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Die Militärs erhiiltulsse Deutschlands^ Frankreichs und Rußlands.

* Das Militärwochenblatt' bringt einen interessanten Aussatz über den Zukm ftskriea. ES untersucht die militärischen Kräfteverhältnisse aller Großmächte an der Hand des einzig sichern Gradmessers der Wehrkräfte eines Staates, nämlich des schon im Frieden festorgani- sirten stehenden Heeres. Keinem der Heere ist von vornherein ein moralisches Uebergewicht zuzusprechen. Folgenschwere Täuschungen könnten sich daraus ergeben. Die Ausbildung der Heere aller europäischen Groß­mächte befindet sich augenblicklich so ziemlich auf gleicher Höhe. Die nationalen Eigenthümlichlriten bringen es mit sich, daß Unterschiede obwalten. Der Deutsche schießt kaltblütig, der Franzose bmutzt das Ge­lände mit besonderm Geschick, der Russe erträgt aus­gezeichnet Strapazen und ist sehr genügsam. Em deut­sches bezw. ein österreichisch-ungarisches Reiterregiment wird bei einer Attacke auf ein gleich starkes Reiter­regiment einer andern Nation voraussichtlich den Sieg davontragen u. f. w., aber alle diese Eigeuthümlichkeiten gleichen sich mehr oder weniger aus. Es wird mit­unter behauptet, daß die russisch,. Infanterie für das moderne Jnfanteriegefecht weniger geeignet sei, als z. B. die deutsche Insa n '.er ie. Das ist mög­lich. Indessen würde es nicht richtig sein, wenn man eine solche Möglichkeit als einen von Hause aus fest­stehenden Faktor in Rechnung stellen wollte. Auch die Bewaffnung der verschiedenen Heere wird sich im Wesent­lichen als gleichwerthig erweisen. Was die Führung anbetriffr, so stehen wir hier erst recht vor einer un­bestimmbaren Größe. Wir hoffen auf die hervorragende Tüchtigkeit unserer deutschen Generäle, die Franzosen vertrauen, von ihrem Standpunkte ays mit demselben Rechte, auf die Leistungen ihrer Generäle in einem etwaigen Kriege. Genau ebenso ergeht es den übrigen Großmächten. Nur ein Krieg kann darüber entscheiden, wer sich in seinen Hoffnungen getäuscht sehen würde. Jedenfalls ist sowohl in Deutschland als in Frankreich der bei Weitem größte Theil der im Kriege erprobten Generale ins Grab gesunken. Auch die übrigen Groß­mächte dürften sich in der gleichen Lage befinden. Der Friedensdienst stellt an den Soldaten ganz andere Forderungen, wie der Kriegsdienst dies thut. Der Krieg ist erst der wahre Prüfstein für bett Soldaten aller Grade, und wer diese Prüfung am besten adlegen wird, entscheidet einzig und allein eben der Krieg

Ein Vergleich der stehenden Heere Deutschlands, Frankreichs, Rußlands ergibt Folgendes: Deutschland besitzt heute 538 Bataillone Infanterie und Jäger, 465 Schwadronen und 434 Batterieen. Seit 1870 ist oaS deutsche Heer vermehr! worden um 75 Bataillone (die Kavallerie erfuhr keine Vermehrung) uno um 182 Batterieen. Frankreich besitzt 548 Bataillone Fuß­truppen. 87 Kavallerieregimenter. Die Zahl der bereits im Frieden vorhandenen Feldbatterien beträgt 480. Es sind also in Frankreich seit 1870 neu ausgestellt worden: 217 Bataillone, 36 Schwadronen und 316

Im Wetter geschüttelt.

Eine Erzählung tuS dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach.

(22. Fortsetzung.)

Seit der ersten Einfahrt um 2 Uhr des Nachts, wo ungefähr ein Dutzend Männer noch gerettet wor­den waren, hatte man keine Lebenden mehr angetroffen. Die Hantirm.g mit den tobten Kameraden aber war eine gar traurige Arbeit und sie ging muthloS und nur langsam von Statten.

