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Vellage zu Nr. 238 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 16. Oktober 1892.

Columbus.

An ihn erging des Höchsten Ruf in Gnaden: „Auf, rüste dich, zieh' mit der Sonne Lauf „Den Wogenweg zu westlichen Gestaden, „Und thu' der Menschheit neue Straßen auf! „Ein Förd'rer sollst du allem Volke werden, „Zu fernen, reichen Zonen Führer sein.

„Zwiefache Krone — eine hier auf Erden „Und eine droben — sei zum Lohne dein."

Er geht. Gehorsam treu dem Gottesworte Zieht er — mit ärmlichem Geschwader — aus, Im Kampfe bald mit seines Schiff's Kohorte, Bald mit des Meeres Wogenschwall und Braus. Da steigt nach langen schicksalsvollen Wochen, Nach schwerem, ost bedrohtem Segellauf, Als allen, nur nicht ihm, der Muth gebrochen, Am fernen Himmelssaum ein Eiland aus.

Ein Eiland! Selber kann er erst nur denken An neuen Weg zum alten Jnderland.

Wie Großes er der Menschheit werde schenken, Ist seinem kühnsten Sinn noch unbekannt.

Ein neuer Welttheil, nimmer zu durchwandern, Ein Riesenschatz, bis dahin aufgespart, Jungfräulich Land von einem Po! zum andern: Das war die Frucht der kühnen Meeresfahrt.

Was so er, treu dem höchsten Ruf, gefunden, Für Menfchenfleiß ein endlos Arbeitsfeld, Zwei Erdtheilshälsten, doch in Eins verbunden, Die fchenkt bescheiden er der alten Welt.

Und ganz Europa hört's und steht verwundert Und staunend nach dem Fabellande sieht, Wohin — es ist nunmehr schon manch' Jahrhundert Ein Millionenschwarm von Siedlern zieht.

Und fragst du mich: Was ward ihm denn zum Lohn, Ihm, der so selbstlos, fromm und treu wie Gold?

Bei Lebzeit war es die bekannte Krone Aus Dorngeflecht, des schnöden Undanks Sold. Dann aber, als der Dulder hingeschieden, Am Ende schicksalsschwerer Prüfungszeit, Da gab ihm Gott in seinem Himmelsfrieden Die Ehrenkrone der Gerechtigkeit.

Columbus, den im Himmelschor wir grüßen. Erfülle uns mit deiner Heldenschaft!

Dein Beifpiel lehr' uns kämpfen, ringen, büßen, Dein Vorbild stärk' uns, wenn der Muth erschlafft. Und wenn dann einst, nach manchem Sturm hienieden. Vollendet uns'rer Meerfahrt öder Lauf, Dann geh' auch uns in Gottes süßem Frieden Die neue Welt im Jenseits strahlend auf!

vermischtes.

* Der 12. Oktober als Tag der Entdeckung Amerikas durch Columbus wurde an verschiedenen Orten feierlich begangen. Aber der 12. Oktober ist eigentlich nicht der rechte Jahrestag jener epochemachen­den Entdeckung. Man rechnete nämlich im Jahre 1492 noch nach dem Julianischen Kalender, dessen Verbesse­rung schon im 15. Jahrhundert von den Päpsten an­gestrebt und wegen der religiösen Wirren und sonstigen Zeitläufte immer hinausgeschoben, bekanntlich erst im Jahre 1582 von Gregor XIII. gegen den erbitterten Widerstand der Parieistaaten durchgeführt wurde. Die Gregorianische SchaltMethode kommt dem angestrebten Ziele, nach dem wahren tropischen Sonnenjahre zu rech­nen, so nahe, daß der Fehler erst nach drei Jahrtau­senden einen Tag beträgt. Wäre sie schon vor der Ent­deckung der neuen Welt durchgeführt worden, so hätte Columbus an dem Tage, wo er auf Guanahani lan­dete, den 21. Oktober schreiben müssen. Es ist also der 21. Oktober 1892 der wahre Gedenktag. Der Vorschlag, ihn als solchen zu feiern, ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Wollte man statt des tropischen Jahres, welches die Jahreszeiten und damit den Kalender regelt, die wahre Umlaufszeit der Erde um die Sonne, das sogen. fiderische Jahr, nehmen, so käme man auf einen noch späteren Tag, den 26. oder 27. — Der Wochentag des 12. Oktober 1492 läßt sich leicht be­stimmen, wenn man nach dem Julianischen Kalender rechnet, in welchem die Folge der Schaltjahre regel­mäßig weitergeht und nicht, wie beim neuen Kalender, in den vollen Jahrhunderten unterbrochen wird. Es ist nämlich der 12. Oktober 1892 alten Stils gleich dem 24. (nicht dem 21.) Oktober neuen Stils, weil der Unterschied in diesem Jahrhundert 12 Tage

