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19. Jahrgang

Donnerstag, den 27. Oktober 1892.

JM 247

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* Die Begründung der Milttiirvorlage hebt, wie schon erwähnt, hervor, daß durch'Gesetz vom 11. März 1887 die Friedenspräsenzstärke bis LI. März 1894 auf 468,409 Mann festgestellt ist. „Diese wurde demnächst durch Gesetz vom 15. Juli 1890 vom 1. Oktober 1890 ab auf 486,983 Mann erhöht, mit dem 1. April 1894 ist sonach die gesetzliche Neu­regelung nöthig. Inzwischen hat die militärpolitische Lage sich zu unsern Unguusten verschoben und fordert durchgreifende Maßregeln. Das Uebergewicht, das wir in der Vergangenheit der von uns zuerst eingeführten allgemeinen Wehrpflicht verdankten, ist geschwunden, denn wir sind mittlerweile in der Durchführung dieser Pflicht von unsern Nachbarn überholt worden. In Frankreich ist durch Gesetz vom 15. Juli 1889 die allgemeine Wehrpflicht in durchgreifendster Weise zur Vollendung gebracht. Die französische Friedens­präsenzstärke der letzten drei Jahre beträgt durchschnitt­lich 519,000 Mann, die Rekrutenquote für 1890 rund 230,000 Mann, die Zahl der in 25 Jahrgängen — nach Abzug von 25 pCt. Ausfall — vorhandenen, ausgebildeten Mannschaften rund 4,053,000 Mann. Gleich rastlos arbeitet Rußland, dessen Friedens- Präsenzstärke 1889 rund 926,000, 1892 bereits 987,000 Mann betrug. Nur etwa 100,000 Mann der Soll­stärke stehen in Asien. Die Rekrutenquote 1891 be­trägt rund 281,000 Mann, wovon etwa 24,000 auf Asien fallen. Die Zahl der ausgebildeten Mannschaften beträgt in 23 Jahrgängen — mit 25 pCt. Ausfall — rund 4,556,000 Mann.

Solchen Verhältnisfen gegenüber haben wir nur ein Mittel unsere Sicherheit und Unabhängigkeit zu bewahren: die volle Ausnutzung unserer na­tionalen Wehrkraft. Es muß eine Organisation geschaffen werden, welche alle wirklich Diensttauglichen aufnimmt, dann erst kann in der Erwärtung, daß eS gelingt, die Armee in ihrer Tüchtigkeit zu erhalten, Deutschland einem Angriff mit Ruhe entgegensehen. Voraussetzung hierfür ist, daß wir die bisherige schritt- weife Weiterentwickelung unserer Organisation auf­geben und den großen, gerechten patriotischen Grund­gedanken unserer Wehrverfassung soweit durchführen, alS es die personellen, wirthschaftlichen und finanziellen Kräfte deS deutschen Reichs gestatten. Das einfachste Mittel dazu bestände darin, neue Verbände in ent­sprechendem Umfange zu schaffen, aber die Kosten, die dafür beansprucht werden müßten, würden zu der finan­ziellen Leistungsfähigkeit des Reiches in keinem Ver- hältnisse stehen. Es bleibt daher nur die Lösung üb­rig, den bisherigen Rahmen möglichst zu erhalten, aber innerhalb desselben entsprechend mehr Wehrfähige aus­zubilden. Zu erreichen ist dies nur durch Ver­kürzung der aktiven Dienstzeit. Es ist dies kein Bruch mit der Vergangenheit; im Grundsatz soll die verfassungsmäßige dreijährige Dienstpflicht aufrecht erhalten werden, aber für durchführbar wird eine kürzere Dienstzeit bei den Fußtruppen ge­halten, insofern durch die Organisation die Sicherheit geboten wird, die Ausbildung intensiver zu gestalten alS bisher. Zu diesem Zweck werden einerseits die

Im Wetter geschüttelt.

Eine Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach.

(13. Fortsetzung.)

