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zu dem gedachten Zwecke einräumen wollen. — Ein Grund für dieses auffällige Verhalten wird nicht an­gegeben. Gehören die Leiter des Kiystallpalastes etwa dem „Evangelischen Bunde" an? — Uns ist übrigens von der Absicht, in Leipzig einen großen Katholikentag abzuhalten, nichts bekannt, schreibt die ,Germania'. Auch in der gesammten katholischen Presse ist unseres Wissens davon noch keine Rede gewesen. Mit Recht aber spottet der sozialdemokratische .Vorwärts' über die Angst des nationalliberalen Blattes, „das „schwarze" Centrum wolle im Laufe dieses Monats einen Katho­likentag dort abhalten. O Jammer, O Roth! Ein Katholikentag in der Stadt, welche sich rühmt, der Hort des Protestantismus und Nationalliberalismus zu sein!"

* Der bisherige Botschafter Oesterreich-Ungarns am hiesigen Hofe, Graf S z e ch e n y i, verläßt morgen mit seiner Gemahlin Berlin und begibt sich nach Pest.

* Als Nachfolger des deutschen Botschafters in Petersburg, Generals v. Schweinitz, wird jetzt der derzeitige deutsche Gesandte in Brüssel, Graf von Alvensleben, genannt.

* Der Kaiser empfing heute den neu ernannten italienische» Botschafter Grafen Lanza in Antritts- Audienz.

* Als deutsche Delegirte für die Mnnz-Kon- ferenz in Brüssel sind der deutsche Gesandte in Belgien, v. Alvensleben, der Geheime Regierungsrath im Reichsschatzamt Glasluapp und der Reichsbank­direktor Hartung ernannt worden.

* ES wird als zweifellos betrachtet, daß der Gou­verneur von Dentschostafrika, Freiherr v. Soden, am 1. April künftigen JahreS von seinem Posten zurücktritt. Sein Nachfolger soll der zunächst auf sechs Monate zur Stellvertretung Sodens abkommandirte Oberstlieutenant Freiherr von Schele werden, der sich am 23. November nach Ostafrika begibt.

* Die deutsche Handels - Bilanz in den drei ersten Vierteljahren 1892 weist leider gegenüber der des­selben Zeitraumes im Vorjahre einen Rückgang der Ausfuhr von 147 auf 143,8 Millionen Doppelcentner, also um 2,2% nach. Dagegen ist die Einfuhr von 212,1 Millionen auf 218,2 Millionen, also um 5,1 Millionen Doppelcentner (2,3%) gestiegen. Der Werth der Ausfuhr betrug 2304,8, der Werth der Einfuhr 3203,4 Millionen Mark.

* Die Kommission für die 2. Lesung des Reichs- Civilgesetzbuchs erledigte die Bestimmungen über die Haftung für mittelbar oder unmittelbar veranlaßten Schaden und die Verjährung des Schadenersatzanspruches.

* Die Reichs «Kommission für Arbeiter- Statistit ist seit dem Juni d. Js. in Thätigkeit. Auf Grund des Bundesrathsbeschlusses zur Einleitung von Erhebungen für solche Gewerbe, in welchen durch über­mäßige Dauer der täglichen Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, ist eine gutachtliche Aeuße- rung der Kommission über die Arbeitszeit zunächst im Bäckerei- und Konditorei-Gewerbe sowie im im Müllerei-Gewerbe veranlaßt. Außerdem hat die Kommission ihr Gutachten über die Arbeitszeit im Handelsgewerbe abgegeben. Nach Maßgabe der von der Kommission festgestellten Fragebogen sind statistische Erhebungen über die Arbeitszeit aufgestellt worden. Die Zusammenstellung der Erhebungen erfolgt in der Hauptsache durch das Kaiserliche Statistische Amt.

* Die offiziöse ,Nordd. Allgem. Zeitung' kündigt bevorstehende Aeuderunge» in der Rechtspflege, namentlich Einführung der Berufung in Strafsachen und gesetzliche Regelung der Entschädigung unschuldig Ver- urtheilter, an, wogegen gewisse zum Ersatz für die mangelnde Berufung geschaffenen Garantien, welche die Rechtspflege hemmen, in Wegfall kommen sollen. Sie plaidirt für Erweiterung des Contumacial-Verfahrens,

versperrt, die ganze Mühe ist vergeblich gewesen, man muß denselben schrecklichen Gang wieder zurück und es anderswo versuchen.

