den Payer mit seinen Gründen und Gegengründen für Zulassung der Männer - Orden in Württemberg aufführte, wobei er „manches faule Ei auftrat". Payer habe sich seiner Zeit bei seinen Wahlreden gegen ein Ausnahmegesetz erklärt, wie eS gegen die Jesuiten be- steht und für dessen Aufhebung einzutreten versprochen. Begrüßungen waren eingelaufen von Bischof v. Hefele und Bischof Haffner, einem geborenen Horber, worin dieselben der Versammlung den bischöflichen Segen er- theilten, Erzabt Wolter (Beuron), sowie von verschiedenen Volksvereinen. Dem Kloster Beuron wurde der Wunsch, auch über die hohenzollern'sche Grenze hinaus zu wachsen, zugesagt. Die Schwarzwälder können stolz sein auf diesen Tag.
Ausland.
* Rom, 24. Okt. Nach angeblich verläßlichen Meldungen wird der Papst in dem am 10. Dezember ab- zuhaltenden Konsistorium 4 italienische und 9 ausländische Kardinäle ernennen; aas Ungarn sollen Primas Baszary, dann Erzbischof Samassa von Erlau und Erzbischof Csaszka von Kalocsa zu Kardinälen ernannt werden. Auch der Wiener Nuntius Galim- berti wird Kardinal. In Deutschland soll Erzbischof Stablewski von Posen, nicht Fürstbischof Dr. Kopp von Breslau, mit dem Kardinalshut bedacht sein.
* Die Anregung zur Gründung einer katholischen Centrumspartei in Portugal ist einer Meldung der ,Pol. Corr.' zufolge vom Vatikan ausgegangen. Im Auftrage des Papstes habe der Nun- tiuS in Lissabon Msgr. Domenico Jacobini die Bildung einer katholischen Centrumspartei in Portugal, ähnlich der in Deutschland bestehenden, angeregt. Dieser Anregung wurde Folge gegeben, und die der Mehrzahl nach dem Adel von Oporto angehörenden Persönlichkeiten, welche die Bildung einer derartigen Partei in die Hand genommen haben, formulirten bereits das Programm derselben. Im ganzen Lande werden nun Versammlungen veranstaltet, um die Katholiken zu einer regen Betheiligung an den politischen Wahlen zu Gunsten der Konstituirung einer Centrumspartei zu bestimmen, welche in erster Linie für den Schutz der religiösen und kirchlichen Interessen einzutreten hätte.
* Dem Könige von Griechenland wurden von dem deutschen, französischen und italienischen Gesandten und dem in Athen weilenden spanischen Botschafter in Konstantinopel aus Anlaß seiner bevorstehenden silbernen Hochzeit Glückwunschschreiben der betreffenden Staatsoberhäupter überreicht.
* In den süd- und mittelamerikanischen Republiken löst ein Aufstand immer den andern ab, zumal ist es Argentinien, was noch immer nicht zur Ruhe kommen kann. So wird wieder einmal von einem Aufstand in der argentinischen Provinz Corrientes gemeldet, der großen Umfang anzunehmen scheint, denn in nicht weniger als drei Distrikten der Provinz haben die Aufständischen zu den Waffen gegriffen. Ebenso finden in der Provmz Santiago del Estero fortgesetzt Zu- sammenstöße zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen statt, wobei es auf beiden Seiten an Tobten und Verwundeten nicht fehlt.______________
Pilgerziige nach Palästina.
Vor wenigen Tagen ist, wie unfern Lesern bekannt, die Ersenbahnstrecke von Jaffa nach Jerusalem, die stärksten Mauern und Gebäude bekommen Sprünge und Risse oder stürzen vorzeitig ein und bergt mehr.
Selbstverständlich muß das Getriebe in einem solchen Bergwerk auf's Genaueste ineinandergreifen, und zwar theilr sich dasselbe im Allgemeinen in die Hau- und in die Schlepparbeit.
Das „Hauen" wirb von den sogenannten „Häuern", meistens den älteren, kräftigeren Leuten verrichtet, und zwar hauptsächlich des Nachts und im „Gedinge", d. h. im Akkord, indem eine Kameradschaft von mehreren Mann den Abbau eines gewiffen Theiles auf gemeinsame Rechnung übernimmt. Je nach der Mächtigkeit des Flötzes in knieender, gebückter, oft auch liegender Stellung arbeiten sich dann die Knappen in „den Kohl" — so heißt es in der Bergmannssprache — hinein und brechen und hämmern mit ihrem Werkzeug. dem „Ge- zähe", los, was immer nur brauchbar erscheint. Das» Schießen mit Pulver und Dyiamit, welches sonst beim Bergbau eine so groß? Rolle spielt, ist im Kohl wegen der Feuersgefahr meistens verboten.