Bor Allem aber drängt sich jedem verständigen Beschauer der Gedanke auf: Wie, auf welche Weise und in welchen Zeiträumen ist das Alles so wunder­bar geworden? — Doch da bleiben uns die tobten Steine die Antwort schuldig. Eines allein rufen sie laut: nur die allmächtig ordnende Hand eines ewigen Gottes kann die ganze herrliche Natur in's Dasein gerufen haben, welche uns rings umgibt, befestigt durch die heiligen Worte, welche Moses vor vielen hundert Jahren niedergeichrieben hat:

hereschid darah Elohim et ha-schamaiim ve et ha- arez.

„Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde!"

Freilich hat es zu allen Zeiten Menschen gegeben, welche den Worten der hl. Schrift widersprochen haben und sagten: „Die Materie ist ewig; die Welt und ihre wunderbaren Gesetze sind durch Zufall gewor­den." —

Diefe wollen also das Werk über den Meister, das Gesetz über den Gesetzgeber stellen. Lohnt es sich, sie zu widerlegen? Die heilige Schrift fügt von ihnen

Etatsstärken erhöht, andererseits Formationen geschaffen werdm müssen, die dm Truppen einen Theil der bis- herigen Arbeit abnehmen. Wenn unter gewöhnlichen Verhältnissen die Mannschasten der Fußtruppen nach zweijähriger Dienstzeit zur Disposition beurlaubt werden sollen, so muß doch die Möglichkeit gewahrt bleiben, Leute in den Fällen des § 18 des Militär- strafgesetzbuches eintretendenfalls bis zum Ablauf des 3. Jahres im Dienst zurückbehalten zu können. Der erforderlichen größern Freiheit in der Bewegung bezüglich der Friedenspräfenzstärke entspricht die Feststellung einer Maximal- und Normalziffer nicht mehr; denn es wird zur Zeit der Rekruteneinstellung eine höhere Präsenzstärke erforderlich als im spätem Verlauf deS EtatSjahres, weil bei der Rekrutenein­stellung der entsprechende Prozentsatz vom Nachersatz gleichzeitig mit herangezogen werden muß, damit nicht etwa eine noch weitere Verkürzung der Dienstzeit für Nachzustellende eintritt, deshalb wird von der Fest­setzung der Friedenspräsmzstärke als Maximal- und Normalziffer abzugehen und auf eine bestimmte Reihe von Jahren eine Durchschnittsziffer an Mannschaften — Gemeinen — festzusetzen sein, für deren Unterhalt der Staat die Mittel auf jeden Tag des Jahres aus­wirft.

Daneben sollen die nöthigen Stellen für Unter­offiziere, wie schon jetzt die Offiziere, Aerzte und Beamten durch den Etat jährlich aufgefordert werden. Eine Rekrutenvakanz im bisherigen Sinne fällt fort, daher auch die Rückrechnung der entsprechenden Er- sparnissr. Diese sollen eben die Mehrkosten einer zeit­weiligen höheren Durchschnittsstärke decken. Sieben­jährige Perioden können unter dm zeitigen Verhält­nissen nicht festgehalten werden, fünfjährige entsprechen den Volkszählungen und dm parlammtarischen Wahl- Perioden, sie gewährten den HeereSeinrichtungen auS- reichmde Stetigkeit.

Mit der Verstärkung des Heeres und der Ver­kürzung derDimstzeit müssm natürlich neue organi- satorische Ergänzungen eintreten und zwar Er­weiterung des Kadettenkorps sowie der Unteroffizier- Schulen und der Unteroffizier-Vorschulen, ferner Er­höhung der Kapitulantenlöhne und Einführung einer Kapitulantenhandgeldes. Außerdem sind Maßregeln zur Förderung der Ausbildung bei dm Truppen mit verkürzter Dienstzeit nöthig, z. B. Erhöhung der Ge­fechts- und Schießübungsgelder und der UebungSmuni- tion für Handwaffen. Auch sind Mittel zur sachgemäßen Ausbildung der Offiziere des Beurlaubtenstandes je nach dessen Anwachsen erforderlich. Die Ausbildung der Ersatzreservisten im heutigen Sinne sällt weg, doch bleibt die Einrichtung bestehen, um z. B. körperlich minderwerthige Leute im Verwaltungs- und Kranken­dimst auSzudilden.