Ein andermal wieder sehen die Knappen tief in lange finstere Gänge hinein, und ihre Hoffnung wächst, dem ersehnten Ziel näher zu kommen; sie schärfen ihre Aufmerksamkeit nach irgend einem Zeichen von Leben und beflügeln ihre Schritte: Da fangen plötzlich die Lampen an zu flimmern, die kleinen Lichter flammen unruhig auf, es sind wieder schlagende Wetter vor­handen ! — Wie die Diebe in der Nacht verbergen die Wackeren die Lampen unter dem Tuch der Kleider, damit die gefährliche Luft nicht zu stark zuströmt, die Flamme nicht ausschlägt, und schleunigst eilen sie zurück, um nicht nochmals eine Explosion zu verursachen, die unter den Hunderten von Rettern noch viel schlimmer hausen würde, als die erste.

Ein andermal wieder wird das Flämmchen in den Lampen klein und kleiner; Nachschwaden erfüllen den Gang. Abermals müssen die Männer weichen, und ängstlich beobachtet Einer den Anderen, daß er sich nicht von dem Häuflein trennt und betäubt zurückbleibt ­unfehlbar wäre er ein weiteres Opfer der giftigen Gase.

So ist tausendmal der Marsch aufgehalten, tausend­mal müssen die muthigen Retter das mühsam eroberte Feld dem heimtückischen Feinde wieder preisgeben; aber immer wieder erneuern sie den Angriff, und endlich — endlich wird ihre Mühe belohnt.

sowie Erweiterung der Zuständigkeit der Schöffengerichte behufs schneller Aburtheilung auf ftischer Thal betrof­fener Uebelthäter und Ruhestörer, für Zeugenvereidigung schon in der Voruntersuchung u. s. w.

* Leipzig, 5. Novbr. Die Neuesten Nachrichten bringen die Fortsetzung des Jnterwiews Blum- BiSmarck. Der Fürst nannte die unfteiwillige Ab­berufung v. SchlözerS aus Rom eine Maßregelung des tüchtigsten Beamten. An Lothar Bucher habe er einen Freund verloren. Seine wirklichen Freunde seien ihm im Tor e vorausgegangen, während die angeblichen sich abwendeten. Den Vertrag über Helgoland würde er nicht abgeschlossen haben, da Zanzibar in zehn Jahren deutsch geworden sein würde und Helgoland nur eine Last und im Kriegsfälle nur eine Gefahr für Deutsch­land sei. Wißmann's Verwaltung sei besser als die­jenige v. Sodens in Ostaftika wegen dessen größerer afrikanischer Erfahrung. Wißmann habe seine einzige Instruktion, zu siegen, glänzend durchgeführt. Der Distanzritt sei eine nicht ernstlich in Frage kommende Leistung und eine Spielerei, deren Opfer, die edelsten Thiere, zu bedauern seien. Den Schluß des Interviews bilden Anekdoten.

* Die hinsichtlich der Meldefrist und polizeiliche Beobachtung von Personen und der Ein- und Durch­fuhr bestimmter Gegenstände gegen das gesammle hamburgische Staatsgebiet von der preußischen Regierung angeordneten Maßregeln sind für das Amt Ritzebüttel mit Cuxhaven sowie für Bergedorf außer Kraft gesetzt worden.

* Hamburg, 5. Nov. Gestern fanden hier neun Sozialisten-Versammlungen statt, die von 30,000 Personen besucht waren. Uebereinstimmend wurde eine Resolution gefaßt, welche, da die bisherige Gestaltung des Hamburger Staatswesens sich als den Interessen der Gesammtbevölkerung schädlich erwiesen habe, eine demokratische Neugestaltung auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gefordert wird. Ferner wurden sieben Forderungen betr. Ge­staltung der Regierungsform, elf betreffend Verhütung von Noth und Wohnungs-Elend gestellt.

Anstand.