So verstrich die Zeit, als plötzlich eine sonderbare Bewegung unter die schweigsamen Männer kam.

Zwei Knappen brachten dir Meldung, daß von der Gruppe des Peter Hochfeld, welche in die nordwest­liche Ecke der Grube Dorgebrungen, eine große Anzahl Menschen aufgefanben worben seien, bei denen noch Rettung möglich scheine. Ein Lämpchen habe noch leise fieglimmt und die Leiber der Aufgefundenen seien nicht o steif gerefen, wie die bisher angetroffenen Leichen.

ES war geradezu wunderbar, was für eine Wir­kung diese Nachricht überall hervorbrachte.

Eben war noch AlleL so traurig, fast schleppend seinen Gang gegangen — hatte doch Keiner mehr Hoffnung gehabt, etwas retten zu können, sondern es gab da nur die Trümmer namenlosen Elends weozu- räumen; da-- war nun mit einem Schlage anders. Jeder entledigte sich so schnell als möglich der Arbeit,

Batterien. In runden Procentsätzen haben sich mithin seit 1870 vermehrt: in Deutschland die Infanterie um 16 pCt, die Kavallerie um nichts, die Artillerie um 72 pCt.; in Frankreich die Infanterie um nahezu 59 pCi., die Kavallerie um nahezu 31 pCt , die Artillerie um 192 pCt. Aus dieser Betrachtung geht hervor, daß das stehende Heer Frankreichs, ganz abge­sehen von den cadres complementaires und den Dkpot- kompagnien, der Frredensarmee Deutschlands überlegen ist. Frankreich besitzt 46 Bataillone und 46 Batterien mehr und nur 8 Schwadronen weniger als Deutschland. Rußland besaß zu Ansang deS Jahres 1892 in Europa und im Kaukasus 963 Va Bataillone, 608 Schwadronen bezw. Sotnien, 388 Batterien. Dem gegenüber hat Italien 346 Ba­taillone, 144 Schwadronen, 207 Batterien, und Oester­reich-Ungarn 458 Bataillone, 264 Schwadronen, 241 Batterien.

Der Aufsatz untersucht nunmehr die Aussichten eines Zukunftskrieges auf der Grundlage, daß der Drei­bund auf der einen, Rußland und Frankreich auf der andern Seite stehen. Eingehend wird die Verwendung der Heere des Dreibundes an den beiden Grenzen er­örtert und schließlich das nachstehende Ergebniß gezogen: Wie unter diesen Umständen gegebenenfalls die Würfel des Schicksals fallen sollten, kann Niemand vorherseden. Darüber kann aber kein Zweifel obwalten, daß im Fall eines Doppelkrieges der unterliegende Theil politisch, militärffch und finanziell in einer bisher noch gar nicht dagewesenen Weise darmederliegen würbe. Wollen wir uns endlich einmal dauernd gegen jede eventuelle Be­drohung sichern, so gibt es für uns nur einen einzigen Ausweg. Dieser Ausweg besteht darin, daß wir unsere eigene Wehr kraft ebenso hoch an- spannen, wie Frankreich das thüt. Wir bilden nicht annähernd alle wehrfähigen jungen Männer Deutschlands zu Soldaten aus, die Erfatzreserve ist nur ein recht mittelmäßiger Nothbehelf und trifft außerdem nur einen geringen Bruchtheil der tharsächlich vorhan­denen wehrsähigen Mannschasten Deutschlands. Frank­reich bildet schon jetzt alle wehrfähigen jungen Männer zu Soldaten aus. Wir haben aber eine bedeutend größere Zahl der Bevölkerung als Frankreich und können noch ganz andere ausgebildete Massen ins Feld stellen wie bisher. Da sehlen nur noch ent paar Bil­der, wie man sie im Jahre 1887 an allen öffentlichen Plätzen und Schaufenstern bemerken konnte, auf denen der russische Bär begierig seine Hände nach Deutsch­land und der Türkei ausstreckte, Frankreich trotz seiner Besiegung 1870 höhnisch auf feine Militärzahl zeigte und dieselbe Agitation, derselbe Rummel, dieselbe Kriegs­und Niederlagenfurcht wie zur Zeit der Septennats- wahlen wäre vorhanden. Ob die neue Militär­vorlage mit dem Wlederauftauchen dieser Abhand­lungen auch in Verbindung steht! Lassen wir uns nicht irre machen durch tendenziöse Artikel, die den lieber« wuth der Gegner nähren und düS Vertrauen der Deutschen erschüttern wollen.

