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'M 240 _ Mittwoch, den 19. Oktober 1892. 19. Fahrganz

FulimerW Zeitung

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Deutsches Keich.

Berlin, 17. Oktober.

* Morgen kommt der Kaiser nach Berlin, um der Grundsteinlegung der Kaiser Friedrich- Gedächtnißkirche im Thiergarten deizuwohnen. Bei der Feierlichkeit werden sämmtliche z. Z. in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen des König!. Hauses und der Reichskanzler zugegen sein. Die Grundstein­legung wird neben dem kirchlichen einen vorwiegend militärischen Charakter tragen. Nach derselben begibt fich der Kaiser mit den Prinzen nach Spandau zur Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals. Die Kaiserin kommt nicht mit nach Berlin.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich die königl. Verordnung mittelst welcher beide Häuser des Landtags auf den 9. November nach Berlin berufen werden. Die Verordnung datirt vom 15. d. Mts.

* Die Militärvorlage soll am Sonnabend vom Kaiser unterzeichnet woeden sein.

* Im Befinden des Finanzministers Dr. Miquel, der seit einigen Tagen das Bett hüten muß, tft eine kleine Besserung eingetreten.

* Ueber staatliche Titulatur der Bischöfe schreibt man der ,Schles. Volkszrg.': Die Nachricht der ,Allg. R. daß den katholischen Bischöfen neuerdings das Prädicat „Bischöfliche Hochwürden" beigelegt wird, ist thatsächlich richtig. Zur Ausklärung erlaube ich mir Folgendes mitzutheilen: Das durch Allerhöchste Ordre vom 8. September 1882 von Sr. Majestät zum Gebrauch genehmigte Titulaturbuch legt in dem demselben beige!egten Register folgende Prädicate bei: Bischöfe: Bischöfliche Hochwürden, Kardinal Eminenz, Erzbischöfe: Erzbischöfliche Hochwürden, Fürstbischof (Fürstbischof von Breslau): Fürstsiche Gnaden, Fürst- Erzbischöfe: Fürstliche Gnaden, Weihbischöfe: Hoch­würden. Das vorgedachte Tttulaturbuch ist auf Aller­höchsten Befehl Seiner Majestät rcvidirt und umge­arbeitet und in Neuaufstellung durch Allerhöchste Ordre vom 24. Dezember 1891 zum Gebrauch bestimmt. Nach diesem ist der II. Abtheilung die Nr. XXII (bisher nur im Register) hinzugetrcten. Erzbischöfe erhalten in Schrerben von Behörden das Prädicat: „Erzbischöfliche Gnaden". Bischöfe: Bischöfliche Gnaden, Weihbischöse: Bischöfliche Hochwmden. Dem Fürst­bischof von Breslau gebührt das Prädicar „Fürstliche Gnaden.". Neuerdings hat nun ferne Majestät zu ge­nehmigen geruht, daß die vorstehende Nr. XXII der Abtheil. II dahin zu berichtigen fii, daß „den katholischen Bischöfen in Schreiben von Behörden, an Stelle des in dem neuesten Titulaturbuche vorge­schriebenen Prädicats „Bischöfliche Gnaden", nach wie vor das Prädicar „Bischöfliche Hochwürden" beizu- legen ist.

* Bekanntlich hat die ,Nordd. Allgem. Zig/ vor einigen Monaten mirgetheilt, der Kultusminister lasse es fich am Herzen liegen, zur Aufbefferung der äußeren Lage der Volksfchullehrer eine nicht un­beträchtliche summe in bin nächsten Etat emzustellen.

Herbst und Frühling.

Froh ist Vöglein weggezogen, Sang mir säße Abschiedslieder, Rief: — und dann ist's fortgeflogen — „Lebe wohl, ich kehre wieder!"

„Warum", fragt' ich bang die Rose, „Sinkst du schon vom Zweige nieder?" „Scheid' ich denn so hoffnungslose?

Kommt der Frühling, blüh' ich wieder!"

