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Erhöhung auch der Steuer eine Kontingentirung des TabakoaueS.

* Die wissenschaftliche Deputation für das Medizinal- wesen trat gestern unter Vorsitz deS Ministers Dr. Bosse zur Begutachtung des Materials zu dem in Aussicht genommenen Reichsseuchengesetz zusammen.

* Die Generalsuperintendentcn werden zum 8. November zu einer Konferenz nach Berlin berufen, um über den Fall Harnack zu berathen.

* Gestern ist hier die durch hervorragende Land- wirthe verstärkte technische Deputation für das Vete­rinärwesen zusammen getreten. Dieselbe wird sich außer mit der Maul- und Klauenseuche mit der Lungen- seuche und dem Rothlauf beschäftigen. Hinsichtlich der beiden letzteren Krankheiten sind der Deputation Seitens des MmisterS für Landwirthschaft eine Anzahl Fragen vorgelegt worden, welche die Räthlichkeit der Impfung gegen die Lungenseuche und eventuelle Entschädigung der Verluste infolge der Zwangsimpfung, sowie die Einführung einer Anzeigepflicht bei Rothlauf und eventuelle Entschädigung für die Verluste an Rothlauf betreffen.

* Der Kolonialrath nahm gestern folgende Reso­lution en an: 1) In Erwägung, daß nach den Er- fahrungen der letzten Jahre die Schutztruppe in Deutsch- Ostafrika nicht ausreichend erscheint, um wichtige bedrohte Karawanenwege zu sichern und gefährdete Vorposten d:r deutschen Interessensphäre genügend stark zu besetzen, hält der Kolonialrath eS für nothwendig, die Schutztruppe entsprechend zu vermehren und dem­gemäß den Reichszuschuß zu erhöhen. Zugleich spricht der Kolonialrath auS, Laß eS nicht seine Absicht ist, durch die Vergrößerung der Schutztruppe die kriege­rischen Aktionen zu vermehren, sondern, daß er damit erstrebt, die friedlichen Beziehungen zu den einge­borenen Häuptlingen zu entwickeln, dadurch den deutschen Einfluß und die deutsche Herrschaft mehr zur Geltung zu bringen und das Wirthschafisleben zu fördern. Der Kolonialrath empfiehlt besonders von diesen Gesichts­punkten aus organisatorische Maßnahmen zum Zwecke der Vorbereitung der für den Kolonialdienst bestimmten Offiziere, Beamten und Mannschaften. 2) Der Kolonial- rath ist der Ansicht, daß die fortschreitende Entwickelung deS deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes die Auf­wendung größerer Mittel für öffentliche Kulturarbeiten, Wegebauten, Telegraphenanlagen, Hafenanlagen u. s. w. erfordert; insbesondere erscheint es Wünschenswerth, Vorarbeiten zur Anlage einer Eisenbahn in der Rich- tung auf Mywapwa in Angriff zu nehmen. — In einer 3. Resolution ersuchr der Kolonialrath die Regie­rung, die durch das Abkommen mit Frankreich im Jahre 1885 bestimmte Grenze zwischen der deutschen und französischen Interessensphäre im Hinterlande von Kamerun bis zum Tschadsee gegen Uebergriffe zu schützen nnd im Uebrigen dafür Sorge zu tragen, daß auch von Westen her die Ausdehnung nach dem süc- westlichen Theil des Tschadsees gesichert bleibt. — Nach Schluß der EkatSberathung verhandelte der Kolonialrath über einen ihm vocgelegten Entwurf zu einer Verordnung, betreffend das Verbot der Einfuhr fremder Kupfermünzen in Ost-Afrika. Eine weitere Berathung fand über Gewichte und Maße in Ost- Afrika statt.

* 3» fämmtlichen staatlichen ArtilleriewerkstLtten finden jetzt zahlreiche Arbeiterentlassungen statt. Es fehlt den Fabriken an neuen größeren Aufträgen, und es sind solche vorläufig auch nrcht zu erwarten. Namentlich werden betroffen die Schlosser, Schmiede, Holzarbeiter und Sattler. Die Artilleriewerkstätten hatten mehrere Jahre hindurch einen bisher noch nicht erreichten hohen Arbeiterstand.