welche er unter den Händen hatte, und sofort schlugen die Trupps, mit ihren Tragbahren und mit allen RettungSmitteln versehen, unter Führung der in der Grube bekannten Bergleute den Weg in der beschrie­benen Richtung ein. Auch Aerzte und Geistliche, welche so lange vergeblich aus die Inanspruchnahme ihrer Hilfe gewartet hatten, schloffen sich ihnen an.

Eine ähnliche Aufregung herrschte oben am Tage.

Ein Beamter war sofort hinaufgefahren und hatte die Nachricht überbracht, welche sich unter der harren­den Menge mit Blitzesschnelle verbreitete. Im Augen­blick war alles Weinen unb Schluchzen, welches den weiten Hof durchwogt hatte, verschwunden. Jeder wußte einen, zwei und mehr Freunde und Verwandte unter den Verschütteten, und Jeder glaubte jetzt, sie Alle müßten lebend unter den Aufgefundenen sein. Selbst diejenigen, deren Angehörige unter den Tobten ganz sicher erkannt worden waren, faßten noch einmal Hoff­nung und dachten, ob nicht doch wohl ein Jrrthum vorliegen könne. — So leicht ist der Mensch im Un­glück der Tröstung zugänglich!

Wie jene beiden Knappen berichtet hatten, so war es auch in der Thal. Nachdem der Inspektor der Grube seinen Bericht über den Stand der Sache gegeben hatte, waren von der Rettungsmannschaft mehrere Trupps beauftragt worden, nach dem am weitest ausgedehnten nordwestlichen Winkel vorzudringen. Unb zwar sollten

Deutsches Keich.

Berlin, 5 November.

* Die Militärvorlage soll, wie ein Berliner Korrespondent der ,Münch. Allg. Zig.' wissen will, an den großem dentschen Höfen mit ernsten Bedenken auf genommen worden sein, sowohl wegen der Kosten als wegen des darin zugesagten Uederganges zur zweijährigen Dienstzeit. Als die Souveräne, welche namentlich in letzterer Beziehung nicht ohne Sorgen sind, werden, ob mit R-cht oder Unrecht, bleibt dahingestellt, die Könige von Sachsen und Württemberg und der Großherzog von Ba­den bezeichnet. — In Anknüpfung an gewisse Steue­rungen der englischen Presse über die Militärvorlage schreiben die .Hamburger Nachrichten': England könne eine möglichst starke Rüstung Deutschlands nur lieb sein, da England Deutschland als eine r.ichtskostenbe Schutzwehr gegen Rußland betrachte. Wie theuer^ Deutschland die Sicherung des Dreibundes bezahle, fei" England gleichgiltig. — Der .Dzennik PoznanSki' er­klärt, die Polen lönnten angesichts der wirthschaftlichen Lage die schwere Last d.r neuen Militarvorlage nicht tragen, unb sie müßten deshalb eine ablehnende Stel­lung einnehmen.