Ja, der Lenz bringt seine Rosen

Treu zurück und seine Lieder;

Mir nur wird kein Frühling sprossen, Was mir war, kehrt niemals wieder.

Ob die Vöglein kommen, ziehen, Macht mir beides wehen Schmerz, Ob die Rosen welken, blühen, Ewig blutend sieht's das Herz.

Mahnt der Herbst mich an des Lebens

Früh im Sturm verwehtes Glück, Ruf' in jedem Lenz vergebens Jugendblüthen ich zurück. Sch.

Im Wetter geschüttelt.

Eine Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach.

,6. Fortsetzung)

Mutter Köhler hatte ihren Mann lange nicht mit solchem Nachdruck sprechen hören, une soeben, ein Zeichen,

Jetzt schreibt dasselbe Blatt: „Daraus, daß unlängst nicht als Ansicht der ,Nordd. Allgem. Ztg/, sondern als die einer namentlich angeführten Korrespondenz die Wichtigkeit der Deckung des Defizits im Staats­haushalte verglichen wurde mit der Dringlichkeit der Erhöhung der Volksschullehrer-Gehälter, ist, wie wir aus zahlreichen Zuschriften, die uns aus Lehrer­kreisen zugehen, in dieser die Meinung entstanden, in maßgebenden Kreisen sei man über die äußere Lage der Volksschullehrer nicht recht orientirt. Diese Ansicht ist völlig falsch. Auf Veranlassung der Unterrichts-Ver­waltung und unter Theilnahme von Kommissaren des Unterrichtsministers haben im vorigen Jahre sehr ge­naue Ermittelungen über die in den verschiedmen Provinzen oft wesentlich verschiedenen Verhältnisse der Volksschullehrer stattgefunden. Eine Zusammenstellung des gewonnenen Materials wurde den Mitgliedern der Volksschulgesetz-Kommission vertraulich unter­breitet und es bestand unter der letzteren damals die Ansicht, daß daL Interesse der Unterrichts-Verwaltung für die Aufbesserung der Lage dcr Volksschullehrer aus diesen Aufstellungen klar ersichtlich sei. Wenn aber nun auch nicht bezweifelt werden kann, daß man an zustän­diger Stelle völlig orientirt ist über die Verhältnisse der Volksschullehrer in den einzelnen Provinzen, Re­gierungs-Bezirken und Kreisen, so scheint es gleichwohl nicht ganz übelflüssig, ab und zu den Lehrern selbst das Wort zu v-rstatten, um über ihre Lage zu berich­ten. Einer dieser Herren schreibt uns:

„Mit 19 Dienstjahren befinde ich mich in der bevorzugten Stelle eines Küsters und ersten Lehrers auf einem Dorfe im Oderbruch. Das Einkommen der vereinigten Aemter beträgt neben Wohnung und Feuerungs-Entschädigung 900 Mk., wozu noch die staatliche Alterszulage mit 200 Mk. kommt. Das Ge­halt des zweiten Lehrers beziffert sich außer Wohnung und Hei­zung auf 840 Mk. und das des dritten auf 600 Mk. Aehnlich sind die Gehaltssätze überall auf dem Lande. Ich bin weit da­von entfernt, mir ein Gehalt zu wünschen, wie es die hiesigen Wirthschafts - Beamten in Höhe von 2000—3600 Mk. beziehen, ich beneide auch die Steuerbeamten und wirthfchastlichen Aufseher nicht wegen ihres Einkommens von 1500 Mark und darüber, nur dadurch wird bei mir und meinen Kollegen die tiefste Miß­stimmung hervorgerufen, daß wir erst mit den Arbeitern ran« giren. Was ich mir mit meiner Frau und meinen 4 Kindern bei 1100 Mark Einkommen leisten kann, ist aus folgendem Haus­haltsplan ersichtlich." Der Herr Einsender spezifizirt nunmehr seinen gesammten Aufwand ganz g nau; wir geben nur die Hauptzahlen: Nahrung jährlich 629,90 Mk., Kleidung für den Familienvater 103,30 Mk., für die Hausfrau 54,50 Mk, für die 15jährige Tochter 54,50 Mk, für den II jährigen Sohn 30 Mk., für den 6jäh eigen Sohn 25 Mk., für den 3jährigen Sohn 15 Mk. Als Verschiedenes bucht der Herr Einsender 194,50 Mk.; es befinden sich darunter Arzt und Apotheker mit 35 Mark, Bücher, Zeitungen, Beitrag zur Lehrer-Bibliothek mit 15,50 Mk., Lebensversicherungs-Police mit 50 Mark u. f. w. Die Summe der Ausgaben von 1106,70 Mark übersteigt das Jahres-Einkom­men um einige Mark. „Je mehr die Kinder heranwachsen — so heißt es zum Schluß in der Zuschi ist — desto größer wird dieser Unterschied. Es entsteht im Lehrerhaushalts-Etat ein Defizit, welches von Jahr zu Jahr anwächst und dessen Tilgung sich schließlich als unmöglich erweist. Der größte Theil der Lehrer im mittleren Alter hat unter diesem Drucke zu leiden."