* Das österreichische Abgeordnetenhaus ist heute wieder zusammengetreten. Der Finanzminister Dr. Stein­bach legte dem Hause das Budget für 1893 vor, das­selbe weift ein Gefammterforderniß von 608,684,795 Gulden auf, 22,376,181 Gulden mehr, als das vor­jährige, während die Gesammtdeckung 609,572,085 Gulden, also gegen das Vorjahr um 23,617 959 Gulden mehr beträgt. Es stellt sich das Budget 1893 thatsäch- lich um 1,655 308 Gulden besser, als das Budget 1892. — Die Regierung brachte im Hause eine Vor­lage ein, betreffend eine Kreditoperation im Betrage von 5% Million Gulden zur Beschaffung von Fahr­betriebsmitteln für die Staatsbahnen. — Am morgigen Sonntag wird Graf Szapary dem Kaiser Vortrag halten, von welcher Audienz man entscheidende Re­sultate bezüglich der Gestaltung der ungarischen Re- gierungSverhälMisse erwartet. Wie verlautet, will das Kabinet Szapary sein Schicksal an die Entscheidung der kirchenpolitischen Frage knüpfen, und zwar handelt es sich namentlich um die Kodifikation des Eherechtes auf Grundlage der obligatorischen Civilehe.

* Der große Streik zu Carmaux ist anders ver­laufen, als sonst derartige Streike zu verlaufen pflegen. Während im Allgemeinen bei Riesenstreiks dit Streiken­den schließlich nicht nur nichts gewonnen, wohl aber Erkleckliches verloren haben und reuig in Sack und Asche zu ihren ArbeitS-Penaten zurückkehren, hat bei dem Carmaux'er Streik die Staats-Autorität eine empfindliche Einbuße erlitten. Die Streikenden haben so ziemlich Alles durchgesetzt, was sie wollten, ja, als

In den entfernten Gängen waren immer weniger Trümmer und andere Spuren der Explosion zu sehen. Die Wetterführung war nicht mehr zerstört, aber hier und da war sie mit Absicht abgestellt — offenbar, um die Nachschwaden nicht weiter zu leiten — also ein Zeichen, daß hier noch Leben herrschte, nachdem die Entzündung bereits stattgefunden hatte.

Jetzt war nach dem Schachte zn wieder bessere Luft und die Retter stellten die Ventilation wieder her. So wurde das Verbringen leichter, und als die Männer endlich ganz tief im nördlichen Ende der Grube eine sorgfältig verschlossene Thüre aufstoßen — sehen sie in einer Entfernung von etwa fünfzig Schritten vor sich ein schwaches, schwaches Lichtlein glühen!

Ist das kein Traum? — Treiben nicht boshafte Berggeister grausamen Spott mit den abgehetzten Knap­pen? —

Nein, es ist die volle Wirklichkeit! — Eine Gruben­lampe steht oben auf einem Förderwagen, und als jetzt der frische Luftzng durch die geöffnete Thüre dringt, flammt der glimmende Docht wieder erneut auf und beleuchtet zehn — zwanzig — dreißig — wer mag sie zählen, die vielen geschwärzten Männergestalten, welche hier nieder gekauert sitzen, und bei denen vielleicht noch Rettung möglich ist — denn wo Licht ist, kann auch Leben sein.

Weg ist alle Müdigkeit der Retter bei diesem An­blick. — Nur ein leiser Ausruf entfährt ihren Lippen. Kein Wort wird gesprochen — aber mit vor Eile zit­

schließlich die Wiederaufnahme der Arbeit von der Be­gnadigung der in Albi verurtheilten 10 Hauptkrakehler abhängig gemacht wurden, gab auch hier die Regierung nach und setzte dieselben in Freiheit. Es haben nun gestern Vormittag die Bergleute ihre Arbeit wieder ausgenommen, lustig und guter Dinge, die „Carmag- nole" singend, stiegen sie gruppenweise in die Schächte hinab und — Clömenceau, Miller and und Pelletan reiben sich vor Vergnügen über die großen Erfolge ihres Dazwischentreten zu guterletzt die Hände wund. Auch das bei Gelegenheiten übliche Theaterspiel sollte zum Schluß nicht fehlen: Als nämlich die in Freiheit gesetzten 10 Bergleute wieder in Carmaux einrückten, wurden sie im Triumph nach der Syndikatskammer ge­leitet, und hier wurden ihnen von kleinen Mädchen, natürlich in feuerrothen Kleidern, Willkommensgrüße dargeboten und Blumensträuße überreicht.

* Die französische Deputirtenkammer hat gestern den Gesetzentwurf, betreffend die Unterstützung von Wöchnerinnen während der Zeit ihrer Arbeitsun­fähigkeit, angenommen. Die hierzu erforderlichen Geld­mittel werden vom Staate und den Departements ge­tragen. — Der französische Senat lehnte den Gesetz­entwurf, betreffend die Unterordnung der Kolonial- Armee unter das Kriegsministerium mit 130 gegen 105 Stimmen ab, trotzdem die Minister Burdeau, Freycinet und Loubet für Annahme des Entwurfs ein­traten.