Bei einem zukünftigen Rekruten-Bedarf von rund 235,000 Mann wird Deutschland unter Zurech­nung von 9000 Einjährig-Freiwilligen, in 24 Jahr­gängen in Bezug auf die Zahl der ausgebildeten Mannschaften, von dem in der Bevölkerungszunahme begründeten Anwachsen der Dienstfähigen abiehen und nach Abzug von 25 pCt. Ausfall mit rund 4,400,000 nur: „Der Thor spricht in seinem Herzen: eS ist kein Gott!" *)

Und die ganze schöne Welt, wie er sie so herrlich gestaltet, und Alles, was auf ihr wächst und Samen trägt und sich auf ihr regt, erzählt Moses weiter,

*) Hier und da begegnet man der Meinung, die neueren Forschungen auf naturwissenschaftlichem Gebiete vertrügen sich nicht mit der Darstellung der Bibel, weil Gott keine Augen, Ohren, Hände rr. habe und deshalb auch nicht von einem „Kneten aus Lehm", „Einblasen des Athems" und einem „handwerksmäßigen Tagewerk" von 24 Stunden cc. geredet werden könne. Nichts verräth eine größere Unwissenheit als dies. Jedes christliche Schulkind weiß aus seinem Katechismus, daß von den Augen, Ohren und Händen Gottes nur bildlich gesprochen wird, und wer wollte wagen, an den Bericht der sechs Schöpsungstage den Maßstab unserer eigenen menschlichen Bcschränkheit anzu­legen, bei Demjenigen, vor welchem Tausend Jahre wie ein Tag! Die gläubige Wissenschaft hat sich von jeher mit diesem Problem befaßt, und zwar stets in einer Weise, welche auf der Höhe ihrer Zeit stand. So hat z. B. schchi der Kirchenlehrer St. Augustinus (354—430 n. Chr.) sein ganzes Leben mng sich mit diesem Gegenstand Befaßt und darüber nicht weniger als drei Arbeiten verfaßt, worin er theilweije den neuesten Descendenz - Theorien .ganz ähnliche'Ansichten ausspricht. Das, was die Kirche zu glauben gebietet, ist mir: daß Gott die Welt erschaffen; wie er sie erschaffen, darüber stehe Jedem sein Urtheil frei. (Man vergleiche hierüber M. Rasch, St. Augustinus und der Mosaische Schöpfungsbericht. Frankfutter zeitgem. Broschüren, Band X, Heft 5. Franks. Föffer Nachf. 1889.)

Mann Frankreich, das an der äußerstm Grenze der Heranziehung feiner Wehrfähigen angelangt ist, bereits um etwas überflügeln und hinter Ruß­land nicht mehr erheblich zurückbleiben. Diefe vergleichenden Zahlen geben allerdings keinm abfolut richtigen Anhalt für die Stärke der Armem im Felde. Soweit irgmd angängig, werdm ältere Jahrgänge von der Verwendung auf dem Kriegsschau­platz selbst ausgeschlossen werden. Entscheidmd ist bei einem solchen Vergleich die Stärke der einzelnen Jahr­gänge. Derjenige Staat, der in den einzelnen Jahr­gängen die Ueberlegmheit der Zahl besitzt, kann mit einem verhältnißmäßig jungen Heere in dm entscheiden­den Kampf eintreten. Der Gegner muß auf erheblich ältere Jahrgänge zurückgreifen. In dieser Lage befinden wir uns gegenwärtig. Die geplante HeereSverstärkung kommt in erster Linie der Infanterie, Feld- und Fuß- Artillerie zu Gute. Die übrigen Waffen sind nur so­weit betheiligt, als es ihre kriegerische Verwendung und Ausbildung fordert. Von der Neuschaffung höherer Stellen soll thunlichst abgesehen werden. Die Ver­stärkung der Infanterie soll durch Errichtung vierter Bataillone bewirkt werden, denen wesentlich die Aus­bildung sämmtlicher Diensttauglichen zufällt, damit soll zugleich die Durchführung der verkürzten Dienstzeit er­möglicht werden. Bei der Kavallerie ist das Be- dürfniß nach Stämmen für Reserveformationen unab­weisbar hervorgetreten, dem soll in beschränktem Maße Rechnung getragen werdm. Die ziffermäßige Ueber- legenheit der französischen Feld artiller ie muß auch hier berücksichtigt werden. Die Verstärkung der Fuß- artillerie ist gemäß den veränderten Aufgabm, welche dieser Waffe zufallen werdm, in Aussicht genommen."