auSmacht; er füllt also auf einen Montag. Nach je 28 Jahren fallen im Julianischen Kalender die MonatS- tage auf dieselben Wochentage, eS war also vor 14 mal 28 Jahren, d. h. vor 392 Jahren oder im Jahre 1500, der 12. Oktober, gleichfalls ein Montag, woraus sich, unter gehöriger Rücksichtnahme auf die Schaltjahre 1500 und 1496, der Freitag als Wochentag des 12. Oktober 1392 ergibt. Die Ausfahrt aus dem Hafen von Palos fand am 3. August 1492, mithin genau 10 Wochen früher, also gleichfalls am Freitag, statt, und über­haupt spielt dieser Wochentag im Leben des großen Entdeckers eine wichtige Rolle.

* Die neue Eisenbahn Jaffa-Jerusalem beginnt nördlich von Jaffa, zieht sich seitab von der Straße nach Lydda und von dort nach Ramle. Daselbst setzt sie über die Straße und biegt etwas gegen das Philister-Land ab, bis sie die Fortsetzung jenes Thales erreicht hat, das man bei Kulonie Hochbintenthal heißt, und zieht sich diesem Thale entlang gegen daS Tere- bebirze hin und erreicht dasselbe beim Dorfe Artus. Nun geht eS durch schauerliche Schluchten daS genannte Thal hinaus, bis daS Thal des PhilippSbrunnenS in dasselbe einmündet. Daselbst verläßt die Bahn das Hauptthal und folgt dem genannten Seitenthal. Bei Bittir beginnt daS Thal sich etwas zu erweitern; bei Ain Jalo mündet die Bahn in die Ebene Re- phaim ein und endet an der deutschen Kolonie, zwanzig Minuten von der Stadt Jerusalem, nach einem Lauf von 85 Kilometer. Die Pilger sind demnach von nun an der Beschwerde der Reise von Jaffa nach Jeru­salem überhoben. Der Umstand, daß diese Bahn wohl kaum den Ertrag abwerfen wird, mag die Gesellschaft veranlassen, ein etwas ausgedehnteres Bahnnetz herzu­stellen und womöglich Anschluß an andere Bahnen zu suchen. — Die Straßenbau-Gesellschaft von Beirut nach DamascuS, die Hafenbau-Gesellschaft in Beirut, die Bahnbau-Gesellschaft von Beirut nach Damascus in den Hauran und die Bahnbau-Gesellschaft von Beirut nach Damascus haben sich alle zu einer einzigen Gesell­schaft vereinigt. Der Hafenbau von Beirut geht der Vollendung entgegen. Die Bahn von Damascus nach dem Hauran ist zur Hälfte vollendet. Die Bahn von Beirut nach DamaScuS ist sicher gestellt und wird bereit Bau bald in Angriff genommen werden. Das Unternehmen scheint ernst gemeint zu sein, da der Be­stand Beirut'« davon abhängt. Die Bahn von Kaipha nach DamakcuS ist, wie eS scheint, weniger ernst ge­meint. Die Genehmigung dazu wurde schon lange er» theilt, die Baukosten sind geringer als bei der Bahn von Beirut nach Damascus. Warum geht es also damit nicht vorwärts? Es handelt sich hier um zwei WettbewerbS-Bahnen, die beide Damaskus und den Hauran ausbeuten wollen. Der Natur der Sache nach hat die Kaipha-DamascuS-Bahn den Vorzug, weil sie billiger ist; allein in diesem Falle muß Akka und Kaipha der Mittelpunkt des Handels in Syrien und Palästina werden, und Beirut sinkt wieder zu seiner frühem Un­bedeutsamkeit herab. Hiergegen wehrm sich die Beimter auS Leibeskräften, und bisher mit Erfolg. Die Bahn wird ihnen zwar keinen großen Gewinn bringen, aber Beirut wird noch ferner der Mittelpunkt des Handels in Syrien und Palästina bleiben. In diesem Falle ist die Bahn von Kaipha nach Damascus nicht lebens­fähig und eS wäre bester, den Plan auf spätere Zeiten zu verschieben und einstweilm Beimt und Jerusalem durch eine Bahn zu verbinden über Saida, Sur, Akka, Kaipha, NapluS und Lydda. — Der Libanon hat einen neuen Gouvernmr erhalten in der Person des Raum Pascha von Aleppo. Man gibt sich der Hoff­nung hin, daß er der Mißwirtschaft, welche der ver­storbene Gouvernmr hinterlasten, ein schnelles Ende bereiten werde. In Beirut wird gestohlen, geraubt und gemordet ohne Ende. Der Mali hat, um dem vorzu- bmgen, daS Kartenspiel in den öffentlichen Lokalen verboten. Regierung und Polizei sind vollständig un­fähig. In DamaScuS regirt jetzt der entschiedene Rauf