* lieber das Wittenberger Reformationsfest haben die ausländischen Blätter sich bis jetzt noch wenig kritisch geäußert. Der Pariser ,Temps' schreibt:

Europa, das oft nur Augen hat für die auffälligen Feste und Prunkhaften Feierlichkeiten, die der „Gefangene im Battkan" veranstaltet, sollte diesmal einer Art feierlicher Abhaltung des großen Kapitels der germanischen Reformation beiwohnen. Der Gedanke war geeignet, einen Geist, wie den jungen Kaiser, in Versuchung zu führen, denn seine Verwirklichung konnte bedeu­tende Unzutrüglichkeiten mit sich bringen. Dian muß sich hüten, die Gefühle der katholischen Minderheit im Reiche zu verletzen, und andererseits beanspruchen die orthodoxen wie die liberalen Protestanten in gleicher Weise für sich die Erinnerung an die Reformation und an den großen Namen Luthers. Wilhelm II lief also Gefahr, bei der Feier des großen Tages, des 31. Oktober 1517, das Centrum sowohl wie den rechten oder den linken Flügel derjenigen seiner Unterthanen zu verstimmen, die der evangelischen Kirche angehören. Er scheint diese Schwierigkeit sehr geschickt überwunden zu haben. Er hat sich erinnert, daß die Hohenzollern stets über den religiösen Mei­nungen sich gehalten haben und daß sie außerhalb der Formen des strengen Lutherthums und des reformirten Calvinismus ihren Unterthanen eine Art kirchenpolitischer Verständigung auferlegt haben, in der vielleicht weder Wittenberg noch Genf sich wieder­erkannten. Er hat es verstanden, dem Glauben und der Lehre Luthers warmes Lob zu spenden, und es mit einer beredten Befürwortung der Duldung zu verbinden; er hat in größerm Maße als bisher bewiesen, daß der Geist der Versöhnung und Weisheit bei ihm eine Stätte finden kann. Infolgedessen hat diese Feier chren geschichtlichen Charakter bewahrt und war aller Herausforderung und Polemik entkleidet, und das ist wohlthuend für Deutschland, für die öffentliche Meinung und auch für die beiden rivalisirenden Kirchen

* Em Katholikentag soll, wie bas Leipziger Tagebl.' wissen will, in Leipzig geplant fein, bet noch während des November ftattfinben solle. Die Herren Graf Ballestrem, Frhr. v. Schvrlemer - Alst, Dr. Lieber unb anbeie hervorragende Mitglieder der Centrumspanei hätten ihr Erfcheinen zugesagt. Die Direktion deS Kiystallpalastes habe keinen ihrer Säle die einzelnen Gruppen verschiedene Wege einschlagen, die Einen sollten gerade ausgehen, Andere es in einem Bogen versuchen.

Peter Hochfeld mit seinem Trupp stand auf dem rechten Flügel dieser Linie, — wenn wir bei diesem Kampfe gegen die Elemente die AuSdrucksweise von der Feldschlacht anwenden dürfen — feine Aufgabe war es, zunächst foweit als möglich nach rechts, d. h. nach Osten vorzudringen, so das Hauptfeld der Explo­sion zu umgehen unb bann erst nach Noroen und Westen links umzubiegen.

Es war eine ffirchterliche Arbeit, welche die wackren Männer zu überwinden hatten.

Zunächst kamen sie noch , ganz in das von der Ex­plosion zerstörte Gebiet. Hohe Trümmerhaufen müffen sie da übersteigen; die Stützen der Gewölbe sind ge­brochen, und oft rollen wieder von Neuem gewaltige Steinwaffen nach, wenn der strauchelnde Fuß unvor­sichtig anstößt. Hier und da liegen die gräßlich ver­stümmelten Leichen erschlagener Kameraden — aber über allem dem dürfen sie nicht abweichen von dem streng aufgetragenen Befehl: voranzuschreiten — denn es handelt sich um das Leben von Kameraden, die ihrer vielleicht mit Sehnsucht harren.

Sind endlich mit Lebensgefahr auf einer Strecke ganze Berge von Schmt und Trümmern glücklich über­wunden, so ist plötzlich wieder ein Gang vollständig