Indern Wir dieser Stimme hier Raum geben, schließt die ,Norddeutsche', möchten wir dazu beitragen, Klar­heit über d.e Lage der Volksschullehrer zu verbreiten, daß die Sache wichtig war und wohl überlegt sein mußte.

„Du hast Recht, Mathias," sagte sie endlich nach­dem sie einige Zeit nachgedacht; „und was die Pflicht der Mutter in einem so empfindlichen Fall betrifft, so soll es daran nicht fehlen, darauf kannst Du Dich ver­lassen."

„Meinst Du, daß man Lisbeth gleich die Sachlage klarmachen sollte?" fragte sie; nachdem abermals eine Weile im Nachsinnen vergangen war.

„Das halte ich vorläufig nicht für nothwendig." erwiderte ruhig der Alte, dessen Auflegung jetzt, nach­dem er sich kräftig ausgesprochen hatte, gewichen war. „Man wird abwarten können, welchen Lauf die Dinge nehmen, und wenn Lisbeth von selbst das Richtige findet, so ist eS besser, als wenn sie von Anderen vor­zeitig aufmerksam gemacht wird."

Damit schloß der eiusache Familienrath, zu dem zwar keine Sach- und Rechtsverständigen, wohl aber gesunder Menschenverstand und wahrhafte Rechtschaffen- heit und vor Allem ein festes gegenseitiges Vertrauen zugezogen worden waren, und der deshalb auch voll­kommen daS Richtige getroffen hatte.

Die beiden Alten begaben sich hierauf zur Ruhe und schliefen bald einen Schlaf, wie Leute, die ein guter Gewissen und deshalb keine schlimme Verwicke­lung ihrer Angelegenheiten zu fürchten haben.

Allerdings darf nicht übersehen werden, wie beute viel­fach die Neigung besteht und zu falschen Schlüssen führt, nicht sowohl Einnahme- und Ausgabe-Aufstellungen, als vielmehr solche zu machen, die bis zu einem ge­wissen Grade als Aufwands-Budgets angesprochen werden müssen.