* Der Buchhalter Eduard Frank, der s. Zt. im Verein mit dem Makler Schwieger tue deutsche Bank um 3 220,558 Mk. geschädigt hat, wurde heute vom hiesigen Landgericht zu 4 Jahren Gefängniß, 3000 Mk. Geldbuße und Ehrverlust auf 3 Jahre ver­ber soeben Angetommenen entschlossen, auf den steilen Leitern heraufzuklettern, welche neben dem für die Förderfchalen bestimmten Raum her von Stockwerk zu Stockwerk von unten bis oben führen.

Da waren sie nun angelangt, todtmüde vom ge­waltigen Aufstieg, wohl zweimal so hoch, als die Thürme des Kölner Domes. Die anderen Kameraden aus der vierten Tiesvausohle harrten noch der Er­lösung. Wie es aber auf der fünften Sohle aus- fehe, wo die Explosion stattgefunden, wußten sie nicht zu sagen.

Nachdem bie Marner diese wichtigen Mittheilungen gemacht hatten, wurde sofort die Einfahrt beschlossen.

Der Inspektor der Grube, der Bergwerksarzt, zwei Steiger und drei oder vier erfahrene Bergleute waren die ersten, welche den noch brauchbaren Förderkorb bestiegen.

Auch der alte Pfarrer von Kohldorf hatte sich an» geschloffen, und alle Vorstellungen, welche der Arzt und der Inspektor machten, daß er bei seinem Alter sich den giftigen Dämpfen nicht aussetzen dürfe, waren fruchtlos gewesen.

„Wo meine Pfarrkinder sind", sagte er, „da bleibe ich auch."

So mußten sie eL denn geschehen lassen, und der kleine Zug setzte sich in Bewegung, langsam und ge-

urtheilt. Schwieger ist bereits ftüher zu derselben Strafe verurtheilt worden.

* Kanu ein katholischer Bischof den Kompe­tenz-Konflikt erheben? Die Frage, ob einem katho­lischem Btschofe das Recht zusteht, durch Erhebung des Konflikts einen ihm unterstellten Geistlichen der gericht­lichen Verantwortung zu entziehen, ist von dem Ober­verwaltungsgericht in verneinendem Sinne entschieden. In einem Strafverfahren, das gegen einen katholischen Geistlichen wegen Veranstaltung einer poli­zeilich nicht genehmigten Prozession (Vergehen gegen § 10 des Vereinsgesetzes vom 10. März 1850) an­hängig war, hatte der Fürstbischof zu BreSlau durch Erhebung des Konflikts eingegriffen, den er da­mit begründete, daß der Angeklagte Grund zu der An­nahme gehabt habe, es handele sich um eine „herge­brachte" Prozession, die der polizeilichen Genehmigung oder Anmeldung nicht bedürfe, und daß er daher in gutem Glauben sich befunden habe. Diesen Konflikt hat der erste Senat des Oberverwaltungsgerichts durch Ürtheil vom 19. Oktober er. als unzulässig verworfen und dem gerichtlichen Verfahren Fortgang zu geben be­schlossen mit folgender Begründung: Die Tendenz deS Konflikts-Gesetzes vom 13. Februar 1854 gehe auf eine Trennung der richterlichen und der Berwaltungsthätig- keit hinaus; deshalb sollten VerwaltungS-Beamte unter bestimmten Voraussetzungen davon befreit fein, sich wegen ihrer Amtshandlungen vor dem Richter zu ver­antworten. Diesen Schutz beschränke daS Gesetz aber auf unmittelbare und mittelbare Staatsbeamte und daS Recht der Konflikts-Erhebung gebe es nur den Staats- Behörden. Keine von beiden Voraussetzungen treffe hier zu. Der Fürstbischof sei keine Staats - Bebö rde, also zur Erhebung des Konflckts nicht befugt. Weiter feien die Geistlichen keine unmittelbaren Staatsbeamten und mindestens feit Erlaß der Verfassung seien sie auch keine mittelbaren Staatsbeamten. Nur soweit ihnen besondere Amts-Funktionen (z. B. die Schul-Aufsicht) vom Staate übertragen seien, könne vor kommendenfalls auch der Konflikt — Seitens der Aufstchts-Bchörde — erhoben werden, nicht aber wegen einer rein geistlichen Amtshandlung.