Pascha, der früher lange in Jerusalem regierte und dort noch immer vermißt wird.

* lieber die Behandlung der Cholera und über die Er­fahrungen, welche mit den verfchiedensten Behandlungs-Metho den in dem Neuen Allgemeinen Krankenhause zu Hamburg-Eppendorf während der jetzigen Epidemie gemacht wurden, veröffentlicht Professor Dr. Rumpf in der Deutschen Med. Wochenschr/ einen längeren Auffatz. Sein Schlußwort lautet: „Eine spezifische Behandlung der Cholera gibt es bis jetzt nicht. Sollte es ge­lingen, ein Mittel zu finden, welches das Gift im Innern des Körpers vernichtet, ohne die Thätigkeit des Körpers zu schädigen, so wäre ein wesentlicher Fortschritt in der Cholera-Behandlung zu verzeichnen. Die moderne Bakteriologie führt uns vielleicht aus diesem Wege weiter. Wir haben auch in Hamburg mit der­artigen Versuchen begonnen, indessen würde ein Urthell über die Resultate dieser mehr als verfrüht sein. So bleiben denn einst­weilen wesentlich die großen Gesichtspunkte der allgemeinen Thera­pie der Schwerpunkt der Cholera - Behandlung." Als erfolglos hat sich nach Prof. Rumpf die Behandlung mit Salol, Creolin, Salzsäure, Milchsäure, Kresolpräparaten bewiesen, das als Spe- eifikum empfohlene Chlorwasser bezeichnet Professor Rumpf als nutzlos, wenn es nicht gar als schädlich gelten müsse. Die gerb­sauren Darmeingießungen nach Pros. Cantani wurden Ansangs sehr viel angewendet, aber in den frischen und schweren Fällen sehr schnell als nutzlos verworfen; günstiger gestaltete sich der Erfolg in den leichteren Fällen der späteren Zeit. Nach allen diesen ungünstigen Resultaten verwirft Profeffor Rumpf ganz entschieden die Versuche, welche darauf zielen, den Darmkanal bei ausgesprochener Cholera nur zu desinfiziren. Die einzige ge­nügende Behandlung, welche somit übrig bleibt, ist der Versuch, die causa movens, hier also die Kommazille», aus dem Darm­kanal zu entfernen. Bon diesem Gesichtspunkte aus wandte man von Anfang Colomel (Quecksilber) an und kehrte zu dieser Be­handlung immer wieder zurück, weil ihre Resultate mit der Auf­nahme leichterer Fälle außerordentlich günstig waren im Gegen­satz zu vielen anderen Methoden. DieColomel-Behandlung kommt vor allen Dingen bei der einfachen Cholera-Diarrhoe und dem ersten Stadium der Intoxikation (Vergiftung) in Betracht. Da­neben hat sich für die Fälle des ersten und zweiten Stadiums am meisten das heiße Bad bewährt, welches man bei jedem aber­maligen stärkeren Sinken der Temperatur wiederholte. Versuche, an Stelle heißer Wasserbäder solche von heißer Lust- und Dampf­bäder treten zu lassen, haben sich dagegen nicht bewährt. Neben kleinen Dosen Colomel und heißen Bädern sind stärkende und er­regende Getränke natürlich von Wichtigkeit. Heißer Kaffee und Thee, Wein und Champagner, Injektionen von Kampheröl müssen auf jeder Cholera-Abtheilung vorhanden sein. Was endlich die Behandlung der schweren Cholera-Intoxikation betrifft, so sei nur kurz erwähnt, daß sich hier die von Dr. Sick und Dr. Rieder eingeführte intravenöse Injektion von Kochsalzlösung überraschend erprobt hat; die endgiltigen Erfolge stellen sich auf ca. 25 pCt. und sind günstig, weil es sich um Patienten mit schlechtester Prog­nose handelt.