Die „Schlepparbeit" wird hauptsächlich des Tages über von den „Schleppern", meist jüngeren Leuten, welche im Taglohn arbeiten, verrichtet. Die losgehauene Kohle wird auf kleine vierräderige Wagen, die sägen. „Hande", geladen und diese entweder, wo genügender Fall vorhanden ist, durch das eigene Gewicht mit einer Bremse weiter befördert, oder auf Schienen, welche überall liegen, in kleine Züge formirt und von Pferden bis zum Schacht gezogen. Hier werden die Wagen mit den Kohlen auf die großen Förderkörbe gest-llt und von der gewaltigen Dampfmaschine an einem dicken Drahtseil mit Windeseile hinaufgezogen. Oben werden die Wagen von dem Förderkord über die m>.t starkem Eisen- blech beschlagene Bühne hinweggerollt und in den sogenannten „Brecher" entleert, welcher die Kohlen siebt und, nach der Dicke hübsch sortirt, gewöhnlich direkt in die unten stehenden Eisenbahnwagen, Transportschiffe
erste in Palästina, dem Verkehr übergeben worden. Diese Thatsache wird, abgesehen von allen andern Folgen, auch ihren Einfluß auf die Pilgerzüge zum heiligen Land geltend machen. Denn nunmehr ist die Beschwerlichkeit einer solchen Pilgerfahrt wesentlich verringert, da gerade die Landreise von Jaffa nach Jerusalem mit großen Mühen verknüpft war. Die Eisenbahn bewältigt diesen Weg in vier bis für Stunden, während er früher eine Tagereise kostete. Von Köln aus wird Jerusalem in sieben bis acht Tagen zu erreichen sein, indem man mit der Eisenbahn durch den St. Gotthard in einem und einem halben Tag nach Genua, von dort mit einem Dampfer in fünf Tagen in Port Said, in einer Nacht von Port bis Jaffa und von da in wenigen Stunden nach Jem- salem gelangt. '
Für den Aufenthalt in der heiligen Stadt und für den Besuch von Bethlehem, St. Johann, Jericho, dem Taufstein im Jordan und des Tobten Meeres werden zwei Wochen anzusetzen sein.
Bon Jerusalem kehrt man mit der Eisenbahn nach Jaffa zurück und fährt von dort mit einem Dampfer nach Kaifa am Berge Karmel, waS in einem Tage abgemacht werden kann. Von Kaifa gelangt man mit Wagen auf der neuangelegten Straße in fünf bis sechs Stunden nach Nazareth. Für den dortigen Aufenthalt und den Besuch von Kana, dem Berge Tabor und dem See Genesareth genügen sechs Tage völlig.
Die Rückreise wird von Nazareth nach Kaifa mit Wagen von cort an Jaffa und Port Said vorbei mit einem Dampfer nach Genua und mit der Eisenbahn nach Köln in acht Tagen zu bewältigen sein. Somit dürfte für die ganze Wallfahrt die Zeit von fünf Wochen ausreichen, und werden die Reisekosten eine Summe von 800 Mark schwerlich überschreiten, während bisher die Reise zum heiligen Lande mit den deutschen Karawanen neun Wochen dauerte und eine Summe von 1500 M. erforderte.
Freilich wurde bisher mit der Pilgerfahrt nach Palästina ein Besuch Aegyptens und Italiens verbunden. Wer aber dazu Lust, Zeit und Geld hat, dem ist es beim vorstehenden Plan nicht verwehrt, auf der Rückreise von Port Satd aus Alexandrien, Kairo u.s.w. zu besuchen oder von Alexandria aus über Neapel eine Roinfahrt zu unternehmen. Dagegen hat der oben angegebene Reiseplan den besonders hervorzuhebenden und nicht zu unterschätzenden Vorzug, daß die Landreise von Jerusalem nach Nazareth, welche wegen des vier Tage lang dauernden Reitens und wegen der auf freiem Felde in Zelten zu verbringenden Nächte die allergrößte und am meisten abschreckende Beschwerlichkeit bietet, ganz in Wegfall kommt. Daher ist wohl sicher vorauSzusehen, daß in nächster Zukunft auch die Katholiken Deutschlands sich in größerer Anzahl als bisher zur Wallfahrt nach Palästina entschließen werden. Denn einestheils ist im katholischen Deutschland das Interesse für das heilige Land durch den Verein vom hl. Grabe und den Palästina- Verein mächtig geweckt und gehoben worden, andern- theils aber Hot letzterer Verein auch für liebevolle Aufnahme, sorgfältige Pflege und umsichtige Leitung der deutschen Pilger im heiligen Lande durch seine zu Jerusalem, am Berge Karmel und am See Genesareth gegründeten, von deutschen Schwestern und Priestern geleiteten Anstalten vortrefflich gesorgt. Bei dieser
und andere Verkehrsmittel entleert. Die leeren „Hunde" gehen dann auf demselben Wege wieder zur Grube zurück wo sie von Neuem angefüllt werden.