So wäre denn nunmehr das Geheimniß gelüstet. Nach dem elften Blick auf den Inhalt der Vorlage mag Mancher erleichtert anfgeathmet haben. Setzt sie doch die Friedenspräfenzstärke auf nur 492,068 Mann an, was, da die bisherige Stärke feit 1890 schon 486,983 Mann beträgt, eine Erhöhung von nur 5085 Mann auSmachm würde. Das wäre nach Sage der Dinge eine angenehme Ueberraschung gewesen; hatte man doch bisher immer von Erhöhungen um 90,000, 75,000 und 60,000 Mann gehört.

Doch gemach! Bei näherem Zusehen ergibt sich em anderes Bild. Soffen schon die Motive, obschon sie dm Kostenpunkt in Ziffern nicht angeben, auf eine gewaltig höhere Zahl schließen, so ergibt sich diese mit erschreckender Deutlichkeit, wenn man das kleine ,Kunststückchen" entlarvt, das sich in den Angabm der .Köln. Ztg.' findet. Bis jetzt waren nämlich in die Friedenspräsenzstärke die Unteroffiziere einge­rechnet, während sie bei der neuen Vorlage außer Acht bleiben follen. Da nun die etatsmäßige Zahl der Unteroffiziere 66,952 Mann beträgt, fo ergibt sich schon eine Erhöhung um 5085 -f- 66,952 — 72,037 Mann. Selbstverständlich würde die neue Vorlage aber auch eine Vermehrung der Unteroffiziere bedingen, die nach Angabe des Generals Bogel v. Falkenstein, welche derselbe vor zwei Jahren mochte, als über die Ein- sührnng der zweijährigen Dimstzeit geredet wurde, etwa 12,000 betragen würde. Das macht also eine ge-

übergob Gott dem Menschen, den Er geschaffen nach seinem Ebenbild. Aber der Mensch empörte sich gegen den Herrn und übertrat sein heiliges Gebot. Und da­rum empörte sich auch die Erde gegen den Menschen, und Gott sprach zu ihm: „So sei verflucht das Erd­reich ob Deiner Thai, in Mühen wirst Du essen von ihm alle Tage Deines Bebens, Dornen Disteln wird es Dir tragen und Du wirst essen dar Kraut des Feldes. Im Schweiße Deines Angesichts wirst Du Dein Brot essen."

Ja wahrlich, im Schweiße seines Antlitzes und m schwerer, harter Arbeit ist eS, daß seitdem der Mensch sein Brot essen muß — von Adam's Zeit bis zu unseren Tagen, wo der Bergmann die Erde durchbohrt und ihre unterirdischen Schätze erhebt. Zwar hat der Mensch die Kräfte der Elemente sich unterjocht und zwar vor Allem den gewaltigen Dämon Dampf in seinen Dienst gestellt; auf den Druck des Fingers hebt dieser ihm unendliche Saften, führt ihn mit Windeseile über Bänder und Meere, wirkt ihm tausendfach die feinsten Gewebe — aber darum ist seines Schweißes nicht geringer geworden: Alles bient bem Menschen nur gezwur gen unb wiberwillig.

Der Dämon Damps rächt sich baffir, daß er dem menschlichen Geschlecht seine Dienste leihen muß. Er