* Zum Schutz gegen Blutvergiftung und Ansteckungsgefahr gehört mit in erster Linie, daß man sich gehörig seine Nägel rein hält. In dem Schmutze, welcher sich unter denselben an­lagert, befinden sich oft nicht allein allerhand gefährliche Farb­stoffe, sondern auch die verschiedensten Arten von Kokken und Pilzen; besonders häufig findet sich hier der höchst giftige Schim­melpilz vor. Bringt man nun irgend eine wunde Stelle des Körpers, die so unbedeutend sein kann, daß man kaum eine Ahnung von ihr zu haben braucht, mit diesem Schmutz in Be­rührung, so ist natürlich eine Ansteckung sehr bald erfolgt. Und wenn die hierdurch hervorgeruseue Entzündung auch in den meisten Fällen gutartig verlaufen mag, so kann doch auch der Ausgang, je nach den Umständen, ein sehr folgenschwerer sein, wenn er nicht gar tödtlich verläuft. Jedenfalls ist in der jetzigen Zeit der Epidemien Vorsicht und Reinlichkeit doppelt angebracht.

(Im Kolleg.) Professor (vortragend): „Der Stoff bleibt, meine Herren, nur die Form wechselt." — Suff (leise zu Bum­mel): „Das ist doch sicher nicht wahr; beim vollen Maßkrug z. B. wechselt der Stoff, aber die Form bleibt.

* Im Koupee. Reisender: „Dars ich ranchen, gnädiges Fränlein? Sollte Sie meine Cigarre geriiren, so werfe ich sie sofort hinans!" — Fräulein (entsetzt): „Mich?!"

Literarisches.

In den uns soeben zugehenden Liefernngen 31—35 von Karl May's Reiseerzählungen werden wir in „Die Schluch­ten des Balkan" geführt, wo der Verfasser mit den räube­rischen Arnauten in die gefährlichsten Konflikte geräth und um ein Haar fein Leben einbüßte. Nur der unerschrockenen Trene seines „Hadschin Halef" verdankt er Leben und Rettung aus einer der gefährlichsten Situationen seines abenteuerlichen Lebens. Die vorliegenden Hefte sind, wenn möglich, noch interessanter als die früheren in Asien spielenden. — Wir hören von der Verlagsbuchhandlung — Fr. E. Fehsenfeld in Freiburg i. B. — daß zum Weihnachtsfeste außer diesem vierten Bande auch noch der fünfte und sechste „Durch das Land der Skipe­taren" und „Der Schut" für alle Verehrer Karl May's fertig gestellt werden sollen, so daß die erste Serie dieser einzig da­stehenden Erzählungen dann fertig vorliegt. Dieselbe wird den Gesammttitel „Im Schatten des Grobherrn" führen und mit in erster Reihe stehen, wenn es zum Weihnachtsfeste gilt, ein schönes Werk für HauS und Familie anzuschaffen.

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