Indessen dehnt sich ein Bergwerk nicht bloß auf einer einzigen Fläche aus, sondern so lange noch Aus- sicht auf Erfolg ist, wird der Schacht immer tiefer getrieben und ein Stockwerk unter dem andern angelegt, so daß eine Grube oft sechs, neun oder mehr solcher zählt. Dieselben heißen im Gegensatz zu den flachen „Stollen", welche nur wagerecht in einen Berg hinein getrieben werden, „Tiefbauwhlen" und weiden wie die Stockwerke eines Hauses, aber in umgekehrter" Reihenfolge, nämlich von oben nach unten, als erste, zweite, dritte u. s. w. Tiefbausohle unterschieden.
So ungefähr sieht der Wirkungskreis aus, welchen der Bergmann sich tief unten im Bauche der Erde erschließt. Aber die Arbeit gegen das Gestein ist eS noch lange nicht allein, welche dabei seine Kräfte in Anspruch nimmt. Er hat auch noch viele andere Fährlichkeiten zu überwinden, welche ihm von den Elementen drohen.
Vor Allem ist das Wasser ein gefürchteter Feind. Eine Grube ist ja ein gar gewaltiger Brunnen, in welchen von allen Seiten unzählige Quellen und Bächlein fließen und münden; ja manchmal brechen von oben ganze Flüsse Plötzlich, durch einen unglücklichen Hieb angehauen, durch das Erdreich herein und „ersäufen" die Grube. Da gilt es also, Tag und Nacht das flüssige Element einzudämmen, zu leiten und schließlich mit mächtigen Pumpwerken herauszupumpen.
Und weiter kriechen feindliche Berggeister aus den verborgenen Spalten des Gesteins und suchen mit gif. tigen Dünsten und Gasen die Sinne des Bergmanns in Betäubung zu hüllen, aus der er nimmer erwacht. Oder schlagende Wetter brechen loL: eine kleine Reibung an dem Stein, ein unvorsichtiger Funke von Licht, em Schlag, ein Ruck wie von tausend explodiren- den Pulverfässern — und das Werk von langen Jah-
VorauSsicht dürfte eS sich empfehlen, daß der Vorstand des Palästina-Vereins diese Angelegenheit in die Hand nehme und auf der diesjährigen General-Ber- sammlung, welche am 20. November d. I. zu Bonn stattfinden soll, den Bereinsgenossen mittheile, ob er gesonnen fei, seinerseits die Einrichtung von Pilgerzügen nach dem heiligen Lande in die Hand zu nehmen.
Stadt, Provinz und Aachbargeüiet.
Fulda, 27. Oktober.
* Der Gnadenakt des Kaisers, welcher aus Anlaß der Geburt der Prinzessin-Tochter am Geburtstage der Kaiserin und Tauftage der Prinzessin zu Gunsten von mehr als 400 weiblichen Personen, die sich gegen die Strafgesetze vergangen haben, erlassen worden ist, ist, wie wir von amtlicher Seite erfahren, im hiesigen Amtsgerichts - Bezirk Niemand zu TheU geworden. Die Amnestie erstreckt sich nicht allein, wie nachträglich verlautet, auf Gesängniß-, Haft- und Geldstrafen, für Uebertretungen und Vergehen, sondern auch auf schwere Verbrechen und dafür verhängte lange Zuchthausstrafen. So sind z. B. aus dem Weiber- Zuchthause in Sagan am Samstag früh zwei Verbrecherinnen entlassen worden, von welchen die eine wegen Beihilfe zum Gattenmorde zu lebensläng, kicher, und die andere wegen Meineides zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt war.