* Ein beachtenswerthes Wort über die Preffe hat der Hochw. Bischof Dr. Haffner von Mainz m einem am 10. Oktober an die Geistlichkeit der Diözese gerichteten Erlaß gesprochen. „Nach zuver­lässigen Mittheilungen — so sagt der Hochwürdigste Herr — unterliegt es keinem Zweifel, daß im Laufe der letzten Jahre in vielen katholischen Gemeinden sowohl die sogen, farblose, als auch die kirchen- und religionsseindlicke TageSp reffe mehr und mehr Eingang gefunden hat. Neuerdmgs scheinen sogar bedeutende Anstrengungen gemacht zu werden, um den Blättern der bezeichneten Art noch größere Verbreitung zu ver­schaffen. Darin liegt aber eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Abgesehen von dem Geiste der Feindseligkeit und Gehässigkeit, wie er sich in den ausgesprochen kirchenfeindlichen Organen kundgibt, können auch solche Tagesblätter, die den Schein einer gewissen Unpartei­lichkeit zu wahren verstehen, dabei aber auch durch Pikante Mittheilungen, zweideutige Annoncen, sittlich anstößige Unterhaltungslektüre an die Leidenschaften appelliren oder wenigstens die Skandalsucht und Grund­satzlosigkeit befördern, nur höchst verderblich wirken. Diese Presse ist ein Feind, der ohne Unterlaß Diel» fähige« Unkraut auf den Acker Gottes fäet. Sie bildet eine Macht, die Tag für Tag zerstört, was die Seel­sorge mühsam aufzubauen sucht. Dazu kommt, daß durch die Verbreitung der schädlichen Presse diejeni- genBlätter, die mit vielen Opfern zur Ver­tretung und Vertheidigung der katholischen Grundsätze gegründet wurden und ihre Aufgabe iw Kampfe für die Rechte unbFrei» heilen der Kirche mit Muth und Ausdauer erfüllt haben, vielfach beeinträchtigt wer­den. Ich erkenne dankbar die Opfer Willigkeit an. mit spannt der Dinge harrend, die dort unten sich zeigen würden.

Kein Wort wurde gesprochen, nur die Lippen des greifen Pfarrherrn murmelten leise Gebete, während die Augen der Bergleute starr auf die Grubenlichter gerichtet waren, ob nicht ein plötzliches Aufflackern ober Trübwerden das Zeichen gebe zur schleunigen 9kückkehr.

Dabei rollten sie vorsichtig vor einer Spindel eine lange Kordel ab, welche oben mit einer Schelle in Verbindung stand und mit welcher man nöthigen Falls das Zeichen zum Halten und zur Rückkehr geben wollte. Endlich kam der Zug auf der vierten Tief­bausohle an. Aber es wurde nur ein kurzer Halt gemacht und den hier befindlichen Männern mit- getyeilt, daß ihre Hinaufbeförderung alsbald er­folgen könne. Dann ging es weiter bis zu der untersten Sohle.

Aber ach, welch ein Anblick bietet sich hier dar!

Massive eiserne Träger sind zerbrochen, wie dünne Stäbchen, schwere Balken liegen in tausend Theilchen zersplittert und das ganze Gewölbe ist eingestürzt.

Zwischen den grauenvollen Trümmern aber sind, wie vom Säemann hingesäet, schwarz verkohlte mensch­liche Leichname, und darunter zerstreut liegen zerschun- dene und zerschmetterte Gliedmaßen: — ein gräßlicher

welcher Geistliche und Laien seit Jahren die größeren und kleineren katholischen Blätter unterstützt und ge­fördert haben. Angesichts der stets sich steigernden Ausdehnung der kirchenfeindlichen, antichristlichen und atheistischen Presse erscheinen jedoch erneute An­strengungen dringend geboten. Indem ich die Aufmerksamkeit des Hochw. Klerus hierauf lenke, gebe ich ihm anheim, auf den Konferenzen, eventuell in be­sonderen Besprechungen und unter Zuziehung einsichts­voller Laien ober bestehender Organisationen, der Frage näher zu treten, wie der Verbreitung kirchenfeindlicher und farbloser Preßorgane in katholischen Gemeinden entgegengewirkt und die Verbreitung der be­stehenden katholischen Blätter wirksam ge­fördert bezw. die Uebelstände beseitigt werden können, die derselben entgegenstehen."