* Rom, 4. Nov. Die in deutschen Zeitungen ein­laufenden Gerüchte über dasBefinden des Papstes entbehren jeder thatsächlichen Grundlage. Der heilige Vater erfreut sich in diesem Jahre einer staunens- werthen Gesundheit und Rüstigkeit, waS jeder, der Ge­legenheit hat, in seine Nähe zu kommen, bestätigen muß. — Die italienischen Wahlen scheinen sehr ruhig ver­laufen zu wollen. In Rom merkt man von ihnen noch sehr wenig.

* In Rußland hat die Cholera in den Städten beinahe aufgehört und im Innern der Gouvernements stark abgenommen; allerdings mit Ausnahme der Stadt und des Gouvernements Kiew, woselbst noch vom 18. bis 30. Oktober in ersterer 157 Erkrankungen und 46 Todesfälle an Cholera und im letzteren 2171 bezw. 786 vorgekommen sind.

* Belgrad, 5. Nov. Die offiziellen BeruhigungS- depeschen der montenegrinischen Regierung begeg­nen hier Unglauben; dagegen verlautet bestimmt, in Montenegro herrsche die Anarchie. Der Fürst ließ mehrere Popen, Beamten und Grundbesitzer verhaften.

* In der bulgarische» Sobranje hat der mit der österreichischen Länderbank abgeschlossene Anleihe- vertrag nunmehr auch in zweiter Lesung Genehmigung gefunden, so daß die amtliche Veröffentlichung des Vertrages in den nächsten Tagen erfolgen wird.

* Das griechische Rundschreiben über den „Fall Zappa" betont u. A. die Schwierigkeit der von Ru­mänien geschaffenen Sage, sowie die Gefahr, welcher eines Jeden Eigenthum in Rumänien bei der Tendenz der dortigen Regierung ausgesetzt ist. Zum Schluß ruft das Rundschreiben unter Hinweis auf die einschlägige Bestimmung deS Pariser Vertrages eine vermittelnde Aktion der Mächte an. — Griechenland wird, wie vir schon erwähnten, voraussichtlich wenig Erfolg in dieser Angelegenheit haben, zumal die berühmtesten Rechts­lehrer die Sache als eine rein interne, von rumänischen Gerichten auszutragende bezeichnet haben.

* Die Besiegung des Königs von Dahomey dauert auch den Franzosen zu lange, und da muß denn der Deutsche wieder mal herhalten. Auf den Pariser Boulevards finden Hetzblätter „die Deutschen in Daho­mey" reißenden Absatz, in denen den gläubigen Lesern allen Ernstes versichert wird, daß nur die „verfluchten Deutschen" die Schuld tragen, wenn die Besiegung des

ternben Händen greift Jeder nach den regungslos Da- sitzenden, ob noch Puls oder Äthern zu entdecken sei.

Und wirklich! Die Gestalten sind nicht so kalt, die Glieder nicht so steif, wie bei den vorher zahlreich an­getroffenen Leichen. — Wird es noch möglich sein, das schwache Lebensfünkchen wieder von Neuem zu entfachen, wie bei der gefundenen Grubenlampe?

Kurz und abgebrochen klingen die Worte Peter's und seine Stimme zittert vor Aufregung, als er zwei Bergleute beauftragt, so schnell wie möglich nach dem Schachte zu eilen und Meldung über die gemachte Ent­deckung zu überbringen.

Die Andern haben inzwischen alle Hände voll zu thun: die zusammengekauerten Leiber werden der Länge nacb anSgestreckt, einige Tropfen Wasser ober schwarzen Kaffees, welchen bie Knappen bei sich führen, werben ihnen auf bie oerborrte Zunge geträufelt unb bei ben Einzelnen, so gut es geht, versucht durch Auf- und Ab­bewegungen der Arme den Lungen künstlich Luft zu­zuführen.

Und siehe da! Was man kaum zu hoffen gewagt: die Bemühungen sind mit Erfolg gekrönt.

Hier und da schlägt einer der Ohnmächtigen die Augen auf und sucht mit unhörbarer Stimme einige Worte zu flüstern. Ein Glied zu regen, ist freilich feiner im Stande, und die wenigen Retter können den Einzelnen nur die allererste Erleichterung zukommen lassen, da ja so viele ihre Rräfte in Anspruch nehmen.

(Fortsetzung folgt.)