* Im Regierungs-Amtsblatt wird Folgendes bekannt gegeben: Als Eisenbahn - Uebergabestationen für cholerakranke oder choleraverdächtige Reisende sind in der Bekanntmachung vom 5. v. Mts folgende Orte bezeichnet: Kassel (mit Bettenhausen), Treysa, Marburg, Hanau, Fulda, Bebra, Eschwege. Diesen Elsenbahnstationen treten im hiesigen Regierungsbezirk noch die nachstehenden hinzu: Hofgeismar, Frankenberg (Hessen-Nassau) und Schmalkalden, wogegen Niederhone in Fortfall kommt.
* Als eine sehr nützliche Anstalt hat sich, worauf wir wiederholt aufmerksam machen, die seit zehn Jahren dahier bestehende Sparkaffe des Vincenz - Vereins erwiesen, welche im letzten Jahre (Rechnungsjahre) an Spareinlagen 4050 Mark eingenommen und davon kürzlich 3773 Mk. 50 Pfg. an etwa 70 Einleger mit Zinsen ausgezahlt hat. Daß die Auszahlung der Ersparnisse im Spätherbst erfolgt, wo allerlei Winter- vorräthe angeschafft werden müssen, wirkt für viele Familien sehr wohlthätig. Die Benutzung wird da- durch erleichtert, daß schon Einlagen von 50 Pfg. an in jeder Woche angenommen werden.
* Die Hausbesitzer machen wir darauf aufmerksam, daß bei eintretendem Frostwetter solche Wafferleitungen, welche dem Einfrieren ausgesetzt find, abgestellt und entwässert werden müssen; dabei ist zu beachten, daß für Luftzutritt in die betreffenden Leitungen geforgt wird, was durch O ffnen der Zapfhähne zu erreichen ist. Kann die Luft in die Rohrleitung nicht eintreten, so findet eine Entleerung nicht oder nur theilweise statt. Wer über die Einrichtung seiner Wasserleitungs- anlage nicht vollständig im Klaren ist, thut am besten, den Installateur zu Rathe zu ziehen, der ihm die Anlage ausgeführt hat. Das Aufthouen eingefrorener Leitungen muß mit Vorsicht und Sachkennlniß ausgeführt werden und geschieht ebenfalls am besten durch
ren ist dahin, in Trümmern und Scherben, unter denen Hunderte von zerschmetterten Leichen begraben liegen. In den meisten Fällen liegt gleich nach der Explosion das Gestein wieder ruhig; öfters aber auch entzünden sich mächtiger Lager von Kohle oder dem noch gefährlicheren Schwefelkies. Daan ist jeder Löschungsversuch umsonst und Jahrzehnte und Jahrhunderte lang brennt und glüht es in dem Gebirge.*)
Kein Wunder daher, daß der Bergmann Alles daran setzt, um die giftigen Gase und „dösen Wetter" aus der Grube zu entfernen und gute Lebenslust hineinzuleiten. Durch Wetteröfen, Wettertrommeln und Wetter« Maschinen wird fortwährend von Außen frische Luft bis auf die unterste Sohle hinabgeleitet. Dort wird dieselbe sodann durch Wetterktten, d. h. Röhren von Holz oder Zink, durch Wetterthüren und -Vorhänge richtig vertherlt, bis zu den einzelnen Betriebspunkten geführt und dann, allmälich aufsteigend, wieder nach Außen gepumpt.
Nur Eine ist, die dem Knappen freundlich beisteht in dem Kampfe gegen alle diese feindlichen Gewalten: das ist seine Lampe. Sie ist nicht nur fein Auge, bei dessen Verlust er blind und hilflos verloren einhertappt in der ewigen Finsterniß der unterirdischen Gewölbe, sie ist auch sein zuverlässigster Warner bei herannahender Gefahr.
(Fortsetzung solrt.l
*) Fast alle Steinkohlengebiete weisen solche „Erdbrände" auf. Bei Planitz unweit Zwickau brennt ein Steinkohlen-Berg- wcrk schon mehrere Jahrhunderte. Der „brennende" Berg bei Dudweiler im Saarkohlen-Revier, welchen Goethe im Jahre 1780 besucht und beschrieben hat, entzündete sich 1660. Heute noch erscheint bei feuchtem Wetter der Berg tote in eine Dampfwolke gehüllt, der Pflanzenwuchs ist wegen der Hitze des Bodens sehr verkümmert und in größerer Tiefe soll man in dem Sande noch ein Ei sieden können. Die Eisensteingrube Friedrichssegen bei Ems kann seit dem 18. Januar 1890 wegen eines wahrscheinlich in Schwefelkies ausgebrochenen Brandes nicht mehr befahren werden.