* Lothar Bucher, der erste Gehilfe Bismarcks ist, wie bekannt, am 12. d. M. zu Glion am'Genfer- See gestorben. Bucher war am 25. Oktober 1817 zu Neustettin als Sohn eines Gymnasiallehrers geboren, siudirte die Rechte und war kurze Zeit im Richter­dienste thätig. Im Frühjahr 1848 zu Stolp in die Nationalversammlung und 1849 in die Zweite Kammer gewählt, nahm er hervorragenden Antheil an dem Zu­standekommen organisatorischer Gesetze und war Referent über die Aufhebung des Belagerungszustandes in Berlin, welche Verhandlung die Auflösung der Kammer zur Folge hatte. Wegen deS Steuerverweigerungsbeschlusses 1850 verurtheilt, flüchtete er nach London. Hier wurde er Journalist und schrieb 10 Jahre lang, namentlich für die ,Berl. National-Zeitung' sehr gediegene Be­richte. Nach dem Erlaß der Amnestie kehrte Bucher in sein Vaterland zurück, gerietst aber, da er mit dem in Gemeinschaft mit Rodbertus und Berg erlassenen Programm den Bestrebungen des Nationalvereins ent­gegentrat, mit seinen flüheren politischen Genossen in Konflikt. Nachdem er eine Zeit lang im Wvlff'sche« Telegraphenbüreau in Berlin gearbeitet, wollte er wieder in den Justizdienst treten, um eine Stelle als Rechts­anwalt erhalten zu können, wurde indessen 1864 durch den Ministerpräsidenten v. Bismarck in das auswärtige Ministerium berufen und 1866 zum Vortragenden Rath in demselben ernannt. Seitdem erwarb sich Bucher immer mehr das Vertrauen wie auch die Zuneigung Bismarcks; meist in der unmittelbaren Umgebung des­selben, auch in Varzin und während des Krieges 1870/71 in Frankreich, hatte er vornehmlich die Noten und Denkschriften, welche die deutsche Politik betrafen, zu bearbeiten und bekleidete gegenwärtig die Stelle eines Wirklichen Geheimen LegationsratheS und Vor­tragenden Rathes im Auswärtigen Amte des deutfchen Reiches. Lothar Bucher war früher Sozialdemokrat, die heutigen Führer der Sozialdemokratie betrachten ihn als Abtrünnigen. Bismarck hat aus dem „rothen Lothar" allmählig einen blaffen Nationalliberalen ge­macht, der das Gefäß war, in welches Bismarck beit Inhalt goß. Lothar Bucher war genial veranlagt, hatte ein bedeutendes Wissen auf den wichtigsten Ge­bieten, so daß er die Bismarck'scheu Ideen meisterhast zu verarbeiten wußte. Die hauptsächlichsten Noten Bis- marck's, die preußischen T h r o n r e d e n und die R ei ch s- tagseröffnungsreden unter Bismarck rühren alle von Lothar Bucher her, der Bismarcks Gedankengang traf und richtig wiederzugeben wußte. Hätte Graf Herbert Bismarck sich von Lothar Bucher das Kon­zept mehr korrigiren lassen, hätte er nicht so viele „Dummheiten" verbrochen. Persönlich war Lothar Bucher eine gern gelittene Persönlichkeit. Sein enormes Wissen, sein anspruchsloses und fleundliches Wesm

So wett wir vis jctzr gesehen Haven, war also noch Niemand mit dem Verlauf des diesjährigen JohanneS- festes recht zufrieden. Einer aber hatte eine ganz un­bändige Freude über den heutigen Tag — das war der Sachsenfritz.

Gleich nachdem er so famos als Schiedsrichter am- tirt hatte, hatte auch er sich von seinen fiameraben getrennt und war in das Dors hinunter geeilt, um Franz abzuholen. Er begegnete seinem Freunde, als derselbe gerade wieder von der Köhler'schen Wohnung, welche ganz am Ende deS Dorfes lag, zurückkehrte. Arm in Arm schlugen sie den Weg nach einer Kneipe ein, wo zwar sonst anständige Bergleute nicht ver­kehrten, wo die Beiden aber nicht unbekannt zu sein schienen.

Es war ein kleines, einstöckiges Häuschen mit je einem Fenster rechts und links von der niedrigen HauS- thür, wie auch die anoeren Bergmannshäuser auSzu- sehen pflegten. Aber während sonst die Fenster an diesen Häuschen gewöhnlich mit sauberen weißen Vor­hängen verhängt waren, war hier einS derselben mit Cigarrenkasten und Tabakspäckchen „A- B Reiter," mit Gläsern voll bunten ZuckerS, Flaschen mit grellen Etiketten von verschiedenen Siqueuren, mit farbigen Bändern und Schildchen, welche über ben besten Bezug von Cichorienkaffee rc. rc. Auskunft gaben, von unten bis oben hin garnirt, so baß baS heitere Tageslicht