentgeltlich (346 weniger).
* Gersfeld, 8. Nov. Am Sonntag hat sich in Altenfeld ein Bienenzüchter-Verein für bie Ober- fuldageqend gebildet.
* Kassel, 8. Nov. Zum Nachfolger des verstorbenen Landstallmeisters von Jachmann in Beberbeck ist zum Direktor des Gestütes daselbst Herr Landstallmeister von Dettingen vom Königlichen Landgestüt in Gud-
widerstandsfähiger erwiesen und diese werden nun durch den Flickschuster einer genauen Prüfung unterzogen. Nachdem er mit der rauhen Hand den dicken Kohlenstaub abgestrichen hat, entdeckt er hier einen grob aufgesetzten Flicken, dort einen breitköpfigen Nagel, welcher vor wenigen Tagen erst seine Werkstatt verließ. Wer damals die Bestellung gemacht hat, ist ihm wohlbekannt, und Derjenige, welcher hier so furchtbar verbrannt und entstellt liegt, ist der Eigenthümer.--
Haben endlich die Verwandten den Gesuchten gefunden, so merken sie sich die Nummer, welche in fortlaufender Reihe auf einem Täfelchen Zam Kopfende jeder Leiche steht, eine ungeübte, zitternde Hand schreibt Namen und Wohnort des Wiedererkannten auf einen Zettel und befestigt diesen mit einer Stecknadel an passender Stelle.
Dann werden die Anstalten getroffen, um die Leiche nach Hause zu bringen.
Doch wenn Alles zu dem Transport bereit ist, stellt sich oft genug heraus, daß die ganze gehabte Mühe vergeblich gewesen. Nachträglich sind Andere erschienen, haben ebenfalls Ansprüche an den Tobten erhoben und diese mit besseren Beweisen belegt.) Dann fängt für die Ersten das Suchen wieder von vorne an.
(Fortsetzung folgt.)