* Heide (Holstein), 25. Okt. Der „Fall Har- uack" fängt auch in Schleswig-Holstein an, die Ge- müther zu erhitzen. Während die orthodoxe Partei für das apostolische Glaubensbekenntniß eintritt und dasselbe das ewig bleibende Fundament der christlichen Kirche nennt, will die liberalifirenbe Richtung die Kirche von dem obligatorischen Gebrauch deS „soge­nannten" apostolischen Glaubensbekenntnisses befreit wissen. Die freisinnigen Blätter bieten natürlich ihren ganzen Anhang auf, um der letzteren Idee beim großen Publikum Eingang zu verschaffen. In allen Tonarten wird für den „freien" Protestantismus geschrieben und geredet. Da Schreiber dieser Zeilen nicht daraus klug werden konnte, fragte er einen alten, erfahrenen Mann, was unter „freiem Protestantismus" zu verstehen fei und der antwortete: „Ja, sehen Sie, das ist so ein neues Heidenthum." Der Mann hatte nicht so ganz Unrecht.

* Trier, 28. Okt. Die Nachricht, daß Herr Dechant Müller in Remagen zum Weihbischof auSersehen sei, ist, der .Trier Landesztg/ zufolge, unbegründet.

• Hamburg, 27. Okt. Was eine Epidemie allein an einmaligen und außerordentlichen Ausgaben kostet, daS lehrt die Uebersicht, welche der Hamburger Senat an die Bürgerschaft alS Begründung für die Noth- wendigkeit einer „lemporairen" Anleihe zugehen ließ. Zur Fertigstellung von Baracken und Feldlazarethen hat die Bau-Deputation verausgabt 612,400 Mk., die EinrichtungS- und Betriebskosten beliefen sich auf 1,195,700 Mk. Der Bau provisorischer Leichenhäuser hat 67,600 Mk., die Kranken- und Leichentransporte 294,000 Mk., die Desinfektion 560,000 Mk , die Wasserversorgung 240,500 Mk., die vorläufige Unter­bringung von Waisenkindern, Reconvalescenten und Evacuirten 97,500 Mk. beansprucht. Sonstige Aus­gaben, wie Errichtung eines provisorischen hygienischen Instituts, Aerztehonorar, Beerdigungskosten, Druck- und Bureau-Kosten, Ausgaben in den Landgemeinden, wurden in Höhe von 238,900 Mk. geleistet. Der Gesammtbetrag beläuft sich auf 2,886,800 Mk. Hierzu werden noch die vermehrten Ausgaben für die Waisen- und Armenpflege hinzukommen, welche den JahreShauS- halt Hamburgs für die nächste Zeit erheblich belasten werden.

Ausland.

* Der Schiedsspruch deS französischen Minister­präsidenten Soubet in der Carmauxer-Angelegenheit be­friedigt die Arbeiter von Carmaux hauptsächlich um deswillen nicht, weil nach demselben die in Albi Der» urteilten Bergarbeiter nicht wieder eingestellt werden sollen. Die Arbeiter haben deshalb den Schiedsspruch abgelehut und setzen den Streik fort.

* Die griechische Regierung hat wegen deS Erb» streits mit Rumänien eine Note an die Mächte ver- schickt, in welcher sie schiedsrichterliche Entscheidung wünscht. Die rumänische Regierung hält dagegen an dem Standpunkte fest, daß die rumänischen Gerichte in der Sache allein zu entscheiden haben.

* Die Antwortnote der Pforte auf die russische

Anblick, der dem alten Pfarrer die Hellen Thränen in die matten Augen treibt.

Doch jetzt ist keine Zeit zum Betrachten und Weinen. Hier am Eingang ist nichts mehr zu retten; doch vielleicht sind in den entfernteren Gängen noch kostbare Leben, die bange nach Erlösung schmachten, an diese muß vor Allem gedacht werden. Der Pfarrer und der Arzt bleiben also an dem Schacht postirt, während ein Mann wieder den Korb besteigt und das Zeichen zur Auffahrt giebt, um den oben Harren­den Nachricht zu bringen und weitere Retter herab­zurufen.

Der Inspektor mit den Bergleuten aber macht sich sofort an das Absuchen der Trümmer, und die Nach­kommenden schließen sich ihnen an.

Bor Allem gilt eS, zu erforschen, von welcher Ge­gend die Explosion angegangen und wo vielleicht noch etwas zu retten ist.

Die wackeren Männer achten dabei keiner Gefahr. Einzelne tragen Blechkästen. in welchen ihnen ver­mittelst langer Gummischläuche fortwährend frische Luft zugepumpt werben tarnt, und haben RettnngS« maSken vor dem Gesicht, um dem Schlimmsten trotzen zu können; sie werben bann fortgeschickt, um bas Felb erst zu untersuchen, worauf bie Änbereu folgen.

(Fortsetzung folgt.)